[Werbung] Die bayrische Firma Ultrasone ist international bekannt für hochwertige und klangstarke Kopfhörer für HiFi und Studiozwecke. Ich hatte bereits die Gelegenheit, zwei portable Kopfhörer aus deren heimischer Produktion zu testen: Zum einen den Ultrasone Go!, der sich als hochtransportabler Mobilkopfhörer bewährt hat. Zum anderen den Ultrasone Edition M Black Pearl, ein edler OnEar Kopfhörer aus der Editions Serie. 

Seit ein paar Jahren erst gibt es von Ultrasone auch InEar Kopfhörer. Um das Flaggschiff dieser Bauart geht es heute: Der Ultrasone IQ hat den Weg zu mir gefunden und muss nun zeigen, ob er seinen großen Brüdern ebenbürtig ist – und den Preis von 649€ wert.
Vielen Dank an Ultrasone, die mir den IQ mit zusätzlichem. symmetrischem Kabel für diesen Test zur Verfügung gestellt haben.

Beim Ultrasone IQ handelt es sich um einen Vertreter der derzeit so beliebten Hybrid InEars. Zur Klangwiedergabe werden zwei verschiedene Systeme miteinander kombiniert – in etwa vergleichbar mit einem Zwei-Wege System bei Lautsprechern. Ein 8mm dynamischen Treiber ist für die tiefen Frequenzen zuständig und sorgt – Nomen est Omen – für eine dynamische und tiefreichende Basswiedergabe. Unterstützt wird dieser Dynamiker durch einen balanced Treiber, der naturgemäß seine Stärken in einer detaillierten Mitten und vor allem Höhenwiedergabe ausspielen kann. So verbindet man die Stärken von zwei Prinzipien, ohne mit den Schwächen leben zu müssen – denn diese werden ja durch die diametralen Stärken des jeweils anderen Systems kompensiert. 


Lieferumfang & Technische Daten

In der recht großen Pappschachtel mit aufklappbarem Deckel und darunter liegendem Sichtfenster befindet sich neben dem IQ, der ledernen Aufbewahrungsbox und dem üblichen Zubehör noch ein weiteres Kabel – Ultrasone legt also zwei Kabel bei: Eines mit Kabelfernbedienung und eines ohne. Und meinem Test-Paket liegt über den Standardlieferumfang hinaus  sogar noch ein drittes Kabel bei: Ein balanced Kabel mit 2.5mm Klinkenstecker.

Lieferumfang

  • InEars Ultrasone IQ
  • 2 Paar ComplyFoam TX-100 (M/L), 5 Paar Silikon (S/M/L/M lang/L lang)
  • Kabel mit Fernbedienung
  • 1 abnehmbares Kabel, 1.2m
  • 1 abnehmbares Kabel, 1.2m mit Mikrophon und Fernbedienung
  • Echtleder-Case mit Magnetverschluss
  • 1 Flug-Adapter und ein OMTP-Adapter

An dieser Stelle sei wie gewohnt der Hinweis erlaubt, daß technische Daten i.d.R. nicht allzu viel über die klanglichen Qualitäten eines Kopfhörers aussagen. Trotzdem hier die Auflistung der Specs, direkt von der Ultrasone Website zur groben Einordnung.

Technische Daten

  • Prinzip: 2-Wege-Hybrid BA + dynamisch
  • Frequenzgang: 17 – 21.000 Hz
  • Impedanz: 20 Ohm
  • Empfindlichkeit (@1 kHz, 1mW) SPL: 104 dB
  • Empfindlichkeit (@1 kHz, 0.1V) SPL: 101 dB
  • Maximale Ausgangsleistung (SPL): 114 dB
  • Gewicht: 10 g
  • 2 Jahre Garantie

