Start Testberichte Testberichte In-Ears Softears RSV MKII InEar | Testbericht

Softears RSV MKII InEar | Testbericht

Der Markt für In-Ears wird immer dichter. Besonders aus China kommen in den letzten Jahren immer wieder Modelle, die etablierte Hersteller herausfordern. Softears gehört zu den Namen, die man dabei im Blick behalten sollte weil sie aus der Masse herausstechen: Schon der RSV konnte sich als ernstzunehmender Referenz-Monitor etablieren. Mit dem RSV MKII legt die Marke nun nach – kein völlig neues Konzept, sondern eine Weiterentwicklung des Bewährten. Ich habe den MKII bereits mehrere Tage gehört und kann schon jetzt sagen: Die Überarbeitung ist absolut gelungen.


[Werbung] Der Softears RSV MKII wurde mir für diesen Test von Softears zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!


Softears

Softears ist ein noch vergleichsweise junger Name in der Welt der High-End-In-Ears, hat sich aber innerhalb weniger Jahre bereits einen festen Platz in der Szene erarbeitet. Die Marke stammt aus China, wo sie seit ihrer Gründung durch ein kleines, hochspezialisiertes Entwicklerteam vor allem durch ihre präzise Abstimmung und hochwertige Verarbeitung Aufmerksamkeit erlangt hat. Jaja, für „ChiFi“ Verhältnisse sind „einige Jahre“ eigentlich schon alt.

Modelle wie der RS10, der Turii oder der erste RSV haben schnell gezeigt, dass Softears nicht einfach nur den Markt mit dem nächsten beliebigen IEM bedienen will, sondern mit eigenständigen Konzepten und durchdachter Technik in der obersten Liga mitspielen kann.

Der Softears RSV MKII

Mit dem RSV MKII bringt Softears nun die überarbeitete Version des beliebten „Reference Sound V“ auf den Markt. Das Grundkonzept bleibt: fünf Balanced-Armature-Treiber pro Seite. Neu sind jedoch ein exklusives LRC-Tuning-Netzwerk mit 4-Way-Crossover, vier unabhängige akustische Kanäle sowie ein Dual-Bass-Tube-Design, das für mehr Konsistenz und Struktur im Tiefton sorgen soll. Eine weitere wichtige Neuerung ist das Passive Dual-Pressure-Relief-System, das schon beim RS10 zum Einsatz kam und erstmals auch in einem Full-BA-In-Ear für ein angenehmeres Tragegefühl und eine dynamischere Basswiedergabe sorgt.

Auch optisch hat Softears nachgelegt: CNC-gefräste Faceplates aus Aluminium mit V-förmiger Intarsie aus Carbon, ein überarbeiteter 3D-gedruckter Nozzle mit „Anti-Rutsch-Lippe“ und ein neues 6N OFC-Kupferkabel mit Kryobehandlung gehören zum Paket. Das Kabel ist standardmäßig mit einem 4,4-mm-Balanced-Stecker ausgestattet, ein 3,5-mm-Adapter liegt bei.

Der RSV MKII ist keine komplette Neuschöpfung, sondern eine gezielte Evolution – mit verfeinertem Klang, verbesserten technischen Details und noch hochwertigerer Anmutung. Gleiche Treiberanzahl, aber noch bessere Abstimmung und clevere technische Verbesserungen. Softears beweist damit, dass Evolution manchmal besser ist als Revolution.

Ach ja: Gutes gibts beim Preis zu vermelden. Selten ist ein Nachfolger günstiger als der Vorgänger. Der RSV MKII kostet mit einer UVP von 699$ rund 30$ weniger!


Lieferumfang und Verpackung

Der Softears RSV kommt in einer deutlich aufwändigeren Box als der Vorgänger. Im Innern befindet sich auf verschiedenen Etagen zuerst die IEM, dann das Zubehör und schließlich das Case. Bei meinem Exemplar scheint en Fehler passiert zu sein: Statt dem Satz Ultraclear Tips lagen zwei Sätze Type-E Tips bei. Also nicht wundern wegen der Fotos – laut Softears Webseite liegen sowohl die Ultraclear als auch die Type-E Tips bei.

