Puh, das geht ja Schlag auf Schlag bei FiiO. Innerhalb kürzester Zeit haben die Chinesen gleich drei! Flaggschiff-DAP veröffentlicht. Zuerst kam der M11 und setzte sich auf an die FiiO Spitze. Nur kurz danach wurde ihm dieser Platz aber wieder streitig gemacht. Der technisch verbesserte M11 Pro meldete Anspruch auf den Thron an – zum nachvollziehbarem Unbill der frisch gebackenen M11 Besitzer…
Aber auch die Amtszeit des M11 Pro war nur von kurzer Dauer. Denn der aktuelle Regent der FiiO DAPs hat sie alle übertrumpft und hält von nun an das Zepter in der Hand. Der FiiO M15 hat das Zeug, es länger an der Spitze auszuhalten.
Dieser umfangreich ausgestattete und top verarbeitete DAP kann nun wirklich im absoluten HighEnd Bereich punkten. Dort, wo sich sonst nur exorbitant kostspielige Player tummeln. Wobei – ein Schnäppchen ist der M15 auch nicht gerade. Mit stolzen 1.399€ UVP ist er sehr selbstbewusst ausgepreist. Dafür muss er in allen Belangen voll abliefern. Ob der Player dem gerecht wird, was er drauf hat und vor allem wie der neue König klingt – das lest ihr hier.


[Werbung] Der M15 wurde mir für diesen Test vom deutschen FiiO Vertrieb zur Verfügung gestellt.


Der FiiO M15 – Im High End angekommen?

Kopfbox gehört zu einigen wenigen deutschen Kopfhörerseiten, die diesen Player schon zu so einem frühen Zeitpunkt für einen Test vorliegen haben. Vielen Dank an dieser Stelle an NT-Global, die mir diesen Test durch die Leihgabe des Players ermöglichen.
Zum Zeitpunkt des Testberichtes ist der M15 nun auch schon einige Wochen bei mir und ich habe ihn ausführlich in verschiedenen Szenarien mit verschiedenen Kopfhörern und InEar nutzen können.
Normalerweise arbeite ich die vorliegenden Geräte hier der Reihenfolge nach ab, aber der M15 hat mein Interesse dann doch so nachhaltig geweckt, daß ich den Erfahrungsbericht dazu dem M11 Pro Bericht vorziehe. Denn eigentlich wäre ja erst der M11 Pro an der Reihe gewesen. Dieser wird aber nachgereicht, versprochen!

Bei der Geschwindigkeit, mit der FiiO die Geräte raushaut wird, kann man leicht den Überblick verlieren. Ganz kritikfrei bleibt das nicht, vor allem wenn man das jeweils aktuelle Flaggschiff bereits nach wenigen Monaten wieder durch ein nochmals „besseres“ Gerät abgelöst sieht. Das empfinden manche „Fans“ nicht ganz unbegründet als mindestens ärgerlich, sind doch viele auf der Suche nach dem stets Besseren.
Sei es drum, ich begrüße diese Innovationsfreude trotzdem und bin gespannt, was uns der M15 als aktueller Flagschiff DAP (Stand: 02/2020) zu bieten hat.

In erster Linie ist FiiO ja als Einsteigermarke bekannt und hat in der Vergangenheit stets überzeugende Qualität zu kleinem Preis abgeliefert. Man kann der Firma sogar eine Art Pionierrolle zusprechen, hat sie doch dazu beigetragen, daß gut ausgestattete und gut klingende „MP3-Player“ erschwinglich erschwinglich und damit der breiten Masse zugänglich wurden. Mit wachsenden Ansprüchen und der Lust auf mehr, haben viele der frühen Kunden dann nach anderen Playern Ausschau gehalten und sind in höherpreisige Regionen abgewandert. Mit dem M11 Pro und spätestens jetzt mit dem M15 will FiiO offensichtlich diesen Steigbügelhalter-Status verlassen und auch endlich diejenigen – zahlkräftigen und anspruchsvollen Kunden – selbst bedienen.

