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HEDD Audio HEDDphone® D1 | Testbericht

Die Familie wächst!
Nach drei Kopfhörern mit AMT Technologie und klarer Ausrichtung auf den professionellen Bereich, bringen die Berliner von HEDD einen Kopfhörer mit dynamischem Treiber auf den Markt. Das verwendete Membranmaterial hat es in sich – zum ersten Mal wird hier eine ultradünne und steife Membran aus dünnem Kohlefasermaterial eingesetzt, die die Grenzen herkömmlicher dynamischer Treiber sprengen soll. Ob das gelingt und wie der HEDDphone® D1 klingt, das lest ihr hier.


[Werbung] Der HEDD D1 wurde mir für diesen Test von HEDD audio zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!


HEDD Audio

Gegründet wurde das Unternehmen 2015 von Klaus Heinz und seinem Sohn Frederik Knop. Klaus Heinz, mit über 30 Jahren Erfahrung in der Audiobranche und bekannt für seine Arbeit bei ADAM Audio, bringt seine umfassende Expertise in die Firma ein. HEDD Audio steht für „Heinz Electrodynamic Designs“ und ist bekannt für seine innovativen Technologien und das Streben nach höchster Klangqualität.

Mit dem HEDDPhone® wurde ein High-End-Kopfhörer und bedeutender Meilenstein in der Geschichte des Unternehmens präsentiert. Die verwendete, patentierte Air Motion Transformer (AMT) Technologie, die für eine außergewöhnlich detaillierte und dynamische Klangwiedergabe sorgt, wurde ursprünglich für Lautsprecher entwickelt und für die Kopfhörer optimiert. Dies ermöglicht eine bisher unerreichte Klangtreue und Präzision im Kopfhörerbereich.

Nun hat HEDD mit dem D1 das erste Kopfhörermodell mit einem dynamischen Treiber mit Carbon Membran entwickelt. Auch preislich stößt man mit 699€ in ein neues Terrain vor.


Der HEDDphone® D1 Kopfhörer

Wenn die Berliner von HEDD einen Kopfhörer entwickeln, dann muss dieser etwas Besonderes sein. Wie die großen Brüder, die erstmals auf die AMT Treiber gesetzt haben. Auch der neue HEDDphone® D1 bringt eine zentrale Innovation mit. So bringt HEDD dieses Mal einen dynamischen Kopfhörer, der die Technologie dieser Bauart praktisch neu definiert. Die Treibermembran ist aus einem im Kopfhörerbereich bisher nicht verwendeten Material:

TPCD – Thin-Ply Carbon Diaphragm
Ein Material, das man sonst in Formel-1-Chassis oder NASA-Helikoptern findet, nicht aber in Kopfhörern. Das Konzept ist so einfach wie innovativ: Ein extrem steifer, ultraleichter Kohlefaserverbund ersetzt die herkömmliche, gedämpfte Membran aus Fasern oder Kunststoff. Das erlaubt eine schnellere und präzisere Bewegung – mit weniger Verzerrung und ohne die typischerweise erforderlichen Dämpfungsmassnahmen, die Dynamik und Feindetails oft ausbremsen können.

Diese ultradünne Kohlefaserstruktur ist so steif, dass sie Resonanzen auf struktureller Ebene kontrolliert – ganz ohne klassische Bedämpfung. Das Resultat ist eine eine unglaublich schnelle, saubere und lineare Ansprache, die dynamische Kopfhörer bisher so nicht bieten konnten.
Und weil das Ganze in ein offenes, rund 350 Gramm leichtes und offenes Gehäuse gepackt wurde, spielt der D1 luftig, frei und relaxed – ganz im Sinne des langen, bewussten Hörens.

Entwickelt wurde der Kopfhörer über acht Jahre, gemeinsam mit der Firma Composite Sound aus Schweden, die auf ultraleichte Carbonstrukturen spezialisiert ist. Und das merkt man sofort, es ist unüberhörbar: der D1 klingt anders – in der besten Bedeutung dieses Wortes.

Kurz gesagt: Studio-Präzision für den privaten Musikgenuss am heimischen Hörplatz, gebaut in Deutschland, aus Materialien, die sonst jenseits der Stratosphäre unterwegs sind.

Das nächste Novum: War man bisher mit den Vorgängern preislich eher in der 2.000€ Region und damit im „High-End“ unterwegs, so kostet der HEDDphone® D1 „nur“ 699€. Das ist nicht viel weniger als spektakulär, denn der Klang ist überragend – mehr dazu später.


