Die ÆON-Reihe ist seit Jahren der Tipp für alle, die in die Dan Clark Audio Welt einsteigen wollen. Nach dem ÆON Noire kommt mit dem Core aber jetzt kein simples Facelift, sondern ein komplett neuer Treiber, eine neue Zielkurve und ein Design, das sich deutlich vom Vorgänger absetzt. Also ein echter Nachfolger, von Grund auf neu konzipiert. Ich hatte den Core jetzt einige Zeit auf dem Kopf und ich muss sagen, er wird immer. besser. Neugierig? Weiterlesen!

[Werbung] Der Dan Clark Audio ÆON Core wurde mir für diesen Test leihweise von audiodomain zur Verfügung gestellt. Vielen Dank, Carsten!
Dan Clark Audio
Dan Clark Audio aus San Diego wurde von Dan Clark, dem Namensgeber, gegründet. Einem gelernten Elektroingenieur, der ursprünglich mit dem erfolgreichen Modden von Fostex-Kopfhörern unter dem Namen „Mr. Speakers“ bekannt wurde. Aus diesen Anfängen ist mittlerweile ein etablierter Hersteller von High-End Kopfhörern geworden, der sich mit Modellen wie dem Stealth oder dem Expanse fest in der oberen Liga etabliert hat. Die beliebte ÆON-Serie gibt es schon seit 2017 und war für viele der erste erschwingliche Zugang zu einem „echten“ DCA-Planar-Sound. Der Core ist jetzt der direkte echte Nachfolger des ÆON Noire.
Der Dan Clark Audio ÆON Core
Der ÆON Core ist ein geschlossener, planarmagnetischer Over-Ear-Kopfhörer und der direkte offizielle Nachfolger des ÆON 2. Man hat dem Core einen komplett neu entwickelten Treiber spendiert, der von Grund auf auf drei Dinge hin optimiert wurde: Effizienz, klangliche Qualität und eine optimierte Fertigung, die den Preis unter 1000 Euro ermöglicht. Der Dan Clark Audio ÆON Core ist das erste DCA-Modell überhaupt, das nach einer überarbeiteten Version der Harman-Zielkurve für Over-Ear-Kopfhörer abgestimmt wurde und wurde in Zusammenarbeit mit Dr. Sean Olive, dem Schöpfer dieser „Standardkurve“, entwickelt.
Gegenüber den älteren ÆON-Modellen und auch den Noire X Modellen bedeutet das laut Hersteller einen etwas schlankeren oberen Bass, eine leicht angehobene untere Mittenpräsentation und eine etwas weichere obere Mitte. Stimmen sollen dadurch nach vorne rücken, ohne jedoch zu präsent zu klingen. Wie sich das in der Praxis anhört, dazu komme ich im Klang-Teil natürlich noch ausführlich.
Preislich positioniert sich der Dan Clark Audio ÆON Core bei 999 Euro und reiht sich damit zusammen mit dem ÆON 2 und dem Noire X als eines der günstigeren Modelle im DCA-Portfolio ein – deutlich unter Modellen wie dem E3, dem Stealth oder dem Expanse. Trotz Planar-Treiber ist der Core wie alle ÆON Modelle vergleichsweise leicht anzutreiben, dazu gleich mehr bei den technischen Daten.

Lieferumfang & Verpackung
Die Verpackung ist unaufgeregt, wie immer. Understatement pur. Kein pompöser Koffer-Karton wie man ihn bei manch anderem High-End-Hersteller kennt, sondern eine schlichte Box mit einem ausgeschnittenen Smiley im Schaumstoff-Inlay und einem kleinen „Enjoy“-Schriftzug. Nette Idee, auch wenn der Kunststoff-Einsatz darunter ehrlich gesagt etwas günstig wirkt. Ein Hardcase, wie man es von den (leicht) teureren DCA-Modellen kennt, liegt leider nicht bei. Das sollte bei 999 Euro eigentlich machbar sein.

Der Lieferumfang im Detail:
- Dan Clark Audio ÆON Core
- Kabel (Wahlweise Klinke 6,3 mm, 4-Pin-XLR oder 4,4 mm)
- ein Reinigungstuch
- einen Kordelzug-Beutel als Tasche
- eine kurze Bedienungsanleitung
Hier hat man durch das Weglassen eines Cases definitiv gespart. Wer den Core mit in den Urlaub nehmen möchte, muss im Zubehörhandel schauen. Auch Dan Clark Audio bietet für rund 30 Dollar ein passendes Case an.
Design & Verarbeitung
Optisch ist der Dan Clark Audio ÆON Core für mich definitiv der schönste geschlossene DCA Kopfhörer, die ich in letzter Zeit in der Hand hatte. Die Kombination aus gebürstetem Aluminium der Mechanik und dem Holz an den Aussenseiten der Ohrmuscheln wirkt hochwertig und zurückhaltend elegant zugleich. Das kleine Metall-Inlay mit dem „Core“-Schriftzug rundet die „Faceplate“ ab. Die Anschlüsse sitzen bündig in der Ohrmuschel, so kennt man das. Die Haltearme der Treibergehäuse und auch das Gehäuse sind aus silbernem Metall, vermutlich Aluminium, gefertigt und sind massiver als die dünneren Arme der faltbaren Vorgänger.

