Der zweite Teil der Reihe steht an! Es gilt, meinen persönlichen Favorit aus den verschiedenen InEars auszuwählen, welcher schlussendlich das Herzstück der Massanfertigung werden soll. Also: Welches der Modelle soll es werden und welches Design bekommt der InEar.


Das Projekt CIEM – Inhalt

  • Teil 1: Wieso ein Custum InEar?
  • Teil 2: Der Auswahlprozess (Dieser Artikel)
  • Teil 3: Die  Entstehung
  • Teil 4: Das Review

Hören, Hören, Hören!

An erster Stelle steht natürlich die Auswahl des zu meinen Hörvorlieben passenden und meinem Anwendungszweck entsprechenden Modells. Hearos bietet aktuell drei Modelle der PRO Reihe für Musiker und zwei Modelle für den Consumermarkt. Wobei Consumer hier nicht den audiophilen Aufsteiger inkludiert. Es handelt sich vielmehr um massgefertigte Gehäuse im günstigen Preisbereich für Anwender, die mit dem Sitz von universellen InEars Probleme haben.
Auch wenn Hearos die grundlegenden Klangeigenschaften auf der Website beschreibt, so gibt es natürlich keine Alternative für ein ausführliches Probehören. Zu diesem Zweck gibt es ein weitreichendes Partnernetzwerk – die Primeshops – wo man vor Ort alle Hearos Modelle ausprobieren kann. Das können Akustiker, Musikhäuser oder In Ear Händler sein. Dort verfügt der Partner über ein Testkit, welches alle Modelle in einem universellen Gehäuse beeinhaltet. Dort kann man dann probehören, bei Bedarf gleich eine Ohrabformung machen lassen und seinen Wunschhörer konfigurieren. Farbmuster stehen dort nämlich auch zur Verfügung.

Ich habe solch ein Testkit – Hearos nennt sie „Promotion Package“ – direkt vom Hersteller für zwei Wochen bekommen.
Also auf gehts!

Der Auswahlprozess

Das Promotion Package liegt vor mir, die Auswahl ist groß. Insgesamt 5 InEars plus verschiedene Aufsätze und die komplette Farbpalette bestehend aus entsprechenden Farbplättchen. Die Inears der Pro Serie sind in den ebenfalls erhältlichen Unifit Version mit Universalgehäusen im Paket. Die InEars der Freizeitserie sind nur angepasst erhältlich, die Demohörer sind in einem kleinen, zylindrischen Gehäuse untergebracht.

Der Hearos Experimentierkasten enthält im Detail:

  • HEAROS PRO II
  • HEAROS PRO III
  • HEAROS PRO IV
  • HEAROS Bang I
  • HEAROS Boom II
  • Silikontips (TripleFlange/Tannenbaum in zwei Größen)
  • Schaumstofftips
  • Farbscheiben aus Originalmaterial

Alle Hörer sind mit Kabeln von LINUM mit dem vorzüglichen T2 Stecksystem ausgerüstet. Die Kabel konnte ich erst kürzlich hier testen – sie haben mich komplett überzeugt.

So, und wo fange ich jetzt an? Am besten erstmal die „Freizeithörer“: Bang I und Boom II.


HEAROS Bang I

Technik: 1 Wege System
Treiber: 1 Balanced Armature Treiber
Preis: ab 350€
Lieferumfang: HEAROS BANG I + BaX T2 Kabel + Soft-Case mit Karabiner + Microfaser-Beutel + Reinigungstool

Der Bang I ist das Einstiegsmodell in die Welt der angepassten InEars von Hearos. Es handelt sich um ein einfaches 1 Treiber System. Zum Einsatz kommt ein Breitband-BA, und dieser ist – wie oft bei Systemen dieser Art – klanglich nicht wirklich überzeugend. Der Bang I verfügt über keine besonders hohe Auflösung, der Bass dezent, nicht sehr texturiert, schon fast dumpf. Die Höhen wirken auf mich etwas künstlich (Cymbals klingen komprimmiert). Für den Preis gibt es klanglich definitiv unzählige, „bessere“ Alternativen auf dem Markt.

Aber: Wer klanglich keine allzu hohen Ansprüche hat, dafür aber einen angepassten Everyday-InEar zum Sport, Pendeln oder Arbeiten sucht weil ihm die Standardmodelle nicht passen, der dürfte hier gut bedient sein. Manche haben ja grundsätzlich ein Problem mit InEar – drücken, Fremdkörpergefühl – und da könnte der Bang eine Lösung bieten

Für mich persönlich aber heisst das: Da waren es nur noch vier….


