Der audio-technica ATH-WP900 dürfte hierzulande (noch) ein Exot sein. Die japanische Kopfhörerschmiede audio-technica ist im Heimatland so richtig groß. Hier bei uns eher weniger – etwas mehr noch im DJ Bereich als im HiFi Segment. Und das, obwohl einer der besten geschlossenen Kopfhörer aus diesem Hause kommt: Der MSR7 ist mein langjähriger Begleiter, vor allem bei Kurztrips und Businessreisen. Nun setzen die Japaner im portablen Bereich mit dem audio-technica ATH-WP900 eine Premium-Duftmarke. Edle Holzcups und ein saustarker Klang zum Preis von 699€. Der WP900 ist ein echter Überflieger. Aber lest selbst!


[Werbung] Der Kopfhörer wurde von mir für diesen Test leihweise von audio-technica zur Verfügung gestellt und danach von mir erworben.


Der audio-technica ATH-WP900 Kopfhörer

Irgendwie läuft das sonst anders: Denn ich bekomme normalerweise erstmal einen Kopfhörer zum Testen auf den Tisch. Meistens ein Demogerät, manchmal ein originalverpacktes Neugerät. Die Teile werden nach dem Testen meist retourniert oder – bei Gefallen – auch mal gern mit Presserabatt übernommen.

Dieses mal war es etwas anders: Weil das ziemlich abgerockte Demoteil mich klanglich bereits in den ersten Minuten so überzeugt hat, wollte ich den Hörer unbedingt in meinem eigenen Bestand haben. Also ging der Demohörer vor dem Test erst einmal wieder zurück. Ein nagelneuer WP900 kam dann ein paar Tage später bei mir an. Der nette Nebeneffekt hierbei: Ich kann jetzt auch von der Verpackung Fotos machen und der Hörer an sich sieht selbstverständlich viel besser aus als das recht durchgenudelte Testgerät. Anyway, nun ist er hier und wartet darauf, endlich seine Qualitäten unter Beweis stellen zu können.

Facts zum audio-technica ATH-WP900
Der WP900 ist noch gar nicht allzu lange in Europa/Deutschland verfügbar. Ich kann mich erinnern, daß zum Release erst einmal Europa außen vor blieb. Ich habe den Kopfhörer nämlich schon kurz nach Vorstellung angefragt. Aber bei audio-technica ist das ja immer so eine Sache: Nicht alle Produkte schaffen es zeitgleich zum release nach Deutschland. Nun ist der Kopfhörer zum Preis von 699€ aber ganz offiziell zu haben.

Auf den ersten Blick wirkt der audio-technica ATH-WP900 eher wie ein On-Ear statt einem ausgewachsenen Overear. Hierzu muss ich tatsächlich einräumen, daß die Ausschnitte für die Ohren in den Polstern schon recht klein geraten sind. Große Lauscher berühren mit Sicherheit die Innenseite der weichen Kunstlederpads. Trotz der geringen Gehäuseabmessungen verbaut audio-technica aber durchaus ausgewachsene Treiber mit stattlichen 52mm Durchmesser. Zum Vergleich: Viele Overears setzen nur 40mm große Treibermembranen ein.


Technische Daten & Lieferumfang

Der Lieferumfang besteht aus dem Kopfhörer, zwei Kabeln mit unterschiedlichen Gerätesteckern und einer dünnen Stofftasche. Hier hätte ich mir eher ein praxistauglicheres Hardcase gewünscht – in etwa so wie es z.B. beim DSR9BT beiliegt. Was gibt es zu den Daten zu erwähnen? Mit 38Ω und 100db/mW ist der Kopfhörer recht leicht anzutreiben, der Frequenzgang fängt selbstbewusst bei 5 Hz an und geht bis 50KHz hoch, das Gewicht ist bemerkenswert leicht. Ansonsten gilt natürlich : Papier ist erfahrungsgemäß geduldig, man muss letztenendes einen Kopfhörer immer selbst anhören, um sich ein Urteil bilden zu können.