Technische Daten

Immer so eine Sache, die nackten Fakten. Gehören dazu, sagen meist nur wenig aus. Was wir hier herauslesen können ist, daß der D1 recht empfindlich ist und in Kombination mit 32Ω deshalb relativ leicht anzutreiben ist.

  • Prinzip: Over-Ear-Kopfhörer mit offener Rückwand
  • Treiber: Dynamisch mit einer dünnen Carbonmembran (TPCD)
  • Frequenzbereich: 5 Hz – 40 kHz
  • Empfindlichkeit: 100dB @ 1mW
  • Impedanz: 32 Ω
  • Eingänge: 3,5mm Klinke
  • Kabel: Kevlar-ummantelt, geflochten.
  • Pads: Perforiertes Velours
  • Gewicht: 350gr

Lieferumfang & Verpackung

Die Verpackung ist kompakt und schlicht. Ein schwarzer, aufklappbarer Karton reicht hier, um ein gewisses Understatement zu betreiben. Die Front ziert nur eine Umriss-Zeichnung des Kopfhörers. Im Innern liegt das Hardcase in einem Schaumstoff-Ausschnitt. Im Case dann logischerweise der Kopfhörer und in einem kleinen Täschchen wiederum das Kabel.

Der Lieferumfang im Einzelnen:

  • HEDDPhone® D1
  • 2m Kabel mit 3.5mm Stecker
  • 3.5mm auf 6.3mm Schraubadapter
  • Hardcase
  • Papierkram

Design, Verarbeitung & Komfort

Der HEDD D1 sieht aus wie ein „Normaler“ Kopfhörer, d.h. die aufwändige Bügelverstellung der bisher erhältlichen Markenbrüder wurde nicht adaptiert. Persönlich begrüße ich das, denn ich bin kein Freund dieser Konstruktion gewesen. Die Formensprache des D1 ist recht simpel, hier wurde offenbar in erster Linie der Grundsatz „Form Follows Funktion“ verfolgt. Das ist erstmal nichts Negatives. Schließlich soll ein Kopfhörer in erster Linie gut klingen. Bei mir hört das Auge aber immer mit, so finde ich das Design des D1 für meinen Geschmack etwas zu bodenständig.

HEDDphone® D1

Der ganz in Schwarz gehaltene D1 sieht mit seinen leicht ovalen, aber fast runden Ohrmuscheln also viel mehr nach klassischem Kopfhörer aus als die AMT Varianten von HEDD. Auch die Bügelkonstruktion und die Cup-Halter sind klassisch ausgeführt und halten keine Überraschungen bereit, eine Größenverstellung gelingt ohne Handbuch-Studium. Die Kopfbügelverstellung läuft dazu sehr geschmeidig aber definiert und ist satt gerastert.

Der Schwerpunkt des puristischen Designs liegt wie bereits erwähnt eindeutig auf Funktionalität. Als Material kommt hauptsächlich Kunststoff zum Einsatz, Metall gibt es rein äußerlich nur bei der Gitterabdeckung der Hörmuscheln und beim Federstahl des Kopfbügels. Unter dem Metallgitter ist das HEDD Logo zu erkennen, welches die sonst homogene Fläche geschickt aufbricht und cool aussieht.

Trotzdem: An ein bis zwei Stellen wirkt mir die Konstruktion rein optisch ein wenig „einfach“ oder grob bzw. nicht bis zu Ende gedacht. So z.B. bei der überstehenden Kopfband-Polsterung oder den exponierten Drehgelenken an den Bügeln der Cups.

Made in Germany!
Ja, richtig gelesen! Der D1 wird in Deutschland von Hand gefertigt! Die Verarbeitung ist durchgehend sehr sauber und die verwendeten Materialien sehen robust aus. Hier gibt es keinen Grund zur Kritik. Nichts knarzt oder quietscht, alle Gelenke laufen satt und geräuschlos ohne allzuviel Spiel. Alle sichtbaren Schrauben (vermutlich auch die nicht sichtbaren) sind als Torx Variante ausgeführt – so gibt es keinen Ärger mit rundgedrehten Kreuzschlitzschrauben – Top!

Apropos: HEDD legt Wert auf vollständige Servicefähigkeit, d.h. es dürfte ohne größere Probleme machbar sein, im Fall der Fälle Teile auszutauschen. Und On-Top gibts noch eine 5 Jahre Garantie!

Das Kabel

Das Kabel mit 3.5mm Stecker ist textilummantelt und von sehr guter Anfassqualität. Es hat mit 2 Metern eine mobil- und Desktop taugliche Länge und fällt soft und ohne Memory-Effekt. Da ganz normale 3.5mm Anschlussbuchen zum Einsatz kommen, steht dem Einsatz eines beliebigen Custom-Kabels nichts im Wege. Wobei das gar nicht nötig wäre, denn das beiliegende Kabel gibt keinen Grund für einen Wechsel.

