Noble Audio ist vor allem für hochwertige IEMs bekannt. Mit der FoKus-Serie hat der amerikanische Hersteller schon vor einigen Zeit gezeigt, dass sich dieser Anspruch auch auf True Wireless übertragen lässt. Preislich spielte Noble dabei allerdings bisher in einer anderen Liga. Der Osprey ändert das. Für rund 225 Euro ist er deutlich günstiger als die bisherigen FoKus-Modelle und ich bin gespannt, wie er sich im aktuellen TWS Dschungel einsortiert.

[Werbung] Das Testgerät wurde mir für diesen Test leihweise vom headphone.shop für diesen Test zur Verfügung gestellt.
Noble Audio Osprey
Noble Audio ist ein IEM-Urgestein, die US Brand gibt es bereits seit 2013. Bekannt geworden ist die Marke um den Meister-Tuner John „The Wizard“ Moulton vor allem mit Custom-IEMs, wegweisenden und legendären Tunings und aufwendig konstruierten High-End Modellen. Mit der FoKus-Reihe kam später der Schritt in den Wireless-Bereich. Der Overear FoKus Apollo konnte hier bereits überzeugen (Test). DerNoble Audio FoKus Rex5 legte die Latte im Bereich der True Wireless IEM bereits extrem hoch, ist aber auch mit knapp 500€ nicht ganz günstig. Der Noble Audio Osprey markiert nun den bisher günstigsten Einstieg.
Beim Treiberkonzept hat man sich für eine Hybridlösung entschieden: So werkelt neben einem 10-mm-Dynamiktreiber für den Bass noch ein Balanced Armature Treiber für die Mitten und Höhen im leichten Acrylgehäuse.
Die wichtigsten Ausstattungsmerkmale:
- Hybrid-Treiber mit 10-mm-Dynamiktreiber und Balanced Armature
- Bluetooth 6.0 mit Airoha-1571-Chipsatz
- Multipoint und TrueWireless Mirroring
- SBC, AAC und LDAC
- hybrides ANC und Transparenzmodus
- Noble-FoKus-App mit EQ, Tastenbelegung und OTA-Updates
- IPX4
- marmorierte Faceplates
- Aluminium-Ladecase
Lieferumfang und Verpackung
Beim Zubehör hält sich Noble eher zurück. Im sehr kompakten, aber aufwändig und ansprechend mit Glanz- und Prägedruck gestalteten Karton liegen die beiden Ohrhörer im Ladecase, ein USB-C-Kabel, mehrere Paar Eartips in verschiedenen Größen und ein kleiner Samtbeutel nebst Papierkram.

Der Lieferumfang im Detail:
- Noble Audio Osprey
- Ladecase
- USB-C-Kabel
- Eartips
- Stoffbeutel
Design, Tragekomfort & Verarbeitung
Das Design ist ganz Noble typisch einzigartig. Hier gibt es kein „Corporate Design“, jedes Modell hat seinen eigenen Style und Philosophie. Die Faceplates des Noble Audio Osprey sind in Blau gehalten und haben eine Marmoroptik. Auf dem linken IEM sitzt das Noble-Logo, rechts ein Osprey-Logo. Beim Gehäuse setzt Noble auf eine Kombination aus Acryl, Kunststoff und einer kurzen Aluminium-Nozzle.
Die Verarbeitung macht einen sehr ordentlichen Eindruck. Gegenüber einem Rex5 mit Metall-Gehäuse wirkt der Noble Audio Osprey leichter und etwas weniger massiv. Das schön kompakte Ladecase in passender Farbe ist genial. Noble verwendet für die Aussenhülle Aluminium statt Plastik – beeindruckend in dieser Preisklasse. Auch ist das Case kleiner als das des Rex5, was ich begrüße. Der Deckel schließt sauber mit einem definierten „Slapp“, was mich an die bekannten Benzinfeuerzeuge erinnert.

Beim Tragekomfort gibt es ebenfalls nur Positives anzumerken. Die leichten IEM sitzen in meinen Ohren perfekt und ich bekomme schnell einen dauerhaften Seal. Die beiliegenden Tips decken drei verschiedene Materialien und Formen ab: Silikon, Silikon Double-Flanges und Foamies. Bei TWS auch keine Selbstverständlichkeit.
