Es gibt so Geräte, die nimmt man in die Hand und denkt: „Eigentlich kann das doch gar nichts sein – so klein wie das ist.“ Genau so ging’s mir damals schon mit dem iFi GO blu, der mich komplett überrascht hat. Jetzt hat iFi eine abgespeckte Variante rausgebracht – den GO blu Air. Leichter, günstiger, ein bisschen einfacher gestrickt. Aber taugt er auch was, oder verliert er genau den Charme, der den großen Bruder so beliebt gemacht hat? Schauen wir uns das mal genauer an.


[Werbung] Der ifi GO blu Air wurde mir leihweise vom deutschen ifi Vertrieb zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!


ifi Audio

iFi Audio aus England kennt inzwischen fast jeder, der sich mit Kopfhörern und portablem HiFi beschäftigt. Die Firma hat sich einen Namen gemacht, weil sie kleine, durchdachte DAC/Amps bauen, die man einfach gerne benutzt. Kein Schnickschnack, nimmer praxisnah – und immer mit einem audiophilen Anspruch. Der GO blu Air geht einen Schritt zurück: transparente Kunststoffoptik und etwas weniger Leistung – aber dafür leichter, günstiger und trotzdem mit vielen der Stärken, die das Original so spannend gemacht haben.

Der ifi Audio GO blu Air

Der „große Bruder“ GO blu war für mich seinerzeit ein echtes Aha-Erlebnis – und er ist bis heute mein treuer Begleiter. Ein kompaktes Gerät mit einem „richtigen“ Lautstärkeregler, einem vollwertigen 4,4-mm-Balanced-Ausgang und genug Leistung, um auch mal Over-Ears anzutreiben. Das Ganze gepaart mit ifi – Features wie XBass und XSpace für das persönliche Klangtuning. Kurz: Der GO blu war schon fast ein Schweizer Taschenmesser für Kopfhörer-Fans.

Der neue GO blu Air ist im Grunde das gleiche Gerät, mit ein paar relativ unwesentlichen Anpassungen: So ist die Optik etwas einfacher. Dafür gibt es jetzt einen neuen, abnehmbaren Magnetclip. Damit lässt sich der kleine DAC ganz unkompliziert an Tasche, Jacke oder Gürtel befestigen. Praktisch: Da der Clip abnehmbar ist, passt er weiterhin in die bekannte GO blu Schutzhülle.

Hier mal die wichtigsten Features:

  • Vollwertiger DAC/AMP mit dedizierten Komponenten, keine integrierte Chiplösung.
  • HD Bluetooth 5.2
  • 32-Bit DAC
  • Leistungsstärker Verstärker mit gefährlichen 5.6V
  • Multifunktions-Lautstärkeregler
  • Balanced 4.4mm und S-Balanced 3.5mm
  • XBass & XSpace

Lieferumfang und Verpackung

Die Verpackung des kleinen GOblu war schon unscheinbar und kompakt. Für den Go blu Air wurde die Verpackung weiter geschrumpft.

Der Lieferumfang ist überschaubar und identisch zum Vorgänger. Neben dem Gerät und einem magnetischen Clip befindet sich nur noch ein USB-C Kabel und eine sehr einfache Stofftasche im Lieferumfang.

Die Idee mit dem abnehmbaren Clip finde ich super. So kann man je nach Szenario entscheiden ob man den Zwerg lieber so in die Tasche steckt oder mit dem Clip an Kleidung oder Taschen befestigt.


Design & Verarbeitung

Hier gibt es die wohl auffälligsten Unterschiede zum älteren und teureren Go blu. Das schwarze Kunststoffgehäuse und die messingfarbenen und gebürsteten Alu-Applikation auf Front und Stirnseite mussten einem durchgängig transparent-schwarzen Gehäuse und einer schwarzen Kunststoff-Verkleidung auf der Front weichen.

Links: Go blu, rechts: Go blu Air

Das Lautstärke-Drehrad aus Edelstahl wurde durch ein Kunststoffrad ersetzt.

Links: Go blu, rechts: Go blu Air

Optik ist wie immer Geschmacksache und natürlich für die Wiedergabequalität unerheblich. Mir gefällt der GO blu besser, er sieht einfach edler aus. Trotzdem hat auch der Go blu Air einen gewissen Charme.

Die im Drehrad integrierte Taste zur Musiksteuerung hat einen guten Druckpunkt. Die Buchsen sind sauber eingefasst und das gesamte Gerät ist perfekt verarbeitet, da gibt es nix auszusetzen.


Technische Daten

Zahlen, Daten, Fakten. Nutze ich direkt, um die beiden GO blu miteinander zu vergleichen.

FeatureGO blu AirGO blu
InputsBluetooth 5.2Bluetooth 5.1; USB-C
Bluetooth CodecsLDAC, LHDC/HWA, aptX Adaptive, aptX HD, aptX, AAC, SBCLDAC, LHDC/HWA, aptX Adaptive, aptX HD, aptX, AAC, SBC
Headphone Outputs4.4mm Balanced, 3.5mm S-Balanced4.4mm Balanced, 3.5mm S-Balanced
4.4mm Output (RMS)≥262mW / 2.9V @ 32Ω; ≥52mW / 5.6V @ 600Ω≥245mW / 2.9V @ 32Ω; ≥52mW / 5.6V @ 600Ω
3.5mm Output (RMS)≥165mW / 2.3V @ 32Ω; ≥14mW / 2.9V @ 600Ω≥165mW / 2.3V @ 32Ω; ≥14mW / 2.9V @ 600Ω
BatteryLithium-Polymer 450mAh; ~10h Battery LifeLithium-Polymer 450mAh; ~10h Battery Life
Chassis MaterialPolymerPolymer with Brushed Aluminium
Dial MaterialSiliconeCopper/Aluminium
Other FeaturesDetachable magnetic clip

Funktionen & User Interface 

Der ifi GOblu ist im Grunde „nur“ ein Bluetooth DAC für die aktuelle Generation an Kopfhörerbuchsen-losen Smartphones? Mitnichten! Der kleine Klang-Riese macht aus einem Handy mit einer Bluetooth-Verbindung eine richtig gut klingende Musiklösung. Disclaimer: Da sich die beiden GO blu hier nicht unterscheiden, übernehme ich diesen Teil leicht angepasst vom Vorgänger-Test.

