Meze Audio hat seinerzeit mit dem 109 Pro bei mir und bei vielen anderen voll ins Schwarze getroffen und ich habe mich immer gefragt, wie wohl ein geschlossener 109 Pro aussehen könnte. Diese Frage scheint nun beantwortet, denn der Strada könnte genau dieser Kopfhörer sein. Gleicher Preis, dynamischer Treiber – vieles deutet darauf hin. Ob der Strada tatsächlich die Gene des 109 Pro trägt und wie das in einem geschlossenen Kopfhörer klingt, das werde ich hier herausfinden.

[Werbung] Der Meze Strada wurde mir für diesen Test leihweise von headphone.shop zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!
Meze
Meze Audio ist eine der führenden Marken im Bereich hochwertiger Kopfhörer. Gegründet 2011 von Antonio Meze in Rumänien, hat sich das Unternehmen durch erstklassige Verarbeitungsqualität, ergonomisches Design und natürlich einem überragenden Klang einen exzellenten Ruf in der Audiophilen-Community erarbeitet. Den Durchbruch schaffte Meze 2015 mit dem Meze 99 Classics, einem Over-Ear-Kopfhörer, der durch seinen warmen, natürlichen Klang und die Verwendung edler Materialien wie Holz und Metall begeistert. Dieser Kopfhörer war 2017 mein erster Meze Test und zugleich mein Einstieg in die Welt von Meze.
Mit dem Meze Empyrean, einem magnetostatischen High-End-Kopfhörer, setzte Meze danach im High-End neue Maßstäbe. Der darauf folgende Meze Elite (Test) gilt weiterhin als absolutes Spitzenmodell des Unternehmens. Der Empyrean II hat inzwischen mit dem Empyrean II einen Nachfolger erhalten.
Das aktuelle Portfolio von Meze Audio umfasst drei Serien: In-Ears (Alba – Test hier), High-End-Over-Ears mit Rinaro Isoplanar®-Treibern (Arta, Elite, Empyrean) und dynamische Modelle wie den 109 Pro, die 99er Serie, und die 105er Serie (AER (Test) und Silva (Test)).
Meze Audio Strada
Der Name ist wie fast immer bei Meze Programm: „Strada“ ist rumänisch für „Straße“. Während der 109 Pro als offener Kopfhörer eher fürs Zuhause gedacht ist, soll der geschlossene Strada eben auch unterwegs nutzbar sein. Herzstück des Strada ist wie schon beim 109 Pro ein 50-mm-Dynamiktreiber. Der Treiber selbst ist eine Variante des 109 Pro Treibers – optimiert mit einer Kupfer-Zink-Stabilisierungsscheibe zur besseren Kontrolle der Membranbewegung und einer Membran aus karbonfaserverstärkter Zellulose mit Beryllium-Polymer-Beschichtung. Das Gehäuse besteht aus einer lackierten Magnesiumlegierung und Ohrmuschel-Abdeckungen aus Makassar-Ebenholz, jede davon durch die Holzmaserung ein Unikat. Die Konstruktion erinnert unweigerlich an den erfolgreichen und mittlerweile ausgelaufenen Liric.
Die wichtigsten Features
- 50-mm-Dynamiktreiber mit Karbonfaser-Zellulose-Membran und Beryllium-Polymer-Beschichtung
- Geschlossene, ohrumschließende Bauform
- Gehäuse aus Makassar-Ebenholz mit Magnesium-Rahmen
- austauschbare Ohrpolster aus Kunstleder
- Zwei beiliegende Kabel mit 3,5-mm- und 4,4-mm-Anschluß, dazu ein 6,3-mm-Adapter
- Kevlar-verstärkte Kabelummantelung
- Gewicht unter 350 Gramm
Stufenlose Größenverstellung
Der mit höchster Präzision gefertigte Verstellmechanismus ist aus der Premiumreihe (Empyrean, Elite, Liric) bekannt und ermöglicht eine stufenlose Anpassung an die Kopfgröße.
Magnetische Ohrpolster
Der STRADA nutzt ein magnetisches Befestigungssystem für die Ohrpolster, was wir so auch von den teureren Modellen kennen. Ich finde es sehr löblich, daß man sich entschlossen hat, dieses System auch in die Mittelklasse zu bringen.
Echtholz
Die Außenseiten der Ohrmuscheln sind mit Einsätzen aus echtem Makassar-Ebenholz verziert, einem schweren, dichten und ästhetisch ansprechenden Hartholz. Es besticht durch eine tiefe, satte braune Farbe, die durch filigrane Holzmaserungen wunderschön akzentuiert wird.
