Der ikko OH10 Obsidian liegt jetzt schon eine ganze Weile bei mir. Nun endlich finde ich Zeit für dieses Review – was längst überfällig ist. Denn der OH10 ist ein erstklassiger Hybrid InEar, der klanglich definitiv auf der spassigen Seite unterwegs ist. Wie er genau der chinesische Hybrid-InEar klingt und alles andere, das lest ihr hier!


[Werbung] Der Ikko OH10 wurde mir für diesen Test leihweise von audiodomain.de zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!


Der ikko OH10 Obsidian InEar

Nun aber zum Star des Reviews, dem ikko Obsidian. Das Portfolio von ikko Audio aus China ist noch überschaubar – drei InEars, einen Dongle DAC und etwas Zubehör. Der OH10 liegt preislich in der Mitte der drei InEars und ist mit 219€ mehr als fair bepreist.
Beim Obsidian handelt es sich um einen InEar mit Hybrid-Konzept. D.h. man setzt hier die beiden weit verbreiteten Treibertechnologien im Verbund ein. Neben einem Balanced-Armature Dual-Treiber kommt ein 10mm dynamischer Treiber zum Einsatz. So nutzt man konsequent die Vorteile der einzelnen Systeme und gleicht mit dem jeweils anderen System die Nachteile aus.


Lieferumfang und Verpackung

Die Verpackung zielt eindeutig auf den Chinesischen/Asiatischen Markt. Wo meist ein Produktfoto prangt, findne wir hier ein Manga-Mädchen, welches auf einem Meteor oder so reitet. Ach ja, das Mädchen fängt einen Kometen auf und wird für Füchsen umzingelt…. Erst auf der Rückseite befindet sich ein Abbild des InEars.
Die Verpackung an sich ist gut gemacht, stabil und hochwertige Pappe und ein edler Druck.

Im Lieferumfang befinden sich neben den InEars und dem Kabel eine sehr oldschool anmutende kleine Ledertasche und ein Set an Silikontips. Für die harten Fans gibt es wie bei Campfire Audio einen Metallpin zum Anstecken.


Design und Verarbeitung

Obsidian ist ein vulkanisches Gesteinsglas, welches in der Natur vorkommt. Die Oberfläche ist schwarz glänzend – und genau so ist auch die Oberfläche des OH10 gefertigt. Zusätzlich hat man aber keine glatte Oberfläche gewählt, sondern dem Gehäuse aus Kupfer!! eine Dellenstruktur verpasst – was interessant und stylisch zugleich aussieht. Das universelle Gehäuse aus Metall ist sehr gut verarbeitet, lediglich im Bereich des 2-Pin Sockels befinden sich zwei recht deplaziert wirkende Plastiksockel. Auffallend ist das recht hohe Gewicht, ein Gehäuse bringt es auf 33gr.

Das OFC-Kabel kommt mit 0.78mm 2Pin Anschlüssen und ist insgesamt sehr hochwertig. Es ist leicht, flexibel und sauber verdrillt. Leider neigt es dazu, schnell zu verheddern. Der Einsatz eines Kabelmanagements sei hier dringend angeraten.


Tragekomfort

Dem hohen Gewicht zum Trotz: Die ikko OH10 sind mit die komfortabelsten und angenehmsten InEars in meinem Bestand. Schon das Einsetzen ist ein No-Brainer. Rein und fertig, perfekter Sitz & Seal in Sekunden. Und der Seal ist hocheffektiv: Die passive Geräuschisolierung ist beachtlich und steht im Grunde meinen Hearos CIEM in nichts nach.

Wie immer gilt bei den mitgelieferten Silikontips: Ausprobieren. Für mich waren keine passenden dabei. Ich nutze nun die Final E Tips. Alternativ taugen auch die RHA Dual-Density. Mit beiden bekomme ich einen perfekten Seal und einen trotz des hohen Gewichts selbst im Liegen festen und rutschsicheren Sitz.


Klang

Klanglich folgt der ikko OH10 der aktuell so angesagten W-Signatur. Das bedeutet, daß sowohl Höhen und Tiefen angehoben sind und die Mitten ebenfalls einen leichten Push erfahren – im Gegensatz zu einer V-Signatur, wo die Mitten im Vergleich zu Höhen und Tiefen oftmals unterrepräsentiert sind. Daraus ergibt sich ein mitreißendes und äußerst involvierendes, begeisterndes Klangbild mit druckvollen Bässen, klaren Höhen und substanzhaltigen Mitten.
Auf den ersten Eindruck wirkt der Obsidian erst einmal wie ein Bassmonster – was aber täuscht. Denn trotz der spaßigen Bassabstimmung kommen weder Mitten noch Höhen zu kurz.