Und auf den ersten Blick ist das auch voll gelungen. Der FiiO Flagship M15 Android Hi-Res Lossless Smart Portable Music Player – so nennt ihn FiiO selbst auf deren Website – ist in allen Belangen absolut überzeugend. Technik, Ausstattung, Features und Leistung versprechen einen wirklich ultimativen DAP mit allem was das Herz begehrt. Bevor ich darauf näher eingehe, schauen wir aber erst mal, was alles so in der Packung ist:


Lieferumfang & Verpackung

Mittlerweile haben nach Apple ja auch viele andere Firmen erkannt, wie wichtig der erste Eindruck ist. Der Aufwand, der in eine aufwändige Verpackung und das Erlebnis „Unboxing“ per se gesteckt wird, ist heutzutage hoch. Bei FiiO mächte man dem in nichts nachstehen, und so ist der M15 auch der am aufwendigsten verpacke Player der Marke bisher.
Das Paket ist schonmal außergewöhnlich schwer, allein das ist schon vielversprechend. Wie hoch FiiO den Qualitätsanspruch aufhängt, wird auch daran deutlich, daß um die eigentliche Verpackung noch ein schmuckloser, lediglich mit einem dezenten FiiO Logo gebrandeter, Karton aus gewöhnlicher Paketpappe zum Schutz dient.

In dessen Inneren befindet sich dann die eigentliche Schachtel des M15, welche zwar der Designsprache des letzten Retail-Verpackungen folgt, aber durch den Einsatz einer metallisch in Regenbogenfarben schimmernden Reliefbedruckung den Flaggschiffanspruch auch unmißverständlich äußerlich für sich reklamiert. Die Unboxingprozedur verläuft zumindest schonmal äußerst spannend und vielversprechend. Hat man die Folie entfernt, kann man aus dem dickwandigen Pappschuber eine schwarze Pappbox mit Deckel herausziehen. Die Spannung steigt weiter, wenn man in dieser Schachtel eine weitere Box – dieses Mal aus Holz! – findet.
Nach dem Entfernen der Banderole wird der Deckel der edlen Holzschatulle mit angemessener Ehrfurcht abgehoben und zum Vorschein kommt endlich der Star der ganzen Vorstellung: Majestätisch eingebettet in einem schwarzen Schaumstoffbett liegt der aktuell FiiO-König in seiner ganzen Pracht als warte er nur darauf, endlich befreit zu werden um den Thron zu besteigen.

Unter der ersten Etage mit dem M15 befindet sich eine weitere Pappschachtel mit dem Zubehör:

Im Einzelnen ist im Karton zu finden:

  • Fiio M15 Digital Audio Player
  • USB-C Kabel
  • Screen Protector (Glas)
  • Papierkram

Hier kommt die erste Kritik: Leider legt FiiO keine ordentliche Hülle bei, was absolut enttäuschend ist. Schlimmer noch: Es wird aktuell noch nicht einmal eine Hülle als optionales Zubehör angeboten. Sehr schwach für einen König.
Dazu kommt, daß der beiliegende Displayschutz aus Glas zu klein ist und am Rand je 2mm das gebogene Front-Display nicht vollständig abdeckt. Aufgrund der Dicke des Glases sieht man diese Kanten dann sehr deutlich… Gut, daß FiiO immerhin Gorillaglas verwendet.

FiiO hat im Grunde den Ersteindruck perfekt konzeptioniert, aber mit zwei Nachlässigkeiten den 100% positiven Effekt verfehlt. Denn erstens steckt die erste Lage Schaumstoff – die, in deren Ausschnitt der M15 gebettet ist – zu fest im Karton. Will man sie herausnehmen um an die untere Etage der Schachtel zu gelangen, nimmt man das kleine Band zu Hilfe welches eigentlich nicht dafür gemacht ist – und reißt es ab. Zum zweiten fehlt eine Hülle und die Displayfolie passt nicht. Hier hätte man sorgfältiger sein müssen.


Features & Technische Daten

FiiO hat mit dem M15 ein wahres Ausstattungs- und Leistungsmonster erschaffen. Der Player vereint so ziemlich alles, was man 2020 in einem echten Top-Of-The-Line DAP erwarten würde. DAC, AMP, Konnektivität, Display – alle Einzelkomponenten sind vom Feinsten. Interessant: Den gleichen DAC, nämlich den AK4499EQ, findet man auch im Astell & Kern SE2000 – und der kostet immerhin fast das Dreifache…
Wer tiefer und vollständig in die technischen Details und Zahlen einsteigen möchte, der möge sich auf der FiiO Seite informieren. Ich möchte hier nicht alle Details im Einzelnen aufdröseln. Fakt ist indes, daß der FiiO beim M15 bei allen Komponenten wirklich auf ultimative Bauteile gesetzt hat. Im Folgenden nur kurz die Eckpunkte und weiter unten noch die vollständige Auflistung.

