Endlich ist er da: Mein erster Custom InEar Monitor!
Das heißt: Willkommen zum 4. und letzten Teil meiner kurzen Artikelreihe im „Projekt CIEM“.
Für mich war es eine spannende Reise – von der Auswahl des Systems und das Gestalten und die Auswahl des Design bis hin zum Ohrabdruck beim Akustiker. Nachdem ich meine Ohrabdrücke zu HEAROS geschickt habe, verging nur gut eine Woche – dann konnte ich meine ersten angepassten Custom InEar Monitore in den Händen halten. Nun endlich folgt das Review des HEAROS PRO IV. Und soviel sei verraten: Es hat sich absolut gelohnt – ich bin begeistert!


Das Projekt CIEM – Inhalt


[Werbung] Die folgende Artikelserie ist mit Unterstützung der Firma HEAROS entstanden. Mein Dank geht an dieser Stelle an den tollen Support, ohne den dieses Projekt nicht möglich gewesen wäre.


Der HEAROS PRO IV Custom InEar Monitor

Ich konnte den PRO IV jetzt schon eine ganze Weile hören, und habe ihn in den vergangenen Tagen und Wochen natürlich ausgiebig an verschiedenen Quellgeräten sowohl stationär als auch mobil genutzt.

Was haben wir hier?
Beim HEAROS PRO IV handelt es sich erst einmal um ein professionelles Werkzeug für Musiker oder Musikschaffende – d.h. es ist kein primär für den „audiophilen“ Musikhörer entwickelter InEar. Die Zielsetzung bei einem InEar Monitor wie dem Pro IV ist also in erster Linie, eine neutrale und präzise Wiedergabe als klassischer Monitor zu gewährleisten.
Zusätzlich muss solch ein InEar natürlich dem rauhen Tour-Alltag eines Profimusikers gewachsen sein. Also leicht zu handhaben. Ein fester und sicherer Sitz – dabei möglichst unmerklich und bequem. Eine starke passive Isolation vor Umgebungslärm. Und last but not least: Ein robustes Gehäuse und ein austauschbares und widerstandsfähiges Kabel mit sicherer, fester Steck-Verbindung.

Macht das dann überhaupt Sinn für einen normalen Musikgenuß?
Absolut! Denn die Vorteile einer unverfälschten und linearen Klangreproduktion ohne die Überbetonung von einzelnen Frequenzbereichen sind neben der optimalen Passform der Garant für ein langzeittaugliches und ermüdungsfreies Hören. Somit ist ein Custom InEar auch absolut für jedermann empfehlenswert. Unterwegs profitiert der Nutzer zusätzlich von der sehr guten Isolation vor Umgebungslärm – ganz ohne ANC und DSP Tricksereien und damit ohne Klangbeeinflussung.

Was hat ein neutraler Klang mit Zucker gemeinsam?
Manche kennen das vielleicht: Verzichtet man auf Zucker – bzw. reduziert ihn sehr deutlich, vor allem den Versteckten – so schmecken die Speisen zuerst einmal komplett fad und langweilig. Erst mit der Zeit entdecken die Geschmacksknospen die bis dahin von der Süße überdeckten Nuancen und Aromen in verschiedenen Lebensmitteln.
Ganz ähnlich ist es auch mit einer neutralen Klangwidergabe – gleich ob mit Kopfhörer, InEar oder Studiolautsprecher.
Zumindest wenn man vorher an einen „gesoundeten“ Klang gewöhnt war. Dann nämlich sind die ersten Minuten mit einem flach abgestimmten Kopfhörer sehr ernüchternd, alles klingt irgendwie „kaputt“. Erst nach und nach adaptiert sich das persönliche Klangempfinden an diese neue und ungewohnte Signatur – und fortan weiß man solche Qualitäten zu schätzen. Denn so offenbaren sich plötzlich feinste Details in der Musik, die vorher nicht wahrgenommen wurden, weil sie mitunter von anderen Frequenzbereichen zumindest teilweise überdeckt wurden.