Das Case

Das massgeschneiderte Case ist ein echter Mehrwert. HEDD hat hier nicht gespart und liefert eine rundum solide Qualität ab. Das Case wirkt robust, im Inneren sorgen passgenaue Aussparungen für einen sicheren Halt des Kopfhörers.

Komfort

Mit 350 Gramm ist der D1 erfreulich leicht geraten, vor allem im Vergleich zum ersten HEDDphone®. Die perforierten Velour-Polster sind ultraweich, atmungsaktiv und leicht angewinkelt, der Anpressdruck ist ausgewogen und passt für mich so wie er ist. Der Platz unter den Pads ist für meine Ohren gerade ausreichend, jedoch nicht so üppig wie z.B. in einem Ollo Audio X1. Ich muss meine Ohren leicht „reinwackeln“, dann passt es aber auch für lange Sessions – kein Drücken, kein Hitzestau. Damit eignet sich der D1 tatsächlich sowohl für den professionellen Studioeinsatz oder für ausgedehnte Hörabende gleichermaßen.


Klangqualität

Kommen wir zum Kern der Sache – dem Klang.
HEDD verspricht „Studio Precision for Personal Listening“, und das darf gerne wörtlich genommen werden. Der D1 spielt extrem sauber, schnell und natürlich, ohne sich in technischer Sterilität zu verlieren. Er liefert Details, aber keine Härten. Er klingt neutral, aber nie langweilig. Es ist dieser seltene Sweet Spot zwischen Präzision und Musikalität, der den D1 irgendwie besonders macht. Man hört jedes Detail – aber man fühlt sich nicht genötigt zu analysieren – obwohl man es jederzeit könnte. Man hört einfach Musik.

Spielpartner

Der HEDDphone® D1 ist relativ genügsam und benötigt im Gegensatz zu den „großen“ Brüdern deutlich weniger Leistung. Für den Test habe ich ihn daher an allen meinen üblichen Verdächtigen gehört. Questyle CMA Fifteen, Violectric DHA V226, Feliks Euforia Evo (Test) und JDS Labs Element IV (Test). Portabel kamen Cayin N6II (Test) und der ifi Audio GO Bar Kensei (Test) zum Einsatz. An allen Geräten liefert er eine solide Leistung, skaliert aber dennoch deutlich. Am Röhrenverstärker Feliks Euforia Evo läuft er zu Höchstleistung auf, aber auch am Transistor-AMP weiß er zu überzeugen. Die folgenden Klangeindrücke sind prinzipiell allgemeingültig, entstanden sind sie aber am Violectric.

Allgemeiner Klang

Der HEDD D1 ist tonal recht ausgeglichen und trägt eindeutig die DNA des HEDDphone® Two in sich – aber auch noch viel mehr! So fällt sofort auf, daß er deutlich „musikalischer“ klingt, er ist z.B. etwas wärmer abgestimmt. Für einen Kopfhörer dieser Preisklasse zeichnet er sich durch seine außergewöhnliche Detailauflösung, eine impulsive Transientenwiedergabe und planarmäßig-präzise und rasiermesserscharfe Separation und aufgeräumte Transparenz aus. Blind hätte ich vermutlich eher einen planarmagnetostatischen Treiber vermutet, denn die ansatzlose Transienten-Performance erinnert durchweg an die Tugenden der meisten Flächenstrahler.

Im Bassbereich zeigt sich der D1 zwar weitgehend linear, kann aber bei Bedarf auch mit beeindruckender Autorität zupacken – besonders bei höheren Lautstärken – konstruktiv oft typisch für dynamische Treiber. Aber Obacht: Denkt bitte an eure Ohren. Denn der D1 ist wieder so ein Kopfhörer, der aufgrund der absolut verzerrungsarmen Wiedergabe auch bei höheren Lautstärken nach immer mehr Power schreit. Hier gilt unbedingt Eigenverantwortung! ;-)

Tonal bewegt sich der D1 also gekonnt zwischen Neutralität und einer gaaaanz dezenten Wärme – eine gelungene Balance, die ihn sowohl für analytisches Hören als auch für musikalischen Genuss mit involvierenden Bässen und klaren Höhen prädestiniert. Diesen Spagat beherrscht er auf beeindruckende Weise, wie es nur wenige Kopfhörer vermögen. Harman lässt grüßen? Ja, ich glaube schon, auch wenn ich – Stand heute – noch keine Messungen gesehen habe!