Der Treiber
Im STRADA kommt ein fortschrittlicher Treiber zum Einsatz, den wir teilweise vom 109 PRO kennen. Jetzt wurde er speziell für den Einsatz in einem geschlossenen Kopfhörer optimiert. Der natürliche, tonal organische und dynamische Charakter des Treibers wurde aber bewahrt .
W-Shaped Dome
Die Kalotte aus kohlefaserverstärktem Zellulose-Verbundwerkstoff liefert hohe Frequenzen mit außergewöhnlicher Detailtreue, Klarheit und Präzision. Dieser Verbundwerkstoff ist widerstandsfähiger als herkömmliche Materialien in dynamischen Treibern und gleichzeitig leicht. Dadurch werden Resonanzen reduziert, die zu harmonischen Verzerrungen führen können. So profitieren auch schnelle Transienten durch eine impulsive und agile Ansprache.
Beryllium-beschichteter Torus
Der mit Beryllium beschichtete Torus, der die Kalotte umgibt, besteht aus einem teilkristallinen Polymer. Durch aufgetragene Berylliumbeschichtung wird die Steifigkeit und Haltbarkeit des Treibers verbessert, ohne ihn dabei zu schwer zu machen. Die präzise in einem Winkel von 45,5° angeordneten Rillen am Torus verstärken diese Eigenschaften zusätzlich. Die hohen Dämpfungseigenschaften von Beryllium unterdrücken unerwünschte Resonanzen und verleihen dem STRADA seinen lebendigen und transparenten Klangcharakter.
Preislich liegt der Meze Strada mit 799€ übrigens auf dem gleichen Niveau wie der 109 Pro.
Lieferumfang und Verpackung
Die Verpackung kommt im typischen Meze Style: Der Meze Strada kommt im bekannten, mattschwarzen Kunststoffcase, verpackt in einem braunen Transportkarton. Der Umkarton ist einfach gehalten: Simple braune Pappe mit modellspezifischem Aufkleber. Im Inneren des Cases liegt der Kopfhörer samt zwei Kabeln (1x 3,5mm mit 6.3mm Adapter und 1x 4.4mm, je 1.8m lang), die in einem kleinen Kunstlederbeutel Platz finden. Eine kleine Produktbroschüre rundet den Lieferumfang ab.

Technische Daten
Hier ist es eigentlich wie immer – reine Daten sind oft Schall und Rauch. Aber gern leite ich sie hier der Vollständigkeit halber auf:
- Schallwandlergröße: 50 mm
- Frequenzbereich: 5Hz – 30KHz
- Empfindlichkeit: 112dB SPI bei 1KHz, 1mW
- Impedanz: 40Ω
- Gewicht: 375g ohne Kabel
- Ohrmuscheln: Walnussholz
Verarbeitung und Design
Meze Strada
Meze legt wie immer Wert auf ein langlebiges, leicht reparierbares Produkt und verbindet gekonnt Nachhaltigkeit mit erstklassiger Klangqualität und einem einzigartigen Design. So sind selbstverständlich auch beim Strada alle Komponenten wieder bei Bedarf austauschbar.
Die Konstruktion erinnert an den Liric. Die stufenlose Kopfweitenverstellung erfolgt weiterhin über die bekannten Passungen ohne Rasterung, sondern rein auf Reibung basierend. Das funktioniert grundsätzlich sehr gut, verstellt sich aber leichter als eine feste Rasterung und muss immer mal nachjustiert werden. Die abnehmbaren Ohrpolster werden magnetisch fixiert und sind so bei Bedarf schnell gewechselt. Aktuell gibt es keine Alternativen. Aber wer weiß – cool wäre es natürlich, wenn Meze hier auch die vom Elite/Empyrean bekannten Velourpads anbieten würde.


Die Verarbeitung des Kopfhörers ist in allen Details in guter Meze Tradition vorbildlich. Das haben die Rumänen einfach drauf. Farblich hat man sich beim Gehäuse für einen dunklen Metallic-Grünton entschieden, der an englische Sportwagen erinnert. Zusammen mit dem edel wirkenden Holz auf den Aussenseiten der Hörmuscheln bekommt der Kopfhörer ein sportlich-elegantes Design und durch die individuelle Maserung wird jeder einzelne Strada zu einem Unikat.
Die Kabel
Meze legt dem Strada gleich zwei Kabel bei: Eines mit 3.5mm Stecker und eines mit symmetrischem 4.4mm Stecker. Die geflochtenen Kabel sind textilummantelt und von sehr guter Qualität – sowohl haptisch als auch optisch. Wir kennen sie bereits vom 105 Silva. Wer möchte, kann aber auch mit Mezes Premiumkabeln oder beliebigen anderen Kabel mit 3.5mm Anschluss-Steckern upgrades. Nötig ist das aber meiner Meinung nach nicht. Die Länge ist mit 1,8m gut gewählt für die Nutzung am Schreibtisch, Hörplatz oder sogar mobil/portabel.