Technische Daten Noble Audio Osprey
We so oft gilt auch hier: Hören und Ausprobieren ist angesagt. Trotzdem füge ich an dieser Stelle gern die technischen Daten ein:
| Eigenschaft | Wert |
|---|---|
| Treiber | 10-mm-Dynamiktreiber + Custom Balanced Armature (pro Seite) |
| Frequenzgang | 20 Hz – 40 kHz |
| Empfindlichkeit | 104 ± 3 dB bei 1 kHz |
| Impedanz | 32 Ω |
| Bluetooth | 6.0 (Airoha 1571) |
| Codecs | SBC, AAC, LDAC |
| Verbindung | Multipoint, TrueWireless Mirroring |
| ANC | Hybrid-ANC + Transparenzmodus |
| Mikrofone | Dual-Mikrofone mit cVc-Rauschunterdrückung |
| Laufzeit Ohrhörer | bis 7 Std. (ANC aus), bis 5 Std. (ANC an) |
| Schnellladung | 10 Min. laden = bis zu 90 Min. Wiedergabe |
| Ladecase | CNC-Aluminium, 500 mAh, USB-C |
| Schutzklasse | IPX4 |
| App | Noble FoKus (EQ, Tastenbelegung, OTA) |
| Preis (UVP) | 225 € |
Funktion & Handling
Die Funktionen des Noble Audio Osprey sind absolut ausreichend für einen günstigen TWS, bei dem das Hauptaugenmerk auf dem Klang liegt und nicht auch krampfhaft aufgeblähtem Funktionsumfang. So finden sich denn auch keinerlei KI- oder Fitness Spielereien an Bord. Mangels physischer Tasten wird auch der Osprey über die Gehäuseaussenseiten mittels Touch-Steuerung bedient – so wie es bei vielen anderen TWS heutzutage üblich ist.
Verbindung und Codecs
Bluetooth 6.0 und der Airoha-1571-Chipsatz bilden die technische Basis. Unterstützt werden SBC, AAC und LDAC. Dazu kommen Multipoint und TrueWireless Mirroring. Multipoint ist vor allem dann praktisch, wenn der Noble Audio Osprey parallel mit Smartphone und Notebook genutzt wird. TrueWireless Mirroring ermöglicht die unabhängige Verbindung der beiden Ohrhörer. Auf aptX verzichtet Noble. Wer LDAC nutzen kann, dürfte diesen Codec allerdings ohnehin bevorzugen.
ANC und Transparenzmodus
Beim ANC zeigt der Osprey, wo Noble den Schwerpunkt gesetzt hat. Die Geräuschunterdrückung funktioniert ordentlich, erreicht aber nicht das Niveau der aktuellen Spitzenmodelle von Apple, Sony oder Sennheiser. Vor allem tiefe, gleichmäßige Geräusche werden aber gut reduziert. Stimmen und höhere Umgebungsgeräusche bleiben dagegen stärker hörbar. Ein leichtes Grundrauschen kann bei aktiviertem ANC auffallen. In einer ruhigen Umgebung ist das deutlich leichter wahrzunehmen als unterwegs. Der Transparenzmodus fällt dagegen angenehm natürlich aus. Die Umgebung wird nicht übermäßig künstlich verstärkt und wirkt dadurch vergleichsweise unaufdringlich.
App und EQ
Die Noble-FoKus-App bietet einen 10-Band-EQ, verschiedene Presets und eigene Profile. Außerdem lassen sich die Touchflächen konfigurieren und Firmware-Updates durchführen. Beim EQ sollte man allerdings etwas vorsichtig vorgehen. Der Noble Audio Osprey reagiert recht deutlich auf Änderungen. Schon kleine Anpassungen können den Charakter des Hörers verändern.
Akku und Telefonie
Noble gibt bis zu sieben Stunden Laufzeit ohne ANC und bis zu fünf Stunden mit aktivierter Geräuschunterdrückung an. Die Schnellladefunktion soll nach zehn Minuten Ladezeit bis zu 90 Minuten zusätzliche Wiedergabe ermöglichen. Das sind keine Rekordverdächtigen Werte, für den Alltag aber absolut ausreichend. Für Telefonate stehen zwei Mikrofone mit cVc-Rauschunterdrückung zur Verfügung. Die Sprachqualität wurde von meinen Gesprächspartnern als sehr gut bewertet.

Klangqualität
Der Noble Audio Osprey hat mich überrascht. Natürlich gibt es hier keinen neutralen IEM für Mixing und Mastering, das war klar. Und genauso wenig darf man von Noble eine reinrassige Basswumme erwarten. Meine ersten Eindrücke waren: Sehr energiereich, ausgeglichen und musikalisch. Trotzdem erwachsen. Absolut stimmig, macht Bock auf mehr. So habe ich mich direkt durch einige Titel meiner Test-Playliste gehört und war durch und durch begeistert. Die grundsätzliche Abstimmung geht leicht in Richtung V bis W-Signatur, wobei die Mittenspitze nur sehr dezent ausgeprägt ist. So entsteht ein lebendiger Klang, der richtig Spaß macht.