  • 3GB RAM und 64GB interner Speicher
  • 1 MicroSD slot
  • Samsung Exynos 7872 Prozessor
  • Dual AK4499EQ DAC Chip
  • XMOS XUF208 Controller
  • Qualcomm CSR8675 Bluetooth Chipsatz
  • Double NDK Femtosecond crystal oscillator FGPA
  • 7490mAh 3.8V Li-polymer battery

DAC
Als DAC setzt FiiO ein Paar AK4499EQ Chipsätze ein. Neben allen Standard-Formaten decodiert dieser Top-Wandler natürlich auch die wichtigsten HiRes Formate bis 768kHz Samplingrate und natives DSD512. Wie bereits oben erwähnt kommt dieser DAC auch viel teureren Geräten zum Einsatz.

AMP
Der M15 hat Leistung ohne Ende! Er liefert genug Power, um auch anspruchsvollste OverEar Kopfhörer zu befeuern. Bleibt aber auf der anderen Seite feinfühlig genug, um selbst empfindlichste InEars rauschfrei anzutreiben. Möglich macht das neben der üblichen Gain Einstellungen auch eine anpassbare Endstufe – Ein sogenannter Over-Ear Modus ist einfach über das Menü einstellbar. Aber auch im Low Gain Modus hat der M15 noch richtig Power und kann ganz locker gesundheitsschädliche Pegel erreichen. Meinen HD660S treibt er ganz lässig an, selbst der HD800S mit 300 Ohm stellt überhaupt kein Problem dar.

Anschlüsse
Wie schon mit dem DAC/AMP FiiO Q5S (Hier im Test) eingeführt, sind auch am M15 alle drei aktuell wichtigsten Kopfhörer-Ausgangsbuchsen verbaut:

  • 3.5mm unbalanced
  • 2.5mm balanced
  • 4.4mm balanced

Neben dem „normalen“ 3,5mm Kopfhörerausgang finden sich also gleich beide symmetrischen Ausgangsvarianten: 2.5 und 4.4mm. Meiner Meinung nach eine perfekte Lösung, denn so bleibt man jederzeit flexibel und spart sich das nervige Gefummel mit Adaptern.

Bluetooth
Bluetooth funktioniert selbstverständlich in beide Richtungen. So arbeitet der M15 wahlweise als Sender (z.B. zu einem Kopfhörer) oder als Empfänger von digital (z.B. vom Smartphone) zugespielter Musik. Ist mittlerweile auch Standard bei den meisten aktuellen DAP. Ich nutze es gern im Empfangsmodus, um Musik vom iPhone auf den Player zu streamen.

Betriebssystem
Android. Leider. Und dann auch noch nur die völlig veraltete Version 7.0…. Puhhh,…..
Ich mache keinen Hehl daraus, daß ich das Android-System generell nicht sonderlich mag. Klar, man ist flexibel im Vergleich zu einem proprietären System, kann Software installieren und Videos gucken. Und Streamen. Und Spielen. Aber dafür schleppt man den ganzen Ballast auch immer im System rum. Auch dann, wenn der DAP nur das machen soll, wozu er eigentlich ersonnen wurde: Musik spielen. Ich will kein zweites Smartphone (schon gar keines mit Android BS), eine lange Laufzeit wäre mir lieber…
Logisch, Streamen ist heute nicht mehr wegzudenken. Aber das kann ich auch auf dem iPhone und von da gehts dann per BT auf den DAP. Aber ich kann verstehen – die Verlockung ist groß, was geht wird umgesetzt. Und letztlich braucht es zum Streamen auch kein Android OS.

Was bei der Nutzung weiter auffällt ist, daß tlw. übersetzte Menüeinträge nicht ganz angezeigt werden – meinst dann, wenn sie einen Zeilenumbruch haben. So etwas darf nicht sein – nicht bei einem DAP mit Flaggschiffanspruch! Unterm Strich – und mal völlig emotionslos – muss ich dem System aber eine sehr gute Performance und Usability bescheinigen. Das passt alles schon ganz gut. Und ja, ich nutze auch mal gern Amazon Music HD* auf dem M15…
In Anbetracht des Funktionsumfangs und der Erweiterbarkeit, die mit Android zur Verfügung stehen, freunde ich mich gerade etwas mit dem System an…

Speicher
Mir persönlich ist der interne Speicher mittlerweile völlig schnuppe, meine Musiksammlung passt auf eine 400GB microSD Karte. Der FiiO M15 hält intern 64Gb bereit und kann micro SD-Karten bis 2TB verarbeiten – insofern ist hier definitiv ausreichend Zukunftssicherheit gegeben.

