Wenn die Großen beginnen ihr Lineup neu zu denken und umzusetzen, dann finde ich das mehr als spannend und auch irgendwie gewagt. Warum beginne ich dieses Review mit genau diesen Worten? Es liegt daran, dass eine Größe wie NOBLE Audio nun auch einen Step in die Einstiegsklasse wagen. Genau das passierte mit dem NOBLE Knight! Wie der Amerikaner sich im Test schlägt, lest ihr hier in meinem Bericht…

Inhalt
[Werbung] Der NOBLE Knight wurde von mir regulär mit einem Rabatt käuflich erworben.
NOBLE Audio
Kein Unternehmen hat zu meiner Anfangszeit in der Audioszene so polarisiert wie NOBLE Audio. Das lag daran, dass sie egal wo man sich informiert oder umgesehen hat, namentlich sehr oft erwähnt wurden als ein High-End Unternehmen aus den USA, das einfach abliefert.
Vor allem die aufgerufenen Preise haben mich immer fasziniert da sie für mich ungreifbar schienen. Das änderte sich damals mit einem der ersten TWS (… Ja, NOBLE macht auch TWS In Ear’s) den ich erworben und hören durfte. Aber legen wir mal den Smalltalk beiseite und gehen auf das Unternehmen etwas mehr ein!
Noble Audio wurde 2013 von Dr. John Moulton, auch bekannt als „The Wizard“, zusammen mit Brannan Mason in den USA gegründet. Das Unternehmen spezialisierte sich von Anfang an auf hochwertige In-Ear-Monitore für Audiophile. Bereits 2014 gelang mit dem Modell „K10“ der Durchbruch. In den folgenden Jahren festigte Noble Audio seinen Ruf durch mehrfach ausgezeichnete Produkte wie „Encore“ und „Katana“. 2018 stieg Jim Moulton als Mitinhaber ein und unterstützte das weitere Wachstum.
Ab 2019 erweiterte Noble Audio sein Sortiment um True-Wireless-Kopfhörer (z. B. Falcon- und FoKus-Serie) und passte sich damit neuen Markttrends an. Heute gilt Noble Audio als etablierte Marke im High-End-Audiosegment, bekannt für exzellente Klangqualität, innovatives Design und zahlreiche Auszeichnungen.
Der NOBLE Knight
Es war der April 2025 als ich mit meinem Presseausweis durch die Gänge der letzten High End in München schlenderte und plötzlich stehen blieb als ich da ein ganz besonderes Logo auf einem Banner erpirschte. Ich konnte es kaum fassen, auf dem großen Stand des Headphoneshop stand da tatsächlich ein Stehtisch mit ein paar In Ears. Neben dem mir bereits bekannten Zeitgeist lagen da noch andere Modelle von NOBLE Audio!
Nicht nur die In Ears lagen dort, es war ebenfalls noch prominenter Beistand dabei. Jim Moulton saß mir beim Durchhören des aktuellen Lineups im Nacken – Wortwörtlich… Begonnen habe ich meine musikalische Hörsession von Rechts nach Links und der erste blieb mir sowas von im Kopf, dass mich die anderen kaum flashen konnten! Das soll was heißen. Ihr könnt es euch sicher denken, es war der NOBLE Knight!
Beim NOBLE Knight handelt es sich um einen Tribriden in etwas anderer Zusammensetzung. Ein 10 mm dynamischer Treiber versorgt den Einstiegs-IEM mit satten Bässen, Ein Sonion BA Treiber sorgt für klare und detaillierte Mitten & Höhen. Den Rest übernimmt ein Piezo Treiber, der den Bereich der Ultra-Höhen mit Glanz und Gloria versorgt. Das alles bekommt man für sage und schreibe 299€. Ich sag ja… NOBLE macht nun den ersten Step in den Bereich der Einstiegs-IEM’s.
Technische Daten
Der Noble Knight ist etwas bedeckt wenn es um technische Daten geht. Selbst ich musste mich bei einem anderen Kollegen umsehen um an diese „restlichen“ Daten zu gelangen:
- Aluminium Body mit 3D Acryl Faceplate
- Integriertes Edelstahlgitter um vor Schmutz zu schützen
- Drei Treiber Design (Tribrid)
- Tiefe Frequenzen: 10 mm Dual Magnet Dynamischer Treiber aus Verbundmembran
- Mitten & Höhen: Sonion BA Treiber der Serie 23
- Ultra-Höhen: Piezo Treiber
- Impedanz: 26Ω
- Sensibilität: 104dB
- Frequenzgang: 20Hz – 20kHz
Unboxing & Lieferumfang
Ich war sehr gespannt auf den Lieferumfang des ersten „günstigen“ IEM von NOBLE Audio. Und was soll ich sagen, ich wurde nicht enttäuscht wenn auch nicht extrem von den Socken gehauen. Es ist alles da, aber mir fehlt da etwas…


