Schon lange überlege ich, mir den Hifiman Ananda mal anzuhören. Nun behaupten manche, daß der Hifiman Edition XS sogar der bessere Hifiman ist – und das sogar noch zu einem geringeren Preis. Grund genug, die Serie an Hifimännern hier auf Kopfbox fortzusetzen. Was kann der Hifiman Edition XS?


[Werbung] Der Kopfhörer wurde mir für diesen Test leihweise zur Verfügung gestellt. Vielen Dank !


Der HIFIMAN Edition XS | Testbericht

Hifiman konnte ja hier bereits im unteren Preissegment mit HE400se richtig gut punkten. Und genau wie bei diesem verwendet Hifiman auch beim Edition XS einen planarmagnetischen Antrieb.

Gegründet wurde Hifiman im Jahre 2009 und sorgte für Furore mit den Modellen HE5 und HE6. Im Laufe der Jahre kamen einige, hoch-geschätzte Kopfhörer auf den Markt. Die Preise rangieren von knapp über 100€ für den HE400SE bis zum Flaggschiff Susvara für 6.000€ und noch teureren Kombinationen mit Verstärkersystemen wie Shangri-La und Shangri-La jr.

Mit dem HE500i und HE400se gab es zwei absolute Preisknaller. Mehr Kopfhörer für unter 200€ findet man nicht. Und auch der XS wartet mit einem Kampfpreis auf – trägt er doch die Stellt Technik des Arya in sich – und der kostet immerhin fast das dreifache!

Die Planar-Magnetostat Technik

Im Vergleich zu herkömmlichen, dynamischen Kopfhörern, sollen Planarmagnetostaten ein überlegenes Klangerlebnis in Bezug auf die Gesamtqualität bieten, resultierend aus der Tatsache, daß es keine Punktschallquelle gibt, sondern der Klang auf einer Fläche erzeugt wird.

Dynamische Kopfhörer hingegen verwenden radiale Schallwandler, bei denen der Weg von verschiedenen Bereichen der Membran zum Ohr unterschiedlich lang ist. Planarmagnetische Kopfhörer in einem weitern Punkt von dynamischen Kopfhörern: Ihr Gewicht der Membran ist viel geringer als bei dynamischen Kopfhörern. Das Ergebnis ist ein agileres Ansprechverhalten.

Planare Kopfhörer verfügen über leitende Schichten, die über die gesamte Oberfläche der Membran verteilt sind. Die Membran wird gleichmäßig von der Magnetkraft angetrieben, so dass Planar-Kopfhörer im Vergleich zu herkömmlichen dynamischen Kopfhörern deutlich weniger Verzerrungen erzeugen.

Features

Stealth Magnets

Die Magnete sind speziell geometrisch oprimiert, so dass die Schallwellen ohne Interferenzen hindurch- bzw. vorbei kommen. Dadurch werden mögliche Verzerrungen verhindert, was zu reinem und präzisen Klang führt. Diese Technik ist relativ neu und kommt noch nicht einmal beim teureren Ananda zum Einsatz.

Quelle: Hifiman

NEO Supernano Diaphragm

Der neue NSD Treiber ist 75% dünner als als frühere Designs, was zu einer noch agileren Ansprache und damit einem satten Klang und detaillierten Klang über den gesamten Bereich führt. Leichtere Membran heißt geringere Masse heißt schnellere Bewegung. Somit sollten gerade Transienten davon profitieren.


Lieferumfang und Verpackung

Die Verpackung ist unspektakulär – schwarzer, bedruckter Pappkarton. Vorne drauf ein Produktfoto, Modellbezeichnung und Technologie-Teaser. Soweit völlig okay, ein Kopfhörer um 500€ braucht keine Holzschatulle!

Im Lieferumfang befindet sich denn auch lediglich der Kopfhörer, das Kabel (3.5mm) und ein Adapter auf 6.3mm. Dazu eine informative, gedruckte Broschüre über Hifiman und die verwendeten Technologien und weiterer Papierkram.


Tragekomfort, Design und Verarbeitung

Design
Charakteristisch für den Hifiman Edition XS ist die tropfenförmige / ovale Form der Ohrmuscheln und das neue, einteilige Kopfband. Beides kennen wir von verschiedenen anderen Hifiman Modellen. Die Ohrmuschelform von Ananda oder HE1000, das Kopfband von HE400i/se.

Das Design mit der silbernen Gitterstruktur und der ansonsten schwarzen Gestaltung ist stimmig und sieht zugleich klassisch und modern aus.

Verarbeitung
Hifiman wurde in der Vergangenheit nicht immer die allerbeste Verarbeitungsqualität nachgesagt. Und auch ich muss hier rummäkeln – allerdings ist das Jammern auf hohem Niveau, denn es bezieht sich weitestgehend auf haptische und optische Defizite. Hauptkritikpunkt ist für mich das Kopfband, genauer gesagt die Endkappen. Diese sind zwar augenscheinlich aus dem gleichen Material wie die Umfassung der Ohrmuscheln, wirken aber extrem billig – vielleicht auch aufgrund des ungeschickten Designs. Möglicherweise ist das aber auch etwas Geschmacksache…Funktional ist jedenfalls alles bestens.

