Portable Verstärker mit echten Röhren sind rar gesät und viel zu oft nur ein Kompromiss, um mobil zu sein. Der Aune BX2 Magnum kombiniert zwei komplett getrennte Verstärkerschaltungen, eine Transistor- und eine Röhrenschaltung, in einem Gehäuse und ermöglicht per Schalter einen nahtlosen Wechsel zwischen beiden. Außerdem ist er eher portabel als mobil und ermöglicht damit eine kompromißlose Qualität. Was er kann und für wen er geeignet ist, das lest ihr hier.


[Werbung] Der Aune BX2 Magnum wurde mir für diesen Test vom aune Store als Leihgerät zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!


Aune

Aune ist hier auf Kopfbox inzwischen kein unbeschriebenes Blatt mehr. Bekannt geworden ist die Marke aus Wuhan vor allem mit DACs und Kopfhörerverstärkern, mittlerweile mischt man aber auch bei Kopfhörern und auch IEM mit – erst kürzlich hatte ich mit dem Aune AR5000 MKII den aktuellen offenen Over-Ear der Marke hier im Test. Im Verstärkersegment ist Aune grundsätzlich zuhause, und mit dem portablen BX2 Magnum zeigt man eindrucksvoll, was in diesem Bereich machbar ist.


Der Aune BX2 Magnum

Der aune BX2 Magnum ist ein reiner Kopfhörerverstärker, verfügt also über keinen eingebauten DAC. Wer ihn an einer digitalen Quelle betreiben will, braucht also noch einen Wandler davor – gefüttert wird er rein analog über Cinch oder die beiden 3,5-mm-/4,4-mm Klinken-Eingänge. Verstärkt wird vollsymmetrisch und vierkanalig in reiner Class A, komplett diskret aufgebaut. Per Relais schaltet man zwischen zwei getrennten Signalwegen um: einer läuft klassisch über Transistoren, der andere über die beiden Nutube-Röhren – zwei separate Schaltungen, die sich einen Ausgang teilen.

Beeindruckend ist neben dem massiven Gehäuse vor allem die massiven Leistungsreserven von mehr als 5 Watt. So dürfte der Magnum auch die schwierigsten Kopfhörer ausreichend kraftvoll antreiben.

Die wichtigsten Eckpunkte:

  • Vollsymmetrische, vierkanalige Class-A-Schaltung mit JFET-Eingangsstufe
  • Zwei echte Korg-Nutube-6P1-Röhren mit echter 30-Volt-Anodenspannung, relaisgeschaltet zuschaltbar
  • Umschaltbar zwischen Transistor- und Röhrenmodus als zwei getrennte Signalwege
  • Bis zu 5180 mW an 32 Ohm über 4,4 mm, 1400 mW über 3,5 mm (High Gain)
  • 31-stufige digitale R2R-Lautstärkeregelung
  • Sieben-Zellen-Akku mit 14.000 mAh, davon eine Zelle separat für die Digitalsektion
  • Eingänge 3,5 mm, 4,4 mm symmetrisch, Cinch, dazu ein 5-Pin-Eingang für das optionale externe Netzteil Aune BP1

Der BP1-Anschluss macht aus dem BX2 Magnum mehr als ein reines Unterwegs-Gerät – mit Netzteil kann er nämlich genauso gut dauerhaft am Schreibtisch stehen. Zu haben ist er für rund 836 Euro. Das Netzteil kommt bei Bedarf noch dazu. Hierzu liegt mir aktuell kein Preis vor.


Lieferumfang und Verpackung

Im Karton liegen neben dem Verstärker selbst ein 3,5-mm-auf-3,5-mm-Kabel, ein symmetrisches 4,4-mm-auf-4,4-mm-Kabel, ein USB-C-Ladekabel, eine Transporttasche sowie vier kleine, selbstklebende Silikonfüße, die man bei Bedarf unter das Gehäuse klebt, wenn der BX2 Magnum als Stack-Partner auf einem Player sitzt. So ist von Anfang an alles dabei, was man zum Start braucht.


