In Zeiten, in denen True Wireless InEars allgegenwärtig sind, erscheint ein Bluetooth InEar mit Nackenband schon etwas veraltet. Das dies nicht zwingend so sein muss, beweist Sennheiser mit dem neuen IE 80 S BT. Hier hat man bestehende InEars einfach mit einem zusätzlichen Nackenband drahtlos gemacht. Geht die Rechnung auf?


[Werbung] Der IE 80 S BT wurde mir für diesen Test von Sennheiser zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!


Der Sennheiser IE 80 S BT

Kenner sehen es sofort: Beim Sennheiser IE 80 S BT handelt es sich um einen alten und sehr geschätzten Bekannten. Im Grunde hat Sennheiser einfach das Kabel des IE 80 S durch ein Bluetooth-Neckband ersetzt und so den erfolgreichen Kopfhörer endlich drahtlos gemacht. Voilá! – Fertig ist der Nackenband-Bluetooth InEar. Der kabelgebundene IE 80 S wird von Sennheiser bereits zur High-End Reihe gezählt und schlägt mit 349€ zu Buche. Für den drahtlosen Bruder muss man 150€ zusätzlich auf den Tresen legen, er wechselt für stolze 499€ den Besitzer. Ist der Aufpreis für ein Bluetooth Nackenband von mehr als 150€ gerechtfertig? Ich schreibe bewusst mehr als 150€, weil das normale Kabel im Lieferumfang des IE 80 S BT fehlt. Dieses kann auch nicht nachgekauft werden, sondern lediglich ein Kabel mit Steuer- und Freisprech Fernbedienung für rund 50€. Möge jeder selbst rechnen. Ich habe meine Zweifel am Endpreis, finde das schon recht teuer. Aber letztenendes muss das jeder für sich selbst beantworten.

Aber nun zurück zum InEar: Der mit einem einzelnen, dynamischen Treiber ausgestattete IE 80 S wird mit Kabel über dem Ohr getragen, hat angenehm kompakte Gehäuse und besitzt eine kleine Stellschraube in der Faceplate zur Regulierung der Bass-Intensität.
Die Stecker der abnehmbaren Kabelverbindung sind leider proprietär, der Zubehörmarkt hält aber eine umfangreiche Auswahl an passenden Kabeln bereit.

Zurück zum Bassregler: Der funktioniert super und ermöglicht es seinem Träger, die Bassmenge an den persönlichen Geschmack anzupassen. So kann man die Klangsignatur zumindest teilweise seiner persönlichen Vorliebe anpassen.

Als Bluetooth Kopfhörer beherrscht der InEar selbstverständlich auch das Freisprechen. Digitale Assistenten lassen sich mittels Taste an der Steuereinheit ebenfalls auf dem Smartphone starten.


Lieferumfang und Verpackung

Der Lieferumfang ist ordentlich. Neben dem InEar selbst gibt es eine Auswahl an verschiedenen Aufsätzen in jeweils drei verschiedenen Größen. Weiter liegt ein sehr schönes und geräumiges Hardcase, ein Bassjustierungs- und Reinigungswerkzeug und ein USB-C-Ladekabel bei. Was wie bereits oben erwähnt fehlt – und das finde ich angesichts des hohen Preises sehr schade – ist ein normales Klinken-Kabel, um den IE80S auch ohne das Nackenband ganz normal als kabelgebundenen InEar betreiben zu können. Der RHA T20 Wireless macht es doch vor: Bei abnehmbaren Kabeln darf ruhig zusätlich zum Nackenband auch noch ein normales Kabel beiliegen. Das hätte auch dem IE 80 S BT gut zu Gesicht gestanden und den hohen Preis zumindest ein wenig mehr gerechtfertigt. Wer das original Sennheiser Zubehörkabel möchte, darf nochmals rund 50€ investieren.


Technische Daten

Wie immer gilt: Daten sind oft Schall & Rauch, lassen sie doch idR keine Rückschlüsse auf die Klangqualität zu – auf Features und Codecs jedoch schon. Wer es genau wissen will, der bekommt hier die technischen Daten so wie sie Sennheiser auf der Produktseite veröffentlicht hat.