Ein weiteres Problem: Grate an den silbernen „Rippen“ der Earcups. Diese konnte ich aber mit einer feinen Feile beseitigen und ich ich hoffe, daß hier mein Exemplar ein Ausreißer ist.

Tragekomfort
Was sofort auffällt: Die Ohrmuscheln sind riesig. Durchaus vergleichbar mit denen des HD800S. Kommt auf Fotos kleiner rüber als in der Realität. Aufgesetzt ist der Kopfhörer sehr bequem, nichts drückt oder ist zu eng – der Anpressdruck ist recht gering, der Träger sollte ruhig sitzen und exzessives Headbanging vermeiden.

Das Kopfband selbst ist super weich gepolstert und die Größenverstellung funktioniert super. Apropos Größenverstellung….

Kritisieren muss ich den Verstellbereich. Oft gibt es Probleme im oberen Bereich bei großen Köpfen – hier ist es umgekehrt. Auf der kleinsten Einstellung passt es bei mir gerade so, ist aber schon knapp – die Ohrpolster sitzen fast auf meinen Ohren auf. Hier hätte ich mir einen größeren Verstellbereich gewünscht. Für welchen Ork bitteschön soll denn die größte Position passen??

Das Kabel
Das mitgelieferte Kabel überrascht im positiven Sinne. Es ist dick, flexibel, hat KEINEN Memoryeffekt und fällt locker. Kopfhörerseiting sind 3.5mm Klinkenstecker verbaut, der Geräteanschluss erfolgt ebenfalls über einen 3.5mm Stecker. Zusätzlich ist das Kabel absolut unauffällig gegenüber Mikrofone, ein Berühren des Kabels ist nicht zu hören. Ziemlich beeindruckend. Für den Einsatz an mobilen Geräten wie DAPS oder am Kopfhörerverstärker auf dem Schreibtisch ist die Länge mit rund 140cm genau richtig, für das Wohnzimmer kann es schnell zu kurz sein – gut, daß es leicht wechselbar ist.


Technische Daten

Ja, für viele Leser wohl eher uninteressant, aber doch gehören sie dazu: Die nüchternen Fakten.

Bauform:ohrumschließend
System:offen
Frequenzbereich:8Hz – 50kHz
Empfindlichkeit:92dB
Impedanz:18 Ω
Gewicht (ohne Kabel):405 g
[Quelle: https://hifiman.com/products/detail/315]

Klangqualität HIFIMAN Edition XS

Der Hifiman Edition XS ist nach dem 400SE der nächste – besser: der übernächste – Evolutionsschritt. Was sofort auffällt, ist die Spielfreude, Impulsivität und Agilität bei Transienten – sowieso Paradedisziplin von Planar-Magnetostaten.

Aber der Reihe nach…
Gehört habe ich den Edition XS mit Apple Lossless über den Questyle CMA Fifteen, meinem neuen Tausendsassa auf dem Schreibtisch – den Test dazu findet ihr übrigens hier. Daneben kam der iBasso DX300 Max (Test) zum Einsatz und der ifi iDSD Gryphon (Test).

Der Kopfhörer braucht schon ordentlich Power. Am Smartphone kommt da nur ein laues Lüftchen. Mindestens ein kleiner DAP sollte zur Verfügung stehen oder alternativ ein portabler DAC/AMP wie z.B. der Gryphon. Erst dann kann der Kopfhörer sein volles Potential abrufen.

Tonal ist der Hifiman Edition XS erst einmal ausgesprochen angenehm – zwar nicht wirklich neutral – aber auch nicht warm oder kühl. Schön angenehm eben, mit knackigen Tiefen und klaren Höhen – und in den Mitten absolut natürlich und transparent. Dazu unglaublich entspannt, was an das Hören mit guten Lautsprechern erinnert.

Update:
Ich habe mir als Upgrade die Dekoni Elite Sheepskin Ohrpolster kommen lassen – danke für den Tip am Mark von Miniklangwunder.de
!

Tja, und was soll ich sagen. Mit diesen Ohrpolstern steigt der Edition XS wahrhaft in die Oberklasse auf und bietet ein schlicht unglaublich gutes Preis /Leistungsverhältnis.
Die supersoften und mit Momoryfoam ausgestatteten Ohrpolster sind nicht nur mega-komfortabel, sondern holen klanglich auch noch das letzte aus dem Kopfhörer. Das resultiert in einem nochmals natürlicheren, etwas kräftigeren und extrem lebendigen Bass, der Bassdrumschläge fast körperlich erfüllbar macht. Zusätzlich rundet er die Mitten harmonisch ab und bringt der ganzen Signatur noch eine Spur mehr Homogenität.

