Knapp ein halbes Jahr nach Veröffentlichung des Momentum True Wireless 2 legt Sennheiser mit dem CX 400BT ein kabelloses System nach, das auf das gleiche Audiosystem zurückgreift, aber nur für knapp die Hälfte des Preises angepriesen wird. Handelt es sich dabei nur um den „billigen“ kleinen Bruder? Finden wir es raus …


[Werbung] Der CX400BT wurde für diesen Test leihweise von Sennheiser zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!


Sennheiser CX 400BT

Die Pressemitteilung von Sennheiser ist hier Programm: „Mit dem CX 400BT True Wireless ist erstklassige kabellose Klangqualität für jedermann zugänglich.” Sennheiser hat sich ganz offensichtlich dafür entschieden den guten Klang in den Vordergrund zu stellen. Auf die Premium-Features des Momentum True Wireless 2 wird dabei verzichtet: aktive Geräuschunterdrückung, Transparent Hearing, Spitzwasserunempfindlichkeit nach IPX4-Schutzklappe, ein wenig Akkulaufzeit – das war’s schon was der CX 400BT nicht kann. Was bleibt übrig: ein erschwinglicher kabelloser Kopfhörer mit hervorragender Soundqualität.


Lieferumfang und Verpackung

Der CX 400BT wird im zweckmäßigen weiß-blauen Pappschuber verkauft. Auf der Vorderseite sind die beiden Gehäuse und das Ladecase abgebildet. An der Unterseite kann man das Inlay herausziehen. Darin ruht in weißen Pappe das Nötigste:

• CX 400BT Ohrhörer
• Ohradapter-Set (XS / S / M / L)
• Lade- und Transportcase
• USB-C Ladekabel
• Mehrsprachige Bedienungsanleitungen


Technische Daten

Die Daten des CX 400BT unterscheidet sich kaum vom True Wireless 2. Größter Unterschied neben der bereits genannten Akkulaufzeit ergibt sich bei der sehr leichten Transportbox, die nur 37 g auf die Waage bringt. Beim True Wireless 2 sind es mit 58 g über 50 % mehr.

• Treiber: 7mm dynamisch
• Frequenzbereich 5 Hz bis 21 kHz (Ohrhörer) | 100 Hz bis 10 kHz (Mikrofon)
• Bluetooth Version: Bluetooth 5.1 kompatibel
• Unterstützte Profile A2DP, AVRCP, HSP, HFP
• Klirrfaktor bei 1kHz <0,08% (1kHz / 94dB)
• Feldübertragungsfaktor 94 dB SPL bei 1 kHz
• Ladezeit ca. 1,5 Std.
• Akku-Laufzeit Ohrhörer bis zu 7 Std. und über die Ladebox wiederaufladbar bis zu 20 Std.
• Codec-Typ SBC, aptX™, AAC
• Gewicht 49 g (Ohrhörer und Ladebox), 12 g (beide Ohrhörer), 37 g (Ladebox)

[Quelle: sennheiser.de]


Design und Verarbeitung

Die Verarbeitungsqualität geht soweit in Ordnung. Die Gehäuse und das Transportcase sind aus einem Hartplastik, welches sich nicht unbedingt nach Premium-Qualität anfühlt, aber trotzdem sauber verarbeitet ist. Es sind keine unregelmäßigen Spaltmaße oder irgendwelche unsauberen Ecken und Kanten zu bemerken. Alle Oberflächen außer der berührungsempfindlichen Faceplates sind matt. Letztere sind hochglänzend und neigen deshalb (zumindest bei der vorliegenden schwarzen Version) leider dazu empfindlich für Fingerabdrücke zu sein. Mit einem Microfasertuch sind Fingerabdrücke aber schnell und gründlich weggewischt. Wenn man Pech hat löst man beim Darüberwischen eine Gestensteuerung aus. Der Deckel des Transportcase lässt sich im geschlossenen Zustand leicht hin und her bewegen. Er sitzt aber trotzdem satt, so dass versehentliches oder selbständiges Öffnen ausgeschlossen sein sollte.


Tragekomfort und Bedienung

Sennheiser liefert proprietäre Silikon Aufsätze in vier verschiedene Größen mit. So sollte es kein Problem sein den richtigen Sitz zu finden. Man setzt die Gehäuse mit einer leichten Drehbewegung ins Ohr ein. Richtig eingesetzt ergibt sich schon eine wirklich außergewöhnliche Isolation gegen Umgebungsgeräusche. Eine aktive Geräuschunterdrückung vermisst man deshalb eigentlich gar nicht. Dank des guten Sitzes hatte ich selten das Gefühl, dass die Gehäuse irgendwie locker im Ohr sind und vom Rausfallen bedroht sind. Joggen ist allerdings unangenehm, denn die Gehäuse bewegen sich aufgrund Ihres Eigengewichtes immer ein wenige hin- und her, auch wenn sie fest sitzen. Wie so häufig bei so gut abschließenden In-Ears: Trittschall beim Laufen überträgt sich bei jedem Schritt als ausgeprägtes „Wummern“ ins Ohr. In Anbetracht der fehlenden Schutzklasse gegen Spitzwasser und Schweiß sollte man also auf (schweißtreibende) Sportarten mit Impactbelastungen besser verzichten.

Die berührungsempfindliche Faceplate lässt gängige Gestensteuerung wie Play, Pause, Weiter, Zurück, Sprachassistent etc. zu. In der Sennheiser Smart Control App lassen sich für das rechte und linke Gehäuse jeweils Gesten für Tippen und Halten konfigurieren. Jede Berührung wird dabei von einem akustischen Signal quittiert. Es dauert nicht lange, bis man die Faceplate blind trifft und nicht nur das Gehäuse antippt. 