Zur Vervollständigung an dieser Stelle die technischen Daten, welche der FiiO Webseite entnommen sind:

  • Dual DAC AK4499EQ
  • Schneller SoC Exynos 7872 Processor
  • 3GB RAM
  • 64GB interner Speicher. bis zu 2TB mit microSD-Karte
  • 5.15″ HD Display (720P) – Gorilla Glass
  • 2.4/5GHz dual-band WIFI
  • 7490mAh Akku with 15h Music-Laufzeit
  • 2.5mm Balanced, 3.5mm and 4.4mm Balanced
  • Qualcomm Bluetooth Chip CSR8675 with two way LDAC Bluetooth
  • Two Class-Leading Femtosecond Crystal Oscillators from NDK, Japan
  • XMOS XUF208 Control Chip which supports direct decoding 768kHz/32bit, Native DSD512 support
  • Fully Decode (8x) Original MQA Files
  • Professional ADC Volume Adjustment Mode
  • CNC Machined Aluminium-Magnesium Alloy Chassis
  • Five Physical Buttons with Customizable Functions
  • Solid North American Black Walnut Wooden Enclosure
  • Independent “HOLD” Switch, PCB Coated with Graphite and Thermally Conductive Silicone Grease
  • All to DSD 2nd Gen
  • One-click Standby Mode
  • 21W Dual Quick Charging
  • Android / Pure Music / USB DAC
  • FiiO Link, DLNA, AirPlay, WiFi Song Transfer support
  • FiiO Original Music APP
  • Weight 310g
  • Dimensions 134mm x 75mm x 18mm

[Quelle: fiio.com]


Design & Verarbeitung

Nimmt man den M15 aus seiner edlen Verpackung und hält man ihn das erste Mal in der Hand, so fallen einem (also zumindest erging es mir so…) zwei Dinge sofort auf – und zwar in genau dieser Reigenfolge:

  1. Wow, ist das ein massives, edles und schweres Gerät. Fanttastisch!
  2. WTF!? Was ist DAS denn? Der Lautstärkeregler passt ja mal so gar nicht zum restlichen Gerät!

Warum hat man an einem solchen DAP keinen Aluregler verbaut? Der M11 hat einen, selbst der X7. Aber beim Flaggschiff nehmen sie Plastik? Und dann noch hochglänzend? An einem schwarz-matten Alugehäuse? Ach komm….
Ich meine, da macht man sich technisch die größten Gedanken und konstruiert ein wirklich überzeugendes Gerät – und auch der Volumeregler hat ein tolles Konzept, siehe weiter unten -, verbaselt es dann aber optisch mit einem billigsten Cent-Bauteil…
Okay, vielen ist das vielleicht egal, weil sie keinen Wert darauf legen. Oder nicht jeder kann mein mein Gemoser nachvollziehen. Vielleicht bin ich da auch zu empfindlich, aber mich stört sowas halt kolossal. Für mich muss solch ein teures Gerät neben tadelloser Funktion auch optisch passen.
Für ein paar Cent mehr hätte man das richtig stimmig machen können….vielleicht mit einem messingfarbenen Aluregler, der farblich zu den Einfassungen der danebenliegenden Buchsen passt…? Ich glaube fast alles wäre besser gewesen als dieser Plastikknopf.
Anyway, Schluss jetzt, aber das musste einfach mal raus.

Update:
Wie sich herausgestellt hat, ist es sehr wohl ein metallener Regler mit einer Glasoberfläche. Also das genaue Gegenteil von billigem Plastik! Mit dieser Info gefällt er mir auch deutlich besser. Psychologie…. Das Design bleibt natürlich weiterhin Geschmacksache, aber zumindest meine Vorwürfe an FiiO, hier Plastik verwendet zu haben, sind damit entkräftet.

Wie sieht es mit dem Rest aus?
Fast perfekt würde ich sagen. Das Gehäuse aus schwarz-matten Aluminium ist tadellos verarbeitet, sieht edel aus und fühlt sich ebenso wertig an. Die runden Kanten sind ergonomisch sehr gut und die kupferfarben eingefassten Buchsen heben sich toll vom schwarzen Gerät ab. Alle Tasten sind sauber eingelassen und haben einen guten Druckpunkt.