Die Umverpackung zeigt sich etwas verspielter und ich denke, dass dieses Design gut zu dem aufgerufenen Preis passt. Im Bereich von 300€ muss man irgendwie auffallen. Wisst ihr eigentlich wieviele IEMs sich in diesem Preissegment tummeln? Ich sags euch – Zu viel! Und da darf auch mal ein Schwert auf der Front prangen. Naja, es passt ja auch zum Namen des IEMs.

Auf der Rückseite wirkt alles ebenfalls anders. Wo ich sonst eher die technischen Daten als Tabelle sehen kann, wird hier wirklich alles in einem sauberen Text verfasst. Wir lesen also den IEM. Aber… genau hier fehlen die Angaben wie Frequenzgang und Sensibilität!


Den Schuber beiseite gelegt, gelangt man nun an den echten Karton der sich beim öffnen sogar etwas nach oben drückt – WOW. Das macht schon echt was her und zeigt die Liebe zum Detail. Vielleicht ist es aber auch nur ein Gimmik aus versehen, da wir den Karton mittig öffnen müssen um an den IEM zu kommen.

Der Knight präsentiert sich in schwarzen Schaumstoff in dieser berühmten Kollierstellung den wir schon so oft sehen durften. Dennoch gefällt mir genau diese „Präsentation“ besonders gut und besser als es so manch andere Hersteller macht. Verdammt… Sehe ich da ein Schild mit dem Noble Logo auf der Front? Verdammt richtig! Nach dem Entfernen des Schaumstoffs gelangen wir an den restlichen Lieferumfang.
Der Lieferumfang

- NOBLE Knight Tribrid IEM
- 8 Kerniges Kabel mit 4,4 & 0,78 mm 2-Pin Kabel (ca. 120 cm lang)
- Ein ganzes Schild voll mit Eartips
- Eine fragwürdige „Bring mich zurück zu meinem Besitzer“ Karte
- ein Stofftäschen (ja… kein Hardcase -.-)
Kleine persönliche Anmerkung: Warum? Warum packt man hier kein Hardcase rein? Ich meine… Es muss ja nicht das typische Peli Case sein wie bei den hochpreisigen IEMs. Aber ein Stofftäschen? Das geht besser! Aber hey – Das Schild ist geil!
Design & Verarbeitung
In Sachen Design und der Verarbeitung lässt sich NOBLE Audio wirklich nicht lumpen und liefert selbst im 300€ Segment ordentlich ab. Ein IEM aus Aluminium mit Acryl Faceplate und dann noch mit so einem wirklich geilen Kabel? Echt genial… Aber nun der Reihe nach:
Das Kabel
Zuerst einmal gibt es eine kleine Kritik, da es sich bei dem Kabel hier um die einzige erhältliche Option handelt. Anders als beim Go Live! von VE können wir beim NOBLE Knight nicht entscheiden ob wir nun einen 3,5 oder 4,4 Klinkenstecker wollen. Hier gilt: Friss oder Stirb. Nimmt es so, oder kaufe einfach ein anderes. Das hätte man anders lösen können!


Nun kommen wir aber zu den positiven Dingen des Kabels. Das Kabel ist sowas von gut und haut mich förmlich vom Stuhl, denn wir bekommen hier standardmäßig ein Premiumkabel. Nein, das schreibe ich nicht einfach so. Ich meine es genauso! Wir haben hier ein schwarzes Kabel mit ganzen 8 Strängen was nicht zu dick und nicht zu dünn wirkt. Wir bekommen einen vergoldeten 4,4 mm Stecker der in ein silbernes Gehäuse mit Carboninlay gepflanzt wurde. Ja okay… Das passt nicht so ganz zum Rest, aber der Stecker hängt ja eh am Zuspieler.



