Vision Ears aus Köln ist bekannt für hochwertige Custom InEar Monitoring Systeme und genießt in Musikerkreisen bereits einen sehr guten Ruf. Im Herzen von Köln werden aber seit 2013 nicht nur Profi-InEars hergestellt, sondern auch erfolgreiche Modelle mit einzigartigen Signaturen für Audiophile und Musikliebhaber. Das Flagschiff Erlkönig mit justierbarer Signatur und der sowohl als custom als auch universelle Variante angebotene Elysium gehen genau in diese Richtung.
Der Vision Ears EVE 20 ist nun der erste einer neuen Reihe von limitierten InEars. Was ihn so besonders macht und was er klanglich drauf hat, das lest ihr hier.


[Werbung] Der EVE20 wurde mir für diesen Test direkt von Vision Ears zur Verfügung gestellt. Da er mir so gut gefallen hat, habe ich ihn im Nachgang erworben.


Exclusive Vision Ears

Immer mehr HiFi-Freunde finden einen Zugang zu professionellen Custom InEars und schätzen professionelle, an das eigene Ohr angepasste Custom InEar Monitoring (CIEM) Systeme. Ganz nach dem Motto: Was für Musiker gut ist, kann für privaten Musikgenuß ja nicht schlecht sein.
Wenn ich mich mit anderen Kopfhörer-Junkies austausche, habe ich andererseits aber auch den Eindruck, daß neben dem Mainstream immer öfter auch im audiophilen High-End Bereich der Anteil der universellen Varianten stark im Kommen ist. Die Vorteile liegen ja im Grunde auch auf der Hand: Solche Modelle sind durch die Verwendung verschiedener Aufsätze (Silikontips, Foamies) leicht an das eigene Ohr anpassbar. Somit sind sie eben auch noch mit anderen Tips oder vielleicht auch für andere Personen nutzbar (Wiederverkauf), wenn sich die persönlichen Hör- oder Trage-Gewohnheiten ändern. Und um diese Nachfrage bedienen zu können, bieten viele Hersteller von hochwertigen CIEM auch immer mehr universelle Modelle an – und machen somit ihre Produkte einem breiteren Publikum zugänglich. So auch Vision Ears.

EVE
Was zuerst wie ein Name klingt, steht schlicht für „EXCLUSIVE VISION EARS“ – und damit für eine ganz neue Produktlinie.
Denn neben den Custom-Modellen auf der einen und den absoluten HighEnd Flaggschiffen Erlkönig und Elysium auf der anderen Seite, gibt es künftig mit den EVE Modellen von Vision Ears jährlich ein auf eine bestimmte Stückzahl limitierte Sondermodelle. Das Konzept dieser neuen Linie ist innovativ und interessant: Den kommenden Modellen gemein ist, daß sie alle auf einem universellen Gehäuse basieren werden. Sie werden einem individuellen Konzept folgen, was klangliche Abstimmung, Treiberkonfiguration und Design angeht. Und um die Exklusivität weiter zu unterstreichen, werden sie jeweils nur ein Jahr lang und in limitierter Stückzahl hergestellt.


Der Vision Ears EVE20

Für das Premierenmodell der neuen exklusiven Reihe hat sich VE für einen Multi-Balanced Armature Treiber InEar mit sechs Treibern entschieden – je ein Paar Bass-, Mitten- und Hochtontreiber sind im transparenten Gehäuse verbaut. Galten vor ein paar Jahren noch Systeme mit sechs Treibern als echte Exoten, so spricht heute selbst VE beim EVE20 von „schlichter Technik“. Aber daß es auf die Anzahl der Treiber gar nicht ankommt, wissen wir spätestens nach Sennheiser IE800S, Dunu Luna und Final Audio E8000. Erst die richtige Kombination der Zutaten und Gewürze macht ein wohlschmeckendes Gericht aus. Und hier hat Vision Ears – soviel darf vorweggenommen werden – vorzüglich abgeschmeckt!

Der EVE20 wird ausschließlich im Jahr 2020 in limitierter Stückzahl gefertigt sein und kostet 1.300€. Ich bin bereits jetzt gespannt, welche Technik und Idee hinter dem 2021er Modell – dem EVE21 – steht.


