Ich habe lange überlegt, ob der neue aune AR5000 MKII tatsächlich einen eigenen Artikel benötigt, oder ob ich ihm nur einen Absatz im Test des Vorgängers verpasse. Das wäre ihm nicht gerecht geworden. Auch wenn sich viele Aspekte doppeln, bekommt der Nachfolger hier seine eigene Bühne. Denn die hat er sich definitiv verdient…


[Werbung] Der Aune AR5000 MKII wurde mir für diesen Test von aune zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!


aune

Aune ist wohl eher aus dem Bereich DACs und Kopfhörerverstärker bekannt, hat sich in den letzten Jahren aber zunehmend auch als Kopfhörerhersteller einen Namen gemacht. Der AR5000 war dabei so etwas wie der Einstieg bei den offenen Over-Ears – ambitioniert im Design, ambitioniert im Preis. Mit der überarbeiteten MKII Version zeigt Aune, daß man aus dem ersten Anlauf gelernt hat, und zwar nicht nur mechanisch.

Den aune AR5000 habe ich hier auf Kopfbox schon getestet – ein offener Over-Ear mit klassisch rundem Gehäusedesign und einem angewinkelt eingebauten 50-mm-Treiber, der zum kleinem Preis für einen erstaunlich weiten und luftigen Klang gesorgt hat. Ein starker Erstling – mit einer konstruktiven Schwäche: Teile des Kopfbandes aus metallbeschichtetem Kunststoff, das bei manchen Exemplaren mit der Zeit gebrochen ist. Jetzt kommt mit dem Nachfolger eine verbesserte Version. Aune hat aber nicht nur das Kopfband überarbeitet, sondern auch an der Abstimmung geschraubt…

Der aune AR5000 MKII

Der AR5000 MKII bleibt äußerlich sehr nah am Original, was das Gehäusedesign betrifft. Die runde, fast schon markante Form der Ohrmuscheln ist geblieben, ebenso die charakteristische winkelige Anordnung des Treibers innerhalb der Kapsel. Nur die Modellbezeichnung verrät, daß es sich um MKII handelt. Was sich geändert hat, sitzt vor allem im Detail:

  • abnehmbares Kabel mit auswechselbaren Steckern (3,5 mm, 6,35 mm, 4,4 mm)
  • weiter entwickelter 50-mm-MLD-Treiber (Multi-Layer Distributed Diaphragm) mit überarbeitetem Membranmaterial und Oberflächenbehandlung
  • neue Kopfbandkonstruktion aus Vollmetall statt der bisherigen metallbeschichteten Kunststoffkonstruktion
  • überarbeitetes Luftführungssystem und neue Magnetkreis-Struktur für mehr Linearität und tieferen Bass
  • minimal veränderte Polsterung mit etwas mehr Abstand zwischen Ohr und Treiber

Zu haben ist der Kopfhörer für einen UVP von 369€ und damit auch 40€ teurer als sein Vorgänger.


Lieferumfang und Verpackung

Die recht große Verpackung besteht aus einem stabilen, schwarzen Karton mit texturierter Oberfläche und einem äußeren Pappschuber mit Produktabbildung auf der Vorderseite und einer Explosionszeichnung des Treibers auf der Rückseite. Der Kopfhörer liegt im Inneren auf einer Samteinlage, und das Zubehör befindet sich in einer separaten Pappschachtel.

Der Lieferumfang ist überschaubar, was angesichts des Preises aber absolut in Ordnung geht. In der Verpackung finden sich neben dem Kopfhörer ein Kabel mit Wechselstecker-System und 3.5 mm, 4.4mm und 6,3 mm Steckern. Ein Case liegt allerdings nicht bei, das gibt es bei Aune separat.


Design, Tragekomfort & Verarbeitung

Das Design des AR5000 MKII ist optisch vollkommen gleich zum Vorgänger. Die Änderungen sind rein konstruktiv. Ein Kunststoffteil des alten Kopfbandes war nicht ganz so robust, wie ich es im Test eingeschätzt habe. Ich hatte hier während dem Test zwar keine Probleme, aber es gab einige Berichte über Risse, so daß Aune diese Schwachstelle ausgemerzt hat. Das neue Kopfband besteht nun komplett aus Metall, der Verstellmechanismus rastet spürbar fester und definierter ein als vorher.

Interessant ist, daß Aune trotz der Vollmetallkonstruktion das Gewicht praktisch identisch zum Original gehalten hat – man hat also an anderer Stelle Material eingespart, um das auszugleichen. In der Hand fühlt sich der AR5000 MKII dadurch nicht schwerer an, ist dafür aber deutlich robuster.

Die Ohrmuscheln selbst sind praktisch unverändert geblieben und der Tragekomfort war ja beim Original schon richtig gut – das hat sich mit der MKII nicht verändert.

Das modulare Kabel ist ein vieradrig geflochtenes Kabel mit Leitern aus hochreinen, sauerstofffreien Kupferleitern mit transparenter Ummantelung. Es fällt gut, könnte aber noch weicher sein. Es hat so gut wie keine Mikrofone und fühlt sich nach Premium an. Ein sehr gutes Kabel!


