Dan Clark Audio Noire X – der neueste Geniestreich aus dem Hause der amerikanischen Kopfhörerschmiede. Diese Firma verbinde ich untrennbar mit dem ÆON Noire. Und da bin ich bestimmt nicht der Einzige. Der Noire hat unzählige Fans – und das zurecht. Und nun erhält er mit der Integration der AMTS Technik ein beachtliches Update. Ob er so aufgemotzt meinen bisherigen „King of Closed“ – den Noire – in den Schatten stellt, das finden wir hier heraus!

Inhalt
[Werbung] Der Noire X wurde mir für diesen Test leihweise von audiodomain zur Verfügung gestellt. Vielen Dank, Carsten!
Der Dan Clark Audio Noire X
Mit etwas zugekniffenen Augen könnte man den Noire X Schriftzug mit dem Logo einer bekannten Rasierklingen-Brand verwechseln. Gar nicht so weit hergeholt, schließlich ist auch der Noire X rattenscharf…
Der Aeon 2 Noire war lange meine erste Wahl bei den geschlossenen, planarmagnetostatischen Kopfhörern. Nun hat er im Noire X seinen Nachfolger gefunden. Auf den ersten Blick ist die Verortung in der ehemaligen Aeon Serie nicht zu übersehen. Und doch ist mehr Weiterentwicklung im Noire X vorhanden als man denkt. Denn der neue Kopfhörer in der 1000€-Klasse (aktuell 1099€) ist mehr als ein Nachfolger des erfolgreichen Noire.
Er ist der Vorstoß von High-End Technik in mehr erschwingliche Preisregionen. Mit High-End Technik spiele ich auf Dan Clarks AMTS System an, welches ursprünglich in den absoluten Top Modellen Expanse und Stealth Premiere feierte und dann in den E3 implementiert wurde. Und nun verhilft es der „Einstiegsklasse“ zu einzigartig kontrolliertem Klang. Unter anderem dafür verdient Dan Clark Anerkennung – das Downscaling von Top-End Innovationen in die preisgünstigeren Serien ist nicht bei allen Herstellern Teil der Philosophie.

Technisch handelt es sich beim Noire X um einen Kopfhörer nach dem planarmagnetischen Prinzip. Im Gegensatz zu den weiter verbreiteten Modellen mit einem dynamischen Treiber und daraus resultierender punktförmigen Schallquelle, nutzt man bei dieser Technik von der Membran geradlinig abgehenden Schallwellen. Deshalb bezeichnet man planare Treiber auch gern als Flächenstrahler.
Acoustic Meta-Material Tuning System (AMTS)
Das Akustische Metamaterial-Abstimmungssystem (AMTS) von Dan Clark Audio stellt eine bedeutende Innovation dar, die nun final mit dem Noire X auch in einem „untersten“ Preisklasse im DCA Portfolio angekommen ist. Die Technologie zielt im wesentlichen darauf ab, stehende Wellen, die zu harten oder artifiziellen Höhen führen können, effektiv zu eliminieren.
Das zum Patent angemeldete AMTS-System wird zwischen dem Wandler und dem Ohr platziert. Es integriert Wellenleiter, Diffusionskontrolle und Resonatoren in einer kompakten Struktur, um stehende Wellen zu beseitigen und somit die Kontrolle über den Hochfrequenzgang zu ermöglichen. Die AMTS-Abstimmungsarchitektur wird individuell auf jeden Kopfhörer angepasst, um ein optimales Hörerlebnis zu gewährleisten. Und zwar nicht nur auf das jeweilige Treibermodell, sondern konkret auf einen einzelnen Treiber!
Portabel
Erwähnenswert ist natürlich weiterhin der ausgeklügelte Faltmechanismus. Durch Gelenke und Biegemomente lässt sich der Edition X leicht zu einem kompakten „Bündel“ zusammenfalten und findet dann in dem kompakten Hardcase Platz.
Lieferumfang & Verpackung
Hier hält es DCA (Dan Clark Audio) weiterhin äußerst pragmatisch: Eine einfache, schwarze Pappschachtel zum Aufklappen, darin ein solides Transport-Hardcase mit dem zusammengefalteten Kopfhörer und eine kleine Pappschachtel mit Kabel reicht aus. Auf die verschiedenen Einlagen zum Tunen hat DCA beim Noire X verzichtet – vermutlich ist man der Meinung, daß der Klang dieses Mal perfekt ist.
Im Lieferumfang findet sich Folgendes:
- Dan Clark Audio Noire X
- Hardcase
- 2m Kabel mit Stecker nach Wahl
- Papierkram
Design & Verarbeitung
Das Design der Noire X ist eine perfekte Balance aus Eleganz und Funktionalität. Jede Komponente ist auf Leichtbau ausgelegt. Anstelle eines Kopfbügels verbinden zwei gebogene Drähte aus Federstahl die beiden Hörmuscheln. Das Gewicht des Kopfhörers wird durch ein Lederband gleichmäßig auf dem Kopf verteilt, sodass man ihn kaum spürt. Die dicken und weichen Lederpolster der tropfenförmigen (der Ohranatomie nachempfundenen) Hörmuscheln sorgen für ausreichend Abstand zwischen Membran und Ohr. Die Muscheln selbst sind mittelgroß und passen für die meisten Menschen, aber Personen mit größeren Ohren könnten sie etwas eng finden.