Lieferumfang und Verpackung

Der InEar kommt in einer edlen und rechteckigen Verpackung. Auf dem violett-schwarzen Karton ist das Logo in Metallic-Druck aufgebracht – edel und eines exklusiven Produktes angemessen. Die InEars befinden sich im Auslieferungszustand bereits in der schützenden Metalldose – man hat auf eine Präsentation in Formschaum beim Öffnen der Schachtel verzichtet. Finde ich aber gut, das hat einen Touch von professionellem Pragmatismus trotz der insgesamt sehr gelungenen Präsentation der Box.

Zubehör ist nicht so reichlich, wie man es vielleicht aufgrund des Preises erwarten würde. Dafür umso individueller – denn z.B. ein Reinigungsspray habe ich bisher noch in keiner Schachtel gefunden!
Vor allem aber bei den Tips übt man Zurückhaltung, denn es liegen lediglich 3 Paar Spinfit CP100 bei. Einmal kurz drüber nachgedacht macht aber auch das durchaus Sinn: Denn wer in diesem Preisbereich unterwegs ist, dürfte eh seine persönlichen Lieblings-Aufsätze in der Schublade haben. Nachhaltiger ist das Ganze dann auch noch, denn sowieso nicht genutzte Silikon- oder Schaumstofftips entfallen.

In der Box:

  • Vision Ears EVE20 InEars
  • VE Metalldose
  • 3 Paar SpinFit CP100
  • 3.5mm Kabel 
  • VE In-Ear Reinigungsspray
  • Cerumenpen
  • 3.5mm auf 6.35mm Klinkenadapter
  • Microfasertuch
  • Nozzle-Mesh Ersatzplättchen
  • Klett-Kabelbinder
  • Papierkram

Neben dem obligatorischen 3.5mm auf 6.3mm Klinkenadapter und Reinigungs-„Werkzeug“ liegt ein Microfasertuch, Ersatz-Cerumenfilter und bereits erwähntes Reinigungsmittel bei.

Eine kleine Broschüre gibt Aufschluss über Handhabung und Pflege der InEars, ein kurzer Steckbrief hält Infos zum EVE20 bereit und ein handausgefülltes Zertifikat in Visitenkartenformat mit Seriennummer rundet das Paket ab. VE hinterlässt bereits beim Unboxing unmissverständlich den Eindruck, hier etwas Einzigartiges gekauft zu haben.


Technische Daten

TreibertypBalanced Armature (BA)
Treiberkonfiguration6 Balanced Armature Treiber (2 Bass, 2 Mitten, 2 Höhen)
PrinzipGeschlossen
Frequenzgang20 – 20,000 Hz
Impedanz25 Ω @ 1 kHz
Empfindlichkeit120.5 dB @ 1mW (@1khz)
Stecker3.5 mm Single-Ended
Gewichtrund 5.2 g (nur IEM)

Design und Verarbeitung

Optisch ist der EVE20 definitiv ein echter Leckerbissen: Die blutrote Faceplate mit dem olivgrün-transparenten Gehäuse zu kombinieren, ist genial! Nicht nur harmonieren die Farbtöne super zusammen, der Wiedererkennungswert ist auch absolut garantiert.
Das silberne VE Logo ist sauber in die Faceplate des linken InEars integriert, rechts ist der EVE Schriftzug integriert. Die silberne Schrift bildet einen schönen Kontrast mit dem Rot. In der Nähe des Schallröhrchens ist die Modellbezeichnung und die Seriennummer angebracht.

Die Verarbeitungsqualität ist perfekt, es gibt nicht die geringsten Unregelmäßigkeiten. Der 2-Pin Anschluss sitzt akkurat, die Technik im Innern kann durch das transparente Gehäuse bestaunt werden. Alle Treiber und Kabel sind sauber verlegt und beinahe auf den Millimeter genau gleich in beiden InEars platziert.

Das schwarze Kabel hat mich etwas enttäuscht, denn optisch passt das ansonsten technisch bestimmt sehr gute Kabel – 4 Stränge silberbeschichtetes Kupfer – nicht so ganz wie ich finde. Aber das ist wie immer Geschmacksache, mir hätte ein transparentes Kabel etwas besser gefallen.
Aber so bleibt der Kunde bei der Wahl eines Zubehörkabels flexibel.
Von der Haptik ist das Kabel super, es ist leicht, flexibel und fällt locker, besitzt keine Federspannung und liegt flach auf dem Tisch auf. Mikrofonie über das Kabel ist auch kein Problem, die Länge ist mit rund 130cm gut gewählt.


