Aller Anfang ist schwer. So ging es mir mit dem Cayin RU9. Doch warum mich der portable DAC/Amp mit Nutubes am Ende doch noch überzeugt hat, das könnt ihr hier nachlesen!

Inhalt
[Werbung] Der Cayin RU9 wurde von mir für diesen Test leihweise von Cayin Deutschland zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!
Der Cayin RU9
Der Cayin RU9 fällt schon auf den ersten Blick aus dem üblichen Raster mobiler USB-DACs. Während viele Hersteller vor allem über Leistung, Formate oder Messwerte argumentieren, setzt Cayin auf ein Element, das man hier eher nicht erwartet: eine echte Röhre. Genauer gesagt eine Korg Nutube, fest im Gerät integriert und nicht nur als klangliches Feigenblatt gedacht. Der Anspruch ist klar – der RU9 will nicht neutral sein, sondern musikalisch.
Der RU9 ist ein portabler USB-DAC mit Kopfhörerverstärker, der sich an Smartphone, Tablet oder Laptop betreiben lässt. Herzstück ist die Kombination aus AKM-DAC und zuschaltbarer Röhrenstufe. Ein integrierter Akku versorgt den RU9 autark und schon den Zuspieler-Akku. Das Gerät kann wahlweise im Röhren- oder im transistorbasierten Modus betrieben werden – ein Detail, das im Alltag mehr Bedeutung hat, als es auf dem Papier vermuten lässt.

Flexibel einsetzbar
Der Cayin RU9 lässt sich nicht auf einen bestimmten Einsatzzweck festlegen. Am Smartphone unterwegs, am Laptop im Büro oder abends am Schreibtisch – er macht das alles mit. Neben klassischen Zuspielern wie Handy oder Rechner funktioniert er auch an Tablets, DAPs oder Konsolen. Man steckt ihn an, wählt den passenden Modus und hört Musik. Viel mehr muss man sich damit nicht beschäftigen.
Verstärker
Die Signalverstärkung übernimmt eine vierkanalige, symmetrische Kopfhörerverstärker-Stufe. Zum Einsatz kommen dabei zwei besonders rauscharme OPA1662-Operationsverstärker von Texas Instruments sowie vier Leistungstransistoren von Nexperia. Diese symmetrische 4-Kanal-Architektur reduziert Störeinflüsse von außen und sorgt für eine stabile, saubere Signalführung.
DAC
Cayin setzt beim RU9 auf zwei AKM AK4493SEQ DACs, jeweils einen getrennt pro Kanal. Das sorgt für eine saubere Trennung und ein aufgeräumtes Klangbild und optimale Kanaltreue.
Bluetooth
Kabellos kann der RU9 ebenfalls. Mit LDAC und weiteren HD-Codecs ist die Qualität für Bluetooth-Verhältnisse ordentlich, vor allem, wenn man unterwegs keine Lust auf Kabel hat. Praktisch: Durch UAC1.0 und UAC2.0 zickt er auch an weniger exotischen Geräten nicht herum.
S/PDIF
Der S/PDIF Ein- und Ausgang ist ein Detail, das man nicht ständig braucht, das aber gut zu Cayins Ansatz passt. Der RU9 lässt sich so auch in digitale Setups einbinden, die über klassisches USB hinausgehen. Für ein Gerät dieser Größe keine Selbstverständlichkeit.
Hyper Mode
Die Stromversorgung lässt sich umstellen: Wahlweise wird das Gerät über den integrierten Akku gespeist oder über USB-C. Bei letzterem saugt es allerdings am Quellgerät-Akku. Für eine erhöhte Stromstärke und eine höhere Betriebsspannung, was für mehr Transparenz, eine weiter aufgefächerte Bühne und mehr Punch sorgt, kann der RU9 zusätzlich über einen weiteren USB-C Anschluss mit Strom versorgt werden.
Lieferumfang und Verpackung
Die Verpackung fällt solide, aber unaufgeregt aus – typisch für Cayins Verzicht auf große Showeffekte. Man liefert den RU9 sicher verpackt und zweckmäßig aus. Alles Notwendige ist vorhanden, ohne unnötigen Ballast.



Zum Lieferumfang gehören natürlich der RU9 selbst, ein passendes USB-Kabel mit L-förmigen Steckern sowie eine kurze Dokumentation und ein hellblaues Kunstledercase.
- Cayin RU9
- USB-C Kabel mit L-förmigen Steckern
- USB A to C adapter
- Case
- magnetische Sticker
Design & Verarbeitung
An der Verarbeitung gibt es ganz Cayin typisch überhaupt nichts auszusetzen. Tasten, Anschlüsse und das solide Metallgehäuse machen einen stabilen Eindruck, nichts wackelt oder wirkt billig. Auch bei häufiger Nutzung zeigt sich der RU9 unempfindlich.

Das Design wirkt technisch und funktional. Das grün-graue Metallgehäuse ist sauber verarbeitet, die Abmessungen gehen für ein Gerät mit Röhrenstufe in Ordnung, auch wenn der RU9 eher „transportabel“ als wirklich taschentauglich ist. Die sichtbar leuchtenden Nutubes sind dezent integriert. Der Lautstärkeregler ist fein geratet vermittelt ein ordentliches Feedback. Das kleine Display ist informativ, aber die Schrift dürfte etwas größer sein. Keine Chance ohne Brille…. ;-)
Das beiliegende Ledercase sitzt perfekt und schützt den kleinen RU9 runherum. Natürlich Geschmacksache – aber ich nutze den RU am liebsten ohne Case, denn ich finde es wirkt etwas einfach und verbirgt die sonst coole Farbe und kantige Form des Gerätes zu sehr.

