Zehn Jahre Sony WH-1000X-Serie – und Sony feiert das Jubiläum nicht nur mit einem einfachen Sondermodell, sondern mit einem komplett neuen Topmodell noch oberhalb des WH-1000XM6. Der Sony 1000X THE COLLEXION kostet 629 Euro und damit 180 Euro mehr als der aktuelle XM6. Dafür gibt es unter anderem edlere Materialien wie Edelstahl im Kopfbügel, Kunstleder auf den Ohrmuscheln und einen neu entwickelten Treiber. Ob sich das Ganze lohnt und vor allem ein Vergleich mit dem Sennheiser HDB630? Dranbleiben!

[Werbung] Der Sony WH-1000X wurde mir für diesen Test leihweise von Sony zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!
Deutschland
Sony WH-1000X
Der Sony WH-1000X THE COLLEXION positioniert sich oberhalb der regulären WH-1000X-Modellreihe als eigenständiges Topmodell zum zehnjährigen Bestehen der Serie. Der WH-1000XM6 bleibt weiterhin im Sortiment und wird durch den X nicht ersetzt. Sony positioniert den Kopfhörer eher gegen Modelle wie den Sennheiser HDB630 (ca. 500€) oder den Focal Bathys (ca. 800€).
Technisch bleibt auch der neue Sony in der 1000X-Familie verwurzelt. Aktive Geräuschunterdrückung, kabellose Verbindung, Multipoint und die mannigfaltigen Funktionen der Sony-App gehören weiterhin zum Konzept. Der Collexion sticht auf den ersten Blick vor allem mit Design und Materialwahl aus der Reihe heraus.
Auffällig ist, wie viel Aufwand Sony zufolge in die Klangabstimmung investiert wurde. Für die Feinabstimmung wurden namhafte Mastering-Engineers wie Randy Merill (Sterling Sound, u.a. für Adele und Taylor Swift), Chris Gehringer (ebenfalls Sterling Sound) und Michael Romanowski (Coast Mastering) hinzugezogen, was man in dieser Deutlichkeit bislang selten bei einem Sony-Kopfhörer gesehen hat. Herzstück ist ein komplett neu entwickleter Treiber mit einer Kalotte aus unidirektionaler Kohlefaser, kombiniert mit dem bewährten QN3-Prozessor für die Geräuschunterdrückung sowie einem zusätzlichen V3-Prozessor, der unter anderem für den erweiterten 360-Upmix (Musik/Kino/Gaming) zuständig ist.

Die wichtigsten Merkmale des Sony WH-1000X im Überblick:
- 360 Upmix mit drei Modi
- Neu entwickelter Treiber mit Kalotte aus unidirektionaler Kohlefaser
- Gehäuse aus gebürstetem und poliertem Edelstahl
- Ohrpolster aus Kunstleder
- QN3-Noise-Cancelling-Prozessor und zusätzlicher V3-Prozessor
- Zwölf Mikrofone und adaptiver NC Optimizer
- Bis zu 24 Stunden Akkulaufzeit mit ANC, bis zu 32 Stunden ohne ANC
- LDAC und Hi-Res Audio, kabelgebunden und kabellos
- Google-Gemini-Integration
- Head Tracking
Verpackung & Lieferumfang
Sony setzt wie schon seit einiger Zeit auf eine plastikfreie Verpackung aus recycelten Materialien und setzt sich damit von den sonstigen Hochglanz-Boxen ab. Die Umverpackung – ich würde sie als „eierschalenbeige“ definieren – wird mit einer Banderole mit den wichtigsten Infos geschmückt. Der Lieferumfang ist super abgespeckt: Kopfhörer, Case und Audiokabel und Papierkram. Kein USB-C Kabel. Einerseits: Wer braucht ein weiteres USB-C Kabel? Andererseits: 629€…


