Als Meze Audio die zweite Generation der 99 Classics ankündigte, war ich skeptisch. Frei nach dem Motto: Never change a running System, habe ich persönlich eigentlich keine Notwendigkeit für eine Revision des sehr gut gealterten Originals gesehen. Die erste Version ist nicht nur perfekt für das, was sie ist – sie hat sogar bereits Kultstatus erreicht. Warum also daran herumschrauben? Nun – ich kann sagen, daß Meze ein absolut glückliches Händchen hatte und den 99 Classics auf ein ganz neues Niveau gehoben hat. Warum? Lest ihr hier!

Inhalt
[Werbung] Der Meze 99 Classics V2 wurde von mir für diesen Test zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!
Meze
Meze Audio ist mittlerweile eine der führenden Marken im Bereich hochwertiger Kopfhörer. Gegründet 2011 von Antonio Meze in Rumänien, hat sich das Unternehmen durch erstklassige Verarbeitungsqualität, ergonomisches Design und natürlich einem überragenden Klang einen exzellenten Ruf in der Audiophilen-Community erarbeitet. Den Durchbruch schaffte Meze 2015 mit dem Meze 99 Classics, einem Over-Ear-Kopfhörer, der durch seinen warmen, natürlichen Klang und die Verwendung edler Materialien wie Holz und Metall begeistert. Dieser Kopfhörer war 2017 mein erster Meze Test und zugleich mein Einstieg in die Welt von Meze.
Mit dem Meze Empyrean, einem magnetostatischen High-End-Kopfhörer, setzte Meze danach im High-End neue Maßstäbe. Der darauf folgende Meze Elite (Test) gilt weiterhin als absolutes Spitzenmodell des Unternehmens. Der Empyrean II hat inzwischen mit dem Empyrean II einen Nachfolger erhalten.
Das aktuelle Portfolio von Meze Audio umfasst drei Serien: In-Ears (Alba – Test hier), High-End-Over-Ears mit Rinaro Isoplanar®-Treibern (Empyrean, Elite, Liric) und dynamische Modelle wie den 109 Pro, die 99er Serie, den 105 AER und den 105 Silva (Test).
Meze 99 Classics V2
Satte 10 Jahre nach dem Release des original 99 Classics im Jahre 2015 bringt Meze Audio eine überarbeitete Version. Wer die Originalversion kennt, der fühlt sich sofort heimisch. Das charakteristische, Walnussholz, der Rahmen aus schwarzem Federstahl und die goldfarbenen Beschläge– auf den ersten Blick gibt es so gut wie keine Änderungen, alles wirkt sehr vertraut. Aber Meze hat unter der Haube ordentlich gewerkelt und reich technisch so gut wie keinen Stein auf dem anderen gelassen. So gibt es einen neuen Sound, größere Ohrmuscheln, überarbeitete Treiber und kompatiblere Anschlüsse.

Tonal wollte Meze bewusst in eine modernere Richtung gehen. Weg vom warmen Grundton, hin zu einer ausgeglicheneren Signatur. Damit man die Fans der alten Signatur nicht verprellt, gibt es die Möglichkeit, den neuen Meze 99 Classics V2 mittels zusätzlicher Schaumstoff-Scheiben klanglich wieder näher auf die alte Signatur zu trimmen.
Laut Meze hat man dem 99 Classics V2 insgesamt 10 Verbesserungen spendiert:
Tuning
Die 2. Generation der 99 Classics nähert sich einem ausgewogenen, neutralen Klangbild an. Der Bass bleibt mitreißend, ist jedoch etwas zurückhaltender, sodass die Details im Mittel- und Hochtonbereich klarer zur Geltung kommen. Das Ergebnis ist ein vielseitigerer Kopfhörer, der die musikalische Wärme des Originals in Teilen beibehält und gleichzeitig eine verbesserte Gesamtbalance und Detailtreue bietet.
Treiber Matching
Ein optimierter Abgleichprozess reduziert die Abweichungen zwischen den Treibern im mittleren und hohen Frequenzbereich. Das Ergebnis ist eine verbesserte Stereobildstabilität und ein gleichmäßigeres Hörerlebnis über alle Paare hinweg.
Größere Ohrmuscheln
Das Innen-Volumen der Cups wurde vergrößert. Ein größeres Volumen verschiebt die Resonanzen der Kammer nach unten und reduziert die Wechselwirkungen stehender Wellen, wodurch die Kontrolle im Niederfrequenzbereich verbessert und eine Anpassung an die neuen Abstimmungsziele erreicht wird.
Bass-Port und akustische Abdichtung
Die 2. Generation verfügt über eine präzise Abdichtung an allen wichtigen Verbindungsstellen. Diese verbesserte Abdichtung ermöglicht die Verwendung einer speziellen Bassöffnung, die in die Buchsenhülse integriert ist und eine bessere Kontrolle über die tiefen Frequenzen, eine verbesserte Links-Rechts-Konsistenz und eine höhere Reproduzierbarkeit zwischen den einzelnen Geräten bietet.
Schallwand
Die Schallwand wurde unter Berücksichtigung der akustischen Transparenz neu konstruiert. Ein offeneres Gitter und stromlinienförmige Strukturträger reduzieren die Beugung und die akustische Impedanz vor dem Treiber und minimieren so hochfrequente Artefakte.
Neugestaltung der Ohrpolstern
Die Ohrpolster wurden neu geformt, um das Volumen des vorderen Hohlraums anzupassen und zu vergrößern, wodurch die Balance im mittleren Frequenzbereich in Richtung des angestrebten Ziels verfeinert wurde. Das Befestigungssystem wurde von einem Stretch-Rock zu einem Clip-On-Mechanismus weiterentwickelt, der eine feste Ausrichtung gewährleistet, die Variabilität reduziert und den Austausch vereinfacht.
Klangabstimmung
Die neu abgestimmte Klangausrichtung, die verbesserte akustische Konsistenz und die optimierte Innengeometrie sorgen gemeinsam für eine verbesserte Stereoabbildung und Instrumententrennung und bieten einen offeneren und räumlicheren Klang.
Eingangsbuchse
Der Durchmesser der Eingangsbuchse wurde auf 7 Millimeter vergrößert. Dadurch ist sie sowohl mit schlanken als auch mit größeren 3,5-mm-Steckern kompatibel und eignet sich für eine größere Auswahl an Kabeln, darunter auch unsere hochwertigen handgeflochtenen Kupfer- und Silberkabel.