Leider ist die 4.4mm Buchse anscheinend nicht 100% konzentrisch innerhalb der Umrandung, hier wäre eine höhere Fertigungstoleranz oder Qualitätssicherung angebracht.
Update: Die schlechte Zentrierung scheint konstruktionsbedingt zu sein. In vielen Videos sieht das genauso aus… Das macht es eigentlich noch schlimmer: Warum kann man auf so etwas nicht achten?


Bedienung / User Interface

Allgemein

Datentransfer
Tja, es ist halt wieder ein Android-DAP. Und hier liegt systembedingt mein ganz persönliches Problem. Denn mein Workflow ist immer noch folgender: Ich nutze am iMac schon seit ewiger Zeit ein praktische Synchronisationsprogramm (Chronosync). Das ermöglicht es mir, ein im System gemountetes Laufwerk mit meinem Musik-Verzeichnis zu synchronisieren – wobei jeweils immer nur neue Dateien von einer Quelle ins Ziel kopiert werden. Klappt mit Sonys Playern wie dem ZX300 oder dem Shanling M0 übrigens super, mit Android Kisten leider nicht. Denn diese werden im macOS nicht als Laufwerk gemountet. Android File Transfer hilf hier leider auch nicht weiter, da die Software das Laufwerk nicht systemweit zur Verfügung stellt. Also bleibt mir bei Android Playern leider nur der Weg, direkt auf die Karte zu syncen. Dazu muss die Karte aus dem Player. Und hier macht es mir FiiO nochmal extra schwer, denn der Karteschacht lässt sich ja nur mit einem Alupin öffnen. Der Bereich Dateihandling ist für mich persönlich also ein klarer Fail.

Der M15 bietet auch die Möglichkeit, Dateien per WLAN von einem Computer auf das Gerät zu übertragen. Leider landen diese dann in einem eigenen Ordner und ich habe es nicht geschafft, diese Dateien meinem Musik-Ordner auf der Speicherkarte hinzuzufügen.

Bedienung
Ist die Karte erst einmal voll, eigelegt und eingelesen, geht der Spaß los. Der M15 läßt sich einfach und intuitiv bedienen. Der Volumeregler lässt sich sahnig bedienen, die Dämpfung ist toll. Auch super ist, daß der Regler einen physikalische Begrenzung hat. Das hat ein analoges Feeling und verschafft einen klaren Überblick, in welcher Stellung sich die Lautstärke aktuell befindet. Super gelöst!

Ein Klasse Detail offenbart sich bei Tastensperre: Sollte sich die Lautstärke im gesperrten Zustand geändert haben, z.B. der Lautstärkeregler auf MAX stehen beim Deaktivieren der Sperre, so bleibt trotz allem die vorher eingestellte Lautstärke „eingefroren“ – egal wo der Regler steht. Auf diese Weise wird verhindert, daß man sich Ohren und/oder Equipment schrottet. Hier hat man sich also richtig Gedanken gemacht und eine sichere und tolle Lösung realisiert.

Die Steuerungstasten befinden sich ausschließlich an der linken Seite und haben allesamt einen sehr guten Druckpunkt. Der LOCK Schieber rastet sauber ein.

Folgende Steuerungstasten sind vorhanden:

  • Lock
  • Power
  • Play/Pause
  • Vor
  • Zurück

Die unterste Taste ist frei belegbar. Mögliche Optionen sind:

  • Zu Favoriten hinzufügen
  • Zufällige Titelwiedergabe
  • Aktuellen Titel löschen
  • Filter wechseln
  • Equalizer wechseln
  • USB DAC Modus aktivieren
  • Bluetooth Empfängermodus

Im rein physischen Handling mit dem Player sind mir zwei Sachen negativ aufgefallen:

Beim Hochheben/Greifen des Gerätes von der Tischplatte drücke ich oft versehentlich eine der Steuerungstasten an der linken Seite und löse einen Titelsprung aus oder pausiere. Das nervt.

