Mit dem Hifiman HE400se liegt das aktuelle Modell mit planar-magnetischem Antrieb des chinesischen Hersteller HIFIMAN vor. Der HE400se ist mit der sehr geringen Impedanz prädestiniert für den mobilen Einsatz am Smartphone. Trotz großem Volumen ein federleichter Hörer für ganz feine Klänge.


[Werbung] Der HIFIMAN HE400se wurde mir für diesen Test leihweise von NT-Global zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!


Der HIFIMAN HE400se

Planar-magnetischer Antrieb? Das allein machte mich Neugierig. Im Gegensatz zu „dynamischen“ Antriebskonzepten bei denen eine Membran mit einer Schwingspule verbunden ist, die dann in einen Magneten eintaucht kommt hier eine sehr dünne Folie zum Einsatz, die mit Drähten durchzogen ist. Die Folie bewegt sich zwischen zwei Reihen von Permanentmagneten und erzeugt so die Schallwellen.

 
[Quelle: hifiman.com]

Das Konzept verspricht einige Vorteile: Da die Folien sehr dünn sind, wird für die Bewegung wenig Strom benötigt. Der Wirkungsgrad ist dadurch extrem hoch und resultiert in einer sehr geringen Impedanz von nur 25 Ω. Einen solchen Kopfhörer sollte auch ein gängiges Smartphone ordentlich antreiben können. Trotzdem fällt dabei auf, dass man den Lautstärkepegel am Smartphone doch jenseits der 50 % schieben muss, um angenehmen Hörgenuss zu bekommen.

Manche dynamische Kopfhörer sind in dem Bereich für meinen Geschmack schon zu laut und fangen auch schon mal an zu verzerren. Der Hifiman HE400se fühlt sich mit hohen Eingangspegeln allerdings richtig wohl und hat dort seinen sweet-spot ohne zu laut zu sein.


Lieferumfang und Verpackung

Der Hifiman HE400se kommt in einer großen dunklen Verpackung aus Pappe – vergleichbar mit der des HE400i 2020. Darauf ist prominent vergrößert eine der Ohreinheiten und Teile vom Kopfbügel zu sehen. Auf der Rückseite sind ein paar technischen Details zu lesen. Im Inneren liegt der Kopfhörer auf einem Inlay aus Plastik. Das Plastikteil sollte man allerdings besser nicht zu häufig aus der Pappschachtel nehmen. Es wirkt sehr instabil und neigt – wie man das von solchen Einlagen kennt – leider zum Einreißen. Der Lieferumgang beschränkt sich auf das Nötigste:

  • Kopfhörer
  • Kabel
  • Adapter 3.5 mm auf 6.3 mm

Technische Daten

HIFIMAN veröffentlich nur sehr wenige technische Daten auf der Homepage.

  • Frequenzbereich 20 Hz bis 20 kHz
  • Impedanz 25 Ω
  • Wirkungsgrad 91 dB
  • Gewicht: 390 g

[Quelle: hifiman.com]


Design

Beim Auspacken fallen sofort die großen Ohreinheiten auf, die einen großen Durchmesser und auch eine signifikante Höhe haben. Daneben wirkt ein Sennheiser – die ja auch schon nicht klein sind – fast ein bisschen mickrig. Der Kopfbügel ist auch ein Hingucker, denn daumendicke und 3.5 cm breit ist der alles andere als zurückhaltend. Im Gesamtkonzept passt das jedoch sehr gut zu den großen Ohrhörern und das Erscheinungsbild ist dadurch stimmig.


Verarbeitung

Die Ohreinheiten sind aus einem in Hochglanz lackierten Kunststoff – die Abschirmgitter schwarz, der Rest in grau. Der Kopfbügel scheint aus einem Kunstleder zu sein, genauso wie die Außenseiten der Ohrpolster. Wo die Ohrpolster auf der Haut liegen ist eine Art Velour verarbeitet, was sich sehr weich anfühlt. Einzig die verstellbaren Verbindungsstücke zwischen Kopfbügel und Ohreinheit sind aus einem leichten Metall.

