Sony, der Pionier im mobilen Audio und Schöpfer des Walkman®, bringt mit dem MDR-MV1 einen offenen Studio Kopfhörer auf den Markt der sich nicht nur an Musikschaffende richtet. Der leichte und handliche Kopfhörer positioniert sich als offene Variante neben dem MDR-M1 und klingt natürlich nicht nur an Sony Playern gut.


[Werbung] Der Sony MDR-MV1 wurde mir für diesen Test leihweise von Sony zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!


Sony

Nothing to say here, oder?
Wer Sony nicht kennt, der dürfte auch diesen Testbericht nicht gefunden haben weil er hinter dem Mond wohnt. Kameras, Fernseher, Video…. Und natürlich Audio. Der original Walkman® ist schließlich legendär, und auch die digitalen Nachfolger sind ohne jeden Tadel. Ich habe einige hier, sowohl einen alten Kassetten-Player als auch Vertreter der neuen Generation inklusive dem Flaggschiff WM1Z. Als traditionsreiche Japanische Firma ist jedes Produkt durchdacht und ausgereift, es gibt keine hektischen Modellwechsel wie bei den chinesischen Mitbewerbern üblich. Allein die Bedienoberfläche bei den Sony DAP find ich persönlich immer noch konkurrenzlos.

Auch im Bereich Kopfhörer hat Sony natürlich unangefochtene Expertise. Klar – hauptsächlich kennt man heutzutage die Bluetooth Modelle – aber auch die Over- und Inears mit Kabel wissen zu überzeugen und können mit so manch gehyptem Boutique-Kopfhörer nicht nur locker mithalten, sondern übertreffen diese oft sowohl klanglich als auch konstruktiv.


Sony MDR-MV1

Der offene Studio-Kopfhörer fiel mir als bekennender Sony-Fan natürlich direkt nach der Vorstellung auf und nun ist er hier zum Test. Es handelt sich um einen klassischen Studio-Kopfhörer, insofern ist die Primärzielgruppe wohl unter professionell Musikschaffenden zu suchen. Was natürlich musikbegeisterte Audiophile und auch normalsterbliche Consumer nicht davon abhält, sich für diesen Kopfhörer zu begeistern.

Sony preist den MV1 neben den üblichen Tugenden wie neutrale Präzision und Natürlichkeit auch mit besonderem Augenmerk auf deren eigenes, immersives Audioformat 360 Reality Audio an.

Offene Kopfhörer wie der Sony MDR-MV1 nutzen fortschrittliche akustische Technik, um räumliche Genauigkeit, natürliche Klangwiedergabe und reduzierte Resonanz in Einklang zu bringen. Ihr Design dreht sich um die Optimierung des Luftstroms, die Minimierung interner Reflexionen und die Integration von räumlicher Audioverarbeitung für professionelles Monitoring. Die UVP des Sony MDR-MV1 liegt bei 399€.

Eigenschaften

Offene Akustikstruktur und HRTF-Integration
Durch die offene Bauweise werden die Ohrmuscheln nicht abgedichtet, so dass die Schallwellen frei entweichen können. Dadurch werden interne Reflektionen und stehende Wellen reduziert, die mittlere und hohe Frequenzen verzerren können. Für räumliche Audioanwendungen verwenden die Kopfhörer die HRTF-Verarbeitung (Head-Related Transfer Function). HRTF modelliert, wie der Klang mit der einzigartigen Kopf- und Ohrform des Hörers interagiert und ermöglicht so eine präzise 3D-Audio-Lokalisierung. Durch die Simulation dieses Effekts bildet der MDR-MV1 eine lautsprecherähnliche Klanginszenierung nach, die für das Mischen immersiver Formate wie Dolby Atmos entscheidend ist.

Luftstrom- und Resonanzkontrolle
Um die Luftströmung zu steuern, sind in das Design akustische Widerstände über eine große Fläche hinter dem Treiber integriert. Diese Widerstände optimieren den Druckausgleich zwischen der Vorderseite und der Rückseite der Membran, wodurch räumliche Resonanzen, die den Klang verfälschen können, eliminiert werden. Das Ergebnis ist ein sauberer Frequenzgang, insbesondere im Bassbereich, wo ein unkontrollierter Luftstrom oft zu Verzerrungen führt.