Bass
Der Bass hat eine für diesen Preisbereich ungewohnte Qualität, hat viel Druck und bleibt dabei relativ kontrolliert. Gerade bei Rock und Metal macht das Sinn, weil der Osprey dadurch extrem „songdienlich“ und natürlich spielt. Schnellste Doublebass Sektionen bleiben nachvollziehbar und verschwimmen auch bei komplexeren Passagen nicht. Kontrolle ist die Stärke des Osprey. Wer mehr Pegel im Bass möchte, kann mit dem EQ nachhelfen. Im Auslieferungszustand ist der Bass für mich aber bereits kräftig genug, mit leichtem Oberbass Fokus, was ihm den spaßigen Punch verleiht.
Mitten
Die Mitten sind im Vergleich zu Bass und Trubel nur sehr leicht angehoben. Gerade genug, um sich von einer klassischen Badewannen-Abstimmung zu distanzieren. Das führt zu mehr Klarheit und weniger Wärme, als man es typischerweise von gnadenlos auf Massentauglichkeit getrimmten TWS kennt. Stimmen und Gitarren bekommen dadurch etwas mehr Präsenz, ohne dass der Osprey unangenehm zu dosig bei verzerrten Gitarrenriffs wird. Auch bei komplexeren Arrangements bleibt das Klangbild kohärent und sauber.
Höhen
Die Höhen sind spritzig, klar und natürlich. Dabei bleibt die Präsentation in den hohen Tönen transparent und luftig. Der BA Treiber sorgt dabei für die hochauflösende Klarheit und feinste Details, ohne je zu harsch oder nervig zu werden. Becken und Obertöne im Sustain bleiben präsent und sorgen für hochauflösende Texturen und eine für diese Preisklasse ungewöhnlich hohe Detailfülle.
Separation
Selbst bei komplexeren Passagen bleibt die Musik meist nachvollziehbar. Aber gerade bei Musik mit vielen Spuren oder Instrumenten und dichten Produktionen behält der Osprey zwar den Überblick, muss sich aber dann doch von der noch besseren Trennschärfe eines Rex5 geschlagen geben, der die einzelnen Instrumente noch etwas klarer differenziert. Der Osprey spielt dafür organischer, musikalischer und insgesamt stärker wie aus einem Guss. Das gefällt mir persönlich sogar besser als eine zu genaue Präsentation.
Bühne
Die Bühne fällt für einen True-Wireless-Hörer beeindruckend raumgreifend und ausladend aus. Die zuvor erwähnten luftigen Höhen tragen ihren maßgeblichen Teil zu diesem räumlichen Eindruck bei. Das Imaging ist sauber und präzise, um einzelne Instrumente jederzeit im Raum orten zu können.
Fotos
Fazit
Der Noble Audio Osprey ist ein gewagter Schritt für Noble. Mit 225 Euro liegt er deutlich unter den bisherigen FoKus-Modellen, übernimmt aber einige der technischen und klanglichen Ansätze der größeren Brüder. Er klingt einfach so gut, daß man den Schritt zum Rex5 gut abwägen sollte. Klar, der macht alles nochmal besser, aber er spielt bei doppeltem Preis nicht doppelt so gut.
Die gekonnt abgestimmte, ausgeglichene und spaßige Tonalität mit kräftigem und kontrolliertem Bass, präsenten Mitten und klaren Höhen erinnert an gute Kabelgebundene IEM in diesem Preisbereich. Dazu kommen die Vorzüge eines TWS: Noise Cancellation, Bewegungsfreiheit, eine brauchbare App und last but not least auch ein toller Komfort und eine eigenständige Optik.
Leichte Abstriche beim ANC sind ein fairer Kompromiss, um den Preis gering zu halten. Auch die Separation reicht nicht ganz an die größeren FoKus-Modelle heran.
Aber: Wer einen TWS mit ausgeglichenem und gleichzeitig mitreißendem Sound kombiniert mit alltagstauglichem Funktionsumfang sucht – und dafür gleichzeitig nicht zu tief in die Tasche greifen will – der bekommt mit dem Noble Audio Osprey ein mehr als beeindruckendes Gesamtpaket.