Man könnte meinen, dass wegen dem hohen Anteil an Kunststoff die Wertigkeit fehlt, aber insgesamt fühlen sich die Materialien recht gut an. Und der große Vorteil ist natürlich, dass der gesamte Kopfhörer dadurch nicht allzu schwer ist. Leider gefällt mir das mitgelieferte Kabel überhaupt nicht. Es ist ein sehr dünnes Kabel mit Kunststoffmantel, das weiß schimmert. Sieht cool aus, ist allerdings ziemlich eigenwillig. Es lässt sich mehr plastisch als elastisch verformen und bleibt meist irgendwie bockig gerade in der Form, in der man es nicht haben möchte. Leider verzwirbelt sich das Kabel dadurch sehr häufig und das zurückbiegen nervt ein bisschen. Dazu kommt, dass es im Hörer ein knisterndes Kabelgeräusch entwickelt.


Tragekomfort

Obwohl der Hörer insgesamt sehr voluminös wirkt, ist er doch aufgrund der Materialwahl sehr leicht. Er ist dadurch sehr angenehm zu tragen. Der Anpressdruck ist moderat ohne zu locker zu sein. Auf jeden Fall nicht zu straff, so dass auch nach längeren Hörsessions kein unangenehmes Gefühl entsteht. Die Ohrpolster sind nach vorne hin etwas abgeschrägt und folgen so der Anatomie des Kopfes. Der Anpressdruck kann sich deshalb gleichmäßig verteilen. In den großen Ohreinheiten hat mein Ohr ausreichen Platz und stößt nirgends an. So entsteht insgesamt ein Gefühl von Leichtigkeit. HIFIMAN hat hier wirklich einen sehr unaufdringlichen Kopfhörer was den Tragekomfort betrifft geschaffen.


Klangqualität

Beim ersten Kontakt mit dem HE400se kam mir der Klang wirklich sehr dünn vor. Kaum Druck in den Bassfrequenzen und ich musste zu sehr hinhören um die von mir so sehr geschätzten E-Bass-Strukturen rauszuhören. Ich hatte den Eindruck, dass ich hier zum ersten Mal einen neutral abgestimmten Kopfhörer vor mir habe. Markus war anderer Meinung, hat er doch den sehr ähnlichen HE400i. Trotzdem wanderte der HE400se erst mal wieder auf den Kopfhörerständer.

Neben dem Sennheiser x Massdrop HD58X Jubilee, mit dem ich zu dem Zeitpunkt sehr oft hörte, war mir der HIFIMAN einfach zu lasch und machte mir zu wenig Spaß. Der erste Eindruck hat mich jedoch getäuscht. Bei der nächsten Hörprobe war ich bei einer Live-Aufnahme gelandet und der HE400se konnte dort ordentlich punkten. Ich konnte eine Transparenz und einen Raumklang wahrnehmen, den ich so noch nicht erlebt habe. Tatsächlich habe ich mich dabei erwischt, dass ich einen Blick über die Schulter geworfen habe um nach den fein aufgelösten Klängen zu schauen. War das jetzt ein Instrument im Nacken, oder einer meiner kleinen Jungs, die sich an meinen Schreibtisch anschlichen? Ein Wahnsinn, wie fein der HE400se Klänge im Raum platzieren kann.

Bass
Wie mir schon beim Ersthören aufgefallen ist, fehlt es dem HE400se etwas an Kraft im unteren Frequenzbereich. Die Quantität ist erst mal überschaubar, aber dafür steht die Qualität im Vordergrund. Wenn man sich etwas an den Kopfhörer gewöhnt hat, bemerkt man wie gut und fein aufgelöst er Bassstrukturen wiedergeben kann. Darüber hinaus reagiert er sehr sensibel auf Equalizer im unteren Frequenzbereich. Wenn es also doch mal mehr zu Sachen gehen soll, kann man gerne etwas nachhelfen ohne gleich das ganze Klangbild zu versauen.