Headphones
TypGeschlossen, Dynamisch
Treiberdurchmesser53 mm
Frequenzbereich5 – 50.000 Hz
Max. Eingangsleistung1.000 mw
Empfindlichkeit100 dB/mW
Impedanz38 Ω
Gewicht243 gr (ohne Kabel)
KabelAbnehmbares 1.2 m Kabel (A2DC to 3.5 mm vergoldeter Stereo Miniklinke; abnehmbares 1.2 m Kabel (A2DC to 4.4 mm 5-poliger vergoldeter symmetrischer Stecker)
Beiliegendes ZubehörStofftasche
Quelle: audio-technica.com

Design & Verarbeitung

Der Audio-Technica WP900 wartet mit einer fantastischen Optik auf. Denn für die runden Holzschalen der Gehäuseschalen werden dünne Furniere aus geflammtem Ahorn mit massivem, gefrästem Ahornholz zu steifen und dichten Gehäusen zusammengefügt.
Das Sunburst-Finish des japanischen Gitarrenherstellers Fujigen bringt die einzigartige Maserung jedes Gehäuses wunderbar zur Geltung und sorgt für eine individuelle und auffällige Optik.

Das Design ist also schonmal ganz großes Kino – und wie ist die Verarbeitung? Auch hier: es gibt keine Bedenken! Alles ist äußerst sauber verarbeitet, die Materialien sind gut aufeinander abgestimmt. In der klarlackierten Oberfläche finden sich keinerlei Unregelmäßigkeiten. Dem leichten Gewicht geschuldet kommt natürlich viel Kunststoff zum Einsatz, dieser scheint aber von guter Qualität zu sein. Hier knarzt auch nichts und alles fühlt sich robust und langlebig an.

Als Stecker für das beidseitig geführte Kabel kommt erneut – wie schon bei einigen anderen Modellen – das hauseigene A2DC System zum Einsatz. Auf der einen Seite ist es damit nicht so leicht ein Zubehörkabel zu finden, auf der anderen Seite ist das Steckersystem robust und bewährt.

Vorbildlich ist außerdem: Dem audio-technica ATH-WP900 liegen zwei Kabel bei – eines mit 3.5mm unbalanced Stecker und ein symmetrisches mit 4.4mm Stecker. Die Kabel selbst sind von sehr guter Qualität und erinnern mich an die Strippen vom MSR7b (Test). Sie sind leicht, flexibel und neigen nicht besonders zum Verheddern. Mikrofonie ist aber leider vorhanden.

Die beigelegte Tasche ist in die Kategorie „Gut gemeint“ einzusortieren. Eine Stofftasche finde ich bei diesem Preis unangemessen. Selbst Kopfhörer der ganz unteren Preisklasse bringen teilweise ein Hardcase mit. Dieses hätte ich auch hier erwartet. Die weiche und billig wirkende Tasche wird dem fantastischen WP900 in keinster Weise gerecht.


Komfort & Handling

Der Tragekomfort beim WP900 ist wunderbar – und das hat gleich mehrere Gründe: Der Kopfhörer sitzt wie angegossen und ich spüre ihn kaum – er ist unfassbar leicht. Meine Ohren haben in den runden Ohrpolstern mit Memoryschaum ausreichend Platz und stoßen innen gerade so nirgends an. Die drehbaren Ohrmuscheln gefallen mir gut, so passen sie sich perfekt der Kopfform an.


Die Klangqualität

Getestet habe ich den audio-technica WP900 stationär am Questyle CMA400i (Test) und portabel am Cayin N3 Pro (Test) und dem iBasso DX300 (Test). Er spielt selbst an leistungsschwächeren Geräten sehr gut, profitiert aber wie fast alle Kopfhörer von dedizierten Playern.

Der erwachsene Klang des WP900 hat mich aus dem Stand für sich gewonnen. Aufgesetzt und alles passt – klanglich und auch sonst. So etwas kommt selten vor. Was macht ihn aus?
Fangen wir bei der Tonalität an. Der Kopfhörer spielt natürlich mit betonten Höhen, so wie wir es von den Japanern kennen. Aber er ist auch unten keine Spaßbremse, was zu einer soliden und spaßigen V-Signatur führt. Trotzdem bleibt die Abstimmung ehrlich und liefert massig Details und eine fantastische Separation.

