Audeze – Pionier im Bereich Planar-Magentostatischer Kopfhörer – hat dem legendären LCD-2 ein neues Outfit verpasst! Die aktuelle Version erstrahlt in wunderschönem neuen Glanz und macht auch sonst alles richtig. Ich weiß nicht, warum es so lange gedauert hat bis ich diese Legende im Test habe, aber nun ist er hier. Viel Spaß mit meinem Erfahrungsbericht!


[Werbung] Der Audeze LCD-2 wurde mir für diesen Test leihweise vom deutschen Audeze Vertrieb zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!


Audeze

Wer sich auch nur annähernd mit High-End Kopfhörern beschäftigt, der kommt an der amerikanischen Firma Audeze nicht vorbei. Im Jahr 2008 im kalifornischen Orange County gegründet, hat sich Audeze aus dem Stand einen Namen in der audiophilen Community gemacht. Man setzte von Beginn an auf die magnetostatische Treibertechnologie und bereits die die ersten Modelle wie der LCD-2 sorgten für Aufsehen. Seitdem haben die Produkte die unterschiedlichsten Interaktionen durchlaufen und spielen auch heute noch ganz oben mit. Neu hinzugekommen ist vor einigen Jahren die Ausrichtung auf Gamer – eine Neune Zielgruppe, die immer öfter auch die Qualitäten von guten Kopfhörern zu schätzen weiß. Als Beispiel sei hier der Audeze Maxwell zu nennen. Da passt es auch, daß sich kürzlich der Gigant Sony die Kopfhörermarke in sein Firmenportfolio zugekauft hat. Auch wenn es bestimmt spannend bleibt, welchen Technologietransfer wir demnächst sehen werden – Sony baut ja nun selbst auch keine schlechten Kopfhörer – so schauen wir heute aber auf einen klassischen Vertreter des Audeze Portfolios, den LCD-2.


Audeze LCD-2 Padauk

Natürlich ist der LCD-2, wie könnte es anders sein, ein planarmagnetostatischer Kopfhörer mit offenem Konstruktionsprinzip. Ganz der Tradition folgend, sind die Earcups aus Holz – dieses Mal aus Padauk , einem tropischen Holz mit roter Färbung. Zugegebenermaßen mir bisher unbekannt – da ich eigentlich nicht so der Holz-Typ bin – muss ich allerdings gestehen, daß mir der Kopfhörer extrem gut gefällt.

Die rechteckigen Membranen packt Audeze in kreisrunde Gehäuse, versieht diese mit dicken Pads – wahlweise künstlich oder aus echtem Leder – und kredenzt ein abnehmbares Kabel. Die UVP beträgt laut Vertrieb 1.232€ – der Strassenpreis variiert, es gibt Angebote darunter, aber auch darüber.

Ansonsten? Laut Audeze:

  • Fazor-Waveguide-Technologie für geringe Verzerrungen und präzise Klangabbildung
  • Abgestimmt auf einen warmen, satten Klang mit tiefen, druckvollen Bässen
  • Handgefertigte Ringe aus Padauk-Holz
  • Komfortabler als je zuvor mit belüftetem, gefedertem Kopfband und aktualisierten Ohrpolstern

Um den Klang kümmern wir uns gleich, schauen wir aber zunächst auf den Lieferumfang.


Lieferumfang und Verpackung

Der Umkarton fehlt, den hat einer der Reviewer vor mir auf dem Gewissen. Macht aber nix, denn der eigentliche Star im Verpackungswesen ist sowieso ein stabiler Transportkoffer. Und genau so einen Koffer spendiert Audeze zum Schutz des LCD-2. Zugegebenermaßen etwas klobig, dafür sichert er den Kopfhörer wie ein Tresor. Ob ich ihn mit auf die Reise nehmen würde weiß ich aber nicht: Man könnte den Schriftzug als Brand einer Kosmetikfirma miss-interpretieren und mir nachsagen, ich würde mit Schminkkoffer reisen. Anyway: Tolles Case – Punkt!

Ansonsten befindet sich noch Kabelwerk und Papierkram im Lieferumfang. Die Wahl des Kabels sollte sich Audeze aber nochmals überlegen – sowohl 4-Pin XLR als auch 6.3mm Klinke scheint mir angesichts des Siegeszuges des deutlich besser handhabbaren 4.4mm Steckers etwas outdated. Immerhin nehmen die Strippen des ansonsten recht hochwertig anmutenden Kabels mittels Mini-XLR Steckern Kontakt zum Kopfhörer auf, so daß man im reichhaltig gefüllten Zubehörmarkt ziemlich sicher ein anders Kabel findet. Notfalls baut der Slawa von Rotmann´s Kabel ein individuelles Customer-Kabel. Oder man hört halt nur stationär und hat die entsprechenden Ausgänge am Amp.