Mitten
Home sweet home. Hier ist der HE400se zu Hause. Gitarren werden mitreißend wiedergegeben, so dass einem das Wasser im Mund zusammenläuft. Ich habe ja sonst viel Freude daran Klänge von E-Bass rauszuhören, aber hier eröffnet sich ein ganz neues Erlebnis beim Lauschen nach den Saiteninstrumenten im höheren Frequenzbereich.

Höhen
Die Höhen stehen dem in nichts nach. Fein aufgelöst und detailliert wandern die Klänge von Schlaginstrumenten direkt in Ohr. Sound von Hi-Hat und Becken können mich schon mal nerven, wenn es der Drummer zu gut meint, aber ich bin mit dem HE400se tatsächlich auf den Geschmack gekommen genauer hinzuhören.

Bühne, Separation & Isolation
Die Bühne ist hervorragend. Bisher konnte keiner der von mir gehörten Kopfhörer so gut im Raum wiedergeben, wie der HE400se. Das Separationsvermögen ist fantastisch. Ich halte das für seine Kernkompetenz. In allen Frequenzbereichen hat man die Möglichkeit sehr feine Strukturen herauszuhören. Isolation gegen Umgebungsgeräusche ist bauartbedingt praktisch nicht vorhanden. Durch die großen Ohreinheiten und die sehr dünne Folie dringen Außengeräusche nahezu ungehindert ans Ohr. Für den Hörgenuss bietet sich also ein ruhiges Plätzen an.


Musikbeispiele

Long Distance Calling – STUMMFILM
Ich halte die Live-Aufnahme aus Hamburg für unschlagbar hochwertig. Da kommen auch neuere Produktionen von Platzhirschen wie Dream Theater oder Iron Maiden nicht hinterher. Long Distance Calling bieten von Hause aus eine enorme Klangvielfalt, die seines Gleichen sucht.

Die Jungs aus Münster haben es geschafft die Qualität der Studioaufnahmen in einen Live-Mitschnitt zu packen, der zum Niederknien ist. Ich höre das Album schon seit Erscheinungsdatum sehr regelmäßig. Der HE400se hebt das Ganze noch mal auf ein anderes Niveau. Es macht unheimlich viel Spaß die feinen Klänge quer durch den Raum zu hören. 

Evanescence – The Bitter Truth
Ok, eigentlich dachte ich Evanescence wären nur eine Episode in meiner Jugend gewesen, als die Amerikaner 2003 auf den Markt gespült wurden. Trotzdem musste ich mal in das neue Album reinhören. Und da war ich echt überrascht. Die Aufnahme ist abwechslungsreich und wird durch das Auflösungsvermögen des HE400se tatsächlich aufgewertet, denn so kommen insbesondere die toll gespielten Drums zur Geltung.

Paradise Lost – The Plaque Within
Das Album ist voll düsterer und tieffrequenter Klängen, von denen die Produktion lebt. Und das führt den HIFIMAN dann doch an seine Grenzen. Hier muss man mit EQ nachhelfen um auf die richtige Stimmung zu kommen. Mit dem parametrischen EQ von meinem DX160 DAP ist mir das nicht auf Anhieb gelungen und auch später war ich nicht zufrieden. Zur Ehrenrettung des HE400se kann ich verraten, dass zusammen mit dem KHV FiiO Q3 ein wirklich gutes Ergebnis rauskam.


Fotos


Fazit

Feiner Kopfhörer für ganz feine Klänge. Der Hifiman HE400se punktet vor allem bei der Wiedergabe im Raum und bei der Instrumentenseparation. Wenn es etwas spaßiger sein soll, muss man die Bässe mit EQ etwas bitten.

HIFIMAN HE400se | Bewertung

8.6

Sound

8.5/10

Verarbeitung

8.5/10

Komfort

9.0/10

Preis / Leistung

8.5/10

Pros

  • Auflösungsvermögen
  • Luftiger Sound
  • Leicht und angenehm zu tragen

Cons

  • Mitgeliefertes Kabel
  • Bässe etwas schwach
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