HEAROS Boom II

Technik: 2 Wege System
Treiber: 2 Balanced Armature Treiber
Preis: ab 450€
Lieferumfang: HEAROS BOOM II + BaX T2 Kabel + Soft-Case mit Karabiner + Microfaser-Beutel + Reinigungstool

Weiter mit dem Boom II. Technisch schon etwas aufwändiger mit 1x Balanced Armature Tiefton-Treiber 
und 1x Balanced Armature Mittel- und Hochtontreiber. Dadurch wird der Bass deutlich konturierter und der Klang gefällt mir auf Anhieb recht gut. Er spielt ausgeglichen und relaxed, klingt frisch und spritzig in den Höhen. Schlaginstrumente haben einen guten Punch, kommen direkt und präzise. Snaredrums dürften aber gerne noch knalliger sein. Die Auflösung ist deutlich besser und Details in den Mitten sind gut. Insgesamt fehlt ihm m.M.n – gerade für ein Consumerprodukt – aber ein wenig Bassmenge. Was ihn auf der anderen Seite aber wieder für schnelle Metalsachen interessant macht. Dafür ist er dann wiederum nicht definiert genug im Bass.

Am Ende fälle ich hier das gleiche Urteil wie beim Bang I: Der Boom II klingt keineswegs schlecht – im Gegenteil. Mir gefällt er unterm Strich sehr gut. Für diesen Preis gibt es aber m.M.n. bessere Hörer. Die Benefits des angepassten Gehäuses bei einem Consumerhörer in Verbindung mit absolut toller Verarbeitung, einem 1st Class Kabel und der Individualisierungsoption kann aber durchaus einen Kauf rechtfertigen.

Auf dem Weg zu meinem ersten, „richtigen“ CIEM fällt der Boom II also auch raus. Somit kommen wir zur PRO Serie.


Das Unifit Gehäuse der PRO Demos ist recht kompakt gehalten – die Formgebung für mich nicht ganz optimal. Die universellen Gehäuse passen mir nicht gut, es bedarf einiges an Justage, bevor die korrekte Passform gefunden wird. Bei den Silikon-Aufsätzen funktionieren die Triple bei mir gar nicht gut, mit Spinfits wird es besser, aber immer noch ist der Sitz nicht gut. Ohne manuellen Gegendruck verliere ich Seal und damit deutlich an Bassfundament. Erst ein Kürzen der Triple um den ersten Böppel sorgt für einen dauerhaft guten Seal, so daß ich mit dem Testen beginnen kann.


HEAROS PRO II

Technik: 2 Wege System
Treiber: 2 Balanced Armature Treiber
Preis: ab 750€
Lieferumfang: HEAROS PRO II + SuperBaX T2 Kabel + Soft-Case mit Karabiner + Microfaser-Beutel + Reinigungstool

Den Einstieg in die Profi-Welt stellt der Hearos Pro II dar. Als Kabel kommt nun die bessere Version des Linum BaX zum Einsatz, das Super BaX zum Einsatz. Dieses Kabel ist absolut erstklassig. Es konnte mich bereits in einem separaten Test hier vollkommen überzeugen.

Technisch setzt er auf das gleiche Prinzip wie der Boom II. Ich vermute allerdings neben anderer Konstruktion auch andere Komponenten bzw. mindestens eine andere Abstimmung, denn klanglich legt er nochmal eine ordentliche Schippe oben drauf.

Tonal dezent angewärmt, höre ich ein leichtes V-Profil, auch wenn der Frequenzschrieb eher auf angehobenere Mitten schließen lässt. Im Bassbereich ist der IIer etwas angehoben, der Bass ist aber nur mittelmäßig fest. Die Höhen sind angenehm soft und trotzdem ist der Pro II sehr detailliert und recht transparent.

Sehr guter Klang schonmal, könnte ich mir gut vorstellen. Aber schauen wir mal weiter…


HEAROS PRO III

Technik: 3 Wege System
Treiber: 3 Balanced Armature Treiber
Preis: ab 950€
Lieferumfang: HEAROS PRO III + SuperBaX T2 Kabel + Soft-Case mit Karabiner + Microfaser-Beutel + Reinigungstool

Während beim Pro II für den Mitten- und Höhenbereich ein kombinierter Treiber zum Einsatz kommt, gibt es beim Pro III für jeden Frequenzbereich einen separaten Treiber. So kann Bass-, Mittel- und Höhentreiber effektiver arbeiten und die Abstimmung wird über die Frequenzweiche geregelt. Im Vergleich zum Pro II bin ich aber vom IIIer enttäuscht.