Die Dekoni Pads (für den Hifiman Arya, passen aber auch auf den Edition XS) bekommt ihr hier bei WOD Audio.

Bass

Wir haben es hier mit einem grundsätzlich „ehrlichen“ Bass zu tun im Sinne von nicht aufgedickt oder übertrieben. Im Tiefbassbereich hat der XS ebenfalls eine beachtlich gute Substanz – die sich aber nicht aufdrängt, sondern wirklich nur da ist wenn sie abgerufen wird. Somit ist der XS perfekt geeignet, um damit Filme mit spektakulärem Bombastsound zu schauen.

Als Drummer liegt mein Fokusbereich bekannterweise auf dem Schlagzeug, und hier achte ich stark auf die einzelnen Trommeln. Bei planarmagnetischen Kopfhörern fällt mir immer wieder die schnelle Ansprache auf, mit denen sie sehr akkurat einen schnellen Attack wiedergeben. Der Druck ist irgendwie sofort da, blitzschnell und präzise. Das gefällt mir beim DCA Aeon Noire (Test) schon so gut, und das macht der Hifiman Edition XS ähnlich vorbildlich.

Das Ergebnis ist ein schneller, texturreicher und realistischer Bass, der (nicht nur!) Schlaginstrumente hervorragend wiedergeben kann.

Update: Durch die Dekoni Pads wird der Bass noch organischer und realistischer, erfährt im Attack mehr Punch und Druck und im Tiefbass noch mehr Volumen.

Mitten

In den Mitten empfinde ich den Edition XS als absolut akkurat und natürlich. Gitarrenriffs klingen frisch und druckvoll, erinnern somit an eine Livepräsentation. Alles ist smooth durchhörbar, aber stets ungefärbt und unverzerrt. Gesang – egal welcher Couleur – ist direkt und ergreifend. Organische Authentizität steht im Vordergrund.

Höhen

Die Höhen erklingen klar und transparent. Unterstützt von der weiten Bühne und der guten Instrumentenseparation klingt es obenrum absolut traumhaft. Einfach nur angenehm und ohne Spitzen, aber dennoch äußerst spritzig und hochauflösend. Becken sind fein aufgelöst, aber niemals zu schrill oder nervig.

Bühne

Hier zeigt sich der XS absolut erhaben, die Bühnenpräsentation ist überraschend offen und weit, erinnert mich durchaus an den HD800S. Zwar nicht ganz so breit gezogen, aber absolut ausdifferenziert und voluminös. Der XS zaubert ein weites Stereopanorama mit fantastischer Lokalisation und akribischer Rauminformation. Das musikalische Geschehen ist überall, fast schon so wie beim Hören mit Lautsprechern. Wer einen Kopfhörerverstärker mit Crossfade hat, der kann damit dem Ganzen noch die Krone aufsetzen.

Separation & Auflösung

Auch hier punktet der Hifiman Edition XS deutlich über seiner Preisklasse. Dichte Gitarrenriffs profitieren von der technisch erstklassigen Detailauflösung und akkuraten Instrumentenseparation. Hier kann bei Bedarf analysiert werden bis die Gitarrensaite reißt. Der Hifiman Edition XS spielt mit einer fantastischen Detailauflösung und Präzision – ohne analytisch zu sein. Hier hat Hifiman wirklich eine bravouröse Abstimmung von technischer Fähigkeit und musikalischer Präsentation hinbekommen.


Fotos


Fazit

Hin und wieder gibt es solche Produkte, die einfach alles richtig machen und deutlich über ihrem Preisschild spielen. Der Hifiman Edition XS ist definitiv eines solcher Produkte und er ist aktuell für 549EUR z.B. hier* zu bekommen.

Der Edition XS folgt nicht nur dem Hifiman Credo des guten Preis-Leistungsverhältnisses konsequent und bietet einen erstklassigen Klang für den Preis, er ist schlicht „viel zu gut“ für seinen Preis – ein echter No-Brainer also.

Kritik verdient lediglich die mMn verbesserungsfähige Verarbeitungsqualität und die schlecht überlegte Größenverstellung.

Klanglich ist der Hifiman Edition XS ein echter Volltreffer und dürfte viele HiFi-Fans von seinen Qualitäten überzeugen: Ausgeglichene Tonalität und ein mitreißender Klang mit knackigen Bässen, texturreichen Mitten und angenehmen Höhen machen den XS zum klangstarken Allrounder und im Preisbereich unter 1.000€ zu einer absoluten Empfehlung!

HIFIMAN Edition XS | Bewertung

9.4

Sound

10.0/10

Verarbeitung

8.5/10

Komfort

9.0/10

Preis/Leistung

10.0/10

Pros

  • Erstklassige Klangqualität
  • Luftig und transparent
  • Tolle Details und Separation
  • Sehr gutes Kabel

Cons

  • Weitenverstellung schlecht
  • Materialwahl könnte besser sein
  • Verarbeitungsqualität