Verarbeitungstechnisch merkt man deutlich, daß der Core in den USA gefertigt und montiert wird. Alles fühlt sich solide an, keine wackligen Übergänge, keine knarzenden Gelenke. „Built like a Tank“ sagt der Ami. Der Dan Clark Audio ÆON Core lässt sich dafür nicht mehr so genial zusammenklappen wie die bisherigen ÆONs, die Ohrmuscheln drehen sich nicht ein. Viele kritisieren das, ich finde es im Grunde nicht schlimm, da die Cup-Halter nun robuster wirken und auf ein Gelenk verzichten können. Außerdem nutze ich unterwegs eh andere, besser mobil geeignete Hörer oder gleich Bluetooth Varianten wie den neuen Sennheiser Momentum 5 (Test).
Das Kabel des ÆON begeistert mich nicht zwingend, obwohl es qualitativ bestimmt super ist, aber doch eher störrisch und unhandlich. Das Kabel hat eine weiche Kunststoffummantelung und die bekannte 4-Pin XLR Steckverbindung an den Hörmuscheln. Diese Bajonett-Verbindung ist sicher und rastet satt ein. Geräteseitig kann man als Kunde wählen zwischen 3.5mm/6.3mm und 4Pin XLR. Grundsätzlich ist das Kabel schon okay, allerdings sehe ich in Custom Kabeln wie etwa dem von Rotmanns Cables eine deutliche Verbesserung – nicht zwingend klanglich, aber definitiv optisch und haptisch. Ich kann die Kabel aus der Kieler Manufaktur nur empfehlen!

Komfort & Handling
Mit 440 Gramm laut Hersteller ist der Dan Clark Audio ÆON Core zwar kein Leichtgewicht, verteilt das Gewicht mittels selbstjustierendem, breitem Kopfband gleichmäßig über den Kopf. Die Ohrpolster der ÆON-Reihe sind nicht so großzügig geschnitten wie die von Stealth oder E3, meine Ohren haben aber ausreichend Platz darin. Der Anpressdruck ist gut gewählt, so daß es ausreichend Halt bietet, aber den Kopfnicht einklemmt. Insgesamt ist auch der ÆON Core ein sehr komfortabler Kopfhörer.

Beim Auf- und Absetzen fühlt sich der Core viel robuster an als die Vorgänger. Der Verzicht auf den Faltmechanismus macht´s möglich. Das Kopfband kommt mir fester vor, die abgesteppten Segmente auf der Unterseite sind nicht ideal gewählt. Ein weicheres Material oder der Verzicht auf eine Struktur würde dem Komfort entgegen kommen.
Ach ja: Den gewaltigen Körperschall über die Federstahlbügel hat man traditionellerweise übernommen. Mittlerweile ein echtes Trademark! ;-)
Klangqualität
Der Dan Clark Audio ÆON Core ist, wie obern erwähnt, das erste Dan Clark Audio Modell, welches einer überarbeiteten Harman-Zielkurve folgt, und das hört man ihm auch deutlich an. Er klingt sehr ausgewogen, aber ohne dabei steril oder „analytisch“ zu wirken.
Gehört habe ich den Core am JDS Labs The Element IV (Test), dem Fosi Audio (Test) und dem Feliks Euforia Evo (Test). Bei den mobilen Playern musste mein „Daily- DAP“, der Cayin N6III (Test) ran. Der Kopfhörer benötigt Power, das steht fest. Er skaliert an leistungsstarken Kopfhörerverstärkern und profitiert dort deutlich.
Die grundsätzliche Klangsignatur des ÆON Core ist tonal sehr ausgeglichen und kohärent. Aus der Erinnerung klingt er dem Noire X ähnlich, allerdings ab Werk mit deutlich schlankerem Bassbereich. Dan Clark Audio beschreibt die Abstimmung als Harman-optimiert, und genau das trifft es wohl. Der Klang ist sehr angenehm, langzeittauglich und hat, wie eigentlich alle DCA Hörer, etwas durchaus autoritäres – schwer zu beschreiben. Wenn man sich an die Signatur adaptiert hat, folgert man unweigerlich: Ja, genauso hat ein Kopfhörer zu klingen.
Bass
Der Bass ist clean, sehr detailliert, straff und mit gutem Punch, aber er hat nicht wahnsinnig viel Pegel. Das führt dazu, daß der Core bei schwach abgemischten oder eher bassarmen Produktionen manchmal ein bißchen dünn und wenig dynamisch wirken kann. Ihm fehlt dann einfach etwas die Fülle im unteren Bereich, um wirklich satt zu klingen. Dafür bietet er eine vorbildliche Kontrolle und Präzision – was ideal für schnellen Metal ist. Aber wer beim Hören gerne ordentlich Körper und Wumms im Bass spürt, der muss vermutlich einen Equalizer bemühen. Die gute Nachricht: Der Core lässt sich wunderbar per EQ anpassen, der Bass bleicht dabei präzise und kontrolliert.
Mitten
Die Mitten sind sehr natürlich, aufgeräumt, transparent, mit einer richtig guten Textur und Auflösung. Vor allem klingen sie absolut kohärent zum Bass- und Treble-Bereich. Stimmen klingen lebendig, echt und unangestrengt. Instrumente werden fein aufgelöst wiedergegeben, mit natürlichem Timbre und vielen kleinen Details. Gitarren, Klaviere, akustische Instrumente allgemein, das macht hier richtig Spaß.
Höhen
In den Höhen bleibt der Core angenehm entspannt, ohne dabei dumpf zu klingen. Er ist klar und transparent, nie nervig oder anstrengend, dabei aber mit erstaunlich guten Mikrodetails, zum Beispiel im Sustain von Trommeln oder im Timbre von Becken, das wirklich metallisch und echt klingt statt blechern. Sibilanzen, also dieses unangenehme Zischeln bei S-Lauten, habe ich in keinem meiner Testtracks bemerkt. Für Hörer, die empfindlich auf harte Höhen reagieren, ist das eine echte Wohltat.