Insgesamt ist der Pro III für meinen Geschmack neutraler als der Pro II abgestimmt, wobei mir die Mitten einen Tick zu präsent sind und die Höhen immer noch zu zurückhaltend. Die Bühne ist breiter, die Transparenz und Separation der Instrumente etwa auf gleichem Niveau mit dem IIer. Aber der Bass ist deutlich schlanker als der des Pro II, bei gleicher Qualität.

Ich hatte einen Schritt vom Pro II erwartet. Insofern war ich überrascht, daß mir der Pro III nicht so gefällt. Hier zeigt sich wieder: Hören ist durch nichts zu ersetzen. Würde ich nach den auf der Hearos Seite aufgeführten Frequenzgängen gehen, wäre der Pro III eher nach meinem Geschmack. So ist es genau andersrum.

Der Pro II bleibt also mein Favorit. Was kann das Topmodell, der Pro IV?


HEAROS PRO IV

Technik: 4 Wege System
Treiber: 4 Balanced Armature Treiber
Preis: ab 1.150€
Lieferumfang: HEAROS PRO IV + SuperBaX T2 Kabel + Soft-Case mit Karabiner + Microfaser-Beutel + Reinigungstool

Das aktuelle Topmodell, der PRO IV, verfügt ebenso wie der PRO III über einzelne Treiber für Bass, Mitten und Höhen. Für den Bassbereich kommt sogar ein Doppekammertreiber zum Einsatz. Dadurch wird der Bass zwar nicht fetter, aber deutlich detailreicher als beim IIIer – was mir als Drummer extrem gut gefällt. Der Bass bleibt aber wohldosiert, Bassheads wird das nicht gefallen. Der PRO IV geht auch tief hinab, wenn in der Aufnahme Tiefbass vorhanden ist. Schwierig: Der PRO II hat einen gewichtigeren Bass, der PRO IV dafür den griffigeren, punchigeren und detaillierteren…

Die Mitten sin deutlich angenehmer für mich als beim IIIer, aber immer präsent genug, um Metal-Riffs die benötigte Energie zu geben. Insgesamt ist die Klangsignatur sehr neutral und ausgeglichen, das Imaging ist überaus detailliert und auch die Instrumentenseparation ist nochmals transparenter. Der PRO IV hat auch die beste Wiedergabe von Becken. Cymbals klingen echt und nicht künstlich oder komprimiert. Aber eines ist klar: Der PRO IV ist ein Werkzeug – ein Monitor für professionelle Anwendungen. Und genau deswegen ist er auch zum Musikhören geeignet – wenn man eine neutrale und unverfälschte Wiedergabe bevorzugt.

Ich habe mich entschieden: Es soll der PRO IV werden. Den finalen Ausschlag hat der Bassdrumsound auf dem neuen Long Distance Calling Album gegeben.


Design

Nun, nachdem klar ist welches Modell es werden soll, geht es an die Auswahl des Materials und des Designs. Hearos bietet für die Gehäuse zwei verschiedene Werkstoffe an: Das klassische Acryl und ein spezielles „Thermoflex“. Acryl kennt man als Werkstoff von CIEM auch von vielen Universal Fit Inears. Das Besondere an Thermoflex? Es ist bei Raumtemperatur starr und lässt sich ganz normal ins Ohr einsetzen. Durch Körperwärme wird es dann aber weicher und kann sich noch perfekter ins Ohr anschmiegen. Diese Variante dürfte für Musiker auf der Bühne nochmals eine Steigerung zum normalen Acryl bieten. Ich entscheide mich aber für klassisches Acryl.

Last but not least: Welche Farbe soll der neue CIEM denn haben? Hier beginnt dann die Qual der Wahl. Im Konfigurator stehen aktuell 63 verschiedene Shell- und Faceplatefarben zu Auswahl. Matt, Neon, Pastell, glänzend, mit Glitter…….. Ausserdem Farben für das Logo und die Möglichkeit, ein individuelles Logo aufbringen zu lassen. Zusätzlich kann ein Name aufgelasert werden, bis zu 10 Buchstaben sind möglich. Im Designprozeß kann man sich also umfangreich austoben und seiner Kreativität freien Lauf lassen.

Wie wäre es hiermit?


Wie geht es weiter?
Nachdem meine Auswahl des InEars und das Design halbwegs steht, brauche ich Abformungen meiner Ohren. Das macht im Grunde jeder Akustiker. Der nächste Artikel wird sich also genau darum drehen: Wie komme ich zu einer Ohrabformung?

Ich bin gespannt – und ihr dürft es auch sein!


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