Ein schmaler Grat bei geschlossenen Kopfhörern ist immer der Anpressdruck. Denn meist ändert sich damit auch die Klangsignatur. Vor allem im Bassbereich sind daraus resultierende Änderungen signifikant. Das ist auch beim WP900 der Fall. Drücke ich auf die Gehäuse, so wird der Bass viel zu viel. Ziehe ich sie leicht vom Ohr weg, wird der Klang mangels Seal dosig. Für mich persönlich jedenfalls hat audio-technica den Anpressdruck perfekt gewählt.

Bass

Der Bass ist schnell, druckvoll und geht tief hinab. Bei akustischen Drums resultiert dies in einem beeindruckenden Punch und Attack, Transienten werden blitzschnell, hart und sauber artikuliert. Das Timbre erinnert etwas an die Biozellulose Treiber von Foster oder Denon. Allerdings mit schnellerem Ansprechverhalten, dezenterer Wärme und einer weniger organischen Textur. Im Tiefbass reicht der Frequenzgnag tief herunter, so daß auch der Filmfreund auf seine Kosten kommen dürfte. Ein Blockbuster mit vielen Effekten ist mit dem WP900 eine beeindruckende Aufführung.

Mitten

In den Mitten ist der audio-technica WP900 nicht ganz so zurückhaltend wie beispielsweise ein MSR7(b). Im unteren Mittenbereich, dort wo mächtige und fette Gitarrenriffs zuhause sind, gibt es reichlich Energie. Im Bereich von Stimmen und Gesang ist der Kopfhörer etwas zurückhaltender, fügt diese aber gekonnt in den Rest des Spektrums ein.

Höhen

In den Höhen gibt sich der audio-technnica WP900 extrem detailliert, transparent und luftig. Alles wirkt natürlich und ohne störende Dämpfung. Klare und spritzige Becken, ein tolles Obertonspektrum im Sustain von Trommeln und eine energiegeladene Präsenz machen den Kopfhörer äußerst spritzig und direkt. Das alles jedoch ohne den Hauch von überschießenden Peaks, es gibt weder nervende Silbilanten noch schrille oder harsche Spitzen bei der Instrumentenwiedergabe. Selbst stechende Splashes oder Chinas bleiben kontrolliert. Laut und explosiv – aber kontrolliert und geschmeidig.

Bühne

Obwohl es sich beim audio-technica ATH-WP900 um einen klassisch geschlossenen Over-Ear Kopfhörer handelt, zaubert er eine tolle luftige und offene Bühne um den Kopf. Er platziert die verschiedenen Akteure gekonnt im Raum und schafft eine beeindruckende „Mitten drin“ Atmosphäre. Die Treiber sind schräg angeordnet, damit wird der Effekt der Räumlichkeit unterstützt bzw. erst erreicht.

Separation

Einfach sehr gut, was der audio-technica hier leistet. Selbst in dichtesten Produktionen kann man den Überblick behalten und jedes einzelne Instrument, ja sogar jede einzelne Spur, heraushören. Dabei ist er aber kein Brennglas, offenbart Details also nicht aufdringlich. Somit ist auch einfach ein entspanntes Eintauchen in die Musik ohne analytischen Anspruch jederzeit möglich.


Fotos


Fazit

Der audio-technica ATH-WP900 ist ein mal wieder ein echter Geheimtip!
Solch ein voller und detaillierter Klang, dabei ausgeglichen und kontrolliert in einem maximal kleinen Gehäuse und das Ganze auch noch transportabel und federleicht: Dieser Kopfhörer definiert für mich portablen und audiophilen Musikgenuß neu und legt sich sogar mit ausgewachsenen Home-HiFi Boliden an.

Mit ordentlich Druck und prägnanter Brillianz spielt der kleine und ausgeglichene WP900 ganz groß auf. Ein absoluter Volltreffer von audio-technica!

audio-technica ATH-WP900 | Bewertung

9.6

Sound

10.0/10

Verarbeitung

9.5/10

Tragekomfort

9.5/10

Preis/Leistung

9.5/10

Pros

  • Fantastischer Klang
  • Überragender Tragekomfort
  • Toller Bass
  • Leicht und portabel

Cons

  • Kein Case im Lieferumfang
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