Verarbeitung & Design

Design ist Geschmacksache. Und ich muss sagen, der IQ trifft meinen Geschmack. Das silberne Metallgehäuse ist robust und optisch ansprechend. Die Faceplate ziert ein goldenes „U“ und der Ultrasone Schriftzug. Hätte ich vor ein paar Jahren noch einen verächtlichen Bogen um das goldene Edelmetall gemacht, so stelle ich nun anerkennend fest, daß mir diese Farbe immer besser gefällt. 
Die Kombination aus mattsilbernem Gehäuse, goldenen Akzenten und silber glänzendem Ultrasone Logo  sieht einfach verdammt edel und gut aus. Ich hatte schon immer eine Schwäche für Bi-Color…

Das Treibergehäuse ist tadellos verarbeitet und gibt keinerlei Anlass zu Kritik. Die kubische Form ist auf den ersten Blick zwar gewöhnungsbedürftig, weist sich aber als unerwartet komfortabel aus.

Die abnehmbaren Ultrasone Kabel kenne ich ja bereits so ähnlich vom Edition M. Und diese fallen mir im täglichen Handling seitdem immer wieder positiv auf, denn sie sind flexibel, trotzdem angenehm dick und haptisch sehr angenehm. Außerdem gibt es so gut wie keine Kabelgeräusche – ein perfektes Kabel!
Sowohl der Gerätestecker als auch die MMCX Anschluss-Stecker sind robust und wertig ausgeführt. Die Kabelversteifung zur besseren Fixierung des Kabels ans Ohr erleichtern das Einsetzen und gewährleisten einen sicheren Halt im Ohr.

Die stabile, quaderförmige Ledertasche aus Leder ist praktisch und unterstreicht gleichzeitig den edlen Auftritt des IQ. Sie ist mit Microfaser ausgeschlagen und bietet genug Stauraum, um auf Reisen z.B. ein zusätzliches Kabel sicher unterzubringen. Der Magnetverschluss hält die Verschlusslasche sicher in Position. 


Tragekomfort

Wieder einmal die Bestätigung: Foamies gehen bei mir überhaupt nicht. Ich mag diese Dinger einfach nicht, bekomme nie einen guten, sicheren Sitz damit auf die Reihe. Ovale Silikontips hingegen passen mir immer sehr gut, so auch dieses Mal. Die mittlere Größe passt perfekt. Gerne hätte ich noch andere Tips aus meinem Bestand getestet, was allerdings aufgrund der dünnen Schallröhrchen nicht machbar war. Die RHA Silikontips – meine Lieblingstips – haben einen größeren Durchmesser. Möglicherweise passen die Tips von Shure oder Etymotic..

Der IQ wird mit Kabel über dem Ohr getragen. Dazu verfügen die Kabel über eine Kabelversteifung in genau dem Bereich, der als Bogen über das Ohr geführt wird. Auf diese Weise sorgt eine anschmiegsame Fixierung für einen sicherer Sitz und einen dauerhafter Seal.

Trotz der eckigen Gehöuseform sitzen die InEars perfekt in meinen Ohren. Auch ein längeres Tragen ist problemlos machbar. Die MMCX Stecker sind drehbar, was das Einsetzen anfangs etwas fummelig gestaltet. Nach kurzer Zeit hatte ich aber den Bogen raus.


Klangqualität

Es ist kein Geheimnis, daß der Ultrasone „Haus-Sound“ polarisiert. Die einen lieben – andere hassen ihn. Ich gehöre definitiv zur ersten Fraktion – der Edition M Black Pearl kommt bei mir fast täglich im Büro zum Einsatz. Aber genau wie dieser, braucht anscheinend auch der IQ eine gewisse Zeit, um sein ganzes Potential freizusetzen. Ich möchte an dieser Stelle keineswegs die Diskussion aufmachen, ob Kopfhörer eingespielt werden müssen bzw. ob es einen solchen Effekt überhaupt gibt.
Fakt ist aber: Der IQ überrasche mich direkt aus der Box mit einem nicht gerade überzeugendem, irgendwie dosigen Sound. Bereits nach wenigen Stunden hat sich die Klangsignatur verändert.