Das zweite „Problem“ ist eher konstruktiver/konzeptioneller Natur. Die Kopfhörerausgänge und der Lautstärkeregler befinden sich an der Oberseite des Players, was durchaus gut ist. Nun lege ich den M15 aber gerne so auf dem Schreibtisch ab, daß die Oberseite zu mir zeigt, ich also leicht an den Lautstärkeregler komme. In dieser Position steht aber nun das Display Kopf…
Toll wäre, wenn man in den Einstellungen die Displayorientierung einstellen könnte…

Navigation

Musikbibliothek
Die FiiO Musik App ist aktuell wohl die optisch attraktivste. Allein das Cover sieht zusammen mit dem farblich dem Cover angepassten Hintergrund im Playscreen auf dem großen Display einfach fantastisch aus.

Die Navigation ist flüssig und ruckelfrei, hier und da gibt es lediglich ein paar Mikroruckler Hänger. Nicht ganz zu vergleichen mit einem Smartphone – da hakt zumindest bei meinem iPhone XR gar nix. Trotzdem geht das sehr angenehm von der Hand.
Die Darstellung ist wie gesagt super gelungen, Cover in der Album-Ansicht laden schnell und die Sortierung ist übersichtlich. Schön: Zuletzt hinzugefügte, zuletzt gespielte und oft gespielte Dateien werden auf der Startseite der App angezeigt.

Dateiexplorer
Wer seine Musiksammlung gut sortiert hat, wird auch mit der Dateinavigation glücklich. Interpret, darunter die Alben – dann klappt das. Zumindest für Albenhörer wie mich. Allerdings muss natürlich hier auf die Anzeige der Cover bei der Navigation verzichtet werden, dafür läuft alles nochmal deutlich flüssiger.

Streaming

Streaming klappt erwartungsgemäß gut. Ich habe Spotify und Amazon Music getestet. Beide Apps lassen sich leicht über den FiiO Appstore nachladen. Das klappt mittlerweile super und steht der Nutzung auf dem Smartphone in nichts nach.

Soundtuning

Zur Individualisierung stehen verschiedene Filter und ein Equalizer zur Verfügung. Hiermit kann der Klang umfangreich an die persönlichen Präferenzen angepasst werden. Ein Balanceregler gleicht eventuell vorhandene asymmetrische Hörschwächen aus.

10-Band Equalizer
Der 10-Band EQ verfügt über diverse Vorseinstellungen und eine individuelle Einstellung. Diese muss man in der deutschen Übersetzung aber suchen. Sie heißt schlicht „Benut“. Im Englischen passt das: „User“… Puh….

Filter
Folgende Filter stehen zur Verfügung:

  • Sharp Roll-Off
  • Slow Roll Off
  • Short Delay Sharp Roll-Off
  • Short Delay Slow Roll-Off
  • Super Slow Roll-Off
  • Low Dispersion Short Delay

An dieser Stelle muss ich wieder mal zugeben, daß ich keine großartigen Unterschiede bei den verschiedenen Filtern wahrnehme. Nice to have, einen wirklichen Nutzen sehe ich persönlich für mich nicht darin.

Firmware Update

Hier kann ich noch nichts zu sagen, Stand heute (02/2020) gibt es noch kein Update. Zumindest gibt es eine OTA Möglichkeit. Ein Update zu finden ist auf der FiiO Seite aber auch nicht ganz einfach, viele Teile der Website sind anscheinend nicht übersetzt… Ich hoffe also, daß ein Update leichter als beim Q5S vonstatten geht…
Zusätzlich steht ein Online-Update zur Verfügung. Dieses ist gut versteckt: Man findet es unter der App „Technischer Support“ und nicht unter den normalen Einstellungen.

Akkulaufzeit und Laden

Der Akku ist ein wahrer Gigant: 7.490mAh sorgen für eine Laufzeit, von der der z.B. ein iBasso DX220 nur träumen kann. Laut FiiO bringt es der M15 auf 15 Stunden Musikwiedergabe. Laufzeiten messe ich ja nicht wissenschaftlich, aber gefühlt kommt das durchaus hin. Ein Traum, wenn man bedenkt, daß man in dieser Zeit im Grunde eine echte Desktop-Performance geboten bekommt.


Klangqualität

Nach all dem Vorgeplänkel und durchaus wichtigen Aspekten bei einem DAP wie Ausstattung und Bedienung, kommen wir nun zum Wesentlichen – dem Klang.
Und hier muss ich sagen: Wow… ich bin echt überrascht.

