Nach dem Campfire Audio Andromeda Gold und des 2020er Andromeda habe ich nun den Polaris II zum Testen vorliegen. Der Hybride InEar ist preislich mit 549€ deutlich günstiger als die beiden bereits getesteten Modelle und wartet im Gegensatz zu diesen auch mit einem anderen Treiberkonzept auf. Sein dynamischer Treiber geht gnadenlos zu Sache während der BA Treiber ein hochauflösendes und transparentes Klangbild verspricht. Eine explosive Mischung!


[Werbung] Der Campfire Audio Polaris II wurde mir für diesen Test leihweise von der Headphonecompany zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!


Der Campfire Audio Polaris II

Der Polaris liegt mittlerweile in der zweiten Auflage vor. Die erste Version kenne ich nicht, erwartet also bitte keine Vergleiche. Technisch ist der Polaris ein Hybrid-InEar. D.h. im Innern werkeln zwei verschiedene Treiberkonzepte: Ein dynamischer und ein Balanced Armature Treiber. Somit ist er technisch für heutige Verhältnisse eigentlich recht einfach gestrickt und erinnert vom Konzept her an Campfire Audios Top Modell Solaris. Das Gehäuse gleicht dem des Andromeda und das coole, blaue Finish macht ihn zu einem echten Blickfang. Man muss schon sagen: Die Gehäuseform, die Campfire Audio hier mit dem Andromeda etabliert hat, ist zeitlos schön und ikoniscch zugleich.
Schauen wir aber erstmal auf die Verpackung und den Lieferumfang:


Lieferumfang und Verpackung

Der Polaris II kommt in der nun schon länger bekannten, kleinen und hübschen Verpackung mit äußerer Faltschachtel und der innerem Pappbox. Die Schachtel macht schwer was her, leider gibt es hier in Europa kaum bis keine Shops, in deren Auslage man die Schachtel bewundern könnte. Schade, denn ein Blickfang sind die bunten Campfire Verpackungen auf alle Fälle. Da beneide ich die Kollegen in Fernost mit Ihren Läden voller Audio Equipment schon ein bisschen….

Der Lieferumfang jedenfalls ist CA typisch reichhaltig:

  • Campfire Audio Polaris II
  • Ledertasche
  • 3.5 mm MMXC Kabel
  • Final Audio Eartips (XS/S/M/L/XL)
  • Campfire Audio Marshmallow Tips (S/M/L)
  • Silikontips (S/M/L)
  • Reinigungstool
  • Ansteckpin
  • Mesh-Täschchen

Technische Daten

Hier zur Vollständigkeit die technischen Daten. Was sagen die uns? Nicht viel. Vielleicht, daß der Polaris mit 17 Ohm und 105dB recht leicht sehr laut anzutreiben sein dürfte. Scheint echt eine Partysau zu sein…  ;-)

Specifications
  • 5Hz–20kHz Frequency Response
  • 105 dB SPL/mW Sensitivity @ 1k
  • 17 Ohms @ 1kHz Impedance
Features
  • Single Balanced Armature + T.A.E.C.™
  • 9.2mm Dynamic Driver + Polarity Tuned Chamber™
  • Newly Insulated Custom Beryllium / Copper MMCX Connections
  • ‘Cerulean’ Blue Anodized Aluminum Body
  • Black PVD Screws
  • Black Stainless Steel Spout

[Quelle: Campfireaudio.com]


Design und Verarbeitung

InEar
Das Gehäusedesign ist wie oben erwähnt im Grunde das Gleiche wie beim Andromeda, IO und dem neuen Ara. Darf mittlerweile gut und gern als Campfire Trademark gelten. Trotz der vielen Ecken und Kanten sitzt auch der Polaris so gut wie Andromeda (Test) und Andromeda Gold (Test) zuvor.
Verarbeitungstechnisch gibt es wieder mal nicht das Geringste auszusetzen. Das Gehäuse ist perfekt verarbeitet, die blaue Oberflache ist makellos und sieht einfach fantastisch aus.

Tasche
Das Case ist aus blau gefärbten Leder gefertigt und rundet den Lieferumfang mit edler Haptik und praktischem Nutzen ab. Im Innern sind die InEars durch eine weiche Kunstfell-Fütterung vor Stößen beim Transport optimal geschützt. Zusätzlich liegt dem Polaris noch ein kleines Mesh-Täschchen bei. Die Besonderheit: Die Tasche ist mittig abgenäht, so daß zwei Kammern entstehen. Eine für jeden InEar. So können beide InEars separat voneinander aufbewahrt werden, um ein mögliches Aneinanderreiben der Gehäuse beim Transport effektiv zu verhindern. Dies schont die edle Oberfläche und bewahrt sie vor möglichen Kratzern – gut mitgedacht!