Die verwendeten Materialien – Metall, Leder und Kunststoff – sind optisch und haptisch hochwertig, sauber verarbeitet und machen einen robusten Eindruck. Das ist auch zu erwarten, wenn man bedenkt, dass der Kopfhörer für 1.099€ z.B. hier erhältlich ist. Die hochglänzende Oberfläche der Muscheln ist makellos und weist keinerlei Unregelmäßigkeiten auf. Die Abdeckung aus Gorilla-Glas 3 – das steifer, kratz- und bruchfester ist als herkömmliches Glas – sieht edel aus, ist leider ein echter Fingerabdruck-Magnet. Die mechanische Konstruktion ist ja mittlerweile schon einige Jahre erprobt und hat sich bewährt.
Das Kabel
Das Kabel der ÆON seinerzeit war ein kontroverses Thema. Obwohl es qualitativ hochwertig war, war es doch sehr starr und unhandlich. Glücklicherweise ist die dicke Textilummantelung Geschichte. Das neue Kabel hat eine weiche Kunststoffummantelung, die es deutlich flexibler macht. Die bajonettartige Steckverbindung an den Hörmuscheln ist jedoch geblieben, was ich begrüße. Sie sorgt für eine sichere und rastende Verbindung. Kunden können zwischen 4.4mm, 3.5mm/6.3mm und 4Pin XLR Anschlüssen wählen.

Komfort & Handling
Der Noire ist mit 390 Gramm für einen Magnetostaten sehr leicht. Das anschmiegsame Kopfband verteilt das Gewicht optimal auf eine große Auflagefläche, sodass der Kopfhörer fast unmerklich auf dem Kopf sitzt. Der Anpressdruck ist perfekt abgestimmt: Er sorgt für einen sicheren Sitz, ohne zu drücken oder unangenehm zu wirken. Die Weitenverstellung funktioniert automatisch, eine manuelle Justage ist nicht nötig.

Die neuen Ohrpolster aus Alcantara-Synthetikveloursleder sind weich und dick und bieten auch bei längeren Hörsessions hohen Tragekomfort. Die verbesserte Konstruktion soll das Verdrehen und Verrutschen der Schaumfüllung minimieren, was zu einer längeren Lebensdauer und einer gleichmäßigeren Passform führt.
Geblieben ist die Mikrofonie der Kopfbügel: Während des Hörens sollte man unbedingt vermeiden, die Drahtbügel zu berühren. Der Trittschall ist deutlich wahrnehmbar, und man kann den Bass an den Drähten quasi mitzupfen.
Klangqualität
Der Noire X ist weniger anspruchsvoll als der Noire, was die Quellgeräte angeht. Ich habe ihn am Questyle CMAFifteen und an verschiedenen mobilen Geräten gehört: Cayin N6III (Test), Astell Kern Kann Max (Test) und Sony WM-1Am2. Er spielt an allen Geräten gut, aber bringt sein volles Potential nur mit recht leistungsfähigen Verstärkern zutage. Ein Smartphone ist hier also nicht der geeignete Spielpartner.
Allgemein
Der Dan Clark Audio Noire X macht Spaß – ohne Kompromisse. Die Klangsignatur ist zwar tonal absolut ausgeglichen und kohärent, aber unterm Strich deutlich mitreißender als z.B. der DCA E3 oder auch der Vorgänger ÆON Noire. Trotz aller Genauigkeit und Akkuratesse ist der Noire X meilenweit von einem langweiligen Kopfhörer entfernt, punktet er doch mit einem druckvollen und festen Bass auf einem soliden Tiefbass-Fundament. In den Mitten verbindet er Stimmen und Instrumente zu einem überzeugenden Mix an Emotionalität und technischer Expertise.
Das AMTS arbeitet grandios: Ich habe noch keinen geschlossenen Kopfhörer gehört, der so offen und „richtig“ klingt wie die Modelle mit dem Meta-Material.
Die Frequenzbereiche in Einzelnen (mit Vergleich zum Aeon 2 Noire und dem E3):