Das Case
Das mitgelieferte Hardcase ist ist richtig gut. Für so ein Case würde man einzeln im Zubehörhandel bestimmt 30-40€ bezahlen. Und im Falle einer Reise ist man froh, wenn man seinen Kopfhörer gut verstaut und geschützt dabei haben kann. Hier sei ein Hinweis an so manchen (deutschen) Mitbewerber gestattet: Warum nicht auch so?!


Tragekomfort
Der leichte Meze Strada trägt sich im Grunde wie ein Liric: Man bekommt hier einen außergewöhnlichen Tragekomfort. Das breite, großzügig dimensionierte und weich gepolsterte Kopfband verteilt den Druck gleichmäßig und großflächig über den Kopf und verhindert so unangenehme Druckstellen. Auch der Anpressdruck ist gut gewählt. Fest genug um sicher zu sitzen, aber noch locker genug, um nicht zu nerven mit der Zeit. Dadurch lässt sich der Strada auch über längere Zeiträume hinweg mühelos tragen. Die Treibergehäuse – und damit auch die Ohrpads – sind kleiner als die von Elite & Empyrean. Trotzdem bieten sie zumindest für meine Ohren ausreichend Platz. Der Schaumstoff ist superweich und der Kunstlederüberzug ist sehr angenehm, kann aber bei sehr warmen Temperaturen unangenehmer werden als z.B. Velour.

Klangqualität
Nun genug der allgemeinen Worten, kommen wir endlich zum Klang – deshalb seid ihr ja hauptsächlich hier! Auch wenn der Strada dem Liric wie aus dem Gesicht geschnitten scheint, so handelt es sich doch um grundsätzlich unterschiedliche Kopfhörer. Der Liric hat einen planarmagnetischen Treiber und orientiert sich eher an den Flaggschiffen Empyrean und Elite. Der Strada hingegen wird von einem dynamischen Treiber angetrieben. Dieser ist im Grunde der gleiche Treiber, den Meze schon im 109 Pro verbaute und wurde leicht zur Verwendung in einem geschlossenen Gehäuse angepasst.
Für meinen Test lief der Strada wie immer an unterschiedlichen Quellen, so zum Beispiel dieses Mal am vorzüglichen JDS Labs Element IV (Test) und am erhabenen Violectric V226. Natürlich habe ich ihn auch am fantastischen Röhrenverstärker Feliks Audio Euforia Evo (Test) betrieben, ebenso am Tausendsassa Cayin N6III (Test) und am brandneuen Luxus DAP Astell&Kern SP4000T (Test folgt).
Mit 40 Ohm Impedanz und 111 dB Empfindlichkeit ist der Strada theoretisch sogar direkt am Smartphone zu betreiben – mangels Smartphone mit Kopfhöreranschluss allerdings von mir nicht getestet. An mobilen Audioplayer gibt es aber erwartungsgemäß überhaupt keine Probleme, selbst an Dongle DACs wie dem ifi Go Bar Kensei zeigt der Strada sein Potential.
Allgemeine Klangsignatur
Der Strada folgt der grundsätzlichen Meze Abstimmung: Warm, organisch und dynamisch. Meze steht für einen körperhaften Klang mit tiefreichendem Bass, volleren Mitten und entspannten Höhen. Die Abstimmungen sind trotz allem immer detailreich und räumlich, bleiben dabei aber stets musikalisch und langzeittauglich – eher involvierend als analytisch.
Und genau in diese Kerbe schlägt grundsätzlich auch der Strada. Er spielt aber darüberhinaus tonal recht ausgewogen und angenehm musikalisch, ohne es dabei in irgendeine Richtung zu übertreiben. So liefert er ein rundes, in sich stimmiges Klangbild, die Abstimmung wirkt absolut reif und durchdacht.
Der Klang des Meze Strada im Detail:
Bass
Der Bass des Strada hat erwartungsgemäß ordentlich Nachdruck. Er reicht angenehm tief in den Tiefbass hinab und liefert bei Bedarf einen spürbaren Druck und Punch. Dabei ist er agil genug, um auch schnelle Passagen verzerrungsfrei wiederzugeben. Im Vergleich zum offenen 109 Pro – der für einen offenen Kopfhörer schon bemerkenswert satten Bass abliefert – legt der Strada durch die geschlossene Bauform noch einmal an Punch zu, ohne dabei je unkontrolliert zu wirken. Für Rock und Metal ist das perfekt.