Kabel
Das rauchgraue Kabel mit abgewinkeltem 3.5mm Stecker und MMCX Anschlüssen dürfte mit ca. 120cm Länge gern etwas länger sein. 150cm hat sich für mich als perfekte Länge herausgestellt. 
Das Kabel selbst ist ein Schmuckstück, obwohl es das Einsteigerkabel bei Campfire Audio ist… Die Farbe – Campfire Audio nennt das „smoky“ – sieht edel und technisch aus. Die Verdrillung im Bereich vom Stecker bis zum Splitter erinnert optisch an ein Drahtseil. Auch haptisch ist das Kabel 1A. Es ist leicht, flexibel und soft. Aber immer noch ausreichend dick, um robust zu sein. Als Leiter kommt silberbeschichtetes Kupfer zum Einsatz. Die Versteifungen im Anschlussbereich erleichtern das Tragen mit Kabel über dem Ohr. Die vorgeformte Kontur schmiegt sich dem Ohr gut an und sorgt so für einen bequemen und sicheren Halt.


Tragekomfort

Hier zitiere ich mich mal selbst aus dem Test des Andromeda Gold:

Die charakteristische Form des Polaris – welche im übrigen auch ebenso für andere Modelle von Campfire Audio genutzt wird – ist von recht vielen Ecken und Kanten geprägt. Wo viele Hersteller lieber auf abgerundete Formen Wert legen, zeigt Campfire Kante. Und das ist gut so, denn dadurch sticht das Design wohltuend aus der Masse hervor. Dem Tragekomfort schadet das nicht – zumindest nicht bei mir. Selbst nach längeren Sessions spüre ich keine Druckstellen. Die Trageweise des InEars ist klassisch „über dem Ohr“, d.h. das Kabel wird oben über das Ohr geführt. Das gewährleistet einen sicheren Sitz und eine Zugentlastung auf die Steckverbindungen. Um das Einsetzen und den Sitz so komfortabel und einfach wie möglich zu gestalten, ist das Kabel im oberen Bereich hinter dem Stecker bereits in einem Radius vorgeformt. Dadurch schmiegt sich das Kabel hinter dem Ohr perfekt an und sitzt rutschsicher.

Der für mich beste Seal wird mit den beiliegenden Final Silikontips erreicht. Ebenso gut passen aber auch die RHA Dual Density Tips, diese bieten aber auch gleich nochmals mehr Bass. Auch die SpinFit Tips passen gut.


Klang

Kommen wir zum Wichtigsten!
Die nachfolgenden Eindrücke sind mit dem FiiO M15 entstanden. Gehört habe ich den Polaris II darüberhinaus noch am Questyle CMA400i, am Sony ZX300 und am iBasso DX220. Und wie immer sei mir auch hier der Hinweis erlaubt: Klang ist subjektiv und darüberhinaus auch noch Geschmacksache. Das was hier folgt, sind also meine höchst persönlichen Empfindungen, so wie ich sie aktuell wahrnehme und einschätze.

Klangcharakteristik
Campfire Audio macht bezüglich der klanglichen Abstimmung eine klare Ansage:
„Spacious Highs. Bombastic Bass.“
Damit ist unmissverständlich klargestellt, daß wir es hier in keinster Weise mit einem Neutralisten zu tun haben, sondern ganz klar mit einem Charakterkopf, der ordentlich auf den Putz hauen will.
Und der Polaris II wird dem gerecht, er klingt megafett und druckvoll, ist dabei sehr effektvoll auf großes Kino abgestimmt.

Glücklicherweise ist der Bassbereich trotz aller Präsenz kontrolliert und schnell, so daß keine Rede von matschigem Bass oder dem Überstrahlen in andere Frequenzbereiche sein kann. Neben dem Bass bietet der Polaris aber auch eine überaus klare Präsenz in den Höhen. Damit ergänzt er den druckvollen Bassbereich mit transparenten und detaillierten Höhen und formt so eine moderne V-Signatur.