Bass
Der Noire X bietet einen sehr kontrollierten, tief reichenden Bass mit erstklassigem Punch und reichhaltiger Textur. Im Vergleich zum Aeon 2 Noire ist der Bass betonter, noch griffiger und qualitätiv besser. Dadurch ist der Noire X noch idealer genau auf meinen Fokus (Drums & Percussion) abgestimmt. Schlaginstrumente glänzen mit technisch überragender Leistung. Der E3 aus gleichem Hause hingegen geht bei gleicher Qualität im Subbass noch etwas tiefer. herunter und ist ausgeglichener, dafür aber minimal weniger involvierend und etwas schlanker.
Mitten
In den Mitten punnktet der Noire X mit überragender Klarheit und Transparenz. Stimmen und Instrumente werden nicht nur überaus natürlich wiedergegeben, sondern haben eine überzeugende Präsenz und Klarheit. Im Vergleich ist der Aeon 2 Noire etwas zurückhaltender in den unteren Mitten, was ihn etwas wärmer erscheinen lässt. Der E3 legt hier eine Schippe drauf: Mitten werden beim E3 noch plastischer und emotionaler dargestellt – wovon in erster Linie Stimmen profitieren. Bei Instrumenten im Bereich Hard & Heavy bzw. Rockmusik allgemein hat für mich der Noire X aber eindeutig die Nase vorn.
Höhen
In den Höhen überzeugt der Noire X durch glasklare Details, transparente Luftigkeit und gleichzeitig eine relaxte Entspanntheit aus. Der Aeon 2 Noire ist hier etwa zurückhaltender und hat weniger „Sparkle“. Dadurch bietet der Noire X eine insgesamt bessere Auflösung – was wohl direkt auf den Einsatz von AMTS zurückzuführen ist. Im Vergleich zum E3 wirkt der Noire X wiederum leicht zurückgenommen. Der E3 spielt im Hochtonbereich noch offener und bietet etwas mehr von allem, bleibt dabei aber auch stets kontrolliert und sibilanzfrei. Scharfe Höhen oder Sibilanten gibt es bei keinem der drei Kopfhörer.
Bühne & Separation
Der Noire X überrascht mit einer für geschlossene Kopfhörer überragend offenen Bühnenpräsentation. Auch die Instrumentenseparation ist absolut vorbildlich – hier wirkt absolut nichts eingeengt oder komprimmiert. Jede Spur im Mix hat ihren Raum zur Entfaltung und ermöglicht bei Bedarf ein analytisches Hören. Der Aeon 2 Noire hat hier eine deutlich kleinere Bühne, obwohl bereits dieser im Vergleich zur offenen Version des Aeon schon beeindruckte.
Der DCA E3 übertrifft dann aber doch beide Modelle in Sachen räumlicher Darstellung nochmal deutlich: Seine Bühne ist nicht nur größer, sondern auch nochmals holografischer, mit einer besseren Tiefenstaffelung und Auflösung.
Isolation
Die passive Isolation ist vergleichbar mit der des Aeon 2 Noire. Beide schotten schon gut ab. Der E3 isoliert etwas weniger, verfügt er doch über zwei Luft-Ausgleichslöcher in den Cups.
Fotos
Fazit
Der Dan Clark Audio Noire X vereint die Wärme des Aeon 2 Noire mit der technischen Präzision des E3. Er bietet einen ausgeglichenen Klang mit fantastischer Detailgenauigkeit, Neutralität und Auflösung. Und gleichzeitig ein enormes Spaß-Potential – weil er keineswegs langweilig, sondern bei aller Neutralität involvierend und „modern“ spielt. Und das alles zu einem absolut fairen Verkaufspreis von knapp über 1.000€. Somit ist er der klare Preis-Leistungssieger in Dan Clarks Portfolio.
Wer auf der Suche nach einem geschlossenen Kopfhörer mit Qualitäten eines offenen Systems sucht, der muss sich den Noire X unbedingt genauer ansehen und vor allem anhören. In diesem Preisbereich aktuell einer der Besten – wenn nicht der BESTE – geschlossene Kopfhörer. Absolute Empfehlung!