  • Tragesystem: Nackenbügel
  • Audio-Übertragungsbereich: (Mikrofon) 100 bis 10.000 Hz
  • Audio-Übertragungsbereich: 10 – 20.000 Hz (Bluetooth kann diesen Wert verändern)
  • Schalldruckpegel bei 1 kHz: 110 dB (1 kHz/0 dBFS)
  • Klirrfaktor bei 1kHz: < 0,5 %
  • Ankopplung an das Ohr: Ear canal
  • Wandlerprinzip: dynamisch
  • Gewicht: ca. 30 g
  • Ladezeit: ca. 1,5 Stunden
  • Richtcharakteristik: 2 Mikrofone mit Kugelcharakteristik
  • Feldübertragungsfaktor: -38 dB V/Pa
  • Betriebszeit: 6 Stunden (Musikwiedergabe via SBC) mit integriertem Akku: 340 Stunden im Standby-Modus
  • Stromversorgung: Integrierter Lithium-Polymer-Akku: 3,7 V = 120 mAh
  • USB-Ladung: 5 V = 500 mA
  • Bluetooth Version: Bluetooth 5.0-kompatibel, class 1, BLE
  • Unterstützte Profile: HSP, HFP, AVRCP, A2DP
  • Modulationsart: GFSK, π/4 DQPSK, 8DPSK
  • Codecs: SBC, aptX®, aptX® LL, aptX® HD, AAC, LHDC
  • Sendefrequenzen: 2.400 MHz bis 2.483,5 MHz
  • Ouput Power: 10 mW (max)

[Quelle: Sennheiser.de]


Design und Verarbeitung

Die Verarbeitung ist auf bestem Niveau. Mittlerweile gibt es den drahgebundenen IE 80 S ja schon recht lange. In den entsprechenden Foren sind keine Probleme zur Verarbeitungsqualität bekannt. Man darf also von einem ausgereiften Produkt ausgehen. Die Treibergehäuse sind zwar aus Kunststoff gefertigt, vermitteln aber einen hochwertigen und langlebigen Eindruck. Die Faceplate aus Edelstahl setzt einen schönen Akzent in den sonst komplett schwarzen Gehäusen.

Kabel und Neckband sind federleicht. Aber wieso überhaupt wieder ein Kabel zwischen den InEars? Das mag sich der Ein oder Andere durchaus fragen – in Zeiten, in denen überall und von jedem die komplett kabellosen True Wireless Varianten zu bekommen sind. Ja, ich finde die True Wireless InEars auch cool. Aber es gibt Situationen, in denen ich gern auf den Komfort und die Sicherheit eines Nackenbandes zurückgreife. So kann man die InEars einfach mal eben aus den Ohren nehmen und un den Hals baumeln lassen. Geht mit True Wireless nicht, die wollen immer irgendwo verstaut werden. Und beim Joggen oder Biken gibt mir das Nackenband ein Plus an Sicherheit. Schließlich will man die teuren Teile ja nicht verlieren…

Die Druckpunkte der Tasten auf der Steuereinheit am linken Nackenband-Ende sind gut, allerdings sind die einzelnen Tasten schwer auseinander zu halten. Hier wäre eine deutliche, haptische Markierung von z.B. der Pause/Play Taste wünschenswert. Mit ein wenig Übung trifft man aber recht zuverlässig.

Die proprietären 2-Pin Kabelanschlüsse sind zwar robust und sorgen für eine sichere Verbindung. Allerdings wären standardisierte Verbindungen universeller und bei einem möglichen Kabeldefekt wäre leichter an Ersatz zu kommen.