Nach gut 50h „Einspielen“ auf sportlicher Lautstärke stellt sich die Klangsignatur für mich am CMA400i von Questyle folgendermaßen dar:

Die grundlegende Klangsignatur würde ich als moderat-warm/neutral bezeichnen. Der IQ überzeugt durch natürliche und beeindruckend unspektakuläre Musikwiedergabe über das gesamte Spektrum. Er ist kein Detailmonster, legt er doch seinen Fokus eher auf gute, unkomplizierte und entspannende Durchhörbarkeit. 

Bass
Im Bass ist der IQ recht zurückhaltend, ohne aber je langweilig und kraftlos zu klingen. Er bleibt im Grunde immer schön auf der neutralen Seite, ist von plastischer, körperhafter Qualität und schön „griffig“. Für meinen Geschmack dürfte er etwas punchiger sein, das gleicht er aber durch einen hohen Grad an Natürlichkeit wieder aus – man kann nicht alles haben. Sowohl Bassrums als auch gezupfte Bassklänge haben einen lebendigen, saftigen Timbre und klingen kontrolliert und texturiert.

Mitten
Die präsenten und differenzierten Mitten sind definitiv eine der Stärken des IQ und machen ihn zu einem richtig guten Rock- & Metal-InEar. Er verfügt über eine sehr angenehme und natürliche Stimmwiedergabe. Rhytmusgitarren profitieren von einer detaillierten und strukturierten Textur.

Höhen
Viele sagen dem IQ eine Schärfe im Hochtonbereich nach. Das sehe ich bei den meisten von mir gehörten Stücken nicht so – was aber selbstverständlich meiner individuellen Hörgewohnheit geschuldet sein kann. Aber auch mir sind 2-3 Stellen aufgefallen, bei denen mir die Höhen etwas unnatürlich vorkamen. Beispiel: Offen, im 4tel-Takt gespielte Chrashcymbals bei „Élan“ vom neuen Nightwish Album. Gut, hier ist auch die Produktion etwas – sagen wir – suboptimal….

Das waren aber absolute Ausreißer, für mich sind die Höhen definitiv okay – ich finde sie insgesamt auch keineswegs zu übertrieben sondern eher sehr gut im Gesamtfrequenzverlauf integriert – auch wenn schon eine gelegentliche Schärfe wahrnehmbar ist.

Bühne
Der Ultrasone IQ verfügt über eine realistische und glaubhafte Bühnendarstellung. Nicht übertrieben weit, aber ausreichend aufgefächert und räumlich. Ich würde sagen daß er hier im gesunden Mittelfeld agiert.

Separation
Die Separation und Trennschärfe zwischen einzelnen Instrumenten ist ohne Frage gut, dürfte für meinen Geschmack und den aufgerufenen Preis noch einen Tick feiner bzw. genauer sein. Bei manchen Soundkonstrukten muss man schon etwas genauer hinhören, um alle Details zu finden. 

Isolation
Die Isolation ist mit den passenden Tips – unbedingt auf den perfekten Seal achten! – sehr gut. Ich habe den IQ auf einer Zugfahrt getragen und es war sehr angenehm – ein Großteil der Umgebungsgeräusche wurden abgehalten.

Skalierbarkeit
Der IQ ist mit seinen 20 Ω leicht anzutreiben. Trotzdem gewinnt er stationär mit ordentlich Power nochmal einen letzten Hauch Präzision im Bassbereich. Am iPhone finde ich ihn definitiv etwas zu langweilig. An guten DAPs kann er zeigen, was er kann.

Balanced Kabel
Obenstehende  Klangeindrücke sind am normalen Kabel mit 3.5mm Klinke gemacht worden. Der Wechsel auf das mitgelieferte 2.5mm balanced Kabel offenbart erstaunliches. Am CMA400i blüht der Klang nochmals auf: Alles wirkt noch mal definierter und verbindlicher. Der IQ dankt den symmetrischen Anschluss mit einem strafferen Bass mit mehr Kontur und Biss, einer etwas weiteren Stereobühne und besseren Instrumentenseparation – vor allem auch im Bereich der Mitten.