Tragekomfort

Vision Ears nutzt für die EVE Reihe ein Universalgehäuse. Im Gegensatz zu vielen anderen Universallösungen verzichtet man hierbei auf eine deutliche konkave Ausformung, so daß der Gehäusebody eher flach ist. Und das ist überaus gut so, denn so gibt es keinen störenden Höcker auf der Innenseite wenn der InEar nicht 100%ig passt – was bei einer universellen Form ja nicht ausgeschlossen ist.

Und genau deswegen passt der EVE in meinen Ohren wie angegossen, nichts drückt oder ist sonst irgendwie unangenehm. Einzig den perfekten Seal zu finden ist etwas frickelig, denn der EVE reagiert sehr empfindlich auf einen schlechten Seal und quittiert das sofort mit extremen Bassverlust. Hier ist etwas Erfahrung erforderlich, um zu erkennen ob der Hörer richtig sitzt oder nicht. Aber dank der Spinfit Tips ist das mit ein wenig Übung sehr gut machbar, es erfordert anfangs aber wirklich etwas Aufmerksamkeit – zumindest war das bei mir so. Einmal den richtigen Sitz & Seal gefunden, wird man klanglich dafür furios entschädigt…


Klang

Das beste Design und eine perfekte Verarbeitung macht natürlich nur Sinn, wenn auch der Klang stimmt. Und hier kann der EVE20 noch mehr überzeugen als bei den Soft-Skills: Die Klangsignatur ist einzigartig und macht den InEar zurecht zu einem ganz besonderen Hörer…
Aber der Reihe nach. Vison Ears selbst sagt zum EVE20:

„Der EVE20 ist ein neues 6-Treiber Design mit 2 Bässen, 2 Mitten- und 2 Hochtontreibern. Simpel. Aber wir haben hier die Schönheit im Schlichten gefunden. Der EVE20 überzeugt mit seinem hochdynamischen und musikalischen Klangbild. Tiefe und tighte Bässe, reiche und natürliche Mitten und alles abgerundet von klar strukturierten und schillernden Höhen.
Eine herausragende Komposition von Treibern die perfekt zusammenpassen. Einfach und doch eine brillante Performance an Harmonie…
Der EVE20 ist wie der VE6 ein 6-Treiber Modell, arbeitet aber mit komplett anderen Treibern. Der Klang ist generell eher vergleichbar mit dem VE8 als dem VE6. Er ist sehr ausgewogen mit einem tiefen und dennoch strammen Bass, sehr natürlichen und betonten Mitten sowie sehr gut strukturierten und klaren Höhen. Alles in Allem ein sehr dynamischer und musikalischer In-Ear mit herausragender Klarheit.“

Dabei könnte man es durchaus belassen, denn diese Beschreibung erklärt den Klangcharakter bereits sehr treffend. Ich versuche es trotzdem zusätzlich mit meinen eigenen Worten.

Spielpartner
Gehört habe ich den InEar übrigens am FiiO M15, am Questyle CMA400i, dem iBasso DX220 und dem ifi xCan. An allenPlayern macht der InEar eine gute Figur und verlangt nicht nach allzuviel Leistung. Von einem guten DAP mit leistungsfähigem Verstärker profitiert er aber auf jeden Fall. Die folgenden Klangbeschreibungen sind am FiiO M15 entstanden.

Klangcharakteristik
Die Klangcharakteristik des EVE20 würde ich als tonal ausgeglichen bis ganz leicht warm beschreiben. Vom Tiefbass bis in die obersten Frequenzen (zumindest bis 14kHz, danach ist bei mir Feierabend) kommt kein Bereich zu kurz – insofern ist dieser InEar durchaus als „neutral“ zu bezeichnen, d.h. er unterschlägt keine Details, er dichtet aber auch keine hinzu. Sein Bass ist wunderbar ausdefiniert, z.B. kicken Bassdrums luftig und knackig mit ordentlich Punch – wobei die Bassquantität wohldosiert ist.
Wo kein Bassdruck ist, wird auch keiner wiedergegeben. Und trotzdem ist der Bassbereich im Mid- und Oberbass präsenter, als man es z.B. von einem komplett linearen und nüchternen Studiomonitor erwarten würde. In den Mitten lässt der EVE20 ebensowenig anbrennen, texturiert Metall-Riffs mit viel Details und Energie. Die Instrumentenseparation ist auf Referenzniveau und begeistert durch Präzision und Differenzierungsvermögen. Daneben sind die Höhen erfrischend klar und äußerst Präzise. Der EVE20 löst fantastisch auf und ist insgesamt mächtig frisch und agil.