Innere Werte
Technisch handelt es sich beim PRO IV um ein 3-Wege-System mit insgesamt 4 Balanced Armature Treibern.
Er verfügt über einzelne Treiber für die verschiedenen Frequenzbereiche: Bass, Mitten und Höhen. Für den Bassbereich kommt sogar ein Doppelkammertreiber zum Einsatz. Das klingt – im Vergleich zu den Flaggschiffen einiger anderer Marken, welche Treiber im zweistelligen Bereich verbauen – erstmal wenig.
Allerdings spielt die reine Anzahl der Treiber im Grunde für den Klang nur eine sehr untergeordnete Rolle, denn selbst Systeme mit nur einem Treiber können klanglich absolut überzeugen. Viele wichtiger scheint in diesem Zusammenhang die klangliche Abstimmung – mehr dazu später.

Der innere Aufbau des HEAROS PRO IV:

Quelle: hearos.de
  1. FACEPLATE // Du kannst die Front deiner HEAROS nach deinen Farbwünschen gestalten.
  2. SCHALE // Das Gehäuse wird perfekt an deinen Gehörgang angepasst.
  3. T2-BUCHSE // Die Nickel-Gold-Kontakte sorgen für eine einwandfreie Übertragung des Audio Signals.
  4. CERUMENMULDE // Die Vertiefung fängt Cerumen auf, damit es den Schallkanal nicht verunreinigt.
  5. RFID-CHIP // Hier wird die Seriennummer deiner HEAROS gespeichert.
  6. SCHALLSCHLAUCH // Leitet den Sound vom Treiber direkt in deinen Gehörgang.
  7. AKUSTIK-DÄMPFER // Dieser Filter ist für die akustische Feinabstimmung zuständig.
  8. FREQUENZWEICHE // Teilt die verschiedenen Frequenzbereiche den jeweiligen Treibern zu.
  9. BA TIEFTON-TREIBER // Zwei Lautsprecher (Doppelkammer) sorgen für eine detaillierte Tiefton-Wiedergabe.
  10. BA MITTELTON-TREIBER // Sorgt für Druck im Mittelbereich.
  11. BA HOCHTON-TREIBER // Verantwortlich für kristallklare Höhen.
  12. CONNECTOR // Zusammenführung von Hoch- und Mittelton auf einen Schallkanal.
Quelle: hearos.de

Wie in der oberen Abbildung zu sehen, sind die drei wichtigsten Frequenzbereiche auf einer Höhe, was bedeutet, daß kein Bereich hervorsticht. So kann eine wirklich akkurate und präzise Wiedergabe gewährleistet werden. Man spricht in diesem Zusammenhang von einer linearen Wiedergabe. Ob ich das auch so empfinde? Später mehr dazu!


Verpackung

Meine massgefertigten HEAROS kommt in einer relativ großen, schwarzen Magnetklappbox mit Einsätzen aus Schaumstoff, in denen beide InEars und das Case mit Zubehör sicher verstaut sind. Die Verpackung ist zweckdienlich und sehr ansprechend designed. Sehr edel mit dem Schwarz/Weiß Kontrast, das macht was her. Der Karton ist auf der Vorderseite mit dem HEAROS Logo und dem Schriftzug PRO IV nur minimalistisch im Reliefdruck verziert. Auf den Seitenflächen findet man Marketingtext und die technischen Daten. Der aufklappbare Deckel wird mittels Magnet in Position gehalten.


Technische Daten

Wie immer gilt: Technische Daten sind im Grunde Schall und Rauch – und zumindest für klangliche Aspekte nicht wirklich relevant. Der Vollständigkeit halber habe sie aber hier aufgeführt:

  • Frequenz: 20 Hz – 20 kHz
  • Empfindlichkeit: 116 dB bei 1 mWT
  • Max. Ausgang: 125 dB bei 1 kHz
  • Impedanz: 35 Ohm
  • Geräuschisolierung: bis zu 30 dB
  • Anschluss: 3,5 mm Klinke

Lieferumfang

Was wird alles mitgeliefert? Zusammen mit den angepassten Hörern bekommt der Kunde das Linum® Super-BaX Kabel mit Kabelmanagement, ein Softcase mit Karabiner, ein kleines Mikrofaser-Täschchen, Reinigungswerkzeug, ein paar Aufkleber und ein bisschen Papierkram. Besonders nett: Ein Zertifikat enthält neben der Seriennummer auch den Namen des Mitarbeiters, der meinen HEAROS erschaffen hat. Echte Handwerksarbeit!