Ein nettes Zusatzfeature für iPhone Nutzer: Der Cayin RU9 ist Magsafe-kompatibel, d.h. es lässt sich am iPhone Huckepack befestigen mittels Magnetkraft. Mit und ohne Case.
Klangqualität
Die klangliche Leistung von kleinen Dongle-Dacs steht ja mittlerweile außer Frage. Sei es z.B. der ifi GObar Kensei oder der Cayin RU7. Der RU9 geht aber einen Schritt weiter und liegt irgendwo zwischen den kleinen Stick und Geräten wie dem ifi Gryphon.
Im Einsatz hatte ich den RU9 sowohl am iPhone 16 Pro Max als auch am Mac mini. Meist nutzte ich dabei den normalen USB-C Modus, also ohne externe Stromversorgung. Diese ist zwar wirkungsvoll bei schwierig anzutreibenden Kopfhörern, in der Regel aber nicht erforderlich. Trotzdem eine gute Lösung, falls man keine leistungsstärkere Alternativen für den stationären Einsatz vorhält.
Für den Klangtest habe ich hauptsächlich folgende Kopfhörer und IEM genutzt: Austrian Audio Composer (Test) und HEDD D1 (Test) im Overear Bereich, Campfire Audio Andromeda 10 (Test) und Kiwi Ears Orchestra II (Test) bei den IEM. Aber auch mit allen anderen Kopfhörern hier wusste der Cayin RU9 umzugehen. Die fein abgestufte Lautstärkeregelung ermöglicht fein justierbare Pegel.
Der RU9 bietet drei Klangmodi:
Klassisch
Im klassischen Modus spielt der RU9 ganz bewusst „röhrentypisch“. Der Klang wird weicher, etwas runder, mit mehr Wärme und Körper. Perfekt sauber ist das nicht – muss es aber auch nicht sein. Stimmen wirken greifbarer, Instrumente bekommen mehr Schmelz. Genau diese leichte Unordnung macht den Reiz aus und erinnert an klassischen Röhrenklang, wie man ihn aus dem stationären Bereich kennt.
Modern
Der moderne Modus räumt hörbar auf. Der Hintergrund wird ruhiger, Konturen klarer, ohne dass der RU9 seinen röhrentypischen Charakter komplett verliert. Die Wiedergabe bleibt angenehm warm, wirkt aber kontrollierter und ausgewogener. Für viele dürfte das der beste Kompromiss sein – musikalisch, aber nicht zu romantisch.
Solid State
Ohne Röhre zeigt der RU9 eine ganz andere Seite. Der Klang wird neutraler, direkter und deutlich straffer. Transienten kommen präziser, das Gesamtbild wirkt kühler und sachlicher, dafür präziser. Ideal, wenn man den Kopfhörer möglichst unverfälscht hören möchte.
Der Klang im Einzelnen (Tube Classic):
Im Röhrenmodus spielt der Cayin RU9 also hörbar wärmer und organischer. Dabei bevorzuge ich dann auch die „Classic“ Einstellung, weil sie diese Eigenschaften kompromißloser zur Geltung bringt. Aber auch die „Modern“ Einstellung hat ihren Reiz. Diese wähle ich hauptsächlich wenn ich analytischer Hören will.
Der Bass reicht tief hinab, bringt Substanz mit und bleibt dabei kontrolliert; im Röhrenmodus wirkt er etwas voller und geschmeidiger, während der Solid-State-Betrieb straffer und präziser auftritt. Besonders überzeugend sind die Mitten, in denen Stimmen greifbar im Raum stehen und akustische Instrumente mit spürbarem Körper und natürlicher Textur wiedergegeben werden – hier fühlt sich der RU9 mehr wie ein kleines HiFi-Gerät als wie ein reiner Dongle an. Die Höhen sind sauber und unaufgeregt, mit ausreichender Detailauflösung, ohne je aufdringlich oder scharf zu wirken.
Räumlich setzt der RU9 weniger auf maximale Breite, sondern auf eine stabile Bühne mit guter Tiefenstaffelung und klarer Instrumentenplatzierung. Insgesamt richtet sich der RU9 damit weniger an Hörer, die maximale Neutralität oder extreme Kompaktheit suchen, sondern an jene, die unterwegs bewusst einen musikalischen, eigenständigen Klangcharakter bevorzugen – und genau das liefert er überzeugend.
Fotos
Fazit
Der Cayin RU9 ist ein besonderer DAC/AMP. Im Gegensatz zum neutraler abgestimmten RU7 setzt er bewusst auf einen wärmeren Klangcharakter und musikalischeren Ausdruck. Die integrierten Nutubes prägen den Klang im Röhrenmodus klar hörbar und in Verbindung mit MagSafe wirkt der RU9 trotz der größeren Maße alltagstauglicher als klassische Stick-Dongles. Wer maximale Neutralität oder extreme Kompaktheit sucht, wird anderswo fündig.
Wer hingegen unterwegs gezielt einen portablen DAC mit eigener Handschrift, Röhrenflair und emotionalem Klang sucht, findet im RU9 seinen neuen Favoriten.



