Mit dem AFUL Performer 8S schickt AFUL den Nachfolger eines In-Ears ins Rennen, der in der Szene für einiges Aufsehen gesorgt hat. Der Performer 8 galt für viele als einer der spannendsten Vertreter seiner Preisklasse – klar abgestimmt, technisch stark und mit einem erstaunlich erwachsenen Klangbild. Nun knüpft der neue AFUL Performer 8S genau dort an, geht technisch aber einen leicht anderen Weg. Ob der neue den Erfolg des Erstling fortsetzen kann, das klären wir hier und jetzt.

Inhalt
[Werbung] Der AFUL Performer 8S wurde von mir selbst gekauft.
AFUL Audio
Die Wurzeln der hierzulande bis vor kurzem noch gänzlich unbekannten chinesischen Firma AFUL gehen bereits bis 2018 zurück. Ihren viel beachteten Einstieg in die Welt der IEM konnten sie aber erst 2022 mit dem Performer 5 feiern. Im Test erteilte ihm unser Andi eine absolute Empfehlung. Auch der Performer 8 und der Explorer konnte später im Test überzeugen. Nun schauen wir uns den Performer 8S an.
AFUL Performer 8S
Während der Performer 8 vor allem durch seine Klarheit, seine Detailfülle und Transparenz begeisterte, wirkt der AFUL Performer 8S wie dessen reifere, aber gleichzeitig auch etwas entspanntere Interpretation. Weniger Fokus auf Brillanz – dafür wieder mehr Substanz im Fundament und mehr Körper in den Mitten. Statt der bisherigen Hybridkonfiguration setzt AFUL nun auf eine deutlich komplexere Treiberarchitektur mit insgesamt neun Treibern pro Seite – darunter erstmals auch ein mikroplanarer Treiber sowie ein passiver Radiator.
Dazu kommt eine kleine Besonderheit: Über eine verschließbare Öffnung lässt sich der Basscharakter leicht verändern. Mit dem Performer 8S zündet AFUL also quasi die nächste Evolutionsstufe seiner erfolgreichen Performer-Serie. Nach dem starken Performer 5 und dem audiophil gefeierten Performer 8 setzt der 8S nicht einfach nur einen drauf – er geht konstruktiv neue, aufwändigere Wege. Das Ergebnis ist ein technisch hochambitionierter Quadbrid-In-Ear, der für rund 390€ angeboten wird.

Technik & Konzept
Während viele High-End-IEMs auf klassische Hybrid-Konzepte mit zwei Treiberprinzipien setzen, verfolgt der Performer 8S einen deutlich komplexeren Ansatz. Pro Seite arbeiten neun Treiber (8 aktiv, 1 passiv) in einer aufwendig abgestimmten Architektur zusammen:
- 1 dynamischer Treiber
- 6 Balanced-Armature-Treiber
- 1 mikroplanarer Treiber
- 1 passiver Radiator
Neu ist insbesondere die Kombination aus dynamischem Treiber mit passivem Radiator. Dessen Performance lässt sich durch Schlißen oder Öffnen einer Bohrung im Gehäuse beeinflussen. Wahlweise mit beiliegenden Gummistopfen oder runden Aufklebern (im Auslieferungszustand montiert) lässt sich die Basscharakteristik so minimal an die eigenen Präferenzen anpassen. Besonders spannend: Der zusätzliche Micro-Planar-Treiber bringt eine Geschwindigkeit und Transparenz ins obere Frequenzspektrum, die man sonst eher aus deutlich höheren Preisregionen kennt.
Mit geschlosser Bohrung spielt der AFUL Performer 8S deutlich straffer, druckvoller und kontrollierter. Offen wirkt er minimal wärmer und körperlicher. Die Unterschiede sind hierbei nicht riesig, aber deutlich hörbar. Technisch kommen weiterhin AFULs bekannte Lösungen wie die präzise 3D-gedruckte Akustikstruktur sowie die RLC-Netzwerk-Frequenzkorrektur zum Einsatz.
Dual-Mode Bass – Zwei Charaktere, ein In-Ear
Anstelle klassischer Tuning-Switches oder wechselbarer Nozzles geht AFUL einen simpleren Weg: Der Performer 8S besitzt ein einstellbares Passivradiator-System.
- Geschlossen: Straffer, fokussierter, punchiger Bass mit klarer Kontur
- Offen: Tiefer reichend, elastischer und voluminöser Tiefton mit weicherer Charakteristik
Besonders für Hörer, die zwischen analytischem Hören und emotionalem Genuss wechseln, bietet dies echte Flexibilität und erweitert selbstverständlich auch die Zielgruppe.
Kritik gibt es von mir, da die Gummipfropfen zum Verschließen des Ausgleichslochs sehr klein sind, hier ist Uhrmachertalent gefordert. Ich hatte in meinem Paket zusätzlich einen weiteren Satz Stopfen und auch weitere Aufkleber plus eine Plastik-Pinzette. Die Pinzette war mir aber kaum hilfreich, da das Gummi der Stopfen elastisch ist und die kleinen Biester immer wieder weggeflitscht sind.
Lieferumfang und Verpackung
Bei der Umverpackung hat sich nicht viel geändert. Die Schachtel ist kompakt und ansprechend – von der Sorte, die einen im Laden ins Auges springen würde. Der Lieferumfang kann sich sehen lassen und entspricht weitgehend dem des Vorgängers. Kabel und Case sind aber überarbeitet worden.
Der Lieferumfang ist gewohnt komplett:
- AFUL Performer 8S IEM
- 2-Pin Kabel (wahlweise 3,5 mm oder 4,4 mm)
- Case
- 9 Paar Eartips
- Reinigungswerkzeug
- Bass-Vent-Plugs
- Bass-Vent Aufkleber