Design, Handling & Verarbeitung

Das CNC-gefräste Aluminiumgehäuse ist groß und beileibe kein Leichtgewicht – bei einem 14.000-mAh-Akku und einer komplett diskreten Class-A-Schaltung wäre alles andere auch überraschend gewesen. Verarbeitet ist das Gerät sauber: keine scharfen Kanten, exakt sitzende Buchsen, ein haptisch wunderbarer Lautstärkeregler mit spürbarem, leicht gerastertem Widerstand statt eines lose durchrutschenden Rädchens. Auf der Front sitzen die beiden Kopfhörerausgänge zusammen mit den Schaltern für die Eingangswahl, Gain, Current Transistor/Tube.

Apropos Lautstärkeregler: Die Lautstärkeregelung ist mir bei Line-Out am Quellgerät nicht feingliedrig genug. Das betrifft zum Einen die Intervalle zwischen zwei Rastpunkten, zum anderen aber – und das ist schwerwiegender – die mir persönlich zu hohe geringste Lautstärke bei Nutzung mit empfindlichen IEM. Hier hilft dann nur Pre-Out und den Ausgangspegelspegel an der Quelle zu verringern – schade. Hintergrundrauschen ist hingegen kein Thema.

Als „portabel“ würde ich den BX2 Magnum trotzdem nur mit Einschränkung bezeichnen. Für die Hosentasche ist er schlicht zu groß und zu schwer, eher was für den Rucksack oder als fester Partner neben einem DAP auf dem Schreibtisch. Mit rund 13 Stunden im Transistormodus und rund 8 Stunden im Röhrenmodus kommt man gut durch den Arbeitstag. Wer den BX2 nur stationär nutzen will, kann über den 5-Pin-Eingang das optionale BP1-Netzteil anschließen und den BX2 Magnum dauerhaft am Netz betreiben, ohne den Akku zu belasten.

Wichtig zum Thema Laden sind die Schalterpositionen: So muss explizit eingestellt werden, ob man den Akku nutzen will, stationär am Netzteil ist oder gerade den Akku laden will. Das ist etwas gewöhnungsbedürftig, geht dann aber in Fleisch und Blut über.

Technische Daten Aune BX2 Magnum

Wie immer gilt: Für mich sind sie nicht das Wichtigste, ich liste sie trotzdem auf.

SpezifikationWert
BauartVollsymmetrisch, vierkanalig, reine Class A, diskret
Röhrenstufe2x Korg Nutube 6P1, 30-V-Anodenspannung, relaisgeschaltet
Ausgangsleistung5180 mW an 32 Ohm (4,4 mm, High Gain), 1400 mW an 32 Ohm (3,5 mm, High Gain)
Ausgangsimpedanz1 Ohm
Frequenzgang20 Hz – 80 kHz
Rauschabstand> 117 dB
Klirrfaktor (THD+N)< 0,0003 % (4,4 mm, Transistormodus)
Lautstärkeregelung31-stufig, digital, R2R
Akku14.000 mAh, ca. 13 h Transistormodus / 8 h Röhrenmodus
Eingänge3,5 mm, 4,4 mm symmetrisch, Cinch, 5-Pin-Netzteileingang
Ausgänge3,5 mm, 4,4 mm symmetrisch (Kopfhörer), Vorverstärkerausgang
Abmessungen186 x 92 x 38 mm
Preisca. 836 €

Klangqualität

Schon nach den ersten Songs hat mich der Magnum in seinen Bann gezogen. Gehört habe ich den BX2 Magnum am Schreibtisch über den Questyle CMA Fifteen (Test) als Quelle, mobil über den Cayin N6III (Test) per Line-Out. An Kopfhörern kam eine große Auswahl von Overear und IEM zum Einsatz. Natürlich auch der aune AR5000 MKII. Der eigentliche Reiz liegt natürlich im direkten A/B zwischen Transistor- und Röhrenmodus:

aune BX2, AR5000MKII mit Custom Kabel von Rotmanns.

Der Transistormodus spielt linear, schnell und präzise. Mit sauberen und pfeilschnellen Transienten und einer kontrollierten, aufgeräumten Separation – ohne dabei kühl oder klinisch zu wirken. Der Röhrenmodus dagegen kommt wärmer, runder und einladend daher. Mit spürbar mehr Körper und einer breiteren Bühne. Dafür ist die Abstimmung eher musikalisch als referenzmäßig. Über beiden Charakteristiken steht aber gemeinsam diese unglaubliche Power und Kontrolle, diese reine Kraft, die der BX2 aus dem leistungsstarken Verstärker entfaltet, die ihm zur Verfügung steht.