Tragekomfort & Isolation

Der IE 80 S BT ist ein echtes Fliegengewicht: Lediglich 30gr bringen beide InEars plus Bluetooth-Kabel auf die Waage. Das ist wirklich wenig. Der RHA T20 Wireless mit gleichem Konzept (auch Nackenband-Bluetooth) bringt es auf 48gr. Im Ohr sitzen die kleinen InEars fast schwerelos und dichten – mit den richtigen Tips – sehr gut ab.
Die weichen, vorgeformten Kunststoffbügel im oberen Kabelbereich erleichtern die komfortable Trageweise „über dem Ohr“ und sorgen für zusätzlichen, sicheren Halt. Der Seal ist bei mir mit den mittleren Silikontips prima, hiermit dichten die IE80s sehr gut ab und gewährleisten eine volle Basswiedergabe. Das federleichte Nackenband liegt unauffällig auf Nacken und Hals- bzw. Schulteransatz auf, beim Tragen spürt man es so gut wie nicht.


Funktionen und Bedienung

Eine drahtlose Verbindung ist via Bluetooth 5 schnell hergestellt. An Protokollen wird AAC, SBC, aptX, aptX Low Latency und LHDC unterstützt. Nach erfolgreicher Kopplung tauchen die Kopfhörer sowohl im Ausgabegeräte-Menü meines iPhone XR als auch in der Sennheiser App auf. Die Funktionen an sich sind überschaubar. Musik hören und freisprechen. Mittels Steuertasten lässt sich die Musikwiedergabe bedienen und Telefonieren. Ebenso lassen sich dieverse Sprachassistenten wie Siri oder Google per Tastendruck starten.


Sennheiser Smart Control App

Seit dem Release der Momentum True Wireless gibt es eine universelle Sennheiser App, mit welcher man die verschiedenen drahtlosen Modelle der Herstellers bedienen kann. Abhängig vom Modell lassen sich hier verschiedene Einstellungen vornehmen. Bei IE80SBT sind das ein 5-Band Equalizer, ein Abschalt-Timer und die Auto-Anrufannahme.

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Akkulaufzeit

Sennheiser gibt die Akkulaufzeit mit 6h an. Klingt erstmal wenig, reicht im Alltagsbetrieb aber für mich völlig aus. Geladen wird zeitgemäß über USB-C. Ein Ladevorgang ist in rund 90min abgeschlossen. Leider ist der Akku mit 120mAh nicht austauschbar, was angesichts des hohen Preises schade und auch wenig nachhaltig ist. Das ist aber bei dieser Bauart Standard, andere lösen es auch nicht besser. Im Standby sollten rund 2 Wochen drin sein.


Klangqualität

Kommen wir nun endlich zum Wichtigsten – dem Klang.
Sennheiser bewirbt den IE 8 0S BT als deren ersten audiophilen, drahtlosen InEar und deklassiert damit direkt erstmal die so beliebten Momentum True Wireless aus dem eigenem Stall. Im Gegensatz zu den True Wireless unterstützen die IE80SBT nämlich dank AKM DAC die hochauflösenden Codecs LHDC und aptX HD.

Leider kenn ich selbst die kabelgebundenen IE80S nicht, jedoch habe ich die IE8 noch sehr gut in Erinnerung. Mit diesen begann vor langer Zeit meine Reise in höherpreisige InEar Gefilde. Bereits diese hatten den einstellbaren Bass und haben mich lange Jahre begleitet.

Ein paar Anmerkungen zur Bass-Stellschraube: Das Konzept lässt eine Anpassung der Bassmenge von sehr zurückhaltend bis ordentlich fett zu. Das Ganze funktioniert sehr sauber und ohne Einfluss auf andere Frequenzbereiche. Ich finde die Mittenstellung für meinen Musikgeschmack perfekt. Damit klingt der InEar schön spaßig, der Bass knackig und druckvoll, wird aber nie zu aufdringlich oder überladen. Die folgenden Eindrücke sind deshalb auch mit der dieser Basseinstellung entstanden. Kommen wir also nun zu den Klangeigenschaften der Sennheiser IE 80 S BT.