Die einzelnen Bereiche nochmal im Detail:

Bass
Der Bass des EVE20 ist nicht übertrieben, geht aber tief runter und hat vollen Körper und präzisen, kraftvollen Punch.
Die Tonalitär ist nicht nur für einen BA-Treiber sehr organisch und lebhaft, Schlaginstrumente klingen absolut echt und live. Das macht Laune!
Der Mid- und Oberbass ist sehr konturiert und transparent, Transienten von Schlaginstrumenten (Trommeln, Toms) sind explosiv und Obertöne haben einen vielschichtig texturierten, schön ausklingenden Sustain.

Mitten
Der EVE20 bietet klare und transparente Mitten mit unglaublich viel Tiefgang, im englischen spricht man gern von „holographic“.
Fantastische Detailtrennung, trotzdem homogen über den gesamten Frequenz-Bereich.
Da ich viel Metal höre, führe ich ja immer verzerrte Gitarren als Maß für saubere Mitten an, auch wenn diese natürlich darüber hinaus gehen. Aber gerade dieser fette, energiereiche Teil von Rhymusgitarrenriffs trennt oft die Spreu vom Weizen im Mittenbereich. Und genau dieser Bereich ist beim EVE20 so genial erfrischend und präsent, daß sich Vergleiche zu einem Livekonzert aufdrängen

Höhen
Hier will ich mal ein Bild benutzen. Stellt euch einen klaren Gebirgsbach vor. Das Wasser ist eiskalt, sauber, erfrischend und glasklar. Er fließt ruhig und gelassen – aber zielstrebig und unaufhaltsam.
Man kann auf den Grund sehen, Kieselsteine und kleine Fische erkennen. Es ist aber auch einfach nur entspannend, sich dem Hinplätschern des Baches hinzugeben, seinem Fließen, seine schillernden Oberfläche – ohne auf Details achten zu wollen.
Alles klar soweit?
Was mir aufgefallen ist – und womit sich der EVE20 von vielen anderen InEars klar absetzt, das sind sie Obertöne von Becken. Diese – und vor allem HiHats – klingen absolut live – das mag für manche zu agressiv sein, aber Cymbals sind nunmal laut und durchsetzungsstark. Und genau so gibt es der InEar wieder. Mir als Drummer gefällt das natürlich extrem gut. Trotz dieser Authentizität sind sie aber niemals stechend oder zu nervig. Diese Klarheit und Strahlkraft finde ich absolut überzeugend.

Bühne
Die Bühne des EVE20 ist weit und vor allem wird das Geschehen in einem virtuellen, dreidimensionalen Raum sehr greifbar präsentiert. Die Außer-Kopf Lokalisation von weit außen stehenden Effekten ist sehr plastisch und gut ortbar im Raum positioniert.

Separation
Ich habe es bei den Mitten bereits angesprochen. Instrumentenseparation – sowieso eine Stärke von BA-Treibern – gelingt dem EVE20 mustergültig. Anspruchsvolle Prog-Rock Produktionen werden in ihre einzelnen Spuren und Instrumente ausdifferenziert, um entweder analysiert oder einfach nur genüßlich konsumiert zu werden.

Isolation
Mit den passenden Tips isoliert der InEar sehr gut, hier gibt es keine Probleme. Dies ist aber wie bereits angesprochen vom perfekten Sitz abhängig und hier kommt es – zumindest bei mir – auf Millimeterbruchteile an.


Songbeispiele

In Flames – Only for the Weak
Zum 20 jährigen Jubiläum muss natürlich das legendäre Clayman Album der Schweden gehört werden. Die Musik klingt frisch und energetisch wie nie, zeitlos und wegweisend. Die Produktion ist weit von ultrafetten Metalcore Outputs der Neuzeit entfernt, klingt dafür sehr analog und natürlich. Und gerade hier profitiert der Sound von der Neutralität des EVE, denn dadurch klingt alles sehr aufgeräumt, frisch und live. Kaum zu glauben daß das auch schon wieder zwei Jahrzehnte alt ist….