Design & Verarbeitung

InEars
Das Form des Gehäuses ist bei maßgefertigten InEars natürlich von der Ohrform (dem Ohrabdruck) abhängig.
Bei der Gestaltung von Gehäuse und Faceplate gibt es dafür unzählige Variationsmöglichkeiten. Von flippig-poppig bunt bis dezent ist alles möglich. Mittels Konfigurator kann man sich die verschiedenen Kombinationen zusammenklicken.

Ich habe mich recht schwer getan, hatte ich doch am Ende drei Designs, zwischen denen ich mich entscheiden musste. Schlussendlich ist es eher dezent geworden: Schwarzes Acryl-Gehäuse und auberginefarbene Metallic-Faceplate mit silbern/glitzerndem HEAROS „H“ und einem silber-transparenten Kabel. Das i-Tüpfelchen der Personalisierung ist die individuelle Lasergravur auf jedem InEar.

HEAROS bietet zwei Materialien für das Gehäuse an: Das klassische Acryl und ein sog. Thermoflex. Ich habe mich bei meinem CIEM für die klassische Variante mit Acryl entschieden. Warum, das könnt ihr hier nachlesen.
Das Gehäuse ist perfekt verarbeitet, es gibt keinerlei Unregelmäßigkeiten oder sonstigen Schönheitsfehler. Die Oberfläche ist absolut glatt, was die Pflege erleichtert. Die Gehäuse machen einen absolut robusten Eindruck. Logisch, daß ich das nicht teste, aber ich bin überzeugt, daß sie dem Versprechen von HEAROS auf Langlebigkeit gerecht werden. Die Buchsen für die Kabelanschlüsse sind sauber eingefasst – man sieht und fühlt dem Produkt einfach an, daß es für eine lange Lebensdauer gemacht ist.

Kabel
HEAROS verwendet mit dem Linum G2 SuperBaX vom dänischen Hersteller Estron ein extrem gutes Kabel mit überzeugendem Stecksystem. Es handelt sich um ein abnehmbares Kabel, welches speziell für In Ear Monitoring-Systeme entwickelt wurde. Dank seines robusten Designs ist das Kabel nicht nur schweiß-, UV- und korrosionsbeständig, sondern gleichzeitig auch unglaublich robust und deshalb für starke Beanspruchungen bestens geeignet.
Zusätzlich ist das Kabel extrem leicht, anschmiegsam und flexibel und somit nicht nur unauffällig, sondern auch bequem zu tragen und haptisch dazu von allererster Güte.
BTW: Ich habe das Linum SuperbaX bereits im Test gehabt!

Anschlussseitig ist ein universeller und für den professionellen Einsatz sinnvoller 3.5mm Stecker verbaut. Der wird in den allermeisten Fällen genau richtig sein. Hier sollte HEAROS trotzdem mal überlegen, ob man die Wahl des Steckers ebenfalls dem Kunden überlässt. Ich hätte beispielsweise mein Kabel gern mit einem symmetrischen 4.4mm oder 2.5mm Stecker genommen – Linum bietet diese Varianten an. Für Kundschaft im HiFi Bereich wäre das eine tolle Option.

Stecksystem
Die T2™ Steckverbindung ist derzeit das kleinste Stecksystem für In Ears mit abnehmbarem Kabel und hinsichtlich Robustheit und Zuverlässigkeit unschlagbar. MMCX soll angeblich mit der Zeit ausleiern (ich selbst habe noch nie ein Problem damit gehabt), bei der 2-Pin Variante können die Kontakte leicht verbiegen. Nicht so bei der T2 Verbindung. Die hochwertige Nickel-Gold-Beschichtung der Kontakte sorgt für beste Signalübertragung und ist dabei resistent gegen Feuchtigkeit.


Hier mal ein Vergleich: Mein Entwurf im Konfigurator und das fertige CIEM:


Passform & Komfort

Neben dem Klang das vielleicht wichtigste Argument für die Anschaffung eines maßgefertigten InEar Systems: Die Passform. Das war auch mein erster Ansatz und mit der Hauptgrund, mir meinen eigenen CIEM zuzulegen.