Technische Daten
Die technischen Daten seien wie immer nur der Vollständigkeit halber hier aufgeführt.Der Performer 8S kann wahlweise mit 3.5mm oder 4.4mm Stecker/Kabel gewählt werden.
- Impedanz: 26Ω±20%
- Empfindlichkeit: 108 dB @ 1 kHz
- Frequenzgangbereich: 10 Hz – 35 kHz
- Passive Rauschunterdrückung: 26 dB
- Verbindung: 2-Polig 0,78 mm (Kabel wechselbar)
- Kopfhörerbuchse: 3,5 mm oder 4,4mm (nicht Modular, entweder oder!)
- [Quelle: AFUL]
Verarbeitung und Design
Das Design der AFUL Performer 8S ähnelt stark dem des Performer 8. Die Gehäuseform ist quasi identisch, das Design der Faceplate aber natürlich angepasst. Die 3D-gedruckten Resin-Shells sind ergonomisch ausgeformt und erinnern erneut stark an eine Semi-Custom-Passform. Der Sitz ist hervorragend – stabil, dicht, langzeittauglich. Optisch setzt der 8S auf ein vom Planeten Jupiter inspiriertes Streifendesign auf der Faceplate – für mich das gelungenste der Reihe. Die Verarbeitung ist wieder sehr gut und alles macht einen hochwertigen und sauber gefertigten Eindruck. Spaltmaße, fühlbare Übergänge oder scharfe Kanten sucht man vergeblich.

Das Kabel ist eine Verbesserung zum P8 – hier zieht AFUl alle Register. Das nun 6-adrige Kabel ist leicht und flexibel, fällt locker und hat keinen Memory-Effekt. Splitter und Stecker sind aus Metall, vermutlich Alu mit einer hochplanzpolierten Beschichtung in Gunmetal. Sieht auf jeden Fall sehr edel aus und fühlt sich auch so an.