Technische Daten aune AR5000

Wie immer gilt: Für mich sind sie nicht so wichtig, ich liste sie jedoch hier auf.

  • Kopfhörer-Typ: Offener Kopfhörer mit dynamischen Treibern
  • Frequenzbereich: 5Hz-43,5kHz
  • Treiber-Typ: 50mm dynamischer Treiber
  • Impedanz: 28Ω
  • Empfindlichkeit: 112dB SPL
  • THD @ 1kHz und 100db SPL: <0.03%
  • Gewicht: ca. 365g

Klangqualität

Gehört habe ich den aune AR5000 für diesen Test am Questyle Fifteen (Test) und an diversen DAP und KHV wie dem Cayin N6III (Test) und dem ifi Audio Gryphon (Test). Mit 28Ω und 112db ist der Kopfhörer noch genügsamer und leichter anzutreiben als der Vorgänger. An einem kleinen DAP oder gar Smartphone kann er schon sehr gut spielen. Sein volles Potential entfaltet er aber erst an einem potenten Player/Verstärker.

Der AR5000 präsentiert sich mit einer im Vergleich zu MKI ausgeprägteren V-Signatur, die durch eine leichte Tiefbass-Anhebung und spritzigere Höhen gekennzeichnet ist. Die Mitten sind immer noch gut ausbalanciert. Diese Abstimmung verleiht dem Klang eine noch involvierende und mitreißendere Klangqualität, die mit einer guten Portion Spaß abgerundet wird.

Die einzelnen Frequenzbereiche:

Bass

Der Bass reicht tiefer hinab, besitzt mehr Substanz und wirkt insgesamt noch druckvoller und dynamischer, wodurch insbesondere Schlagzeug und Percussion mehr Körper und Energie erhalten. Hier ist der Unterschied zum Original am schnellsten deutlichsten – der AR5000 MKII hat spürbar mehr Fundament, ohne es zu übertreiben oder unkontrolliert zu wirken.

Mitten

Die Mitten bleiben natürlich und ausgewogen, rücken jedoch leicht in den Vordergrund, sodaß Stimmen und Gitarren etwas präsenter erscheinen. Tonal bleibt alles stimmig, es wirkt eher wie eine bewusste, feine Korrektur als eine grundlegende Neuausrichtung.

Höhen

Der Hochton wurde dezent erweitert und löst nun etwas feiner auf. Der MKII bietet damit mehr Luftigkeit, eine noch bessere Detaildarstellung und Transparenz.

Bühne & Separation

Auch die räumliche Darstellung profitiert von der Überarbeitung – die Bühne wirkt offener und etwas größer, während Instrumente präziser voneinander getrennt werden. Die für den AR5000 typische, durch den gewinkelten Treiber begünstigte Raumdarstellung kommt hier noch einmal deutlicher zur Geltung als beim Original.

Insgesamt präsentiert sich der AR5000 MKII lebendiger, dynamischer und auflösender als sein Vorgänger, bleibt dabei aber musikalisch und natürlich abgestimmt, anstatt analytisch oder kühl zu wirken.


Vergleich zum Original

Wie bereits oben erwähnt, sind die beiden Brüder äußerlich nicht zu unterscheiden. Lediglich die aufgedruckte Modellbezeichnung enttarnt den MKII.

Der Bass hat gegenüber dem Original spürbar an Fundament und Kontrolle gewonnen, die Höhen spielen luftiger und räumlicher mit mehr Details. Wer sich für den Original-AR5000 wegen seiner schlanken, zurückhaltenden Grundabstimmung entschieden hat, sollte den MKII vor dem Kauf idealerweise probehören – hier hat sich klanglich nämlich mehr getan als nur ein Facelift.


Fotos


Fazit

Aune hat den AR5000 MKII nicht nur konstruktiv an Schwachstellen optimiert, sondern ihm auch ein eigenständiges, neues Klangprofil verpasst. Mit mehr Bass und Höhen spielt der neue Kopfhörer nun involvierender und mit mehr Energie. Dafür war der Vorgänger „neutraler“. Insofern hätte man auch ein völlig neues Modell kreieren können statt „nur“ einer Überarbeitung. Fans von neutralerem Klang bleiben vermutlich lieber beim Vorgänger und hoffen, daß die Kunststoffkonstruktion am Kopfband hält. Wer es jedoch etwas mehr Fun vertragen kann, macht mit dem Nachfolger definitiv nix falsch.

Der Aune AR5000 MKII ist für meinen Geschmack tonal ein absolut gelungenes Update mit einem spürbar verfeinertem Klang. Mit mehr Bassfundament, mehr Auflösung und insgesamt mehr Wow-Faktor.


Aune AR5000 MKII Over-Ear | Testbericht

9.5

Sound

9.3/10

Verarbeitung

9.3/10

Tragekomfort

9.5/10

Preis/Leistung

10.0/10

Pros

  • Vollmundige Klangsignatur
  • Leicht und komfortabel
  • Luftig und klar
  • Modulares Kabel

Cons

  • Cups aus Kunststoff
  • Kein Case im Lieferumfang