Wer kennt es nicht: Bei Universalgehäusen – also quasi dem InEar von der Stange – gilt es zunächst einmal, den richtigen Sitz im Ohr zu ermitteln. Dazu legen die Hersteller i.d.R. eine umfangreiche Auswahl an verschiedenen Ohrpassstücken bei. Trotzdem ist das manchmal kein leichtes Unterfangen. Solange die Passform nicht so gut ist, daß ein vollständiger Abschluss des Gehörganges gewährleistet ist, kann meist kein zufriedenstellender Klang erreicht werden. Vor allem im Bassbereich ist der sogenannte Seal von essentieller Bedeutung: Ohne diesen gibt es keinen druckvollen Bass.
Diese Problematik spielt bei angepassten InEars keine Rolle – sind sie ja perfekt an die Ohr-Anatomie ihres Trägers angepasst. Für mich war es eine neue Erfahrung, solch einen Hörer das erste Mal einzusetzen. Und dementsprechend verblüfft war ich. Meine HEAROS flutschen quasi in Sekundenschnelle ins Ohr, man könnte sagen sie „rasten ein“. Danach sitzen Sie perfekt und fest im Ohr – und sind trotzdem unmerklich. Kein Nachjustieren, kein Rausrutschen, einfach perfekt.
Da ich selbst Drummer bin, kann ich das ganze auch aus Musikersicht bewerten. Es ist immer eine Herausforderung, wenn aufgrund der Bewegung und der Feuchtigkeit bei schweißtreibenden Einsätzen mitten im Song ein InEar rausrutscht…
Mit den CIEM scheint mir das unmöglich. Diese Dinger sitzen einfach so sicher und fest, daß man sich auf der Bühne darüber null Gedanken machen muss und sich auf das Wesentliche konzentrieren kann. Und nicht nur auf der Bühne: Auch beim täglichen Pendeln oder Sport sitzen die InEars perfekt und unmerklich.

Dazu kommt, daß ich mittlerweile die Erfahrung gemacht habe, daß mir Universal-InEars nicht jeden Tag gleich gut „passen“. Und zwar nicht nur tonal, sondern vor allem was den Sitz angeht. Ich habe hin wund wieder einfach keinen guten Seal mit manchen passform-kritischen Universa-Inears. Ein weiterer Grund, der für einen angepassten CIEM spricht. Denn mit dem PRO IV konnte ich so etwas bisher noch nicht feststellen, der rastet einfach immer perfekt ein.


Klangqualität

Gehört habe ich die PRO IV mittlerweile an verschiedenen Geräten. Sie benötigen wenig Leistung und skalieren an leistungsstärkeren Geräten etwas. Bisher kamen bei mir zum Einsatz der Astell&Kern SR25 (TEST), der iBasso DX220MAX (TEST), der FiiO Q3 und FiiO BTR5 und als Desktop Lösung der Questyle CMA400i (TEST).

Wie bereits oben schon erwähnt, handelt es sich beim PRO IV um einen neutralen Monitor, der die Musik möglichst neutral wiedergeben soll. Und dieser Anforderung wird er locker gerecht. Trotz einem Hauch Wärme will ich ihn als absolut neutralen InEar bezeichnen.

Im direkten Vergleich zum superben Campfire Audio Solaris (TEST), zeigt sich deshalb eine völlig andere Klangsignatur. Wo der Solaris mit einer betont „spaßigen Neutralität“ punktet, überzeugt der PRO IV durch seine akkurate Präzision und nüchterne Ehrlichkeit. Beides hat seine Berechtigung und Faszination.

Tonal höre ich beim PRO IV eine leichte Wärme heraus, welche der Musikalität gerade bei der Grundneutralität überaus zugute kommt. Denn trotz aller Linearität ist der PRO IV in keinster Weise langweilig. Durch die akkurate Wiedergabe lassen sich neue Details in bekannten Stücken entdecken. Nicht in dem Sinne, daß man neue Töne hört. Aber man entdeckt viele neue Details in den Instrumenten: Gitarren werden präsenter, ein Riff ertönt plötzlich viel transparenter, ebenso sind gedoppelte Spuren sauberer getrennt hörbar. Bei Percussioninstrumenten ist der Klang vielschichtig und mehrdimensionaler: Sehr gern wird in Foren der Begriff „holografisch“ für so etwas benutzt. Das trifft es ganz gut. Attack, Grundton und Sustain bei TomToms sind klar zu hören.