Der Lieferumfang im Detail

  • InEars Softears RSV MKII
  • 2-PIN 0.78mm Kabel mit 4.4mm Stecker
  • Adapter von 4.4mm auf 3.5mm
  • 2 Sätze Ear-Tips (Ultraclear und Type-E)
  • Rundes Kunstledercase mit Reißverschluss
  • 2 Stoffsäckchen zum Schutz
  • Reinigungstool
  • Papierkram

Technische Daten

Für die, die es interessiert, hier die technischen Daten

Frequency response range: 15-40kHz (1/4-inch free-field microphone,-3dB)
Effective range: 20-20kHz (IEC60318-4)
Sensitivity: 122dB/Vrms @1kHz
Impedanz: 7Ω@1kHz (±15%)
THD:<1%@1kHz
Gehäusematerial: Medical-grade resin + CNC aluminum alloy forged carbon fiber
Treiber: 5 Balanced Armature Treiber


Design und Verarbeitung

Softears RSV MKII

Der Softears RSV kommt erneut als universeller InEar mit anatomisch geformtem Gehäuse, gefertigt aus schwarzen Acryl, welches nun auch unter starkem Licht nicht mehr blau schimmert, sondern schwarz bleibt. Die Faceplate ist nun aufwändiger gestaltet als beim Vorgänger: In die aus Alu bestehende Faceplate ist eine Aussparung in V-Form eingefräst, in der eine Intarsie aus Carbon integriert ist. Im „V“ befindet sich der RSV Schriftzug, an der Spitze des V eine Ventilationsöffnung.

Die Verarbeitung ist auf gewohntem TOP Niveau. Ich kann an meinem Exemplar keinerlei Unregelmäßigkeiten ausmachen. Die Oberfläche ist perfekt ausgeführt, es gibt keinerlei Lufteinschlüsse oder irgendwelche Grate. Die Buchsen für die Kabel sind sauber eingearbeitet und wirken solide. Sie sind ein Stück weit ins Gehäuse eingelassen, um Scherkräfte an den Pins zu reduzieren.

Kabel

Das neue schwarze, geflochtene Kabel aus OFC ist ca. 120cm lang und fasst sich super an. Dieses Mal gibt es auch den zeitgemäßen 4.4mm balanced Stecker, ein Adapter auf 3.5mm unbalanced liegt bei. Das Kabel ist flexibel und fällt locker, ohne irgendwelche Memory-Effekte. Im Anchlussbereich, bzw. dem Bereich der über das Ohr geführt wird, ist es vorgeformt, damit es sich optimal der Ohrkontur anpassen kann. Die Stecker sind aus Alu und wirken hochwertig. Der Splitter ist massiv und auch der Chin-Slider ist aus Alu gefertigt. Das Kabel hat mit knapp 110cm (bis zum Splitter 70cm, ohne Stecker) für den Einsatz am DAP gerade noch eine ausreichende Länge. Für den Anschlusss an einem auf dem Schreibtisch stehenden Gerät ist das schon grenzwertig. Schade, daß man hier an 15-20cm Kabel gespart hat, denn ansonsten ist das Kabel richtig gut.

Case

Beim Case handelt es sich um ein rundes Case mit Reissverschluss – beim Vorgänger gab es einen klassischen Deckel, der aufgesteckt wird. Die neue Dose gefällt mir besser. Optisch und qualitativ eine perfekte Ergänzung zum RSV. Das „Leder“ fühlt sich sehr angenehm und weich an. Auch vom Platzangebot her ist das Case gut dimensioniert. Im Deckel befindet sich ein kleines separates Mesh-Fach, so passt neben dem Kopfhörer und Kabel noch locker ein Satz Ersatztips rein oder ein Päckchen Silikatgel.


Tragekomfort

Die Form der Gehäuse hat Softears bisher immer sehr gut gewählt. Für meine Ohren zumindest gibt es keinerlei Anlass zur Kritik – auch nicht bei dem neuen Modell. Das liegt auch an der Trageweise. Mit dem Kabel über dem Ohr sitzen die InEars auch perfekt sicher und bleiben in Position.