Der Klang im Detail:

Bass
Der Bass des Polaris II ist gewaltig – bis tief runter in den Basskeller. Der dynamische Treiber legt mächtig los, macht Schub und Druck ohne Ende. Spielt gern Subwoofer. Und obwohl er für einen Dynamiker trotz aller Wucht noch sehr präzise und auch schnell ist, hört man ihm die organische Spielweise des technischen Prinzips an. Das ist kein Nachteil – im Gegenteil. Ich mag dieses organische, lebendige und federnde Authentizität. Leider gehts dieses oft mit einer gewissen Behäbigkeit bei Transienten und mangelnder Kontur bei Schlaginstrumenten einher – nicht so beim Polaris. Selbst schneller Metal ist mit dem InEar machbar (s.unten bei den Songbeispielen). Trotz aller Focussierung auf den Bassbereich bleibt dieser immer noch kultiviert und songdienlich.

Mitten
In den Mitten ist der Polaris etwas zurückgenommen, so daß er für saftige Metal-Riffs nicht unbedingt die erste Wahl darstellt. Aber: Das kann von Song zu Song variieren. Grundsätzlich kann ich aber schon sagen, daß der Polaris II eher für Rock als für Metal geeignet ist. Wobei – bei manchen Stücken kommt der etwas weniger präsente Mittenbereich durchaus der langzeittauglichen Durchhörbarkeit zugute.

Höhen
Die Höhen sind smooth und entschärft, kein Vergleich zum Andromeda aus gleichem Stall, der obenrum glänzt wie eine frisch polierte Königskrone. Mit ist das schon manchmal etwas zu – hmm, ich kann nicht sagen dumpf – das ist es keinesfalls, aber es dürfte für meinen Geschmack halt etwas mehr Strahlkraft und Transparenz haben.

Bühne
Die Bühne ist überschaubar, ich würde sagen nicht unbedingt sonderlich weit und auch nicht tief. Perfekt für das Jazztrio in der Spelunke um die Ecke, aber für Stadionrock zu intim. Trotzdem für fast alle Genres unauffällig. Man hat nicht das Gefühl, daß es irgendwie zu eng oder zu weit ist. Also: Goldene Mitte getroffen!

Separation
Aufgrund der zurückgenommenen Mitten reicht es bei der Instrumentenseparation nur für eine durchschnittliche Leistung. Dafür punktet der Hybride durch eine angenehme und musikalische Wiedergabe mit viel Wohlfühlfaktor, fügt einzelne Spuren homogen zusammen und lässt die Musik wie aus einem Guss wirken.

Isolation
Wie fast immer gilt: Bei gutem Sitz ist die passive Isolation bei Campfire InEars mit dem „Andromeda“- Gehäuse in meinen Ohren perfekt. Da macht auch der Polaris keine Ausnahme.

Insgesamt lässt sich dem Polaris II eine sehr eigenständige Klangsignatur mit überdeutlichem Hang zum spektalulären Bass bescheinigen. Was für Pop und Rock gut passt und für Elektronische Musik absolut perfekt ist, kann bei Metal grenzwertig sein. Für richtig derben und technisch anspruchsvollen Death-Metal würde ich aber weiterhin zum Andromeda oder zum Vision Ears EVE20 greifen.


Fotos


Fazit

Also mir gefällt der Polaris richtig gut. Nicht als einziger Hörer – dafür ist er einfach zu speziell. Aber eben als Spezialist für die besonderen Momente ist er genial. Für Leute, die vorrangig Pop und EDM hören dürfte er auch als Haupthörer sehr gut funktionieren. So gefällt er mir aber hauptsächlich bei klassischem Hardrock und schlecht produzierten Metalproduktionen (von denen es ja gar nicht mal so wenige gibt) überaus gut. Dieser Bassdruck und das subwooferartige Feeling sucht seinesgleichen. Hat der Polaris einen fetten Bass? Ja sicher. Ist er ein Bassbomber? Nein. Denn trotz der Bassbetonung bleibt der Polaris immer schön kontrolliert und musikalisch.
Wer also auf der Suche nach einem InEar mit richtig spektakulären und überzeugenden Bass ist, darf sich den Campfire Audio Polaris II auf gar keinen Fall entgehen lassen. Reinhören!

Der Polaris II hat mächtig Dampf, sieht klasse aus und besitzt eine eigenständige und mitreißende Klangsignatur.


Campfire Audio Polaris II | Bewertung

9.5

Sound

8.8/10

Verarbeitung

10.0/10

Tragekomfort

9.5/10

Preis/Leistung

9.7/10

Pros

  • Mächtiger Bass
  • Tolle Verarbeitung
  • Sehr gutes Kabel

Cons

  • Mächtiger Bass
Werbung