Trivium – IX/What the Dead Man Say
Die Gitarrenakkorde im Intro klingen transparent, klar und spannen eine breite Bühne auf. Beim Einsetzen der Leadgitarre und dem darauf folgenden Schlagzeug mit Doublebass wird wieder deutlich, wie transparent der EVE das musikalische Geschehen wiedergibt. Die Snaredrum klingt knallig, aber gleichzeitig vielschichtig, nie breiig, sondern extrem klar konturiert. Ebenso die Bassdrums und Toms – welche von der impulsiven Transientenwiedergabe profitieren.

Kirk Windstein – Dream In Motion
Feine Doomkost von Mastermind Kirk Windstein. Wuchtige Drums, knarzende Riffs und die charismatische Stimme von Windstein bauen eine düstere und dystopische Atmosphäre auf. Die Musik ist sehr schwer und wabernd, eigentlich typische Winterkost. Aber die frische Spielfreude des EVE macht sie sommerkompatibel. Trotz hoher Dichte behält der EVE den Überblick, verweist jedes Instrument an seinen zugewiesenen Platz und sorgt für eine geordnete Homogenität.

Anthrax – Cought In A Mosh
Yeah! Auch mit altem Material geht der EVE20 super um. Feine Ghostnotes auf der Snare und Bassläufe arbeitet er akkurat und präzise heraus. Für heutige Verhältnisse im ersten Moment eine dünne Produktion – drehen wir also mal was lauter…. Oha, da ist ja doch Leben drin. Und wie klingen die HiHats auf einmal!? So texturiert habe ich das noch nicht gehört – und diesen Song habe ich OFT gehört, glaubt mir!
Eine absolute Stärke des VE Inears macht sich hier allerdings etwas negativ bemerkbar: Durch seine präzise Instrumentenseparation stehen die teils dünnen Gitarrenriffs recht allein da.

Krasses Gegenteil:
As I Lay Dying – Blinded
Modern produziert, polierte Bssdrums, sehr schnell gespielt. Das erfordert von einem Kopfhörer einerseits ein schnelles Impulsverhalten: Schnell da – schnell wieder weg. Andererseits wird es matschig. Kein Problem für den EVE, sauber akzenturiert ist hier jeder Schlag. Sehr offen gespieltes Riffing im Refrain wird sauber im Zaum gehalten, auch hier wieder: Kontrolle par excellence.

Sollte reichen an Beispielen. Der EVE20 kommt im Grunde mit jeder Musik zurecht. Wo er sich aber richtig wohl fühlt, das ist das rockigere Zeug. Metal kann er fantastisch, bei Thrash und Death Metal blüht er regelrecht nochmals auf. Da kann er seine technische Kompetenz an Auflösung, Präzision und Kontrolle voll ausspielen.


Vision Ears EVE20 vs.
Campfire Audio Andromeda 2020

Glücklicherweise sind beide In-Ears zur gleichen Zeit im Hause Kopfbox, so daß ich die beiden an dieser Stelle kurz vergleichen kann. Der Campfire Audio Andromeda in der 2020er Ausgabe hat kürzlich im Kopfbox Testbericht zu überzeugen gewusst. Gegen den EVE20 muss er sich aber knapp geschlagen geben — wenn es so etwas in dieser Qualitätsstufe überhaupt gibt. Technisch und qualitätiv sind beide auf absolutem TOP-Niveau, so daß es am Ende nur eine Frage des persönlichen Geschmacks ist. Aber schauen wir doch mal:

Technik
Eve und Andro verfolgen ein sehr ähnliches technisches Konzept, setzen ausschließlich auf Multi-BA Treiber. Der EVE hat sechs Treiber, beim Andro kommen fünf zum Einsatz.

Komfort
Beides sind universelle InEars, d.h die Passform sollten den meisten Menschen mehr oder weniger gut passen. Das ist auch bei beiden der Fall. Der Andromeda ist vom Gehäuse kleiner, dafür ist der EVE „runder“ und bietet weniger Reibungspunkte. Am Ende muss man eh testen, ob ein InEar gut sitzt oder nicht.

