Premiere! Ein Software-Test auf Kopfbox. Ungewöhnlich und Neuland für mich. 
Also fangen wir mal mit Grundsätzlichem an.
Ich nutze seit langer Zeit zuhause ausschließlich Apple Rechner, bin also quasi mit iTunes fest verdrahtet. Und ehrlich gesagt habe ich mich super damit arrangiert. Meine Geräte synchronisiere ich mit der Mac Software Chronosync. Das klappt super, meine Workflows sind darauf abgestimmt und ich vermisse nichts.
Meine Wiedergabegeräte sind wahlweise mein über USB angeschlossener JDS Labs „The Element“ oder über AirPlay der Yamaha R-N500 – wenn ich über die Lautsprecher hören möchte.

Was iTunes nicht kann ist HiRes oder auch FLAC. Da ich hier und da FLAC Dateien besitze, musste früher oder später eine andere bzw. zusätzliche Lösung her.

Also schaut man mal, was es so gibt in dem Bereich. Audirvana ist mir schon früher immer mal aufgefallen, jedoch hatte ich keinen wirklichen Bedarf an einer Zusatzsoftware. Nun hat sich das aus oben beschriebenen Gründen geändert und ich werde mir Audirvana als einen der beliebtesten HiRes-Player der Mac-Gemeinde endlich näher anschauen.

Audirvana Plus 3 kostet aktuell 64€ (zzgl. Steuer) und ist als 15-tägige Demoversion erhältlich, so daß jeder die Software vor dem Kauf ausprobieren kann.


Was ist Audirvana Plus?

Der Hersteller selbst beschreibt seine Software als „audiophilen Musikplayer für den Mac“, mit dem die bestmögliche Musikwiedergabe ermöglicht wird. Erreicht werden soll das mittels folgender Features:

  • Bit-genaue Wiedergabe
    Die Abtastrate wird automatisch an die der Originaldatei angeglichen. So wird gewährleistet, daß ein unverändertes Signal wiedergegeben werden kann. Die interne Signalverarbeitung erfolgt mit 64-Bit.
  • Signalverarbeitung auf kürzestem Wege
    Direkter Zugriff auf Audiogeräte, Direct Mode, Ganzzahlmodus
  • Full Memory Play
    Vor der Wiedergabe wird komplett gewandelt, um mögliche Interferenzen zu minimieren.
  • Sytemoptimierer
    Dieser schaltet unbenötigte Systemdienste während der Wiedergabe ab, um weiter Störquellen auszuschalten 
     
  • Izotope
    Sample Rate Konverter mit 64-bit.
  • Plug-In Support
  • Natives DSD Streaming
  • Mehrkanal Audiowiedergabe

Da fragt man sich doch, ob diese ganzen technischen Finessen auch hörbar sind. Mehr dazu später in der Klang-Sektion…


Formate

Audirvana punktet mit einer großzügigen Kompatibilität und versteht sich bei der Wiedergabe auf eine ganze Menge Dateiformate.
Für iTunes sind das:

  • WAVE
  • AIFF
  • Apple Lossless
  • M4A
  • MP3

Ebenso werden folgende Formate, welche nicht von iTunes unterstützt werden, abgespielt:

  • FLAC
  • WavPack
  • APE
  • CueSheets
  • DSD
  • DSDIFF
  • SACD ISO
  • MQA

Darüberhinaus lassen sich ebenfalls folgende Streaming-Dienste integrieren:

  • TIDAL
  • Qobuz
  • HIGHRESAUDIO VirtualVault

Funktionen

Die Oberfläche von Audirvana erinnert an iTunes. Links gibt es ein Übersichtsfenster für verschiedene Listen und Streamingquellen, rechts im großen Übersichtsfenster findet sich die Musikbibliothek:

Was dort angezeigt wird und nach welcher Sortierung lässt sich einstellen. Zuerst war ich etwas irritiert, daß es nur die Filter „Alben“ und „tracks“ im Übersichtsfenster gibt. Nach Interpret oder Album-Interpret kann man aber aus dem Menü heraus suchen. Ich habe die Sortierung erst nach „Jahr“, dann nach „Album“ gewählt. „Zuletzt hinzugefügt“ steht auch zur Verfügung. So hat man alle aktuellen Alben direkt im Blick. Die Navigation erfordert doch eine kleine Umstellung, aber nach kurzer Gewöhnungsphase hat man das verinnerlicht und kommt gut damit zurecht. 