Treiber für geringe Verzerrungen
Die 40-mm-HD-Treiber verfügen über eine gewellte Membran und Neodym-Magnete. Dieses Design minimiert die Verzerrung und gewährleistet gleichzeitig eine hohe Nachgiebigkeit für ein schnelles Einschwingverhalten. Kanäle auf der Rückseite des Treibers verbessern die Basswiedergabe, indem sie eine reibungslose Luftbewegung ermöglichen und so für straffe tiefe Frequenzen (bis zu 5 Hz) sorgen, ohne dass diese in den Mitteltonbereich übergehen.

Natürlicher Bass ohne Verfärbung
Die offene Struktur und der abgestimmte Luftstrom verhindern, dass die Bassfrequenzen „dröhnend“ werden. Stattdessen betont das Design die Linearität, gibt Subbass-Töne klar wieder und vermeidet die übertriebene Wärme, die für geschlossene Kopfhörer typisch ist. In Kombination mit dem breiten Frequenzbereich des Treibers (5 Hz-80 kHz) entsteht ein neutraler, unverfärbter Klang, der sich ideal für kritisches Hören eignet.


Lieferumfang und Verpackung

Der Sony MV1 kommt in einer erstaunlich schlanken Pappschachtel im typischen Sony Design. Auf der Front findet sich ein Bild des Kopfhörers, auf der Rückseite die Technischen Daten, Angaben zum Lieferumfang und gesetzlich vorgeschriebene Angaben. Im Innern ist der Kopfhörer recht einfach verstaut, man merkt hier die Ausrichtung auf professionelle User, denn auf Schnickschnack wurde komplett verzichtet.

Der Lieferumfang ist überschaubar:

  • Sony MDR-MV1 Kopfhörer
  • 2,5 Meter langes Kabel mit einem 6,3-mm-Klinkenstecker
  • Adapter von 6,3 mm auf 3,5 mm
  • Papierkram

Ein 4.4mm symmetrisches Kabel hätte ich schon gern gesehen, ebenso hätte ich mich über ein Transportcase gefreut.


Technische Daten

KOPFHÖRER-TYPOffenes Design, dynamisch 
TREIBEREINHEIT40 mm 
IMPEDANZ (OHM)24 Ohm bei 1 kHz 
FREQUENZGANG5–80.000 Hz (IEC) 
EMPFINDLICHKEITEN (DB/MW)100 dB/mW 
KABELARTAbnehmbar 
KABELLÄNGE[entfernen]
[Quelle: sony.de]

Verarbeitung & Design

Die MDR-MV1 zeichnen sich durch ein minimalistisches und recht archetypisches Design aus. Die Kombination aus Aluminium und hochwertigem Kunststoff sorgt für eine robuste Konstruktion bei gleichzeitig extrem geringem Gewicht. Die Verarbeitung ist auf sehr gutem Niveau, nichts knarzt und alles ist gut durchdacht.

Klar definierte Rastpunkte bei der Verstellung

Das Kabel ist ordentlich. Es ist schwarz matt und leicht rauh von der Haptik. Es weist keine unschönen Knickstrellen out-of-the-box auf und ist auch nicht anfällig für Mikrofonie. Als Stecker kommt ein 6.3mm klassischer Klinkenstecker zum Einsatz, was wohl dem vorrangigen Einsatzgebiet in professioneller Umgebung geschuldet ist. Der Anschluss am Kopfhörer ist ein 3.5mm Stecker mit 4 Ringen, ein balanced Kabel scheint also möglich. Der beiliegende 6.3 auf 3.5mm Adapter ist von gleicher Qualität und ergänzt das Kabel gut.


Tragekomfort

Der Tragekomfort ist ein herausragendes Merkmal der MDR-MV1. Direkt beim Auspacken war ich verblüfft vom geringen Gewicht. Die samtweichen Ohrpolster aus Alcantara bieten mit dem soften Memoryschaum im Inneren auch bei langen Sessions fantastischen Komfort. Der gepolsterte Kopfbügel verteilt das „Gewicht“ gleichmäßig auf dem Kopf, und die moderate Klemmkraft sogt für sicheren, aber bequemen Halt. Selbst nach mehreren Stunden bleibt das Tragegefühl super angenehm.