Hier vertrete ich ja oft die Ansicht, daß sich ein guter DAC – und natürlich auch ein Verstärker – gerade dadurch auszeichnet, daß er eigentlich keinen wesentlichen Einfluß auf die Klangqualität nimmt, sondern die abgespielte Musik möglichst unverfälscht wiedergibt. Daraus resultierend folgerte ich oft, daß es wenige bis keine Unterschiede im Klang von guten DAP geben dürfte.
Das ist aber nur die halbe Wahrheit, denn am Ende gibt es sie eben doch – die Unterschiede im Klang. Und der M15 macht eindrucksvoll deutlich, daß es diese Unterschiede gibt.

Zur Einordnung: Ich höre mit dem Sennheiser HD660S an einem symmetrischen Kabel mit 4.4mm Stecker und dem Sennheiser HD800S /unbalanced. Als InEar kommt der Campfire Audio Andromeda Gold zum Einsatz.
Aufgrund der reichhaltigen Power spielt der M15 so locker und lässig-kraftvoll wie ein ausgewachsener Desktop-Kopfhörerverstärker.

Bisher markierte für mich persönlich im Bereich der DAP der iBasso DX220 das Maß der Dinge. Ich konnte mir nicht vorstellen, wie man hier klanglich noch etwas draufpacken kann. Der FiiO M15 hat es mir jetzt gezeigt.
Tonal etwas wärmer und organischer, klingt er trotzdem ebenso wie der DX220 sehr transparent, detailliert und differenziert. Darüberhinaus ist er aber noch deutlich kraftvoller, man spürt einfach diese Power irgendwie in jeder Note, jedem Snaredrumschlag.

Der M15 spielt sehr involvierend und „musikalisch“, soll heißen daß er es schafft, einerseits die Musik nicht zu sehr auseinanderzunehmen und ins Analytische abzudriften. Andererseits spielt er aber auch extrem detailliert und präzise, präsentiert alle Facetten der Instrumetierung höchst klar und definiert. Seine Kraftreserven manifestieren sich beeindruckend in strahlenden, knackscharfen Gitarrenriffs, knalligen Snaredrums und explosiven Schlagwerkschlägen. Und das alles bei bereits der kleinsten Leistungsstufe. Nachteil des ultraklaren und präzisen Sounds: Man greift allzugern und allzuoft zum Lautstärkeregler und justiert nochmal nach – nach oben. Alles ist so klar und wundervoll kontrolliert….Spätestens hier sei eine Warnung angebracht: Ihr habt nur einen Satz Ohren, also geht verantwortungsvoll damit um! Zu lautes Hören macht euch die Lauscher nachhaltig kaputt….
Und hier bedarf es in der Tat einiger Selbstdisziplin, denn der M15 lässt es locker auch in exorbitanten Lautstärkeregionen mega-präzise und verzerrungsfrei krachen.


Galerie FiiO M15


Galerie FiiO M15 Screenshots

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Fazit

Respekt und Chapeau! Der M15 ist der erste FiiO DAP, der mir wirklich so richtig, richtig gut gefällt. Klanglich ist der Player absolut genial, die Ausstattung spricht für sich, die Verarbeitung ist super und auch Leistung ist mehr als genug vorhanden.
Alle drei wichtigen Ausgänge sind vorhanden, die Software ist gut und das Display top. Android als Betriebssystem? Kann man drüber streiten. Die Akkulaufzeit ist mehr als ausreichend, erst recht angesichts der kräftigen Leistung.

Ganz im Ernst: Aktuell ist der FiiO M15 der beste DAP, den ich kenne. Meinen aktuellen persönlichen Favoriten, den iBasso DX220, schlägt er eigentlich in allen Punkten.

Der FiiO M15 ist echtes portables High-End und kommt meiner Idealvorstellung eines modernen DAP schon wirklich verdammt nahe.

Der FiiO M15 ist ein durch und durch empfehlenswerter Digital Audio Player!


[Werbung] Der M15 wurde mir für diesen Test vom deutschen FiiO Vertrieb zur Verfügung gestellt. Vielen Dank an dieser Stelle!

FiiO M15 | Bewertung

9.5

Klangqualität

10.0/10

Verarbeitung

9.5/10

Bedienung

9.5/10

GUI/Software

9.5/10

Preis / Leistung

9.2/10

Pros

  • Fantastischer Klang
  • Tolle Verarbeitung
  • Universelle Ausgänge
  • Satte Leistung
  • Gute Konnektivität
  • Lange Akkulaufzeit

Cons

  • Optisch unpassender Lautstärkeregler
  • Kein Case im Lieferumfang
  • Beigelegter Displayschutz passt nicht