Bedienung

Die Bedienung ist auf das Gerät an sich beschränkt, eine App gibt es nicht. Im Grunde ist das gut so, denn mittlerweile bin ich ehrlich gesagt von schlecht bis nicht funktionierenden Apps eher angenervt. Ich weiß es zu schätzen, wenn alle Funktionen ohne Umwege direkt und unmittelbar vorgenommen werden können. Und da verfügt der GOblu doch über eine reichhaltige Auswahl. Aber: Eine App zur detaillierteren Klangoptimierung – vielleicht mit der Möglichkeit, Presets zu laden – wäre schon cool.

Die Musiksteuerung läuft idR über das Quellgerät, kann aber auch am ifi vorgenommen werden. Play/Pause, Titelsprung werden alternativ über die Multifunktionstaste angeordnet.

Telefonie und Sprache

Da der ifi GOblu Air über ein integriertes Mikro verfügt, kann er auch zum Telefonieren oder zur Steuerung des persönlichen Sprachassistenten genutzt werden.

Klangeinstellungen

Der ifi GOblu Air wäre kein echter ifi, hätte er nicht die firmeneigenen Klangoptimierungen mit an Bord. So verfügt auch der Zwerg im Portfolio über XBass und Xpace. Auch die S-Balanced Technik findet sich selbst in diesem Winzling wieder.

Leistung und DAC

Der kleine Bluetooth DAC leistet Erstaunliches. Er treibt locker auch dicke Overears an. InEars spendiert er einen schön „schwarzen“ Background und selbst mein sensitiver Campfire Andromeda Gold bleibt relativ rauschfrei.

Akkulaufzeit

ifi Audio gibt die Laufzeit mit um die 8 Stunden an. Viel wichtiger ist mir die Standbyzeit bzw. möchte ich den Akku auch nach einigen Wochen in der Schublade nicht leer vorfinden. Das passiert mit beim GOblu nicht, im ausgeschalteten Zustand verliert der Akku kaum an Ladung. Für mich in dieser Disziplin ohne Kritik.


Klang

Warum greift man heute noch zu einem Bluetooth-DAC? Sicher nicht nur, weil er hübsch aussieht – obwohl man das beim ifi GO blu Air durchaus als Argument gelten lassen kann. Der kleine ifi ist nämlich nicht nur optisch gelungen, sondern überzeugt vor allem klanglich auf ganzer Linie – ganz wie der große Bruder. Seine Leistungsfähigkeit in dieser winzigen Bauform ist schlicht erstaunlich.

Klanglich bleibt ifi seiner Linie treu: neutral und klar, mit einer feinen, musikalischen Wärme, die dem Klangbild Charakter verleiht, ohne zu verfärben. Mit den eher analytischen Vision Ears XCON (Test) ergibt sich eine wunderbar ausgewogene und lebendige Kombination. Mit dem organischen Zeitgeist Artisan (Test) kommt analoges HiFi Feeling auf.

Bei In-Ears spielt der GO blu Air mühelos auf, doch auch bei anspruchsvolleren Over-Ears zeigt er keine Schwäche. Im Gegenteil – hier überrascht er mit einer Autorität, die man einem Gerät dieser Größe schlicht nicht zutraut. Das ist kein Notbehelf, sondern ein ernstzunehmender Mini-DAC/AMP, der auch große Hörer souverän antreibt. Selbst ein HD800S klingt an ihm noch erstaunlich kontrolliert und kraftvoll.

Seine Stärke liegt in der Präzision: Dynamische Impulse, fein gezeichnete Texturen und ein prägnanter Punch – alles wirkt sauber, druckvoll und ausgewogen. Auch bei hohen Lautstärken bleibt der Klang stabil, frei von Verzerrungen und mit kaum wahrnehmbarem Grundrauschen, selbst bei empfindlichen In-Ears wie der Campfire Andromeda.

Der ifi GO blu Air hebt das Hörerlebnis deutlich über das hinaus, was Smartphone-Ausgänge – sofern überhaupt noch vorhanden – bieten können. Ein echtes Klangwunder im Miniaturformat.


Fotos


Fazit

Der ifi GO blu (Air) ist wohl aktuell immer noch die Referenz in Sachen Bluetooth DAC/AMP im Miniformat. Wie schon der große – ohne „Air“ – überzeugt nun auch der neue und nochmal günstigere GO blu Air auf ganzer Linie. Erstklassiger Klang – egal ob drahtlos oder per USB, tolle Bedienbarkeit und ein ein gut durchdachtes Klangkonzept mit ifis bewährtem XBass und XSpace. Und Leistung hat er auch noch reichlich.

Preislich ist der kleine Air eine Kampfansage: Mit einer UVP von 149€ nochmal 50€ günstiger bei nahezu gleicher Leistung – der ifi GO blu Air ist jeden Cent davon wert und eine absolute Empfehlung!

ifi Audio GO blu Air | Bewertung

9.5

Sound

9.5/10

Verarbeitung

9.5/10

Bedienung/Funktion

9.5/10

Preis/Leistung

9.5/10

Pros

  • Superber Sound
  • Solide Verarbeitung
  • Kompakt & Leicht
  • Viel Power