Bass

Im Transistormodus liefert der BX2 Magnum einen sehr straffen, gut konturierten Bass, der sich quantitativ nicht in den Vordergrund drängt, aber auch nicht dünn wirkt. Schaltet man in den Röhrenmodus, hört man den Unterschied sofort und ohne nennenswerte Unterbrechung: Der Bass gewinnt an Körper, wird einen gute Portion wärmer und dafür im Gegenzug etwas weniger scharf konturiert. Trotzdem bleibt er auch hier extrem gut konturiert und kontrolliert. Beide Modi haben ihren Reiz, je nach Stimmung, Genre und Produktion ist man hier überaus flexibel.

Mitten

Hier zeigt sich der Röhrencharakter am deutlichsten: Stimmen bekommen im Röhrenmodus einen Hauch mehr Körper und Textur, wie man es von einer Trioden-Vorstufe kennt. Im Transistormodus bleiben dieselben Mitten neutraler und direkter – kraftvoller, aber weniger emotional. Verzerrte Gitarren gefallen mir fast im Transistormodus etwas besser aufgrund dieses Extras an Energie. Aber nein – bei Klassik Rock und Hardrock gefällt mir der Tube-Mode besser, da er etwas mehr analoge Wärme ins Spiel bringt.

Höhen

Der Transistormodus liefert eine klare, gut auflösende, leicht analytische Höhenwiedergabe. Die Röhre entschärft die oberen Register sanft, ohne Details zu unterschlagen. Bei sibilantenreichen Aufnahmen oder eher hell abgestimmten IEM ist mir der Röhrenmodus lieber, bei ohnehin zurückhaltenden Kopfhörern greife ich eher zum Transistor.

Klanglich liefert der aune BX2 eine wirklich beeindruckende Leistung ab, die ihn zu einer echten Alternative zu Desktopverstärkern macht. Wenn aune hier noch einen DAC plus Bluetooth integrieren würde, dann wäre das eine echte Wunderwaffe… Aber auch so: Wer den Aufwand (DAP + BX2) nicht scheut, der bekommt hier wirklich einen unglaublich guten transportablen Kopfhörerverstärker und kann sich damit auch abseits von Steckdosen einem extrem hochwertigen Musikgenuss hingeben.


Fotos


Fazit

Obwohl mit Akku ausgestattet, ist der aune BX2 Magnum ist kein klassischer portabler Verstärker für unterwegs. Er ist eher eine semi-stationäre, portable Lösung für das Hotel, die Terrasse oder um innerhalb des Hauses flexibel zu bleiben. Dafür ist er aber kein Kompromiss, sondern eigentlich ein tragbarer Desktop-Amp. Zwei Gainstufen, Current-Schalter und vor allem die Möglichkeit, zwischen Transistor und Nu-Tube Sound wählen zu können, machen den aune BX2 zu einem echten Allrounder – der überdies genug Leistungsreserven auch für anspruchsvollste Kopfhörer mitbringt. Der Preis von 839€ ist auf den ersten Blick hoch, in anbetracht der Performance und der Flexibilität dieses Boliden und nicht zuletzt mit Blick auf die Konkurrenz aber nicht nur absolut gerechtfertigt, sondern mehr als fair!

Wer einen soliden Kopfhörerverstärker mit Transistor- und Röhrenklang auch abseits des gewohnten Hörplatzes genießen möchte, der macht mit dem Aune BX2 Magnum nichts falsch. Absolute Empfehlung!

Aune Audio BX2 Magnum | Bewertung

9.1

Sound

10.0/10

Verarbeitung

9.5/10

Handling

8.0/10

Preis/Leistung

9.0/10

Pros

  • Transistor- und Röhrenmodus
  • Sehr niedriges Grundrauschen im Transistormodus
  • Hohe Ausgangsleistung
  • Sauber verarbeitetes Aluminiumgehäuse

Cons

  • Groß und schwer
  • Kein integrierter DAC
  • Röhrenmodus reduziert die Akkulaufzeit spürbar