Hochwertiges Kabel
Das serienmäßige Kabel verfügt nun über einen doppelt verdrillten, mit Kevlar ummantelten OFC-Leiter. Dadurch bleibt die hervorragende elektrische Leistung erhalten, während die Verwicklungsbeständigkeit, die mechanische Haltbarkeit und die Flexibilität verbessert werden.
Moderne Mobilität
Entsprechend den heutigen Nutzungsgewohnheiten ist nun ein kompakter USB-C-DAC/AMP enthalten, um eine optimale Leistung mit modernen Geräten zu gewährleisten, die über keine dedizierten Kopfhörerausgänge verfügen.
Der Preis ist moderat gestiegen – von 309€ auf 349€. Immer noch für das Gebotene ein fairer Preis, allerdings gibt es für nochmal 50€ mehr bereits den Meze 105 AER aus der höheren „Klasse“ – ein kurzer Vergleich kommt weiter unten.
Lieferumfang
Die nachhaltige Verpackung besteht aus einem aufklappbaren Karton, darin liegt ein hochwertiges Transportcase und darin dann der Kopfhörer und das Zubehör in einer weiteren, kleinen runden Stofftasche mit Reißverschluss.
Im Einzelnen befindet sich folgendes im Karton:
- Kopfhörer Meze 99 Classics 2nd Gen
- schwarzes Hardcase
- schwarzes Kabelcase
- 1.8m langes Kabel, geflochten, textilummantelt
- 3.5 mm auf USB-C Adapter
- 6.3mm Klinkenadapter
- Akustik-Absorber Pads

