Diesen Test habe ich lange vor mir hergeschoben. Lange deshalb, weil ich mit dem Questyle CMA 400i absolut zufrieden bin und ich mir nur ungern vorstelle, diesen durch einen – möglicherweise noch besseren – DAC/AMP ersetzen zu „müssen“. Aber es hilft ja nichts – man muss der Realität ins Gesicht blicken. Die Entwicklung schreitet voran und es ist Zeit, sich den Twelve endlich mal genauer anzuschauen. Um zu sehen, ob er etwas besser kann als der CMA400i


[Werbung] Der Questyle CMA Twelve wurde mir für diesen Test leihweise von NT-Global zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!


Der Questyle CMA Twelve

Kurzer Rückblick:
Vor knapp zwei Jahren, im Dezember 2017 – habe ich einen Testbericht zum Questyle CMA 400i veröffentlicht. Damals hat mich das Gerät so beeindruckt, daß ich es mir kurz nach dem Test selbst gekauft habe und bis heute regelmäßig als Desktop DAC/AMP an meinem iMac nutze.

Den neuen Questyle CMA Twelve gibt es in zwei Varianten: Zusätzlich zum Standard-Produkt bietet Questyle noch eine „Master“ Variante an. Diese soll mit noch strenger selektierten Bauteilen und Keramikplatine die allerhöchsten audiophilen Ansprüche bedienen. Mit steht die normale Variante zur Verfügung.

Bei genauerer Betrachtung fällt zunächst einmal auf, daß man bei Questyle die bewährte Designsprache weiterverfolgt. Das finde ich schonmal super, denn der 400i gehört mittlerweile genauso auf meinen Schreibtisch wie der iMac, und das modern/technische Styling möchte ich dort nicht mehr missen. Insofern wäre der Twelve keine große Umgewöhnung. Sicher, er ist ein paar Zentimeter breiter, aber immer noch sehr kompakt. Auch wenn der DAC Chipsatz der gleiche ist, steckt im Vergleich zum CM400i mehr drin:

Gehäuse
Das Gehäuse ist dezent um 51mm in der Breite und 11mm in der Tiefe gewachsen; die Höhe ist gleich geblieben. Der Twelve hat absolut schreibtischtaugliche Abmessungen.

5Ghz Wireless-Modul
Der CMS Twelve kann Musik drahtlos entgegennehmen. Allerdings nicht über Standardprotokolle – wie DLNA oder Airplay – sondern über das Questyle eigene Übertragungssystem. Hierzu benötigt man z.B. das Questyle Super Hub SHB2.

Mehr Leistung
Am symmetrischen Ausgang stehen an 32Ω nun statt 1.2 Watt (CMA400i) satte 2 Watt zur Verfügung. Somit dürften auch sehr leistungshungrige Kopfhörer mit ausreichender Leistung und Lautstärke angetrieben werden.

BIAS-Control
Neu ist ein weiterer Kippschalter auf der Front zur Anpassung an verschiedene Kopfhörer. Die zweistufigen Gain-Schalter auf der Unterseite des Gerätes gibt es aber weiterhin.

4.4mm Kopfhörerausgang
Der Trend zur robusten, symmetrischen 4.4mm Kopfhörerbuchse setzt sich auch immer mehr an stationären Kopfhörerverstärkern durch. So auch hier. Im Gegensatz zu den filigranen 2.5mm Steckern sind die 4.4mm Varianten deutlich robuster und bieten eine größere Kontaktfläche.

Remote-Control
Tja, das hätte es m.M.n nicht gebraucht. Aber der Twelve ist nun fernbedienbar. Klar, manche wird’s freuen, aber in meinem Anwendungsszenario – und das ist auf dem Schreibtisch neben dem Rechner – sind alle Bedienelemente leicht erreichbar und ich ärgere mich mehr über das schwarz glänzende Infrarotauge in der Front.

SPDIF & AES Input, XLR Output
Aufgrund der vielseitigen Ein- und Ausgänge kann der Twelve auch im professionellen Umfeld wie z.B. Tonstudios eingesetzt werden.


Design & Verarbeitung

Questyle ist für außerordentlich hochwertige Material- und Verarbeitungsqualität bekannt. Soweit ich weiß werden die Geräte bei Foxconn gefertigt und unterliegen sehr hohen Qualitätskriterien. Das sieht und fühlt man. Es gibt keine Unregelmäßigkeiten, alle Oberflächen sind absolut akkurat und ohne Makel.

Die Front des Twelve mit den Bedien- und Anzeige-Elementen ist sauber aufgeteilt. Indikator LEDs, Tastern, Schalter, Anschlussbuchsen und Volumeregler sind geschickt gruppiert und gestalterisch geschickt plaziert.

Die Kipp-Schalter im Retro Look haben einen satten Wiederstand und tragen durch die Simplizität des Prinzip wesentlich zum optischen und haptischen Charm des Gerätes bei. Der Lautstärkeregler läuft rund und mit genau dem richtigem Wiederstand. Die Buchsen sind akkurat eingepasst und sitzen nicht plan auf der Frontseite, sondern sind in einer ca. 7mm tiefen Einsenkung platziert.