Bass
Aufgrund des Doppelkammertreibers für den Bass ist man geneigt, einen eher fetten Bass zu erwarten. Dies ist natürlich nicht der Fall. Kommt man von einem Kopfhörer mit V-Signatur – also mit betontem Bass und Höhen – so ist man erstmal komplett ernüchtert. Nach angemessener Adaption an die Klangsignatur macht der satte und straffe Bass aber nur noch Spaß. Denn der PRO IV Bass ist zwar nicht (viel) betont, dafür aber von sehr guter Authentizität und Detailfülle. Bassdrums haben eine griffige, punchige Agilität. Schnelle Doublebass-Pattern sind sauber differenzierbar und absolut matschfrei. Hier spielen die eingesetzte BA Treiber ihre Vorzüge voll aus – wo dynamische Treiber oft an Ihre Grenzen stoßen. Das gefällt mir als Drummer natürlich extrem gut. Der Bass bleibt wohldosiert, Bassheads wird das nicht gefallen. Der PRO IV geht tief hinab, aber nur wenn in der Aufnahme Tiefbass vorhanden ist.

Mitten
Die Mitten sind präsent und organisch. Perfekt, um fetten Metal-Riffs die benötigte Energie zu geben – und zwar mit ordentlich Nachdruck. Das Imaging ist überaus detailliert und auch die Instrumentenseparation ist absolut transparent. Geangsstimmen – egal ob männlich oder weiblich, tief oder hoch – kommen klar, lebendig und vielschichtig.
Der PRO IV hat eine überzeugende Wiedergabe von Becken. Cymbals klingen echt und nicht künstlich oder komprimiert. Die natürliche Wiedergabe und die Separationsfähigkeit machen in Chören einzelne Stimmen lokalisierbar und trennen bei bombastischen Prog-Rock Produktionen (Ayreon, Avantasia) sauber die einzelnen Spuren. Trotzdem bleibt der Pro IV immer angenehm „musikalisch“, verkommt also nicht zur sezierenden Lupe, die alles kompromisslos zerlegt. So kann man problemlos entweder nur in die Musik eintauchen und genießen – oder aber sie genauestens analysieren.

Höhen
Wenn es überhaupt einen Ansatzpunkt für etwas Kritik gibt, dann hier. Die Höhen sind zwar präsent und klar, mir persönlich aber ein klein wenig zu sehr entschärft. Klar, das ist immer ein schmaler Grat, hier die allgemeingültige Abstimmung zu treffen. Allerdings mag ich es in den oberen Registern gern auch etwas betonter. Für Höhenphobiker Andere kann das sogar ein Vorteil sein. Mir jedenfalls dürften Becken – obwohl im Grundton wirklich sehr schön – obenrum etwas mehr Lametta haben. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau, denn der PRO IV spricht auf einen EQ verzerrungsfrei an. Ein leichter Schubs des Reglers im Bereich zwischen 8 und 12 kHz und dann ist alles so wie ich es mag: Luftig, Spritzig und sehr detailliert – und immer noch ohne jegliche Schärfe oder nervige Sibilanten.

Imaging
Was die Bühne angeht, gibt sich der PRO IV auch hier äußerst unparteiisch – und geht den goldenen Mittelweg. Denn auch wenn die Ortbarkeit einzelner Positionen gut gelingt, zieht er das Geschehen nicht künstlich auf. Der Raum zwischen Musikern ist absolut authentisch. Dadurch entsteht ein schönes und homogenes Gesamtbild, was zu stundenlangem Hören einlädt.

Separation
Die Paradedisziplin von Balanced Armature Treibern. Trennscharf werden die Instrumente separiert und die einzelnen Tonspuren sind prima sortiert. Auch innerhalb der Instrumente sind die verschiedenen Frequenzbereiche sauber hörbar (s.oben, Toms). Auch fette Gitarrenwände sind texturreich, vielschichtig und klar strukturiert.

Isolation
Ein Wort: Perfekt!
Vergleichbar mit akkurat sitzenden Universal-InEars, dichten die angepassten InEars perfekt ab. Allerdings völlig ohne Gefummel. Einsetzen und fertig. Das habe ich so nur bei wenigen Universals erfahren. Egal ob auf Bühne oder in der Bahn – der Umgebungslärm bleibt draussen.