Die lockere Flechtung gelangt nach ca. 70 cm zu einem glossy schwarzen Splitter der ebenfalls über ein Carboninlay verfügt und spaltet sich dann zu jeweils 4 Strängen, die zu den glossy schwarzen 2-Pin Steckern gehen. Das Gesamtbild ist überaus anmutig und stimmig. Die Carboninlays wirken modern und die dezenten roten und blauen Ringe an den 2-Pin Steckern sind nicht nur funktional sondern stimmig. Selbst auf dem Chinslider wurde nicht auf das NOBLE Audio Logo verzichtet!
Der IEM
Mich erinnert die Formgebung des NOBLE Knight stark an die TWS Reihe von NOBLE. Der IEM hat für seine geringe Treiberanzahl ein doch recht großes Gehäuse mit einem sehr lang ausgeprägtem Nozzle. Wir haben hier eine leicht organische und anatomische Formgebung des Shells die in meinem Fall gar keinen Kontakt zum Innenohr hat. Dazu aber später mehr…


Das Shell besteht aus CNC gefrästen Aluminium mit einem Finish aus schwarzen Eloxat. Auf der Oberseite haben wir nochmal das Schild und das BOBLE Logo verewigt bekommen, was sozusagen der Hinweis sein soll dass es sich um den Knight handelt. Auf eine L und R Markierung wird hier bei NOBLE verzichtet. Aber wir wissen ja was der Linke und der Rechte Hörer ist! Der Übergang zur Faceplate wurde perfekt ausgeführt und weißt keinen Grat oder eine Stufe auf. Es wirkt alles wie aus einem Guss. Sehr, sehr geil!


Das Augenmerk liegt beim NOBLE Knight definitiv bei der Faceplate die einen durch das 3D Design irgendwie in den Bann zieht – als hätte Merlin selbst hier einen kleinen Zauber gesprochen. Lila, Blau und etwas dezentes Schwarz. All das findet man hier auf der Faceplate. Und alles wirkt so als wäre es ein Kettenhemd des Ritters mit dem Wappen des Königs drauf – NOBLE! Die Bilder können dieses geniale Zusammenspiel der Farben gar nicht richtig einfangen. Die Faceplate ist wunderschön…

Sitz & Komfort
Es sollte euch bewusst sein, dass dieser Abschnitt sehr auf mich bezogen ist und es bei euch anders ausfallen könnte und sehr wahrscheinlich auch ausfallen wird. Es geht um den Sitz des IEM in meinen Ohren. Ich habe es bereits erwähnt dass wir hier einen extrem langen Nozzle haben. Das äußert sich bei mir so, dass der IEM ausschließlich per Tip in meinem Ohr hält. Den Rest übernimmt der vorgeformte Earhook des Kabels. Ich habe so gut wie gar keinen Kontakt an meinem Innenohr. Lediglich der obere Flügel gelangt gelegentlich mal an mein Ohr.