Ultraweiche Ohrpolster

Klangqualität

Gehört habe ich den Kopfhörer am stationären Dac/Amp Violectric DHA V226, am portablen iBasso DX320 Max (Test) und am Dongle-Dac ifi GO bar Kensei (Test). Klar, auch meine Sony Walkmen durften ran. Aber am Ende spielt der MV1 an allen Geräten sehr gut und skaliert nur leicht mit besserer Hardware.

Allgemein

Die Klangsignatur der Sony MDR-MV1 ist gerade noch so neutral – mit einer angenehmen V-Signatur. Das macht den Kopfhörer extrem interessant. Denn damit ist der Sony in der Lage, gleichermaßen sowohl als zuverlässiges Werkzeug im Pro-Audio Bereich als auch als „HiFi“-Partner für unverfälschten Musikgenuss zu dienen.

Die gelungene Verbindung aus neutraler Grundcharakteristik mit gezielter Subbass-Präzision und einer fein konturierten Höhenauflösung positioniert den MV1 tonal trotz günstigen knapp 400€ in der Referenzklasse.

Die typisch bei offenen Kopfhörern dreidimensionale Klangbühne mit ihrer luftigen Weite trifft hier auf einen spassigen Bass mit präzisem Impulsverhalten. Durch die ausgewogene (nicht ganz neutrale!) Frequenzbalance entsteht eine homogen-geschlossene Wiedergabe, die weder Mitten noch Höhen überbetont. Diese Abstimmung macht den MDR-MV1 ebenso genreneutral – von elektronischen Produktionen mit synthetischen Bässen über akustische Jazzaufnahmen bis hin zu schnellen und ultraharten Metal-Tracks ist alles machbar.

Bass

Der Bassbereich ist präzise und gut sehr gut definiert und konturiert. Tiefbässe werden sauber wiedergegeben, ohne zu verwischen oder andere Frequenzbereiche zu überlagern. Ist Tiefbass in der Aufnahme vorhanden, wird er wiedergegeben und bei Filmen sucht man verwundert den Subwoofer…
Im Mid- bis Oberbass überzeugt der MV1 mit einer druckvollen Spielweise mit ordentlich Punch und einer feinen organisch-natürlichen Transparenz.

Mitten

Die Mitten sind klar und detailliert und lassen sowohl Gesang als auch Instrumente natürlich und präsent klingen. Besonders beeindruckend ist die Separationsfähigkeit in diesem Bereich. Das macht den MDR-MV1 besonders geeignet für komplexe Genres mit vielen unterschiedlichen Spuren und dichten Sound-Kulissen. Durch die leichte Absenkung in den Mitten zugunsten der V-Signatur klingen Gitarren nie aufdringlich, besitzen aber immer noch genug Energie und Strahlkraft.

Höhen

Die Höhen sind brillant und klar, allerdings mit einer leichten Betonung im Bereich im oberen Präsenzbereich. Diese sorgt für zusätzliche Brillanz, kann aber bei empfindlichen Hörern als etwas scharf empfunden werden. Eine leichte Anpassung per Equalizer kann hier Abhilfe schaffen. Mir kommt es gelegen, ich finde es sogar passend als Kontrapunkt zum ebenfalls etwas angehobenen Bassbereich.

Klangbühne und Imaging

Dank des offenen Designs bieten die MDR-MV1 schon systembedingt eine breite und natürliche Klangbühne. Die räumliche Darstellung ist präzise und erlaubt es dem Hörer, einzelne Klangelemente genau zu lokalisieren. Dies ist besonders nützlich für das Mischen von komplexen Produktionen oder orchestralen Stücken. Beim Hören punktet der Kopfhörer dafür mit einer glaubhaften und plastischen Räumlichkeit.

Separation & Auflösung

Im Bereich der Instrumententrennung gibt sich der MV1 keinerlei Blöße: Sauber werden alle Instrumente wiedergegeben, auch bei vielen Spuren kommt der Kopfhörer nicht in die Bredouille. Die Auflösung ist präzise, was sich auch an der Konturenschärfe von einzelnen Instrumenten bemerkbar macht. So bestehen TomToms aus Bestandteilen des gesamten Frequenzspektrum und klingen überaus natürlich.