Mitten
In den Mitten zeigt sich die Meze-typische Wärme, allerdings mit einer leichten Absenkung im oberen Mittenbereich, was ich für meine präferierte harte Musik absolut begrüße. Denn dadurch werden teilweise genau die Frequenzanteile von verzerrten Gitarren entschärft, die bei zu neutralen Kopfhörern schon mal dosig klingen können. Trotzdem bleiben Stimmen und Instrumente stets präsent und klar. So entsteht ein geschlossenes, musikalisches Klangbild, bei dem einzelne Instrumente trotzdem sauber voneinander getrennt bleiben.
Höhen
Die Höhen spielen offen und detailreich, bleiben dabei aber angenehm kontrolliert. Becken und Hi-Hats besitzen echten Glanz, ohne ins Scharfe oder künstliche abzudriften. Auch feine Details wie das Anschlagen von Besen oder das Ausklingen einer Hi-Hat werden sauber herausgearbeitet. Der Strada gehört damit nicht zu den Kopfhörern, die sich über eine besonders brillante Abstimmung in den Vordergrund spielen. Stattdessen gelingt ihm ein sehr guter Mittelweg aus Auflösung, Präsenz und Langzeittauglichkeit, der auch bei percussivem Material und schlechteren Aufnahmen nicht anstrengend wird.
Separation & Auflösung
Der verbaute Treiber wusste ja schon am 109 Pro zu überzeugen – und so ist es nicht verwunderlich, daß er auch im Strada eine saubere Instrumententrennung und einen transparenten Raum zwischen den verschiedenen Akteuren generiert. Details und Texturen von Instrumenten werden naturgetreu dargestellt. So klingt zum Beispiel ein Tom Tom detailliert genug, um zwischen Grundton, Attack und Sustain gut differenzieren zu können.
Bühne
Für einen geschlossenen Kopfhörer baut der Strada eine erstaunlich weite Bühne auf. Klar, an die Weite und Luftigkeit des offenen 109 Pro kommt er nicht heran – das liegt in der Natur der geschlossenen Bauform und wäre unfair zu erwarten. Aber innerhalb seiner Klasse würde ich die räumliche Darstellung als überdurchschnittlich bezeichnen. Nach längeren Hörsessions vermisst man nichts, wir dann natürlich beim nächsten Hören mit einem offenen Kopfhörer wie dem 109 Pro überrascht. Aber für sich alleine gesehen ist das Stereopanorama alles andere als eingeengt.
Isolation
Trotz Ventilationsöffnungen auf der Aussenseite der Cups isoliert der Strada auch für einen Kopfhörer der geschlossenen Fraktion sehr gut. Damit ist er wirklich gut für den mobilen Einsatz geeignet. Das Sound Leaking nach außen ist ebenso gut, so daß man mit dem Strada – zumindest bei moderat lauten Abhörpegeln – auch niemanden in unmittelbarer Nähe nervt.
Anmerkung zu den Mitten
Schaut man sich Frequenzgänge an (mache ich manchmal im Nachgang, obwohl ich darauf nicht viel gebe), so fällt ein Dip bei rund 3kHz auf. Diesen Dip habe ich bei meinen Sessions beim Hören nicht aktiv wahrgenommen. Wenn ich per parametrischer EQ diese Bereich anhand der Frequenzverläufe „repariere“ (hierzu habe ich die geniale Software für den JDL Labs Element IV genutzt), um den Dip theoretisch auszugleichen, so klingt der Strada für mich leicht dosig. Irgendwie hohl und falsch. Das mache ich insbesondere am Grundton von manchen Becken aber auch bei verzerrten Gitarren fest, welche dann nicht mehr „fett“ klingen. Für mich ist dieser Dip also kein Kritikpunkt, sondern eher ein Zeichen, daß Meze diese leichte Absenkung durchaus bewusst gewählt hat.
Meze Strada vs. 109 Pro
Interessant ist natürlich auch die Frage, wie sich der Strada gegen seinen offenen Werksbruder schlägt. Dieser ist auch nach all den Jahren immer noch ein richtig gut gelungener Kopfhörer und oft meine Empfehlung unter 800€. Beim Thema Bühne und Luftigkeit bleibt der 109 Pro für mich auch weiterhin vorne. Das kann eine geschlossene Konstruktion letztlich nicht vollständig nachbilden, auch wenn die Entlüftungsöffnungen des Strada gut funktionieren und er auch nur knall das Nachsehen hat.