Der Klang im Einzelnen:

Bass
Der sehr druckvolle und straffe Bass hat Pegel satt. Trotzdem neigt der Titaniumtreiber nie zum übersteuern sondern bleibt souverän in der Spur. Ob fette Elektrobeats oder Deathcore Bassdrumgewitter – der Dynamiker lässt sich nicht ausser Kontrolle bringen. Eine hohe Impulstreue mit explosiven Transienten im Oberbass und mächtige, tiefe, aber immer wobblefreie Tiefbässe erzeugen einen gewissen car-fidelen Endorphin-Rausch.

Mitten
Im für Metal so wichtigen Mittenbereich leistet sich der Ikko ebenfalls keinerlei Schwächen. Eine akkurate Instrumentenseparation und die feinzeichnende Textur – gerade bei mächtigen, mehrspurigen Gitarrenriffs – machen den OH10 zum perfekten Allrounder. So machen nicht nur harte Musikrichtungen, sondern auch alles andere Spaß.

Höhen
Und auch in den Höhen überzeugt der OH10. Brilliante und luftige Obertöne, schillernde Gitarrensoli und glasklare Facetten bei Cymbals. Auch Kopfstimmen bringt der ikko ohne nervende Sibilanten.

Separation & Bühne
Trotz eher opulenter Abstimmung geht der OH10 äußerst filigran zu Werke. Viele Instrumente und dichte Produktionen stellen kein Problem dar, stets wird alles kontrolliert und präzise abgegrenzt. Auch die räumliche Darstellung, das Imaging, gelingt glaubwürdig fein strukturiert.


Musikbeispiele

Liquid Tension Experiment – Hypersonic
Nach extrem langer Funkstille gibt es endlich neue Kost von LTE. Gut drei Fünftel von Dram Theater (Portnoy, Petrucci, Rudess) zeigen hier endlich wieder ihr Können – magisch verschmolzen im wie selbstverständlich wirkenden, traumhaften Zusammenspiel.
Progressive Metal at it´s best – und wie gemacht für den ikko. Portnoys druckvolles Gedonner an den Drums klingt fantastisch organisch und hat ordentlich Druck. Die dichten und verfrickelten Arraangements erfordern höchste Präzision, ein langsamer Bass oder mangelnde Akkuratesse wären hier absolut tödlich. Der Obsidian meistert das alles ohne mit der Wimper zu zucken.

Greta van Fleet – Age of Man
Die Grammy-dekorierten US-Shootingstars spielen im Grunde gar nicht meine Musik. Mit 70er Jahre Musik á la Led Zeppelin konnte ich noch nie so richtig warm werden. Aber die Mischung aus Blues, Rock und etwas Folk hat es mir dann doch angetan – weil zusätzlich auch die Produktion erste Sahne ist. Zum klasse Groove kommt hier auch noch der nötige Nachdruck, mit dem das Durchhören des Albums schon fast zu einem Live-Erlebnis mutiert. Die offene und atmende, vielschichtige Aufnahme bringt der OH10 glaubhaft und wunderbar inszeniert in die Ohren.

Gojira – Amazonia
Ein Fest für den ikko Bass. Geile Produktion der Franzosen, schnelle Bassdrums, düstere und bedrohliche Stimmung – und vom Groove recht tribal-lastig – war da in Didgeridoo? Der Obsidian drückt die schleppenden Riffs nur so ins Ohr. Für Gojira Verhältnisse ist der Song recht spärlich intrumentiert, um so mehr Raum wird den einzelnen Instrumenten gegeben. Sehr ausgeglichen vom Sound, macht Spaß zu hören und Bock auf das kommende Album.

While She Sleeps – You are all you need
Metalcore? Kein Problem für den ikko. Wie immer liefern die Engländer überzeugende Kost mit geilen Riffs, fluffigen Melodien und stimmigen Chören ab. Druckvolle gute Laune Musik mit ordentlicher Produktion und guter balance aus Härte und Melodie. Und in der Songmitte gibt es denn auch echten Tiefbass aus der Maschine – hier kann der Obsidian aus dem Vollen schöpfen, ein gefundenes Fressen für den dynamischen Basstreiber.


Fotos


Fazit

Der ikko OH10 Obsidian ist ein toller Hybrid-InEar mit absolut überzeugender Bassqualität und sehr angenehmen Höhen bei ansonsten gekonnt ausgewogener Tonalität.
Wer einen über alle Genres hinweg sehr mitreißend spielenden InEar mit erstklassiger Detailarbeit und toller Passform sucht, der sollte sich den Obsidian mal anhören.

Zum Preis von 219€ überzeugt der ikko OH10 sowohl klanglich als auch technisch auf ganzer Linie und ist ein echtes Schmuckstück.


ikko OH10 Obsidian | Bewertung

9.5

Klang

9.5/10

Verarbeitung

9.5/10

Komfort

9.5/10

Preis/Leistung

9.5/10

Pros

  • Bockstarker Bass
  • Ausgeglichene Signatur
  • Tolle Verarbeitung
  • Moderne Abstimmung

Cons

  • 2-Pin Sockel aus Plastik
  • Hässliches Case
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