Material
Bei den verwendeten Materialien unterscheiden sich beide Hörer grundsätzlich: Während der EVE aus Acryl gefertigt ist, kommt beim Andromeda das Campfire Audio typische Metallgehäuse zum Einsatz. Beide Materialvarianten haben Ihren Charme, ob und wenn ja was einem besser gefällt, ist sicher Geschmacksache.
Robuster ist vermutlich das Metallgehäuse, dafür ist es auch schwerer.

Kabel
Die Hersteller setzen beim Kabelanschluss auf unterschiedliche Konzepte. Vision Ears nutzt ein 2-Pin Anschluss während man bei Campfire Audio auf die MMXC Buchsen setzt. Beide haben gewiss Vor- und Nachteile. MMCX ist praktischer, das Kabel mal eben schneller getauscht. Dafür verspricht man einer 2-Pin Steckverbindung eine höhere Haltbarkeit.
Das Kabel des Andro finde ich persönlich optisch schöner. Es sieht im smoky-grau edler und feiner aus.
Die Optik des EVE Serienkabels sieht im einfachen schwarz wesentlich schlichter aus.
Beide Kabel sind im Ohrbereich versteift, um eine gute Führung um das Ohr zu gewährleisten.

Klang
Klanglich sind beide InEars gar nicht so weit voneinander entfernt. Beide haben einen im Grunde neutralen Frequenzgang, wobei der Andromeda dem Hörer zusätzlich noch ein ganzes Pfund mehr Energie „in your face“ entgegenwirft. Der EVE ist dagegen etwas zurückhaltender, dafür ist er mit der etwas wärmerer Abstimmung der musikalischere Kollege.
Die Bühne ist beim Andromeda breiter, da ist er bekannt für.
Im Bass hat sowohl der Andromeda als auch der EVE einen richtig knackigen Punch, der Andro hat zusätzlich etwas mehr Pegel zu bieten und der EVE klingt dafür organischer und nochmals präziser.
Mitten sind bei beiden InEars in etwa auf gleichem Niveau, Stimmen gefallen mir beim EVE nochmal eine Nuance besser da natürlicher.\
Auch bei den Höhen setzt sich EVE leicht ab, er ist einfach noch klarer als der Andromeda – und das will schon was heißen.

Beide InEars sind absolut tolle High-End Hörer, die zwar neutral bzw. ausgeglichen abgestimmt sind, aber trotzdem – oder gerade deswegen – niemals langweilig klingen. Am Ende ist es Geschmacksache. Mir gefällt klanglich aufgrund der erfrischenderen Natürlichkeit der Vision Ears etwas besser.

Fotos


Fazit

Ein interessantes Konzept, welches Vision Ears mit der neuen EVE Reihe da ins Leben gerufen hat. Technisch dürften InEars ja mittlerweile ähnlich ausgereift sein wie Waschmittel – immer nur noch weißer waschen wollen wirkt auf Dauer ziemlich unglaubwürdig. Das Wettrüsten um die meisten Treiber ist in vollem Gange und soll uns weismachen: Je mehr, desto besser.
Da geht VE meiner Meinung nach einen interessanteren Weg. Packt zu jedem limitierten „Jahresmodell“ ein Konzept, welches sich in Klang und Design wiederspiegelt. Der erste Hörer der Serie hat mich klanglich komplett begeistert. Technisch auf Top Niveau, mit einer phänomänalen Auflösung und einer frischen Abstimmung, die gleichermaßen zeitgemäß spaßig wie audiophil seriös ist. Und vor allem: Mit Charakter.

Daß die exklusiven und limitierten Hörer dann auch noch in Köln handgefertigt werden, hebt die Wertigkeit nochmals ein Stück an.
Von mir gibt es jedenfalls eine ganz fette Empfehlung für den EVE, Jahrgang 2020.



Vision Ears EVE20 InEar | Bewertung

9.8

Sound

10.0/10

Verarbeitung

10.0/10

Tragekomfort

9.5/10

Preis/Leistung

9.5/10

Pros

  • Fantastischer Klang mit...
  • ... neutraler Abstimmung...
  • ... trotzdem Spaßig,
  • frisch, klar und natürlich.
  • Handwerklich perfekt
  • Exklusives, limitiertes Modell

Cons

  • Braucht einen perfekten Seal
  • Kabel sehr schlicht
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