Bühne & Separation
Die Bühne hat mich überrascht – für einen geschlossenen Kopfhörer spielt der Dan Clark Audio ÆON Core erstaunlich breit und offen, die räumliche Präsentation wirkt luftiger, als man es bei einem geschlossenen Kopfhörer erwarten würde. Instrumente lassen sich jederzeit gut orten, nichts klingt matschig oder ineinander verschwommen.
Die Auflösung insgesamt ist typisch DCA wirklich gut, hier merkt man natürlich deutlich, daß DCA reichlich Erfahrung mit Planar-Treibern hat. Im direkten Vergleich mit dem Noire X, DCAs anderem geschlossenen Modell in ähnlicher Preisregion, löst der Core sogar noch etwas feiner auf. Dafür hat der Noire X etwas mehr Bass zu bieten, was ihm insgesamt eine wärmere, organischere Tonalität verleiht. Wer also den Core mit dem Noire X vergleicht: Der Core ist die transparentere, luftigere, etwas neutralere Wahl, der Noire X spielt wärmer und satter im Bass. Beide haben ihre Berechtigung, es kommt darauf an, was euch persönlich näher liegt.
Isolation
Die passive Geräuschisolation ist richtig gut. Bei mir dichten die Pads so dermaßen gut ab, daß ich absolut nichts störendes mehr von meiner Umgebung wahrnehme. Das ist einerseits gut, muss man andererseits aber auch mögen. Kommt immer auf den Einsatzzweck an.
Eine Warnung zum Schluss: Aufgrund der absolut kohärenten Abstimmung wird kein Frequenzbereich in irgendeiner Weise bevorzugt. Das führt dazu, daß man ständig am Lautstärkeregler lauter dreht – zumindest geht es mir so. Zum einen gewinnt der präzise Bass bei mehr Lautstärke an Dynamik, zum anderen bleibt der Core auch bei hohen Pegeln verzerrungsarm und absolut kontrolliert. Also Obacht auf die Lauscher!
AEON Core vs. Noire X und AEON 2
Der direkte Konkurrent aus dem eigenen Haus ist der nur rund 250€ teurere Noire X. Der bringt in der Werksabstimmiúng spürbar mehr Bassfundament und Spaßfaktor mit und dürfte somit für den Alltagshörer die spektakulärere Wahl sein – inkl. teilweise fordernder Höhen. Der Dan Clark Audio ÆON Core spielt dagegen die unspektakuläre Referenzkarte aus und übertrifft auch den ÆON Noire in technischer Hinsicht. Gegenüber diesem legt der Core in Sachen Detailauflösung, Klarheit und räumlicher Abbildung einfach hörbar zu. Leider ist er nicht mehr klein faltbar. Man kann halt nicht alles haben…
Fotos
Fazit
Für mich ist der Dan Clark Audio ÆON Core ganz klar der beste ÆON bis jetzt. Klanglich bemerkenswert erwachsen, optisch endlich richtig schick und äußerst robust noch dazu.
Für 999 Euro liefert der Core das ab, was noch vor ein paar Jahren Jahren locker in der 1500-Euro-Klasse mitgespielt hätte. Das allein macht den Core für mich zum spannendsten ÆON, den DCA bisher gebaut hat. Hier macht man xix falsch!