Die sauber gelaserte Beschriftung der Eingänge ist einen Millimeter nach oben gerutscht und hängt jetzt nicht mehr so unglücklich wie beim 400i direkt auf der unteren Gehäusekante. Kleinigkeit, aber dem Designmenschen fällt sowas durchaus positiv auf.

Die LEDs leuchten am CMA Twelve ziemlich hell und gelb, beim CMA400i sind sie orange und etwas weniger hell – Punkt für den 400i!

Unterm Strich gefällt mir das Design immer noch ausgesprochen gut. Die Kombination aus technisch-kühler und durchdacht-funktioneller Optik gefällt mir ausgesprochen gut.


Technische Daten

Der CMA Twelve ist in den meisten Punkten technisch gegenüber dem CM400i verbesseert worden. Hier die technischen Daten für alle Erbsenzähler:

Allgemein

  • Auflösung: 32 Bit/384 kHz und native DSD64/128/256
  • D/A-Wandler: AKM AK4490
  • Kopfhörerausgang:
    6.35 mm Klinke, 4.4 mm vollsymmetrische Klinke, 4-Pin vollsymmetrisch XLR
  • LINE-Ausgang:
    XLR-Stereoausgang, SPDIF-Out, RCA-Stereoausgang
  • LINE-Eingang:
    1x USB Type B, S/PDIF, Optisch, AES/EBU input
  • USB:
    USB-DAC mit 32 Bit/384 kHz und nativem DSD64/128/256
  • GAIN-Einstellung: Low/Normal
  • Lautstärkeregelung: Analog
  • Farbe: Mattschwarz

Kopfhörerausgänge

  • Empf. Kopfhörerimpedanz: 16- 300 Ω
  • Ausgangsleistung:
    Unbalanced: 1.000 mW @32Ω, 247 mW @300Ω,
    Balanced: 2.000 mW @32Ω, 825 mW @300Ω
  • THD+N: 0.00070% @Po=100mW, 300Ω, 0.00167% @Po=50mW, 32Ω
  • SNR: 112dB

[Quelle: Questyle.com]


Bedienung

Mein CMA400i ist nach dem Anschalten schneller betriebsbereit als der Twelve. Das Relais schaltet bereits nach gut 1 Sekunde, beim Twelve muss man rund 4 Sekunden warten. In diesen 4 Sekunden blinkt die Power LED schnell, das sieht professionell und cool aus… ;-)

Ein Highlight der Questyle Geräte ist – neben den klanglichen Qualitäten – die hochwertige Hapik und die Art, wie die Bedienelemente ausgeführt sind.
Die Quelle wird per Taster umgeschaltet, die Betriebsart und die zwei BIAS-Stufen per Retro-Kippschalter. Ich mag ja diese Kippschalter, dieses satte Klicken beim Umlegen ist einfach klasse.


Klang

In der Einleitung zu diesem Artikel habe ich es bereits angedeutet. Ich bin mit dem Questyle CMA400i so absolut zufrieden, daß ich mich lange überhaupt nicht für den CMA Twelve interessiert habe. Was kann er besser machen als mein 400er? Und wenn? Immerhin kostet er fast das doppelte. Also was bitte kann er doppelt so gut machen?

Am Ende hat die Neugier aber gesiegt, und frei nach dem Motto „Der Bessere ist des Guten Feind“ steht nun der Questyle CMA Twelve auf meinem Schreibtisch und tritt an, den angestammten Platz dem CMA400i streitig zu machen. Gelingt ihm das? Nun, ich kann vorwegnehmen, daß es nicht einfach ist.

Zuerst einmal zum CMA Twelve. Hier kann ich die grundlegende Klangbeschreibung des 400er zitieren: Kraft und Musikalität – das sind die zwei Haupt-Tugenden, die auch der CMA Twelve mustergültig kombiniert. Leistung ist hier satt vorhanden, lässig treibt er meinen Beyerdynamic Amiron (250Ω) an und verhilft ihm zu klanglichen Meisterleistungen. Ebenso locker beflügelt er auch den Sennheiser HD800S zu Höchstleistung.
Vermutlich wird er auch noch leistungshungrigeren Hörern ausreichend Saft liefern, und bis auf wenige Exemplare aus dem magnetostatichem Lager oder andere Exoten dürfte Leistung satt für die allermeisten Kopfhörer zur Verfügung stehen.

Und wie klingt denn nun der CMA Twelve?
Der Sound ist voll und druckvoll, extrem ausgeglichen und tonal weder ins Warme abdriftend noch dem analytischem Lager zuzuordnen. Angenehm hochaufgelöst Details voller Textur und Lebendigkeit. Bässe sind mega-kontrolliert und haben im Bereich von Percussionsinstrumenten eine explosive Autorität. Auch die anderen Bereiche wie Mitten und Höhen werden überaus akkurat und sehr differenziert und plastisch voller Lebendigkeit und Detailfülle wiedergegeben.