Wer Audirvana lediglich als „Motor unter der Haube“ nutzen möchte, der findet im iTunes-Modus einen geeignete Variante. Hier übernimmt die Software lediglich alles technische, einzig die Bedienung erfolgt aus iTunes. Audirvana bietet in diesem Modus die Möglichkeit einer Darstellung, welche an Audiokomponenten erinnert:

 

A+ Remote

Mit A + Remote wird eine iOS App angeboten, mit der man Audirvana bequem fernsteuern kann. Für manche bestimmt eine interessante Lösung. Für mich eher nicht, da ich – wenn ich Musik mit dem iMac höre – sowieso am Schreibtisch sitze.


Klang

Wer hier liest der weiß, daß meine Berichte immer äußerst subjektiv ausfallen. Ich lege keinen Wert auf Frequenzverläufe und Messkurven. Klar, so etwas hilft hier und da bei der Vorauswahl von Kopfhörern, da man anhand dieser Messungen schonmal ganz grob die Stärken und Schwächen bzw. besonderen Betonungen besser einschätzen kann. Am Ende aber entscheidet ausschließlich der persönliche Geschmack ob einem ein Kopfhörer gefällt oder nicht.
Dieser Bericht unterscheidet sich dann noch einmal grundlegend von meinen gewohnten Testberichten, denn am Ende werde ich auch keine Bewertung abgeben. 

Nun aber endlich zum Klang!
Die schonungslose Antwort zu obenstehender Frage „Klingt Musik mit Audirvana besser?“ muss ich in zwei Teilen beantworten.
Einerseits muss ich feststellen, daß ich keine Unterschiede hören kann zwischen iTunes und Audirvana – wenn ich MP3-Files in 256kbit/s (VBR) abspiele. 
Aber: Vergleiche ich verlustfreie Musik – in meinem Falle ist das FLAC Format zum Einsatz gekommen – mit dem gleichen Stück als MP3, so höre ich schon Unterschiede.
Keine gewaltigen, aber doch ist recht deutlich zu hören, daß alles noch feiner – eben höher aufgelöst – klingt. Vor allem Klarheit und Transparenz gewinnt teils sehr deutlich an Qualität und Detailfülle.
Angespornt von diesem Ergebnis wollte ich es wissen: Hört man auch in iTunes einen Unterschied zwischen MP3 in 192kbit/s und Apple Lossless? Und siehe da: Ja, auch hier höre ich ganz feine Unterschiede. 
Und jetzt: Höre ich Unterschiede wenn ich das gleiche Format – Apple Lossless – jeweils in iTunes und dann in Audirvana abspiele?
Die Antwort: Hier muss ich leider vollständig passen. Nein, ich kann da keine Unterschiede mehr hören. Kann an meinen Ohren, der fehlenden Musikbildung oder den Aufnahmen liegen, das kann ich nicht beurteilen. 

Eine Klangverbesserung zu iTunes konnte ich bei aller Anstrengung nicht hören.
Trotzdem hat die Software ihre Daseinsberechtigung: Denn einen Unterschied zwischen MP3 in 192kbit/s und FLAC konnte ich hören. Wer also FLAC Dateien mit dem Mac hören möchte, für den ist Audirvana durchaus eine interessante Lösung.


Fazit

Wer hochauflösende oder verlustfreie Musik in Formaten wie FLAC, DSD oder gar MQA am Mac hören möchte, kommt mit iTunes nicht weit und braucht Zusatzsoftware.
Neben kostenlosen Lösungen werden auch einige kostenpflichtige angeboten. Audirvana Plus gehört zu letzteren und ist mit aktuell 76,16€ (Stand: 11/2017) auch eine der teureren. Die Software bietet viele Konfigurationsmöglichkeiten, besitzt aber trotzdem eine aufgeräumte und intuitive Oberfläche, mit der man schnell umgehen kann.

Wer hochauflösende Musik am Mac genießen will, findet in Audirvana definitiv eine gute Lösung.

Hier könnt ihr eine Audirvana DEMO herunterladen und/oder die Software kaufen.