App

Die Sennheiser „Smart Control“ wurde bereits beim Review des True Wireless 2 beschrieben. Funktionen um aktive Geräuschunterdrückung und Transparent Hearing stehen beim CX 400BT natürlich nicht zur Verfügung.


Klangqualität

Kommen wir zum Wichtigsten: der Klangqualität. Auch wenn Sennheiser auf ein paar Premium-Features verzichtet hat, ist der Klang auf Top-Niveau. Man könnte jetzt auf das Review vom True Wireless 2 verweisen, aber Copy & Paste hat der Hörer definitiv nicht verdient. Auch der CX 400BT hat eine merkliche Bass- und Höhenbetonung. Deshalb sollte man auch am besten die Finger von irgendwelchen Equalizer-Einstellungen lassen, die außerhalb der Smart Control App konfiguriert werden. Anderenfalls kann es insbesondere bei den Bässen etwas über das Ziel hinausgehen. Im gesamten Frequenzbereich gibt es nichts zu Meckern und man kann problemlos sein Lieblingsinstrument raushören.

Bass
Bei den Bässen legt sich der CX 400BT mächtig ins Zeug. Das breite Fundament an tiefen Frequenzen erzeugt wirklich druckvollen Sound. In dem meisten Fällen kommen Mitten und Höhen dabei nicht zu kurz. Wem das zu viel ist, der kann über den Equalizer in der mitgelieferte App noch etwas nachhelfen und den tiefen Frequenzbereich justieren.

Mitten
Die mittleren Frequenzbereiche kann der Hörer tadellos wiedergeben. Auch wenn man mal Bock auf hektische Songs hat, bei denen sich viele Gitarrenspuren überlagern, kommt der CX 400BT nicht ins Straucheln.

Höhen
Glasklare Höhen kann der dynamische Treiber auch abliefern. Und das ohne zu Nerven! Manches Multi-BA System muss da schon mal gezähmt werden. Nicht so der CX 400BT.

Bühne, Separation & Isolation
Die virtuelle Kapelle lässt sich fein zwischen Ohr und Schulter orten. Bauartbedingt geht das absolut in Ordnung. Trotz signifikanter Bassquantität und -qualität kann man mühelos die einzelnen Instrumente klar unterscheiden. Insbesondere E-Bass-Strukturen kann man abgegrenzt wahrnehmen, was nicht jeder dynamische Treiber in der Qualität kann. Die Isolation gegenüber Umgebungsgeräusche ist hervorragend, wenn die richtigen Ohradapter gewählt sind. Ich würde so weit gehen, dass der
CX 400BT in dem Fall sogar kein ANC benötigt.


Musikbeispiele

Blind Guardian – Imaginations From The Other Side (25th Anniversary Edition)
Das Jubiläumsalbum enthält neben der Remastered Version des Studioalbums auch einen Livemitschnitt aus Oberhausen. Die Aufnahme ist erstklassig und bringt jede Menge Power bei den Drums mit. Der CX 400BT schafft es die Stimmung richtig zu transportieren. Man hat das Gefühl mittendrin zu stehen. Drums kommen wahnsinnig druckvoll rüber ohne die feinen E-Bass-Klänge zu schlucken. Gitarren und Gesang sind glasklar. Gänsehaut-Feeling!

Dark Tranquillity – Moments
Das modern produzierter Melodic-Death-Metal Werk klingt vielschichtig und abwechslungsreich und bringt jede Menge Potential mit einen Kopfhörer ins Stolpern zu bringen. Das meistert der CX 400BT hervorragend.

Ayreon – The Human Equation
Vielleicht das beste Prog-Rock-Album aller Zeiten? Die Starbesetzung liest sich schon wie bei namhaften Blockbustern. Ähnlich opulent ist die musikalische Dichte des Albums. Wenn es auf allen Gesangs- und Instrumentenspuren so richtig zur Sache geht kann sich der CX 400BT schon mal verschlucken und der Bassbereich ist etwas überrepräsentiert und überlagert ein paar Details aus anderen Frequenzbereichen. Macht aber nix – das sind Situationen mit denen vielleicht hybride Multi-BA-Systeme besser klarkommen. Der Spaß am Hören wird dadurch keineswegs geschmälert. Und zur Not kann man ja noch mit dem Equalizer in der Smart Control App die Bässe etwas zähmen.


Fotos


Fazit

Spitzensound ohne Schnickschnack!

Wer den erstklassigen Sound von Sennheiser möchte und dabei aber auf sein Budget achten muss, ist mit dem CX 400BT bestens beraten. Durch Verzicht auf Premium-Features kann der Preis zum TWS 2 halbiert werden ohne am Klang zu sparen. Regulär werden für den CX 400BT knapp 200 € fällig – und das ist absolut gerechtfertigt. Während ich die Rezension tippe (Februar 2021) bietet Sennheiser noch mal 50 % Nachlass an. 99 € für diese Produkt? Ein top Preis-Leistungsverhältnis!

Nicht nur im Sonderangebot ein richtiges Schnäppchen. Der erstklassige Klang des Momentum True Wireless 2 findet im CX400 BT seine Fortsetzung. Nicht ganz so raffininert und ausbalanciert, aber immer noch besser als die allermeisten TWS da draußen!


Sennheiser CX 400BT | Bewertung

8.8

Sound

9.5/10

Verarbeitung

8.5/10

Bedienung/Funktion

8.0/10

Komfort

9.0/10

Preis/Leistung

9.0/10

Pros

  • Sehr guter Klang
  • Preis-Leistungsverhältnis
  • Akkulaufzeit

Cons

  • Hartplastik-Haptik
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