Lieferumfang: 

  • LCD-2 Kopfhörer 
  • Standard-LCD Koffer
  • 4-poliges XLR-Kabel
  • 4-poliges XLR auf 6,3mm Klinke Adapterkabel
  • 6,3mm auf 3,5mm Adapter
  • Garantiekarte und Echtheitszertifikat

Technische Daten

StilOver-Ear, offener Rücken
Typ des MessumformersPlanar magnetisch
Magnetische StrukturProprietäres Magnet-Array
PhasenmanagementFazor
Magnet-TypNeodym N50
Membran-TypUltradünn
Größe des Messumformers106 Millimeter
Maximale Belastbarkeit5W RMS
Maximaler Schalldruckpegel>130dB
Frequenzgang10Hz – 50kHz
THD<0.1% @ 100dB
Impedanz70 Ohm
Empfindlichkeit101 dB/1mW (am Trommel-Referenzpunkt)
Minimaler Leistungsbedarf>100mW
Empfohlene Leistungsstufe>250mW
Gewicht595g
(Quelle: Audeze.com)

Verarbeitung und Design

Ich hatte oben ja schon angedeutet, daß mich das Design mit den roten Holzcups durchaus abholt. In Verbindung mit dem ansonsten recht archetypischen Design und den schwarzen Gittern auf der Außenseite der Gehäuse ergibt sich hier ein cooles Crossover aus Simplizität, Industriedesign und exklusiver Optik. Echt gut gelungen! Die Materialien sind erstklassig, sowohl die Wahl als auch die Verarbeitung. Mein Demohörer ist die Kunstleder-Version, was mir nicht wirklich gefällt. Die Pads sind zwar weich, fassen sich aber „billig“ an. Ebenso das Kopfband. Für mein eigenes Exemplar käme definitiv nur die Lederversion infrage – auch aus Nachhaltigkeitsgründen.

Die Verarbeitung ist Top, ich konnte keine Unregelmäßigkeiten entdecken. Weder im Holz noch den Metallparts der Kopfbügel-Konstruktion. Einzig die etwas grobschlächtige traditionelle Rasterung der Weitenverstellung lässt mich leicht mit den Augen rollen. Das machen andere besser – auch wenn das Prinzip natürlich im Grunde funktioniert, mir ist es zu unpräzise und zu anfällig: Entweder verstellt es ich ungewollt zu leicht oder es ist zu stramm und damit zu hakelig – abhängig von der einstellbaren Justierung mittels Madenschraube. Meine Lösung: Einstellen, Schraube festziehen, passt.


Tragekomfort

Ja – groß und schwer ist er, das fällt sofort auf. Über ein Pfund Kampfgewicht muss erstmal gut auf dem Schädel verteilt werden. Und das macht der LCD-2 sehr gut. Das breite Kopfband bietet eine gute Kraftverteilung und damit einen drucjlosen Sitz. Das Gewicht spürt man trotzdem, wenn auch erst nach gut einer halben Stunde – in meinem Fall. Hochofen-Arbeiter oder andere mit Helm-Pflicht und dadurch besser trainierter Nackenmuskulatur werden hier weniger früh „Probleme“ bekommen.


Klangqualität

Auf zur Königsdisziplin. Zur Eigenschaft, ohne die alles Nichts ist. Und ja, direkt und ohne Umschweife: Sehr gut. Aber der Reihe nach…

Mit 70Ω ist der LCD-2 kein Vertreter der großäugigen Leistungsmonster, braucht aber dennoch die Sporen, um zu performen. Deshalb habe ich ihn am Questyle CMA Fifteen, am Violectric V226 und am Feliks Audio Euforia Evo (Test) getestet. Auch wenn ein DAP vom Schlage eines Cayin N6III (Test) durchaus in der Lage ist, den LCD-2 gut anzutreiben – für Höchstleistung empfehle ich einen „richtigen“ Kopfhörerverstärker.

