[Werbung] Die beiden InEars wurden mir für diesen Test leihweise von headtek.de zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!


Ende 2017 hatte ich bereits die Gelegenheit, den fantastischen Etymotic ER4XR zu testen. Und dieser InEar hat mich seinerzeit schlicht begeistert. Mit seiner neutralen und absolut ehrlichen Abstimmung spielt er extrem ehrlich und auf den Punkt. – Referenz! Vor ein paar Wochen tauchte dann auf Massdrop ein neues Modell von Etymotic auf: Der ER2. Kurze Zeit später entdeckte ich diesen InEar auch im deutschen Shop von Headtek. Nun liegen beide Varianten – der SE und der XR – vor mir und warten auf die erste Hörprobe.


Der Etymotic ER2

Der ER2 (wenn ich im Folgenden vom „ER2“ schreibe, dann meine ich immer beide Varianten!) unterscheidet sich in einem ganz wesentlichen Merkmal grundsätzlich von den anderen Modellen des Herstellers: Setzen ER4 und ER3 voll auf BA-Treiber, so kommt beim ER2 nun erstmals bei Etymotic ein dynamischer Treiber zum Einsatz. Umso gespannter darf man sein, ob die InEars ebenso neutral und unbestechlich klingen wie Ihre BA-Brüder. Normalerweise wird ja BA-Treibern oft ein Vorteil gegenüber Dynamikern im Bereich Präzision nachgesagt.

Bevor es aber losgeht, sei mir noch der Hinweis gestattet, daß der ER2 aktuell so gut wie keine Promo durch den Hersteller erhält. Warum das so ist weiß ich nicht und kann es mir auch nicht wirklich erklären. Aber sogar auf der Etymotic Webseite sucht man Informationen über die neuen InEars vergebens (Stand: Mai 2019).

Warum SE und XR?
Der ER2 ist – wie der ER3 und der ER4 auch – in zwei verschiedenen Ausführungen mit jeweils unterschiedlicher Klangabstimmung zu haben. So gibt es die Versionen ER2SE (Studio Edition) und ER2XR (Extended Response).
Da die akurat neutrale Abstimmung des SE nicht jedermanns Geschmack trifft, hat man für diejenigen, welche gern einen etwas stärkeren Bass bevorzugen, eine Version mit angehobenem Bassbereich im Angebot. Doch Obacht: Auch diese Variante hat keine massentaugliche Badewannen-Abstimmung mit angehobenem Bass und Höhen. Nein, selbst die XR sind immer noch ausgeglichen und neutral. Lediglich ein wenig mehr Bassbetonung ist bei den XR zu verzeichnen. Für meine bevorzugte Musik im Bereich Rock und Metal mit ihren oft recht bass-schwachen Produktionen ist die XR-Variante – soviel sei vorweggenommen – für mich persönlich optimal.


Lieferumfang und Verpackung

Die beiden Testsamples wurden mir ohne Originalverpackung zur Verfügung gestellt – so kann ich zur Umverpackung nichts weiter sagen. Die InEars erreichten mich jeweils in der mitgelieferten Stofftasche mit originalem Lieferumfang, aber in einem einfachen Pappkarton.
Im original Lieferumfang befindet sich folgender Inhalt:

  • Etymotic ER2XR/SR
  • Abnehmbares, 120cm Kabel
  • 1 Paar Schaumstoff und 2 Paar TriFlange Ohrpassstücke
  • Filterwechselwerkzeug und Filter
  • Kompakte Aufbewahrungstasche
  • Shirtclip

Technische Daten

Mangels Info auf der Etymotic Webseite habe ich die technischen Daten beim deutschen Vertrieb Headtek gefunden:

  • Bauweise: geschlossen, In-Ear
  • Treiber: dynamisch
  • Frequenzgang: 20Hz – 16kHz
  • Impedanz: 15 Ohm
  • Empfindlichkeit (@1kHz): 96dB
  • Maximale Ausgangsleistung (SPL): 120dB
  • Außengeräuschisolation: 35 – 42dB
  • Gehäusematerial: eloxiertes Metall
  • Kabel: MMCX-Anschluss, austauschbar
  • Kabellänge: 1.2m
  • Anschluss: Miniklinke 3.5mm, vergoldet, gewinkelt

[Quelle: Headtek.de]


Design und Verarbeitung

Das zylindrische Design der ER-Reihe findet sich konsequenterweise auch beim ER2 wieder. Etymotic unternimmt hier gar nicht erst den Versuch, durch eine möglichst allgemeingültige und dem menschlichen Ohr nachempfundene Formgebung in den meisten Ohren der Hörer eine gute Passform zu geben. Die Gehäuse aus Aluminium sind schlicht zylindrisch und akurat gearbeitet. Der etwas hellere Blauton als bei den ER4 gefällt mir außerordentlich gut.