Die Tonalität der InEars ist auf der warmen und vollmundigen, ab mittlerer Bassreglerposition deutlich bassbetonten Seite. Sennheiser spannt den Bogen zwischen leichter Bass und Höhenbetonung aber gekonnt ausgeglichen zu einer nur leichten Badewannensignatur. Die Bereiche im Einzelnen:

Bass
Mit der Bass-Schraube in Mittenstellung stellt der IE80S Bassdrums und Pauken sehr präzise und konturiert dar. Attack und Impulsverhalten sind vorbildlich und erinnern mich teilweise an die dynamischen Qualitäten des Sennheiser IE800. Ich liebe ja dieses organisch-druckvolle an dynamischen Treibern – da kommen BA-Treiber mMn einfach nicht mit. Der Bass ist in dieser Mittelposition zwar schon ordentlich betont, aber unterwegs – wo sowieso Bass verloren geht – ist diese Einstellung für mich perfekt.

Mitten
Die Mitten sind zwar etwas zurückgenommen bzw. gezähmt, seidig und warm – machen aber keinerlei Kompromisse bei Instrumentenseparation und Detailgenauigkeit. Sie stehen nur lediglich nicht im Focus. Dadurch ist die Klangsignatur aber auch wunderbar entspannt und weniger fordernd als das bei lineareren InEars der Fall ist. Metalgitarren klingen aber immer noch saftig, farbenfroh und haben genug Power. Stimmen werden natürlich und mit viel organischer Authentizität wiedergegeben.

Höhen
Die oberen Frequenzbereiche sind detailliert und brilliant. Gerade der Bereich, in dem explosive Crashbecken oder Rideglocken ihre Obertöne haben, ist luftig und spritzig. Das Ganze hat noch genug metallische Härte und Brillianz, um sich im Gesamtsound prägnant und akzentgebend durchzusetzen, ist aber niemals stechend oder von übertriebener Schärfe geprägt.

Bühne
Eine sehr überzeugende Darbietung liefert der Sennheiser bei der Bühnenpräsentation ab. Da klingt nichts nach einengender Klaustrophobie, wie man es manchmal aus InEars kennt. Was der IE80S an dreidimensional anmutendem Klangteppichen bringt, wäre selbst für manch offene Over-Ears bereits vorbildlich. Bei aller Breite der Darbietung übertreibt er aber nicht, so daß immer eine glaubhafte Natürlichkeit gegeben ist. Dadurch empfiehlt er sich auch extrem gut für spektakulären Filmgenuss.


Galerie Sennheiser IE80S BT


Fazit

Obwohl – oder gerade weil – der Sennheiser IE80S BT noch mit Nackenband kommt, hat er mich komplett überzeugt. Der IE 80 S ist immer noch ein fantastischer und vor allem ausgereifter InEar. Im Zeiten von Multi-Treibersystemen zeigt Sennheiser, daß erstklassiger Klang auch mit nur einem dynamischen Treiber möglich ist. Der justierbarer, sehr präzise und druckvolle Bass und ein ausgeglichener, warmer Sound qualifizieren den IE80S in der neuesten, nun drahtlosen Variante, perfekt zum Immer-Dabei-Haben. Das geringe Gewicht und die gute Passform runden das Paket ab.
Wer nur Wert auf den tollen Klang legt, der kann auch locker zum rund 150€ günstigeren IE80S greifen. Überlegt es euch aber gut, denn das Nackenband gibt es aktuell nicht als Zubehör…
Wer bereit ist, knapp 500€ für einen Nackenband-Bluetooth InEar mit sehr guter Klangqualität, moderner Technik, hochauflösenden Codecs, toller Passform und Freisprechfunktion auszugeben, bekommt drahtlosen High-End Klang von Sennheiser ohne Kabelwirrwarr – perfekt!


[Werbung] Der IE 80 S BT wurde mir für diesen Test von Sennheiser zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!

Sennheiser IE80S BT | Bewertung

9.1

Sound

9.5/10

Verarbeitung

9.0/10

Bedienung/Funktion

9.2/10

Komfort

9.3/10

Preis/Leistung

8.5/10

Pros

  • Warmer, voller Klang
  • Bassregler
  • Sehr gute Passform
  • Sehr leicht

Cons

  • Teuer
  • Kein normales Kabel im Lieferumfang.