Sonarworks True-Fi | Testbericht

Auf der diesjährigen CanJam bin ich auf das Programm Sonarworks True-Fi aufmerksam geworden.
Diese Software hat es sich zur Aufgabe gemacht, verschiedene Klangsignaturen von Kopfhöreren zu „normalisieren“, sprich: Den Klang so zu veränden, daß der
Frequenzverlauf einer Geraden nahekommt. Die Überlegung dahinter: Auf diese Art kann man jeden Kopfhörer dem Ideal einer neutralen Klangwiedergabe näher bringen.
Kann man denn dann auch aus einem 15€ Kopfhörer einen High-Ender machen?
Wir wollen mal sehen.

Hintergrund

Kopfhörer nehmen auf die Art und Weise, wie Musik unser Gehör erreicht, massiven Einfluss. In der Regel klingt eine CD über Kopfhörer X anders, als sie im Studio beim finalen Mix über Studiobox Y geklungen hat.
Aus diesem Grunde ist es schwierig – und nichtsdestotrotz erklärtes Ziel von Audioholikern – die Musik so unververfälscht wie nur irgend möglich abhören zu können.
Dies erfordert, geht man von einem noch voll funktionsfähigem Gehör aus, idealerweise einen linearen Frequenzverlauf. Es gibt Kopfhörer, deren Frequenzkurve dieser Idealvorstellung schon sehr nahe kommen. Die allermeisten betonen aber bestimmte Frequenzbereiche, während sie andere vielleicht ein wenig absenken. True-Fi hat die Eigenschaften von aktuell 112 verschiedenen Kopfhörern genau gemessen, um diese wieder „umkehren“ zu können.

Es geht aber noch einen Schritt weiter: Zusätzlich kann der Freuquenzverlauf dem altersbedingten Hörverlust entsprechend weiter korrigiert werden indem nach Eingabe des Alters die entsprechenden Bereiche angepasst werden. Das ist natürlich nicht individuell sondern auf Durchschnittswerten basierend.

Funktion

Kalibrierung ist das Schlüsselwort. Soll heißen: Durch Messungen werden die Abweichungen von der Nullkurve eines jeden Kopfhörers gemessen.
Sind diese bekannt, kann man sie über eine Softwarelösung wieder „rückgängig“ machen. So klingen per se extrem bassbetonte Kopfhörer wieder neutral.
Okay, soweit die Theorie. Funktioniert das auch in Real Life?

Grundsatzfrage: Soll ein Kopfhörer wirklich neutral klingen? Oder haben wir alle unsere Lieblings KH gerade deshalb ausgewählt, weil sie uns mit genau dieser Abstimmung am besten gefallen?
Ich z.B. begrüße es, wenn ich durch den Wechsel von verschiedenen Kopfhörern mit jeweils andere Abstimmung in verschiedene Stimmungen eintauchen kann.

Installation und Setup

Die Installation auf dem Mac geht fix. Danach wird die Ersteinrichtung durchgeführt:

sonarworks_true-fi-8

Die Auswahl an hinterlegten Kopfhörerprofilen erscheint zwar groß, ist aber noch recht begrenzt. Von meinen Kopfhörern bin ich nur beim Fostex fündig geworden. Fehlen Kopfhörer, können sie über die Website eingereicht werden und es wird ein Profil erstellt. Das habe ich mit dem Audio Technica MSR7 und dem Beyerdynamic Amiron Home ausprobiert und diese beiden am 21.11.2017 eingetragen. Ich werde berichten, ob/wann die Profile eingestellt wurde.

Praxistest mit Fostex TH-X00

Mangels eigener Messmöglichkeiten muss ich der Software vertrauen und kann nicht kontrollieren, was sie genau macht und ob die Zielkurve, welche mein Fostex per DSP erhält am Ende wirklich eine neutrale ist.
Was mir beim Hörtest aber auffällt ist, daß mir der X00 ohne Anpassung besser gefällt. Denn durch die Linearisierung geht viel vom Charakter des Kopfhörers verloren. Der Fostex lebt vom federnden, subwooferartigen Bass. Und genau hier greit die Software ein und zähmt die  Frequenzen etwa zwischen 30Hz und 400Hz – so ganz genau kann man das in der Visualisierung nicht sehen, da es auf der x-Achse nur drei beschriftete Punkte gibt. Im Gegenzug wird der im Original zurückgenommene Bereich um 3-4kHz angehoben bis 0dB. Das verleiht dem X00 gerade bei Rock und Metal eine „dosige“ Signatur.

Frequenzverlauf Original:

Frequenzverlauf linearisiert durch True-Fi:

Frequenzverlauf angepasst durch True-Fi:

Fazit

Der Ansatz von True-Fi ist durchaus interessant und eröffnet die Möglichkeit, durch Änderung des Frequenzverlaufes mit seinen Kopfhörern näher an „das Original“ heranzukommen.
Ob das für einen selbst der „richtige“ Weg ist und ob das Ergebnis als klanglich „besser“ empfunden wird kann man leicht herausfinden:
Einfach die kostenlose Testversion herunterladen oder das online Tool checken und selbst ausprobieren!