Besonders hervorheben möchte ich an dieser Stelle das wie immer wirklich gute Hardcase. Das ist keine Selbstverständlichkeit in diesem Preisbereich. Vielen – auch wesentlich teureren – Kopfhörern liegt lediglich ein einfacher Stoffbeutel oder eine dünne Tasche bei. Und die Beigabe eines USB-C DAC-Adapters ist ebenso löblich, diesen haben wir zuletzt auch beim Meze Silva gesehen. So können Einsteiger auch direkt am Smartphone in den Genuss des hochwertigen Klanges kommen.
Technische Daten
Zahlen bei Kopfhörern sind ja immer so eine Sache – Papier ist geduldig. Am Ende zählt immer die subjektive Klangwahrnehmung. Trotzdem sei es erlaubt, hier die technischen Daten aufzuführen – direkt entnommen von der Meze Website.
- Treiberdurchmesser: 40mm
- Frequenzverlauf: 15Hz – 25KHz
- Empfindlichkeit: 103dB bei 1KHz, 1mW
- Impedanz: 42 Ω
- THD: <0.1%@1kHz
- Gewicht: 290gr (ohne Kabel)
- Ohrmuscheln: Walnuss
Was man hier aus den Daten allerdings schon rauslesen kann: Die geringe Impedanz von 42Ω in Verbindung mit der ordentlichen Empfindlichkeit von 112dB verspricht bereits an schwachbrüstigen Quellen satte Lautstärken.
Verarbeitung & Design
Der Meze 99 Classics V2 ist im Moment nur in Walnuss mit den goldenen Beschlägen erhältlich.
Die Materialauswahl ist Meze typisch mal wieder sorgfältig getroffen worden. Der Kopfhörer besteht aus wunderbar gemasertem Holz und ansprechend veredeltem Metall. Plastik ist nicht sichtbar (ich glaube im Innern der Ohrmuscheln gibt es konstruktionsbedingt ein paar Plastikteile).
Die Ohrmuscheln werden aus dem Vollen gefräst und durchlaufen einen aufwändigen Auswahl- und Herstellungsprozess. Die glatte Oberfläche der Hölzer fühlt sich samtig an und ist makellos poliert. Die Holzmaserung ist toll herausgearbeitet und verleiht dem Kopfhörer eine zeitlose und individuelle Optik. Laut Meze wird für den Zusammenbau kein Kleber verwendet, alle Teile sind austauschbar und Meze gibt das Versprechen ab, für alle Zeiten Ersatzteile anzubieten. Erstklassig!
Die Ohrmuschel-seitigen 3.5mm Buchsen sind im Durchmesser nun deutlich gewachsen. So passen auch Kabel mit dickeren Steckern – wie zum Beispiel Mezes Premium Kabel – was beim Vorgänger nicht der Fall war.

Das textilummantelte, geflochtene Kabel mit unbalanced 3,5-mm-Klinkenstecker ist mehr als in Ordnung, vor allem mit Blick auf die Strippen einiger Mitbewerber im gleichen Preisbereich ist das fast schon Premium. Trotzdem darf man natürlich gerne einen Blick auf die Meze Upgrade-Kabel werfen – vor allem wenn man den Kopfhörer symmetrisch betreiben will. Die Länge des Kabels ist mit 1,8m gut gewählt für die Nutzung am Schreibtisch, Hörplatz oder sogar mobil/Portabel.
Richtig gut finde ich die Beigabe des DAC Adapters: USB-C auf 3.5mm Stecker. So kommt man direkt und ohne Umschweife zum puren Musikgenuss – gerade in Zeiten von quasi ausgestorbenen Kopfhörerbuchsen an Smartphones eine sehr gute Idee und einwillkommenes Angebot von Meze.
Den sehr guten Gesamteindruck rundet das bereits oben erwähnte Hardcase ab. Es ist qualitativ sehr hochwertig und keinesfalls nur eine billige Alibi-Beigabe, sondern wirklich richtig alltags- und langzeittauglich. Für Kopfhörer-Cases dieser Art kann man locker 25€ und mehr extra ausgeben.
Tragekomfort
Mehr Platz! Der zusätzliche Raum unter den Ohrpolstern macht sich unmittelbar beim Komfort bemerkbar. Die Cups des originalen 99 Classics sind für meine Lauscher zwar absolut ausreichend, manch anderen waren sie aber zu klein. Das ist jetzt kein Thema mehr.
Davon abgesehen ist der neue Meze 99 Classics V2 für mich genauso komfortabel wie der alte. Durch die selbstjustierende Bügelkonstruktion und dem fein gepolsterten und breiten Kopfband ruht der Kopfhörer fast unbemerkt und mit moderatem Anpressdruck auf dem Kopf. Ich kann so stundenlang entspannt Musik hören.
Klangqualität
Kommen wir endlich zum Wichtigsten, dem Klang.
Der Meze 99 Classics V2 ist nicht besonders leistungshungrig, er hat wie bereits der Silva keine besonderen Anforderungen an das Quellgerät. Ich habe ihn an verschiedenen stationären und portablen Playern betrieben. Unter den portablen Playern durften dieses Mal der Sony WM1Z und der Cayin N6III ran (Test). Die stationäre Arbeit hat der Fosi ZH3 (Test) und der Violectric V226 übernommen.
Grundsätzlich ist der neue 99 Classics weniger warm abgestimmt und klingt viel moderner. Fans der ersten Generation können aber aufatmen: Die mitgelieferten Dämpfungselemente bringen den neuen tonal sehr dicht an den alten. Ein cooler Move, den Meze 99 Classics V2 so flexibel zu gestalten und die Möglichkeit der Klanganpassung quasi out of the box gleich mitzuliefern.