Sony MDR-MV1 vs. Sennheiser HD490 Pro

Der Sony MDR-MV1 und der Sennheiser HD 490 Pro sind beide offene Studiokopfhörer, die sich auf präzise Klangwiedergabe und Komfort spezialisiert haben. Auch preislich liegen sind sie mit rund 400€ auf dem gleichen Niveau.

Oben: Sennheiser HD490 Pro | Unten: Sony MDR-MV1

Design

Konstruktiv sind sie ähnlich, bei beiden kommt Kunststoff und Aluminium zum Einsatz. Die Sennheiser wirken etwas einfacher im direkten Vergleich, auch das Kopfband etwas filigraner. Der Sony macht hier einen robusteren Eindruck. Der 3.5mm Anschluss beim Sony gefällt mit besser als der mini XLR beim Senni. Ebenso ist das Kabel beim Sony haptisch besser. Im Senni Kabel sind immer noch die Knickstellen vom Transport. Beim Sony nicht.

Oben: Sony MDR-MV1 | Unten: Sennheiser HD490 Pro

Der Sony ist leichter anzutreiben als der Sennheiser, für optimale Klangdarbietung sollten aber beide mindestens an einen guten Dongle-Dac angeschlossen werden. Beim Lieferumfang punktet der Sennheiser ganz klar: Zwei Sätze Pads inkl. Kopfband-Polster sprechen klar für den HD490 Pro – ebenso di damit verbundene Flexibilität, zwei Soundprofile zu haben.

Links: Sony MDR-MV1 | Rechts: Sennheiser HD490 Pro

Klangunterschiede

Hier gehe ich primär auf den Klang des Sennheiser mit den Velours-Pads ein.

Beim Bass hat der Sony sowohl mehr Tiefbass als auch mehr Midbass, was Bassdrums punchiger klingen lässt. Der HD490 Pro klingt wärmer und insgesamt etwas distanzierter und neutraler als der MV1, welcher direkter spielt und das Gehörte unmittelbarer ans Ohr bringt.

Bei den Mitten ist der Sony etwas abgesenkt im Präsenzbereich, hier hat der Sennheiser mehr „Fleisch“. Die Höhen sind beim Sony wieder präsenter, aber ohne scharf zu sein. Beim Sennheiser sind sie deutlich entspannter, was der insgesamt wärmeren Tonalität entgegenkommt. Trotzdem ist auch der Senni sehr detailliert und hat eine sehr gute Auflösung.

Fazit Vergleich HD490 Pro und Sony MV1

Beides sind ohne Zweifel sehr gute Kopfhörer im Preisbereich unter 400€. Der Sony klingt aufgrund seiner leichten V-Signatur spektakulärer, der Sennheiser dafür eine Spur natürlicher und neutraler – wobei auch dieser weit von langweilig neutral entfernt ist. Am Ende bleibt es natürlich Geschmacksache – wie fast immer!


Fotos


Fazit

Der Sony MDR-MV1 ist ein Referenzkopfhörer für Profis und Genießer, der durch neutrale Abstimmung, tollen Komfort und sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis punktet. Das überaus leichte Gewicht und die robuste Konstruktion machen den Kopfhörer auch zum idealen Reisebegleiter – aufgrund fehlender Isolation nicht auf der Reise selbst, wohl aber am Urlaubsort.

Die insgesamt „spaßig-neutrale“ Abstimmung hat mich in ihren Bann gezogen und lässt mich auch abseits des Tests zum Sony greifen. Er bietet im Grund alles, was ein guter Kopfhörer können muss. Und das auch an kleinen Dongle-DACS und mobilen Setups.

Der Sony MDR-MV1 punktet als offener Kopfhörer mit einem sehr guten und mitreißendem Klang, robuster Konstruktion und insgesamt einem tollen Gesamtpaket. Wer nicht gerade auf der Suche nach stockneutral ist, der dürfte mit dem Sony echte Freude haben!


Sony MDR-MV1 | Bewertung

9.3

Sound

9.8/10

Verarbeitung

9.0/10

Komfort

9.5/10

Preis/Leistung

9.0/10

Pros

  • Begeisternder Klang
  • Federleicht
  • Super Komfortabel
  • Robuste Verarbeitung

Cons

  • Einseitige, proprietäre Kabelführung
  • Kein Balanced Kabel im Lieferumfang
  • Kein Case im Lieferumfang