Was bedeutet das nun für euch? Ich nehme an, dass euch dieser IEM sehr gut passen sollte da wir hier ein sehr safes Design des Shells haben. Die Shell wird wohl bei kleinen und auch großen Ohren einen sehr guten Komfort erzielen, jedoch für manche komisch wirken wenn der IEM „in der Luft“ hängt. Die mitgelieferten Tips sorgen definitiv zu sehr guten Seal und Sitz. Hier musste ich nicht mal in meine Tüte greifen… Ja, ich habe hier eine Tüte voll mit alternativen Eartips ;)
Der Klang
Warum haben mich die anderen und überaus teureren IEMs von NOBLE nach dem Hören des Knight nicht mehr flashen können? Diese Frage hat mich bis zum Klangcheck immer wieder verfolgt und ich sage euch nun warum dies der Fall war und er vielleicht nicht ganz audiophil ist.
Es liegt an diesem verdammt energischen Tiefton des NOBLE Knight! – Nicht audiophil, nicht smooth… Einfach voll eins in die Fresse!
Der NOBLE Knight spielt hier bewusst oder auch unbewusst die Stärken und Schwächen der verbauten Treiber aus. Dieser Abschnitt ist eher ein Näherbringen von Gefühlen und Emotionen. Keine Kurven, kein fancy audiophiles Gequatsche. Pure Emotionen! Der NOBLE Knight will einem Spaß machen. Er will den Hörer in seinen Bann ziehen und lässt hier und da auch die nötigen und gewollten Details zum Vorschein kommen. Und genau das macht den Knight so besonders und einzigartig!
Tiefen
Beim ersten Anspielen der Bässe erkennt man sofort den energischen Charakter des NOBLE Knight. Er ist druckvoll, warm und mehr als präsent. Er ist gut strukturiert und auch irgendwie direkt mit Fokus im Mittenbass, wenn einem auch der Impact eher weicher vorkommt wie bei einem Woofer. Dieser Tiefton will präsent sein. Er will dominieren und viele denken sich jetzt: Och nö… Ein IEM für Bassheads! Wenn da nicht der Rest wäre.
Mitten
Die unteren Mitten werden noch stark vom dynamischen Treiber versorgt was ich als „in die Mitten bluten“ beschreiben würde. Dies bringt jedoch sehr schöne Wärme in die männlichen Vocals mit und hat auch den Vorteil bei Saiteninstrumenten. Diese bekommen einen richtig schönen Körper und der Rest wird auf einmal kühl. Ja, richtig gelesen. Da kommt dieser gewisse Punkt wo das Ausbluten endet und es kommt der kühle, klare und detaillierte Klang des BA Treiber zum Vorschein. Dieser wirkt sofort erfrischend und irgendwie ungewohnt da man hier bewusst oder unbewusst die Treiber nicht so Hand in Hand abgestimmt hat wie es andere machen. Es ist ein absolut geniales Klangerlebnis was in die Höhen übergeht.
Höhen
Wer schon einiges von mir gelesen oder gesehen hat, sollte wissen dass ich im Bereich der Höhen und oberen Höhen sensibel bin. Ich mag es hell, weit und glanzvoll. Aber eben nicht zu glanzvoll und peaky. Und genau das schafft der Knight! Die Höhen wirken Weit und luftig. Sie sind glanzvoll ohne zu überschlagen. Kein Peak, keine Zischlaute – Einfach nur Höhen die stimmig sind…
Bühne & Separation
Durch den Piezotreiber wirkt die Bühne weiter als erwartet. Genau hier wird wieder ein Nachteil des Treibers bewusst oder eben unbewusst implementiert und umgesetzt. Dies spielt sich auch bei der Separation aus, was sich leicht holographisch äußert. Jedes Instrument bekommt seinen Raum und dieser Raum ist nicht Schulter an Schulter, sondern immer mit etwas Abstand zum nächsten. Alles wirkt stimmig und wunderbar. Und dann kommt der Bass, der dann doch wieder alles dominieren möchte und um Aufmerksamkeit dröhnt!
Der Klang des NOBLE Knight ist besonders und definitiv nicht für alle geeignet. Er ist dominant und passt zu vielen Genres. Jedoch bei Heavy Metal kommt man an seine Grenzen da der Bass zu sehr die Mitten übertrumpft und den Bereich obere Tiefen – untere Mitten zu sehr fordert. Hier entsteht ein kleiner Machtkampf der Frequenzen was manche stören könnte.
Fazit
Der NOBLE Knight ist nicht für jeden. Er ist kein Everybodys Darling und will auch nicht bei einer Tasse Tee gehört werden. Er will auffallen. Er will präsent sein und er will Spaß machen!
Mit dem Knight hat NOBLE nun einen Fuß in ein hart umkämpftes Preissegment gesetzt und hat dies sehr gut umgesetzt. Hier will man nicht untergehen – man will und muss auffallen. Und genau das tut der NOBLE Knight!
Wer wieder mehr Abwechslung haben möchte in seinem Musiklineup und wieder mehr mit dem Fuß wippen möchte, möchte sich doch bitte den edlen Ritter auf ein Bier einladen. Für den Preis von 300€ macht man nichts falsch, sondern eher richtig! Die negativen Sachen wie das fehlende Case oder die limitierte Auswahl des Kabels sollte man jedoch beachten!