Die einzelnen Bereiche im Detail

Bass

Der Bass ist schnell, trocken und kontrolliert. Der D1 bleibt absolut klar und konturiert, selbst in komplexen Passagen. Zusätzlich höre ich eine organische Komponente in meinem Fokusbereich – den Drums. Bassdrums klingen einerseits druckvoll-organisch und dynamisch, andererseits aber auch präzise, konturiert und schnell. Vor allem die Transientenwiedergabe erinnert mich stark an Planar-Magnetostatische Treiber.

Die TPCD-Membran sorgt hier anscheinend für die hervorragende Impulstreue und dem beeindruckenden Punch. Was wir hier haben klingt wie eine beeindruckende Synergie von zwei verschiedenen Treibertechnologien, vereint in einem einzigen Treiber. Im Resultat führt das zu einer der überzeugendsten Bass-Wiedergabe, die für so ziemlich jedes Genre passen dürfte.

Mitten

Hier punktet der HEDD D1 mit einer Natürlichkeit, die man sonst eher von planarmagnetischen oder elektrostatischen Systemen kennt. Stimmen sind greifbar, körperlich, ohne Überzeichnung. Instrumente klingen tonal korrekt. Verzerrte Gitarren klingen, als stünden die Marshall Türme direkt vor einem. Man merkt, dass HEDD aus der Studio-Welt kommt. Die Mitten sind extrem farbenfroh, sauber und klar texturiert, ohne jedoch dabei klinisch oder analytisch zu sein.

Höhen

Die Höhen des HEDD D1 präsentieren sich klar, luftig und präzise, ohne jemals scharf oder überbetont zu wirken. Der Thin-Ply Carbon Treiber liefert auch in diesem Frequenzbereich eine außergewöhnliche Detailauflösung, die feinste Details und Obertöne – wie bei Cymbals, Toms (Sustain!!!) oder Streichern – mit beeindruckender Transparenz wiedergibt  Dadurch entsteht eine brillante, räumlich weit gefächerte und transparente Darstellung, die dem Gesamtklang zusätzliche Tiefe und ätherische Leichtigkeit verleiht.

Bühne & Separation

Auch bei der Bühnenpräsentation zeigt der HEDD D1 wieder offen seine Studio DNA und präsentiert ein vielschichtiges, gut sortiertes und authentisches Imaging – ohne zu übertreiben.

Bei der Instrumentenseparation dreht Der D1 auf und zeigt das ganze Potential der neuen Technologie. Alle Instrumente sind sauber getrennt für sich wahrnehmbar und bleiben auch in dichten Produktionen stets autark. Die kristallklare Wiedergabe und die präzise Platzierung im Raum sind erstklassig und erinnern mich an Planarmagnetostaten.


Fotos


Fazit

Das habe ich nicht erwartet!
HEDD Audio liefert dank neuartigem Treibermaterial aus Thin-Ply Carbon und daraus resultierenden, beeindruckenden akustischen Leistungen einen Kopfhörer mit überragender Klangqualität zu einem erschwinglichen Preis ab.

Der HEDDphone®D1 wirkt auf mich wie eine Chimäre aus Dynamiker und Planar-Magnetostat. Er vereint die Tugenden beider Welten: Die schnelle und transparente Transientenwiedergabe und Klarheit von Magnetostaten mit der organisch-musikalischen und druckvollen Wiedergabe von dynamischen Kopfhörern.

Dazu eine ausgewogene, ganz leicht warme Tonalität, die im Grunde alle Genres bedient und sowohl zum Produzieren als auch zum entspannten Musikhören taugt. Komfort, Verarbeitung und Design stimmen ebenfalls. Der Preis ist eine Kampfansage, „Made in Germany“ und 5 Jahre Garantie runden das Paket ab.

HEDD Audio hat mit dem D1 einen Kopfhörer am Start, der viel Staub aufwirbeln dürfte. Mit neuartigem Treibermaterial beeindruckt er durch eine atemberaubende Performance, die in seiner Preisklasse Maßstäbe setzt. Absolute Empfehlung!


HEDD Audio D1 | Bewertung

9.6

Sound

9.8/10

Verarbeitung

9.0/10

Tragekomfort

9.5/10

Preis/Leistung

10.0/10

Pros

  • Natürliche Tonalität
  • Druckvoller Bass
  • Überragende Detailauflösung
  • Tolle Separation
  • Fantastische Kontrolle
  • Impulsive Transienten

Cons

  • Kopfbügelpolster-Befestigung
  • 1-2 optische Sachen (Geschmacksache!)