Tragekomfort
Der Tragekomfort der AFUL Performer 8S ist für mich perfekt. Die In-Ears sitzen wie angegossen in meinem Ohr und bleiben auch dauerhaft dort, ohne zu verrutschen. Wer Inears nutzt, der weiß: Schon Millimeter-Bruchteile können den Unterschied zwischen gutem Seal oder Bassverlust sein. Ein Nachjustieren, wie es bei manchen IEM nötig ist, ist hier absolut nicht nötig.
Die Innenseite der In-Ears ist der Concha nachempfunden, was sie noch ergonomischer macht. Ich kann nur für mich und meine Ohren sprechen, aber ich denke, dass die meisten Menschen einen ähnlichen Tragekomfort empfinden werden. Die beiliegenden Tips sind okay, ich empfehle trotzdem bei nicht 100%igem Sitz einmal andere Hersteller, z.B. Spinfits W1 oder final E Tips, auszuprobieren.
Klangqualität
Getestet wurde unter anderem am Cayin RU9 (Test), dem ifi Audio GO blu Air (Test) sowie an verschiedenen DAPs und Desktop-Amps. Der AFUL Performer 8S ist mit rund 26 Ohm Impedanz und 108 dB Empfindlichkeit unkompliziert anzutreiben, skaliert aber doch örbar mit besseren Quellen.
Allgemein
Der Performer 8S bleibt der AFUL-DNA treu: Geschmackvoll bassbetonte Signatur, aber grundsätzlich noch ausgeglichen. Im Vergleich zum Performer 8 wirkt er leicht wärmer, im Obertonbereich etwas entspannter und insgesamt körperhafter abgestimmt. So schlägt er eine nachvollziehbarere Brücke zum ebenso recht warmen Performer 5. Er setzt weniger auf akribische Detailpräsenz, sondern stärker auf musikalische Authentizität. Der Bass gefällt mir bei geschlossener Öffnung besser, da er hier fester, präziser und knackiger wirkt.
Bass
Der Bass des Performer 8S setzt den Fokus deutlich Richtung Subbass. Er reicht tief hinab, liefert spürbaren Rumble und wirkt insgesamt etwas voller als beim Performer 8. Aber auch der Midbass kommt nicht zu kurz, bleibt aber sauber getrennt, ohne in die Mitten hinein zu bluten. Er behält die schnelle Ansprache des Performer 8. Zusätzlich gewinnt er an Körper und Souveränität. Der Bass wirkt etwas weniger „neutral“, sondern etwas organischer. Mit geschlossener Ventilationsöffnung ist er präziser und schneller. Offen bekommt er einen minimal weicheren Charakter mit etwas mehr physischer Präsenz.
Mitten
Hier liegt die größte Veränderung – und vielleicht auch die größte Stärke des 8S. Die Mitten wirken dichter, greifbarer, körperlicher. Während der Performer 8 mit maximaler Klarheit und Offenheit glänzte, wirkt der 8S emotionaler. Die oberen Mitten sind etwas entspannter abgestimmt. Gerade männliche Stimmen profitieren von der leichten Grundwärme. Weibliche Vocals bleiben klar, aber weniger präsent als beim Performer 8. Metal funktioniert weiterhin hervorragend – Gitarren bleiben trennscharf – jedoch mit etwas weniger Aggressivität im Attack-Bereich.
Höhen
Der mikroplanare Treiber sorgt für saubere Feinstruktur. Im Vergleich zum Performer 8 sind die Höhen minimal zurückgenommen. Weniger ausgeprägte Luftigkeit, weniger „Spotlight auf Details“, dafür mehr Natürlichkeit. Die Detailfülle bleibt auf hohem Niveau, nur wirkt sie organischer eingebettet. Keine Schärfe, kein unangenehmes Zischen – auch bei höheren Lautstärken bleibt der 8S gelassen.
Bühne
Die Bühne ist ordentlich breit für einen IEM, das Geschehen ist sehr räumlich, wirkt aber noch nicht künstlich aufgeblasen. Im Vergleich zum Performer 8 erscheint sie minimal breiter. Die Staffelung in der Tiefe ist überzeugend, das Zentrum stabil.
Separation & Auflösung
Die Separation bleibt eine Paradedisziplin. Durch den etwas volleren Grundtonbereich wirkt die Darstellung minimal voller, aber nicht weniger präzise. Das musikalische Geschehen ist jederzeit nachvollziehbar und man kann sich mühelos den einzelnen Instrumenten widmen.
Isolation
Aufgrund des sehr guten Sitzes im Ohr ist die passive Geräuschisolierung von der Aussenwelt extrem gut. Bei mir am allerbesten – wie fast immer – mit den final E Tips (welche nicht beiliegen!). Hier gilt aber wie immer – ausprobieren!
Fotos
Fazit
Der AFUL Performer 8S ist kein kleines Update, sondern ein klarer Technologiesprung innerhalb der Serie. Die Quadbrid-Architektur, das einstellbare Passivradiator-System und die ausgefeilte akustische Feinabstimmung machen ihn zu einem technisch wie klanglich hochinteressanten In-Ear. Wem der Performer 5 zu warm und der Performer 8 zu neutral war, der dürfte mit dem Performer 8S den passenden Charakter gefunden haben. Ausserdem bietet die Möglichkeit der zwei verschiedenen Klangabstimmungen weiteren Spielraum für Experimente.
Wer auf Details legt, aber gleichzeitig musikalische Emotionalität nicht missen möchte, der findet hier ein vielseitiges Gesamtpaket – mit zwei Bass-Abstimmungen in einem einzigen Inear.