Und der Vergleich Questyle CMA Twelve vs. CMA400i?
Zum Einstieg in den Vergleich habe ich beide Geräte jeweils am iMac über USB angeschlossen. Als Testhörer habe ich zuerst den Beyerdynamic Amiron eingesetzt. Und obwohl ich dem Beyer viel zutraue und ich sehr gern mit ihm höre, musste ich ihn als wenig geeignet wieder weglegen. Er ist zu wohlklingend und warm abgestimmt, um Nuancen im Verstärkerklang herauszuarbeiten. An beiden Geräten klingt der Amiron perfekt, beide holen wohl das Maximum an Leistung aus dem Kopfhörer heraus. Einen deutlichen Unterschied im Klang konnte ich nicht heraushören.

Greifen wir zum Sennheiser HD800S. Hört man mit diesem Ausnahme-Kopfhörer und seiner überaus präzisen und trennscharfen Detailwiedergabe einen Unterschied? Aber ja, und das sogar sehr deutlich. Ich war nicht schlecht überrascht, aber der Unterschied zwischen CMA 400i und Twelve ist tatsächlich sehr deutlich zu hören. Was wiederum nicht heißt, daß er sehr groß ist. Aber im Vergleich und mit dem HD800S als Kopfhörer am symmetrischen Anschluss, entpuppt sich der 400i einen ganz leichten Hauch wärmer und wohliger. Der Twelve ist deutlich akkurater beim Impulsverhalten, gibt Transienten präziser und vor allem explosiver wieder. Toms haben einen sehr schneller Attack, sind im Ansprechverhalten knackiger und präziser, haben im Sustain viel mehr Körper und klingen somit nochmal eine Spur authentischer.

Schaut man sich die technischen Daten an, so ist der DAC baugleich. Lediglich die Verstärkersektion wartet mit einem wesentlichen Unterschied auf. Der Twelve verfügt über eine sogenannte BIAS Schaltung. Questyle beschreibt diese Funktion folgendermaßen:

Pure Class A BIAS Control
Questyle´s pure Class A BIAS Control system can perfectly drive Headphones or speakers of different specifications and easily bring their full abilities to fruition.“

Was genau da technisch gemacht wird, ist mir nicht ganz klar – tut aber auch eigentlich nichts zu Sache. Denn der deutlich wahrnehmbare, „bessere“ Klang spricht für sich.


Fotos


Fazit

Am Ende bestätigt sich der Eindruck, den ich bisher von Questyle gewohnt bin. Auch der CMA Twelve überzeugt mit einem begeisternd klaren und ausgeglichenem Klang, gepaart mit satter Leistung – das alles verbaut in einem extrem hochwertigen und top verarbeitete Gehäuse. Für sich allein genommen ist der Twelve wohl ein Gerät, mit dem man für sehr, sehr lange Zeit absolut zufrieden sein kann.

Die entschiedende Frage lautet: Kann er den CMA400i ablösen?
Die Antwort heißt: Kommt drauf an…. ;-)
Wenn Geld keine Rolle spielt, lautet die Antwort ganz klar „Ja“. Denn der Twelve macht eigentlich alles besser als der kleine Bruder. Er klingt nochmals ausgereifter und einfach besser, er verfügt über einen 4.4mm Kopfhöreranschluss, ist nochmals leistungsstärker und verfügt über eine Fernbedienung.

Wenn Geld aber eben doch eine Rolle spielt, so wird die Sache kompliziert. Denn am Ende muss man wie immer überlegen, ob einem der fast doppelte Kaufpreis den – zwar deutlich hörbare aber doch recht geringe – Klangunterschied wert ist.
Und hier hat sich Questyle mit dem überragenden CMA400i selbt ein Bein gestellt, denn bereits das Einstiegsmodell klingt so verdammt gut und ist in allen Belangen mehr als ausreichend kraftvoll, um alle meine Kopfhörer bestens anzutreiben.

Das Schlussfazit fällt dementsprechend ähnlich aus wie bereits damals beim 400i:
Der Questyle Twelve hat einen fantastischen Sound, reichlich Power, ist erstklassig verarbeitet und macht auch optisch richtig was her. Die Bedienung geht wunderbar intuitiv und mit erstklassiger Haptik von der Hand.

Wer bereit ist, 1.499€ in einen Kopfhörerverstärker mit tollem DAC zu investieren, für den kann ich nur eine dicke Kaufempfehlung auszusprechen. Wer bereits den CMA400i besitzt, kann sich entspannen – das Ding ist immer noch fantastisch und wird keinen Deut schlechter, nur weil der Twelve besser ist. Insofern lässt auch mich mein CMA400i immer noch entspannt schlafen. Aber manchmal träume ich dann doch vom Zwölfer…


[Werbung] Der Questyle CMA Twelve wurde mir für diesen Test leihweise von NT-Global zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!

Questyle CMA Twelve | Bewertung

9.7

Sound

10.0/10

Verarbeitung

10.0/10

Bedienung

10.0/10

Funktionalität

9.5/10

Preis/Leistung

9.0/10

Pros

  • Fantastischer Klang
  • Erstklassig verarbeitet
  • Tolles Design
  • Umfangreiche Anschlüsse
  • 4.4mm symmetrischer Kopfhöreranschluss

Cons

  • Kein analoger Input