Im Folgenden gibt es die Klangeindrücke im Detail und im Vergleich zum Vorgänger bzw. mit den Pads. Zum Einsetzen der Pads muss man die Polster übrigens nicht abnehmen.
Bass
Der Tiefton ist in der neuen Version präziser abgestimmt als beim Vorgänger. Statt des ausgeprägt warmen, leicht üppigen Bassfundaments bietet der Meze 99 Classics V2 nunmehr eine kontrolliertere, straffere Präsentation. Der Tiefbass ist deutlich geringer betont. Der Midbass hat dafür mehr Punch und Druck. Auch mit den Pads kommt der Neue nicht an den Tiefbass des OG heran. Der Bass wird zwar etwas dunkler und weicher, erreicht aber nicht die voluminöse, körperhafte Tiefe des Klassikers.
Mitten
Die Mitten gehören zu den deutlichsten Weiterentwicklungen. Stimmen und Gitarren treten klarer hervor und wirken natürlicher sowie unmittelbarer. Insgesamt präsentiert sich das Klangbild strukturierter und trennschärfer, besonders bei dichter arrangierten Stücken. Während die erste Generation mitunter eine leicht „samtige“ Anmutung hatte, zeigt der Meze 99 Classics V2 nun mehr Kontur und Präzision. Diese Kontur verliert er wieder zugunsten einer wärmeren und weicheren Abstimmung, wenn man die Pads einsetzt.
Höhen
Der Hochton ist ebenfalls deutlich klarer, ohne scharf zu sein. Fein Details werden besser hörbar, Becken klingen luftiger und definierter, Zischlaute bleiben kontrolliert. Im Zusammenspiel ergibt sich ein stimmiges, erwachsenes und natürliches Gesamtbild. Mit eingelegten Pads verlieren die Höhen ihre neue Brillanz wieder und gleichen sich der alten, etwas gezähmteren Klangsignatur an.
Bühne & Separation
Durch die Überarbeitung der Innenarchitektur wirkt die Bühne etwas breiter, die Instrumentenseparation verbessert. Die Staffelung in der Tiefe ist nicht spektakulär, aber überzeugend für einen geschlossenen Kopfhörer dieser Preisklasse. Die Instrumentenseparation profitiert ganz klar von der weniger warmen Abstimmung.

Meze 99 Classics V2 vs. 105 AER
Gerade einmal 50€ trennen die beiden Kopfhörer voneinander. Ja, es sind unterschiedliche Konzepte – offen und geschlossen. Trotzdem dürfte der ein oder andere vor der Überlegung stehen welchen der beiden er nehmen sollte. Vom Äußeren einmal abgesehen – Echtholz-Cups vs. Kunsstoffgehäuse – unterscheiden sich beide klanglich deutlich.

Der 99 Classics V2 ist deutlich ausgeglichener, man könnte fast schon das Wort „neutral“ verwenden. Der AER hat deutlich mehr Bass – sowohl im Tief- als auch im Midbass – und spielt viel wärmer. Dadurch wird er im Vergleich unpräziser und weicher. Darf liefert er eine „modernere“ V-Signatur, die insbesondere Bassliebhaber ansprechen dürfte. Ebenso dürfte die Klangsignatur des AER insgesamt mehr in die Konsumorientierte Richtung gehen. Die weichen Velour-Pads des AER sind bequemer als die Kunstlederpads des Meze 99 Classics V2.
Demgegenüber liefert der 99 Classics in der zweiten Generation eine erstaunlich erwachsene und natürliche Klangsignatur, die mMn wesentlich langzeittauglicher und universeller ist. Hier überstrahl kein Bereich den anderen und trotzdem wirk der Kopfhörer nicht nüchtern oder analytisch. Am Ende bleibt es Geschmacksache und ich würde nicht sagen, daß der AER der bessere Kopfhörer ist nur weil er teurer ist.
Fotos
Fazit
Der Meze Audio 99 Classics V2 ist eine gelungene Weiterentwicklung des Klassikers. Klanglich spielt er ausgewogener und transparenter als sein Vorgänger, ohne jedoch dessen musikalischen Charme zu verlieren. Bass und Hochton wurden etwas neutraler abgestimmt, die Mitten profitieren spürbar von der Überarbeitung. Fans des alten Sound können diesen mit den beiliegenden Schaumstoffeinlagen wiederherstellen. Design, Verarbeitung und Komfort sind weiterhin große Stärken – und die modernisierte Ausstattung mit hochwertigem Kabel und kleinem DAC Adapter macht den V2 im Alltag deutlich vielseitiger.
Wer die erste Generation aufgrund ihres warmen Charakters geliebt hat, wird die Veränderungen sofort bemerken. Wer jedoch ein ausgewogeneres und präziseres Klangbild sucht, gleichzeitig aber auf die charakteristische Meze-Ästhetik nicht verzichten möchte, findet im 99 Classics V2 eine klar verbesserte, zeitgemäße Option.