Am Violectric spielt der LCD-2 in atemberaubender Symbiose. Selbst bringt er eine ordentliche Portion Wärme mit, was am Transistor-Amp hervorragend harmoniert. Aber auch an der Feliks Röhre bleibt der Schmelz unter Kontrolle – gilt der Euforia doch als für Röhrenverstärker-Verhältnisse überaus diplomatisch und eher wenig weich/warm.

Grundsätzlich bringt der Audeze LCD-2 gentechnisch bedingt einen präsenten Bass und eben die bereits erwähnte warme Tonalität mit. Dabei bleibt er aber durchgängig „audiophil“, d.h. er ist weder zu dumpf, noch zu unpräzise oder langsam. Im Gegenteil: Nicht nur im Bassbereich darf man über präzise Details und vorbildliche Impulskontrolle staunen. Auch in den oberen Registern verschweigt der Kopfhörer nichts. Allerdings ist er in den Höhen eher sanft, mildert also allzu forsch stechende Spitzen gekonnt ab und flankiert so die wohligen und natürlichen Mitten absolut gekonnt.

Im Detail:

Bass

Soweit ich es verstanden habe, steht der LCD-2 schon immer für emotionale Bass-Wiedergabe. Das kann ich absolut bestätigen. Der Bass ist vor allem eins: Absolut natürlich und authentisch, emotional und organisch. Bassdrums klingen so wie sie auch aus guten Monitorboxen klingen. Klar und Präzise. Der Bass ist quantitativ in keiner Weise übertrieben, fügt sich immer gut in den Mix ein. Qualitativ gehört er zum Besten, was ich bisher gehört habe. Im Vergleich zu einem TOTL Kopfhörern wie dem Meze Elite fehlt es zwar noch etwas am allerletzten Schliff – vor allem im Tiefbass und dem beim Elite phänomenalen Punch und bei Separation – aber der Audeze geht schon in die absolut richtige Richtung.

Mitten

Wer seinen Fokus auf Gesang legt, der wird im LCD-2 einen fantastischen Kopfhörer finden. Ebenso bringt der Kopfhörer den gesamten Mittelbereich von akustischen und auch elektronischen Instrumenten sauber und mit viel Energie auf den Punkt. Verzerrte Gitarren klingen genauso frisch wie komplexe Orchester-Arrangements.

Höhen

In den Höhen begeistert mich der LCD-2 mit sanfter Klarheit. Alles kling frisch und klar, aber die Hochtonenergie wird gekonnt im Zaum gehalten. Weder Sibilanten noch harsche Töne erreichen mein Ohr. Die Klarheit konterkariert gekonnt die wärmere Abstimmung im Bass und den Mitten, trotzdem klingt die Abstimmung unglaublich kohärent und musikalisch.

Bühne

Das Stereo-Imaging und damit auch die Bühnenpräsentation ist breit und voluminös. Nicht künstlich aufgezogen oder übertrieben, sondern absolut glaubhaft. Wie oben schon erwähnt, sehr vergleichbar mit dem Hören mit Lautsprechern.

Separation & Auflösung

Bei Separation und Auflösung muss sich der LCD-2 nicht hinter anderen Kopfhörern gleicher Preisklasse verstecken. Das Trennen verschiedner Aufnahmespuren gelingt ihm gut, auch wenn er nicht an die Präzision von Flaggschiff-Modellen herankommt. Dabei klingt er nie analytisch oder zu fordern, verpackt alle Informationen musikalisch und gut durchhörbar.

Isolation

Die Isolation ist für einen offenen Kopfhörer erstaunlich gut und es fühlt sich eher an als wäre der LCD-2 halboffen.


Audeze LCD-2 vs. Dan Clark Audio Noire X

Der Dan Clark Audio Noire X setzt als geschlossener Kopfhörer zwar auf ein anderes Prinzip, darf hier aber trotzdem als Vergleich herhalten, punktet er doch mit einer für geschlossene Kopfhörer herausragend „offenen“ Präsentation.

Natürlich unterscheiden sich beide Kopfhörer fundamental im Design, wo der Noire X einen schlanken, faltbaren und mobiltauglichen Ansatz wählt und der LCD-2 unübersehbar rein für den Heimgebrauch konfektioniert ist.

Klanglich sind beide ebenso ziemlich unterschiedlich. Der LCD-2 richtet sich mit seiner insgesamt eher wärmeren Abstimmung am das klassischen „HiFi“ aus, wohingegen der Noire X eher neutral abgestimmt ist. Aber: Auch der Noire X ist nicht langweilig, wie manch andere „neutrale“ Hörer. Trotzdem ist der LCD-2 der „spaßigere“ Hörer – trotz aller vorhandenen technischen Fähigkeiten. Der Bass des LCD-2 ist weicher, der des Noire schneller und knackiger. Der Audeze hat die größere Bühne, der DCA die präzisere Separation und deutlich bessere Auflösung.