Tonal erkennt man beim Strada durchaus die Meze-DNA des 109 Pro wieder, eine geschlossene Version des 109 Pro ist er aber nicht ganz. Der Strada geht im Subbass tiefer und kräftiger zur Sache, während der Midbass dafür leicht schlanker ausfällt. Dadurch wirkt der 109 Pro im direkten Vergleich voller und wärmer, der Strada spielt dafür aber etwas druckvoller und ist in den Höhen zahmer. Trotzdem gibt’s hier noch ein deutliche V-Signatur, was gerade unterwegs vorteilhaft ist.
Dazu kommt natürlich die bessere Isolation, die der 109 Pro konstruktionsbedingt so einfach nicht bieten kann. Wer den 109 Pro kennt und einen tonal ähnlichen, geschlossenen Zweitkopfhörer für Büro, Bahn oder Reise sucht, der wird beim Strada also grundsätzlich richtig sein. Wer allerdings genau den typischen, vollen, organischen, transparenten und sauber aufgelösten Signature-Sound des 109 Pro sucht, bekommt mit dem Strada nicht einfach einen geschlossenen Klon.
Für mich ist der 109 Pro damit weiterhin die bessere Wahl für entspanntes Hören zu Hause. Der Strada spielt seine Stärken dagegen überall dort aus, wo ein geschlossener Kopfhörer gebraucht wird.
Meze Strada vs. Dan Clark Audio ÆON Core
Da ich den Dan Clark Audio ÆON Core erst kürzlich hier auf Kopfbox getestet habe, bietet sich ein direkter Vergleich mit der Meze Strada an. Beide sind geschlossene Over-Ear-Kopfhörer, gehen klanglich aber in deutlich unterschiedliche Richtungen.
Der offensichtlichste Unterschied zeigt sich natürlich schon beim Treiberprinzip: Die Strada arbeitet mit einem klassischen dynamischen 50-mm-Treiber, während im ÆON Core ein planarmagnetischer Wandler zum Einsatz kommt. Der Core orientiert sich dabei an einer überarbeiteten Harman-Zielkurve. Auch beim Preis liegen die beiden auseinander: Die Strada kostet 799 Euro, der Core 999 Euro.

Klanglich ist der Core für mich die neutralere und analytischere Variante. Er spielt sehr kohärent und kontrolliert, beim Bass geht es allerdings eher schlank zur Sache. Der Strada mit dem dynamischen Treiber bringt von Haus aus mehr „Spaß“ und Wärme mit. Vor allem im Grundton wirkt er deutlich voller und einfach druckvoller. Er traut sich mehr. Interessant sind beide bei der räumlichen Darstellung: Trotz der geschlossenen Bauweise haben beide eine erstaunlich offene und luftige Bühne.
Beim Antrieb gibt es dagegen einen deutlicheren Unterschied. Der Core profitiert spürbar von einem kräftigen Kopfhörerverstärker. Am Smartphone oder an einem kleinen Dongle-DAC funktioniert er zwar ebenfalls, schöpft sein Potenzial dort aber nicht voll aus. Der Strada ist hier deutlich unkomplizierter. Mit seiner niedrigen Impedanz und dem hohen Kennschalldruck kommt er auch mit mobilen Quellen bestens zurecht.
Unterm Strich sind die beiden Kopfhörer trotz ihrer ähnlichen Preisklasse ziemlich unterschiedlich. Der Strada hat eine etwas wärmere, vollere Abstimmung und ist leichter anzutreiben. Beim ÆON Core steht eher ein kontrollierter, neutraler Klang im Vordergrund.
Fotos
Fazit
So muss ein geschlossener Kopfhörer klingen!
Der Meze Strada schafft einen seltenen Spagat. Er nimmt die tonale DNA des Meze 109 Pro, packt sie in das kompakte, geschlossene Gehäuse des Liric und verliert dabei überraschend wenig von dem, was die beiden anderen so gut machen. Dynamik, Kraft & Klarheit. Wer auch unterwegs nicht auf guten Sound verzichten will, bekommt hier ein sehr vollständiges Gesamtpaket – Sound, Optik, Verarbeitung und Tragekomfort passen einfach perfekt zusammen. So kann der Strada sowohl als universeller Begleiter als auch als Ergänzung zu einem offenen Kopfhörer eine sehr gute Wahl sein. Die Materialwahl und die perfekte Verarbeitung zahlen genauso auf das Preis- Leistungsverhältnis ein wie die Möglichkeit, den Kopfhörer im Fall der Fälle reparieren zu können.
Wieder mal hat Meze den Nerv getroffen. Der Strada ist für mich definitiv einer der überzeugendsten geschlossenen Kopfhörer, die ich in den letzten Jahren gehört habe.