Aufgrund der symmetrischen Form und des dünnen Durchmessers ist es völlig egal, wie die Concha des Kunden geformt ist: Die ER2 dürften wohl – die Wahl der richtigen Pass-Stücke für den perfekten Seal vorrausgesetzt – allen Menschen eine sehr gute Passform bieten.
Allerdings liegt in dieser speziellen Form auch eine gewisse Besonderheit, welche alle Etymotic Hörer ausmacht: Sie sitzen allesamt sehr tief im Gehörgang. Das ist einerseits erst einmal gewöhnungsbedürftig, auf der anderen Seite sorgt es aber für eine unglaubliche Isolation vor Umgebungsgeräuschen.

Die Silikontips sind als Triple-Flanges ausgeführt und bieten eine fantastische Isolation und einen sicheren Sitz ohne großes Rumfummeln. Einsetzen – Passt!
Die Schaumstoff Aufsätze sind nicht mein Fall, aber das ist mein persönlicher Geschmack.


Tragekomfort

Nachdem man sich an die tiefe Penetration im Ohr gewöhnt hat, ist der Tragekomfort extrem gut. Das Einsetzen ist Ruck-Zuck erledigt und bereits nach wenigen Augenblicken verschwinden die InEars (fast wortwörtlich!) im Ohr. Auch längere Hörsessions werden ohne Druck- oder sonstige Schmerzen zum Genuss. Ich nutze für den optimalen Sitz & Seal die kleinen Triple-Flange Eartips aus dem hellblauem Silikon. Damit habe ich auch bereits bei den ER4XR beste Ergebnisse erzielt.
Ach ja – Thema Kabelgeräusche: Die sind relativ heftig. Es ist also empfehlenswert, beim Hören mit dem ER2 nicht allzuoft am Kabel rumzunesteln…


Klang

Die ER2 sind recht anspruchsvoll was das Wiedergabegerät angeht und brauchen schon ordentlich Leistung. Im Idealfall werden sie deshalb an einem leistungsstarken Kopfhörerverstärker oder DAP betrieben. Die untenstehenden Klangeindrücke sind am Sony ZX300 enstanden.

Wer Etymotic InEars kauft, der möchte i.d.R. einen neutralen, ehrlichen und ausgeglichenen Klang haben. Und vorab: Die SE Variante liefert genau das auf einem absolut akkuratem Niveau und braucht sich nicht hinter BA-InEars verstecken.
Manch einer würde behaupten, daß eine solch ehrliche und neutrale Klangwiedergabe langweilig und blutleer sei. Das mag sein, aber das hängt natürlich immer von den Hörgewohnheiten und -vorlieben des Einzelnen ab. Gibt man dieser Abstimmung aber ein wenig Zeit und öffnet sich dessen vorbehaltlos, damit sich das Gehör an solch eine puristische Wiedergabe gewöhnen kann, so lernt man den ermüdungsfreien und entspannten Wohlklang durchaus zu schätzen. Und der Vorteil liegt auf der Hand: Die InEars sind absolut universell einsetzbar für jedes Genre und für alle Arten von Musik. Ein weiterer Vorteil, welcher auf den ersten Blick gar nicht so offensichtlich ist: Aufgrund der überragenden Isolationsfähigkeit und der kurzen Distanz des Treibers zum Trommelfell aufgrund des tiefen Sitzes ist das Hören mit sehr moderaten Lautstärken möglich.