Der LCD-2 eignet sich prinzipiell mehr für Genuss-Hörer, die Wert auf emotionalen, körperhaften und „musikalisch-wärmeren“ Klang legen. Der Noire X ist der technisch klar „bessere“ Kopfhörer, ist neutraler und detaillierter. Einen klaren Sieger gibt es hier nicht, beides sind großartige Kopfhörer.


Musik

Harem Scarem – Better the Devil you know

Klassischer Hardrock geht immer oder? So natürlich auch der neue Longplayer von den kanadischen AOR Veteranen. Das neue Album ist sauber abgewischt, was der LCD-2 dankend umsetzt: Knackige Drums, frische Höhen – vor allem sehr angenehme HiHats & Cymbals – und selbstverständlich fette Mitten. Gitarren sind wunderbar luftig, texturiert und sauber. Das Stereo-Imaging ist klasse und simuliert ziemlich gut ein Hören mit Lautsprechern. Lockere Rockmusik zum Abschalten, perfekt in Szene gesetzt vom LCD-2!

Ghost – Guiding Lights

Die neue Ghost Langrille ist selbstverständlich wieder perfekt produziert. In Guiding Lights besonders am transparenten Intro auffällig ist die luftige Präsentation der spärlichen Instrumentierung am Anfang. Die einsetzenden Drums klingen in Verbindung mit dem toll abgemischten Bass-Lines wie aus einem Guss und überzeugen durch organische Natürlichkeit. Ab der Mitte des Songs entwickelt sich das Ride zum Highlight: Luftig und klar klingend haucht es dem Track eine leichtfüßige Note ein.

Heat – Call my Name

Nochmal moderner AOR – dieses Mal aus Schweden (wo bekanntermaßen ja nicht nur Black-Metal wohnt). Die aufgefrischten Heat haben kürzlich ein tolles neues Album rausgehauen und liefern damit einen locker-flockig rockenden Sommer-Soundtrack. Hymnenhafte Songs, die an die „gute, alte Zeit“ erinnern. Der LCD-2 begeistert hier mit der richtigen Portion Wärme, Bass und Schmelz und liefert eine solide und sauber rockende Wiedergabe.

Machine Head – Outsider

Let´s get harder: Typischer Machine Head Sound, aber durchaus melodischer als gewohnt mit teils echt catchy Refrains. Ich mag das! Trotz dichter Gitarrenwände bleibt das Geschehen transparent und sauber. Besonders die Toms sind delikat abgewischt, der Bassdrum fehlt es etwas an Kontur – was man dem Kopfhörer nicht ankreiden kann. Auf jeden Fall transportiert der LCD-2 die brachiale Aggression voller Energie an die Ohren!


Fotos


Fazit

Der Audeze LCD-2 im wunderschönen Padauk-Finish bekommt meine wärmste Empfehlung. Dieser Planar-Magnetostat für knapp über 1.000€ macht eigentlich alles richtig: Toller, ausgeglichener Klang mit Fokus auf angenehm angehobene, aber nicht übertriebene Bässe und einer ansonsten sehr alltagstauglichen und smoothen Tonalität. Und auch die Bühne ist wunderbar weit und transparent.

Aufgrund des hohen Gewichts und der recht üppig dimensionierten Ohrmuscheln ist der LCD-2 aber exklusiv für das Zuhause-Hören gedacht. Das Gewicht ist denn auch neben der etwas hakeligen Kopfgrößen-Verstellung der einzige von mir zu beanstandene Kritikpunkt.

Nicht umsonst gibt es den Kopfhörer nun schon seit einer halben Ewigkeit und seinen Quasi-Legendenstatus hat er sich m.M.n. zurecht verdient.

Der Audeze LCD-2 ist ein wirklich guter Allrounder und ein perfekter Einstieg in die Oberklasse.


Audeze LCD-2 Padauk | Bewertung

9.2

Sound

9.6/10

Verarbeitung

9.2/10

Komfort

9.0/10

Preis/Leistung

9.1/10

Pros

  • Audiophiler Klang
  • Warme Tonalität
  • Toller, texturierter Bass
  • Schönes Design

Cons

  • Hohes Gewicht