Auch wenn der IQ am iPhone bereits gut zu betreiben ist, so empfehle ich doch dringend den Einsatz an einem potenten DAP und/oder Kopfhörerverstärker und mit möglichst symmetrischem Anschluss – denn erst hier wird das volle Klang-Spektrum abgerufen.


Hörbeispiele

Allen Lande – Come Dream with Me

Stampfender Metal, bombastisch produziert und mit ordentlich Power. Hier spielt der IQ seine natürliche Klangkompetenz aus. Aufgrund der fetten Produktion kann es hier schnell zuviel des Guten werden. Der IQ behält aber die Contenance und hat bei diesem Stück sowohl die fetten Riffs als auch die wuchtigen Drums voll im Griff.

 

Iron Maiden- Can I Play With Madness

Klassiker, 1Million mal gehört. Der IQ ist wie gemacht dafür. Steve Harris´ Bass ist klar und deutlich zu folgen, die Bassrums kicken und klingen schön organisch und natürlich. Die Synthie-Effekte auf den Gitarrenriffs sind sauber texturiert und lebendig. Alles wikrt wie aus einem Guss. 
Selten bin ich beim Soundcheck bei einem Album hängen geblieben, aber die Seventh Son of a Seventh Son habe ich mir direkt komplett reingezogen.

 

Katie Melua – The Bit That I Don´t Get

Jetzt Jazz, Katie Melua. Ruhig. Atmosphärisch.
Auch das macht der IQ sehr gut. Die Besenarbeit auf der Snare kommt sehr detailliert, der Bass ist warm und (druck)voll. Auf der Stimme ein schöner Hall und weite Bühne. Man fühlt sich direkt wie in einem kleinen Jazzschuppen. 

 

Sons Of Apollo – God of the Sun

Endlich hat Mike Portnoy eine neue Heimat gefunden. Nicht daß der Mann unbeschäftigt gewesen wäre seit dem Split von Dream Theater. Aber mit Sons of Apollo hat er jetzt eine richtig fette Sache am Start. Mit dem mir bis dato unbekanntem, aber genialen Gitarristen Ron Thal, Billy Sheehan (Mr. Big), Derek Sherinian (Ex-Dream Theater) und Jeff Scott Soto am Mikro haben sich hier nur echte Persönlichkeiten und begnadete Musiker zusammen gefunden. Musikalisch gibt es feinsten Progressive Metal. Der IQ schafft hier den Spagat zwischen Musikalität und Präzision. Auf der einen Seite klingt die Musik außerordentlich organisch und lebendig. Auf der anderen Seite wird alles sauber, klar und differenziert wiedergegeben. Macht Laune, der IQ!


Weitere Bilder:


Fazit

Der Ultrasone IQ InEar ist ein erstklassig verarbeiteter InEar mit exzellenter Abstimmung. Seine leichte tonale Wärme hindert ihn nicht daran, äußerst präzise und natürlich aufzuspielen. Gerade für Roch & Metal finde ich die sauber ausdifferenzierten Mitten sehr passend. Die teilweise etwas scharfen Höhen muss man aber mögen – Cymbals können schon mal recht aggressiv schneiden – schlechte Aufnahmen verzeiht der stylische InEar nicht. Wer sich damit arrangieren kann und den Ultrasone-Sound mag, der wird im IQ einen extrem langzeittauglichen und faszinierenden Hybrid-InEar finden.

 

 


Ultrasone hat mir den IQ für diesen Test zur Verfügung gestellt. Vielen Dank dafür!

Ultrasone InEar IQ | Bewertung

9.1

Sound

9.2/10

Verarbeitung

9.5/10

Komfort

9.1/10

Preis/Leistung

8.5/10

Pros

  • Toller Klang
  • Beste Verarbeitungsqualität
  • Sehr gute Kabel

Cons

  • Teils scharfe Höhen