Klang

Hier zeigt sich die wahre Evolution des RSV MKII. Softears hat den ohnehin schon beeindruckenden Referenzklang des RSV nochmals verfeinert und dabei die wenigen „Schwachstellen“ eliminiert.

Der Softears RSV trägt ja den Untertitel „Reference Sound V“ nicht ohne Grund: Der InEar in seiner ersten Iteration, also das Original sozusagen, hat tatsächlich so etwas wie eine Referenzabstimmung. Für mich zeichnet sich ein Referenzklang – unabhängig von einer Messung und dem Vergleich der Abweichungen mit einer Referenzkurve – rein subjektiv dadurch aus, daß er universell und vor allem „neutral“ ist. Er soll jede Frequenz möglichst neutral wiedergeben können und dabei keine Frequenzbereiche über- oder unterbetonen.

Ein Kopfhörer oder IEM mit solch einer neutralen Abstimmung ist zeitlos und ermöglicht ermüdungsfreies Hören über einen langen Zeitraum. Die erkauft man sich aber auch mit einer eher unspektakulären Spielweise. Viele bevorzugen einen involvierenderen, mitreißenderen Klang und attestieren einer neutralen Wiedergabe eine gewisse Blutleere. Gerade im Bassbereich dreht man dann gerne am EQ um das ganze etwas spaßiger zu gestalten. Ich kann nicht sagen, daß es mir beim RSV an Bassmenge gefehlt hätte, wobei dieser schon zurückhaltend im Sinne von ausgeglichen war.

Trotzdem hat Softears das Tuning hier für den RSV MKII angepasst und dem neuen eine leichte Bassanhebung verpasst. Und diese steht ihm außerordentlich gut zu Gesicht. Denn man hat es geschafft, die Bassqualität beizubehalten, vielleicht sogar noch einen Tick zu verbessern, bei gleichzeitiger Anhebung im Pegel. Damit wird der RSV deutlich involvierender und beeindruckender.

Gehört habe ich den RSV MKII in den letzten Tagen hauptsächlich am Cayin N6III (Test) und am stationären JDS Labs Element IV (Test). Aber auch der iffi Go bar Kensei (Test) durfte ran, ebenso wie diverse andere DAP und Dongle-DACs. An allen liefert der Softears RSV II eine konstante Performance.

Bass

Schauen wir mal wie immer zuerst auf den Bassbereich. Der war im originalen RSV ja qualitativ schon sehr beeindruckend. Er punktet mit einem schnellen, klar konturierten, knackig-punchigem und druckvoll-kickenden Bass, der in der Lage ist von ganz unten bis nach ganz oben alles beeindruckend kontrolliert und präzise wiederzugeben. Im Review habe ich das folgendermaßen beschrieben:

„Der RSV bringt Bass dort, wo er gebraucht wird – und das auch in ausreichender Menge. Völlig egal, was ihr so hört. Für einen BA Bass klingt der RSV auch unglaublich organisch und druckvoll. Schnell ist er prinzipbedingt sowieso. Die Textur ist voller Feinheiten und rundet die Bassleistung gekonnt ab. Spaßiger Bass aus Balanced Armature Treibern – der RSV hat das drauf!“

All das sind weiterhin die grundlegenden Eigenschaften der Basswiedergabe des RSV. Doch diese Mal passiert das alles auf einem im Bass angehobenen Niveau. Der Anstieg beginnt hier sanft im unteren Mittenbereich und steigt langsam an auf ca. +1dB bei 100Hz mehr im Vergleich zum Vorgänger (danke für die Messung, Klaus!). Von dort bleibt der Anstieg konstant bei +1dB. Damit verfügt der RSV mkII im Bassbereich eine deutlich erhöhte Energie, die in einem spektakulärerem, aber weiterhin extrem kontrolliertem Bass resultiert. In der Konsequenz machen gerade Musikstücke mit etwas vernachlässigtem Tiefton mehr Spaß und Tracks mit ordentlich Wumms bleiben trotzdem kontrolliert und driften nicht in boomige Eskalationen ab.