Bass

SE:
Schlank, furztrocken und kerzengerade. Auf Consumer-Trendsignatur getrimmte Bassheads werden die Nase rümpfen. Ich mag es ja auch gern etwas substantieller im Frequenzkeller. Allerdings fasziniert die ehrliche Klangsignatur und die genaue Kontur von z.B. E-Bass und Bassdrums. Aber ich gebe zu: Es dürfte je nach Stimmung ruhig etwas mehr sein. Denn manchmal muss man es krachen lassen – dann greift man besser zu einer Alternative. Vielleicht zum XR?

XR:
Ja, das geht in die richtige Richtung. Der Bass ist dezent angehoben, aber ich würde ihn immer noch als neutral bezeichnen wollen. Gerade bei Metal Produktionen ohne Effekthaschereien wie Loudness oder ProTools pumpt die XR Variante aber doch das entscheidende Quentchen mehr Energie und Power in die Songs – allerdings hat der SE einen leicht definierteren Attack und Punch.

Mitten
SE/XR: (für mich kein Unterschied):
Die Mittendarstellung ist am Beispiel von verzerrten E-Gitarren vorbildlich texturiert und sehr saftig. Der ER2 überzeugt mit einer klaren Präsenz, die einer sehr guten und neutralen Stereobox in nichts nachsteht.

Höhen
SE/XR: (für mich kein Unterschied):
Eine sehr klare und präzise Höhenwiedergabe zeichnen den ER2 aus. Dazu eine angenehme und niemals nervige Brillianz. Wirklich klasse, man kann stundenlang in seiner lieblingsmusik versinken.

Bühne
SE/XR: (für mich kein Unterschied):
Die Bühne ist nicht übermäßig weit, was vermutlich am Fehlen von Innenohr Reflexionen liegt – schließlich befindet sich der Schallaustritt ziemlich tief im Ohr und damit nah am Trommelfell. Die Lokalisierung ist eher „im Kopf“ und die Bühne eher weniger breit. Das ist erst einmal ungewohnt – nach kurzer Zeit gewöhnt man sich aber daran.

Separation
SE/XR: (für mich kein Unterschied):
Der ER2 bietet Instrumentenseparation auf sehr gutem Niveau. Fette Blind Guardian Produktionen entlocken ihm nur ein lässiges Achselzucken – er spielt stets kontrolliert und alle Instrumente und Spuren sind nachvollziehbar. Der SR hat hier ein klein wenig die Nase vorn.

Isolation
SE/XR: (für mich kein Unterschied):
Was soll ich sagen? Die Isolation ist bei Etymotic InEars schlicht unglaublich. Da kommen einige Noise-Cancellation Kopfhörer nicht mit! Und das Ganze völlig passiv und ohne nerviges Rauschen. Erstklassig. Realisiert wird das Gnze durch perfekt abdichtende Triple-Flange Eartips. Manche nennen sie liebevoll Tannenbaum….


Fotos


Fazit

Was sieht man heutzutage für aufwändige InEar Systeme: InEars mit 1,2,3 oder noch mehr Treibern oder Hybrid-Modelle, die das Beste der beiden Welten – BA-Treiber und Dynamiker – vereinen wollen. Unbeeindruckt dieses „Wettrüstens“ baut Etymotic in den ER2 einen einzigen dynamischen Treiber ein – und zeigt, das es funktioniert. Und zwar großartig!

Ähnlich wie bereits beim ER4XR fällt es mir schwer, mich dem Zauber der linearen Neutralität mit diesem Schuß Extra-Bass zu entziehen. So ist mein Favorit der beiden ER2s ebenso die XR Variante. Hier hat man beide Welten: Die sagenhafte Ausgeglichenheit eines geraden Frequenzgangs in Kombination mit einer gerade ausreichend angefetteten Spaßfärbung im unteren Bassbereich – grandios!

Der ER2XR ist für mich ein absolut grandioser InEar – erst recht zum Preis von derzeit rund 180€.


[Werbung] Die beiden InEars wurden mir für diesen Test leihweise von headtek.de zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!

Etymotic ER2SE & ER2XR | Bewertung

9.4

Sound

9.3/10

Verarbeitung

9.0/10

Tragekomfort

9.5/10

Preis/Leistung

9.8/10

Pros

  • Neutrale Signatur
  • Tolle Passform
  • Starke passive Isolation
  • Top verarbeitung

Cons

  • Benötigt ordentlich Leistung