Musikbeispiele

Northtale – Time to rise
Melodic Speed Metal in alter Helloween Tradition – genau mein Ding! Die Band aus Schweden gibt ordentlich Gas und garniert ihre schnellen Stücke mit melodischem, genretypisch hohem, Gesang.
Die schnellen Bassdrums werden konturscharf und präzise wiedergegeben, ohne zu matschen. Bassline und Gitarrenspuren sind sauber differenzierbar und der hohe Gesang ist vielschichtig und präsent ohne zu nerven. Im Refrain gibt es eine Ridefigur, welche mir mit den PRO IV zum ersten Mal aufgefallen sind. Dies spricht für das Auflösungsvermögen und die saubere Separation.

Hatebreed – Let them all Rot
Hatebreed – der Name ist hier echt Programm – stehen seit jeher für ungezähmte Wut und groovende, mitreißende Hardcore/Metal Nackenbrecher. Hier muss die Energie der fetten Gitarrenriffs und wuchtigen Drums roh und pur rüberkommen. Der PRO IV schafft das trotz seiner eher linearen Abstimmung sehr gut, denn er schafft es, keinen Bereich zu überbetonen. Und das ist gut so, denn nur so gibt es die unbändige und brachiale Intensität eines Hatebreed Moshpits auch zuhause. Nur zum Glück ganz ohne Verletzungen….

Long Distance Calling – Curiosity, Pt.2
Dieser Song gab mir bei der Auswahl des PRO IV den entscheidenden Impuls. Der Bass xxxxxxxxx ist prägnant und klar transparent im Mix zu hören und hat eine organische Textur, die ich so noch nicht (bewusst) gehört habe. Das ist schon aufgefallen. Insgesamt dürfte das Werk noch etwas mehr Pegel im Bereich des Oberbasses haben, aber das kann man ja per EQ nachregeln (obwohl ich kein Freund davon bin…)
Interessant ist wieder diese musikalische Kohärenz, die das Gehörte zu einem musikalischen Ganzen verbindet und trotzdem die Möglichkeit schafft, sich auf einzelne Kleinigkeiten zu konzentrieren. Best of both Worlds!


Fotos


Fazit

Mit etwas Wehmut blicke ich nun auf die abgeschlossene Artikelreihe zurück. Dieses Projekt hat unglaublich viel Spaß gemacht. Nun bin ich am Ziel und ich muss sagen: Ich hätte nicht gedacht, daß mir ein CIEM so gut gefallen würde!

Aber der HEAROS Pro IV ist ein absolut toller Custom-InEar Monitor, der nicht nur seine ureigenste Zielgruppe (Profimusiker) voll bedient, sondern auch für Genusshörer, Sportler oder Pendler sehr gute Dienste leistet.

Klanglich bekommt man einen neutralen, ganz leicht warmen und organischen Klang mit leicht entschärften, aber dadurch sehr angenehmen Höhen, druckvollen und präzisen Bässen und detailreichen Mitten. Die vier BA Treiber sind gekonnt abgestimmt und sorgen für ein transparentes und äußerst langzeittaugliches Hörerlebnis. Die Verarbeitungs- und Materialqualität lässt keine Wünsche offen und die Individualisierungsoptionen machen den angepassten InEar zum persönlichen Einzelstück, an dem man wohl lange Freude haben wird.

So bleibt festzuhalten:
Ja, es lohnt sich auch als normaler Konsument, einen Custom InEar anfertigen zu lassen!

Am Ende ist die Kombination aus perfekter Passform, super komfortablem Sitz und einer sehr neutralen, ehrlichen und süchtig machenden Referenzabstimmung in dieser Kombination auch locker den Kaufpreis von 1.150€ wert!


HEAROS Pro IV | Bewertung

9.6

Klang

9.5/10

Verarbeitung

10.0/10

Tragekomfort

10.0/10

Preis/Leistung

9.0/10

Pros

  • Sehr neutraler, detaillierter Klang
  • Für Profis UND Normalos
  • Optimale Passform
  • Robust
  • Super Verarbeitung & Optik
  • Klasse Kabel

Cons

  • Höhen einen Tick zu bedämpft
  • Keine Steckerwahl beim Kabel
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