Mitten

Die Mitten machen einfach das, was sie sollen. Gitarren klingen wie Gitarren sollen: knackig, detailreich, aber niemals anstrengend. Man merkt sofort, dass hier jemand wusste, was er tut. Viele BA-Hörer klingen ja etwas steril, fast schon chirurgisch. Der RSV MKII nicht. Stimmen haben Fleisch und Blut, Instrumente fühlen sich echt an. Diese Wärme trotz aller Präzision ist schon ziemlich clever gemacht. Gerade dreckige, verzerrte Riffs kommen hier richtig zur Geltung. Der RSV MKII hat genau die richtige Portion Biss und Kontrolle für härtere Sachen. Ehrlich gesagt greife ich bei Metal-Sessions fast automatisch zu ihm – funktioniert einfach.

Höhen

Die Höhen passen einfach und runden das Gesamtbild gekonnt nach oben ab. Der RSV MKII hat genug Glanz und Luft, ohne dass es jemals scharf oder nervend wird. Auch bei längeren Sessions bleibt alles sehr angenehm – und das ist bei vielen anderen Hörern – vor allem bei All BA Konfigurationen – definitiv nicht selbstverständlich. Becken klingen wie Becken, jedes Instrument hat seinen charakteristischen Timbre und klingt vor allem sehr authentisch.

Bühne

Es zieht sich auch hier durch: Eine abgeklärte, irgendwie wie selbstverständlich anmutende „Perfektion“, auch bei der Bühne. Keine übermäßig aufgeblähte Darstellung, sondern eine glaubhafte Präsentation. Die Instrumentenlokalisation im Raum und das Imaging wirkt auf mich rund und jederzeit greifbar. Die Präsentation im Raum ist vorbildlich, die Transparenz mustergültig.

Separation

Egal ob Orchester oder überladene Metal-Produktion – alles bleibt schön sortiert und voneinander differenzierbar. Das Schöne daran: Es fühlt sich trotzdem immer entspannt, musikalisch an. Man hört und genießt einfach die Musik als Ganzes, keine Einzelteile unter dem Vergrößerungsglas. Nun – zumindest wenn man nicht will.

Isolation

Sitzt der RSV MKII richtig, dann ist Ruhe. Ich nutze die UC Tips (hatte noch welche vom Volume S). Die passive Dämmung funktioniert damit sehr gut, sodass man auch in der U-Bahn oder im Flugzeug ordentlich Musik hören kann ohne gestört zu werden. Es braucht halt keinen elektronischen Schnickschnack – die Bauweise allein reicht völlig.


Fotos


Fazit

Der Softears RSV MKII ist eine faantastische Weiterentwicklung: Er nimmt die Stärken des Originals und macht sie noch besser, ohne dabei die Grundcharakteristik zu sehr anzutasten. Die zusätzliche, aber sehr gut dosierte Bassanhebung war ein kluger Schachzug – sie sorgt dafür, dass der RSV MKII von Anfang an natürlicher und mitreißender klingt.

Hier wurde ein Referenzhörer gebaut, der nicht nur analytisch brilliert, sondern auch einfach Spaß macht. Diese Balance ist selten und nicht oft zu finden. Der RSV MKII kann problemlos als Arbeitswerkzeug herhalten, eignet sich aber genauso gut für entspannte Musiksessions. Wer einen vielseitigen, langzeittauglichen Hörer sucht, der praktisch alles kann und dabei nie nervt, macht mit dem Softears nichts falsch. Er ist einer von diesen Hörern, zu denen man immer wieder greift – einfach weil sie so unglaublich gut abgestimmt sind.

Für mich ist der RSV MKII das, was ein moderner Referenzhörer sein sollte: Ehrlich – aber nicht langweilig. Präzise – aber nicht steril. Ein beeindruckendes Gesamtpaket deutlich unter 1.000€ und ein echter Allrounder eben, der auch nach Jahren noch Freude machen wird.

Softears RSV MKII InEar | Bewertung

9.8

Sound

10.0/10

Verarbeitung

10.0/10

Tragekomfort

9.5/10

Preis/Leistung

9.5/10

Pros

  • Referenzabstimmung
  • Tolle Verarbeitung
  • Klasse Design
  • Sehr gutes Kabel

Cons

  • Sorry, mir fällt nix ein