Technische Daten
| Merkmal | Wert |
|---|---|
| Typ | Geschlossener Over-Ear-Kopfhörer, kabellos mit ANC |
| Treiber | Neu entwickelt, Kalotte aus unidirektionaler Kohlefaser |
| Noise Cancelling | QN3-Prozessor und V3-Prozessor |
| Mikrofone | 12 Mikrofone für ANC, zusätzlich 6 Mikrofone für Beamforming |
| Bluetooth | Next-Gen Bluetooth Audio, Multipoint, Auracast-fähig |
| Codecs | LDAC, Hi-Res Audio |
| Akkulaufzeit | Bis zu 24 Stunden mit ANC, bis zu 32 Stunden ohne ANC |
| Schnellladung | 5 Minuten für etwa 1,5 Stunden Wiedergabe |
| Gewicht | Ca. 320 g |
| Materialien | Edelstahl, Kunstleder |
| Farben | Platin, Schwarz |
| UVP | 629 Euro |
Design & Verarbeitung
Für den WH-1000X geht Sony beim Material einen etwas anderen Weg als bei den „normalen“ Modellen der 1000X-Reihe. Statt viel Kunststoff gibt es hier deutlich mehr Metall und Kunstleder. Schon beim ersten Anfassen wirkt der Kopfhörer dadurch hochwertiger. Sony spricht bei der Konstruktion von einem „Metall-Exoskelett“. Tatsächlich fällt vor allem der gebürstete, teilweise polierte Edelstahl an der Bügelverstellung auf. Dazu kommen die mit Kunstleder überzogenen Ohrmuscheln. Auch die Ohrpolster selbst sind aus einem weichen und angenehmen Kunstleder gefertigt. Kleine Metallknöpfe setzen dabei dezente Akzente. Insgesamt ist das Design eher zurückhaltend und lässt den Kopfhörer edel wirken.
Einen Unterschied zum WH-1000XM6 merkt man allerdings schon beim Transport: Der Sony WH-1000X lässt sich nicht zusammenfalten. Er nimmt dadurch unterwegs etwas mehr Platz ein. Dafür wirkt die Konstruktion entsprechend solide und weniger auf maximale Kompaktheit ausgelegt. Erhältlich ist der THE COLLEXION in Weiß/Silber und Schwarz.
Komfort & Handling
Mit rund 320 Gramm ist der Sony WH-1000X THE COLLEXION deutlich schwerer als der etwa 254 Gramm leichte WH-1000XM6. Die Ohrmuscheln sind großzügig dimensioniert und auch der Anpressdruck ist gut gewählt. Der breite, gepolsterte Kopfbügel verteilt das Gewicht sehr gut.
Bei der Bedienung kombiniert Sony klassische Tasten mit einer Touch-Steuerung. Die Tasten für Ein/Aus und NC/AMB unterscheiden sich in ihrer Form und sollen dadurch auch blind ertastbar sein. Über die Touch-Oberfläche lassen sich unter anderem Wiedergabe und Lautstärke steuern.
Per Doppeltipp lässt sich das Mikrofon direkt am Kopfhörer stummschalten. Hinzu kommen eine Trageerkennung mit automatischer Wiedergabepause und „Wear to Play“ für den automatischen Start der Wiedergabe.
Das Case ist schön kompakt und verfügt über einen „Griff“, über dessen echten Mehrwert gestritten werden darf. Mir gefällt es optisch, als Handtasche werde ich das Case aber nicht nutzen.
Funktionen & Ausstattung
Hier erwartet uns eine zeitgemäße und nahezu vollständige Ausstattungsliste. Auf die wichtigsten Features gehe ich kurz ein.
Aktive Geräuschunterdrückung
Sony setzt auf ein adaptives Mikrofonsystem und Prozessoren, die das Noise Cancelling in Echtzeit optimieren sollen. Der QN3-Prozessor arbeitet zusammen mit zwölf Mikrofonen an der Geräuschunterdrückung. Das ANC in modernen Bluetooth-Kopfhörern ist in der Regel durchweg gut, Unterschiede sind zumindest unter den Top-Marken vergleichsweise gering. So auch hier. Alles funktioniert grundsätzlich gut und lässt sich mittels App weiter anpassen.
Transparenzmodus
Der Sony WH-1000X bietet natürlich auch einen Transparenzmodus, mit dem sich Umgebungsgeräusche einblenden lassen. Das ist vor allem dann hilfreich, wenn man unterwegs oder auch im Büro die Umgebung wahrnehmen will oder sich mit anderen Personen unterhalten möchte.

360 Upmix
Mit 360 Upmix bietet Sony eine Funktion, die Inhalte aus Musik, Filmen und Spielen auf eine räumlichere Wiedergabe ausrichten soll. Das Feature gehört zu den Ausstattungsmerkmalen, mit denen sich der Collexion von einem reinen Standard-Bluetooth-Kopfhörer absetzen möchte.
Bluetooth
Der Sony WH-1000X unterstützt Bluetooth 6.0 und Multipoint-Verbindungen, sodass sich mehrere Geräte nahtlos nutzen lassen. Sony nennt außerdem LE Audio als Bestandteil der Konnektivität.
Freisprechen
Für Telefonate verwendet Sony KI-Beamforming und einen integrierten V3-Prozessor. Hintergrundgeräusche sollen dabei reduziert werden, damit die Stimme des Trägers verständlicher übertragen wird. Eine Stummschaltung ist direkt über den Kopfhörer möglich. Eine verbesserte Windgeräuschunterdrückung gehört ebenfalls zur Ausstattung. Die Qualität und Sprachverständlichkeit war bei meinen Testanrufen in beide Richtung gut.
Akku
Sony gibt für den Sony WH-1000X THE COLLEXION eine Akkulaufzeit von bis zu 24 Stunden bei aktiviertem Noise Cancelling an. Ohne ANC sollen bis zu 32 Stunden möglich sein. Damit liegt der Sony unter den offiziellen Laufzeitangaben des WH-1000XM6, der bis zu 30 Stunden mit ANC und bis zu 40 Stunden ohne ANC erreichen soll – und auch deutlich unter vielen Wettbewerb-Modellen.
Die Schnellladefunktion soll nach fünf Minuten Ladezeit rund 1,5 Stunden Wiedergabe ermöglichen. Wie lange der Akku unter realen Bedingungen durchhält, hängt unter anderem von Lautstärke, ANC und den verwendeten Zusatzfunktionen ab. Ich persönlich finde die Laufzeit völlig ausreichend, auch wenn andere tlw. über 60h bieten.
Klangqualität
Klanglich geht der Sony WH-1000X The Collexion einen eher bassbetonten Weg und macht unmißverständlich klar, daß er eher in Richtung Consumer statt Audiophil abgestimmt ist. Der Bass ist überaus präsent und reicht tief hinunter, bleibt aber gerade noch kontrolliert, um nicht den gesamten Klang zu dominieren. Das ist schon gut eingebettet in die Gesamtabstimmung.
Bei Rock und Metal fehlt es nicht an Druck und gleichzeitig bleibt das Klangbild weitgehend kontrolliert. Die Mitten wirken angenehm klar und natürlich. Stimmen stehen gut verständlich im Raum, Gitarren behalten ihren Körper und auch komplexere Arrangements werden mit der nötigen Separation dargestellt, hier kenne ich aber Kopfhörer, die das noch besser machen.
Die Höhen sind detailliert und luftig abgestimmt, ohne grundsätzlich scharf zu werden. Becken besitzen einen sauberen Glanz, wobei der Sony bei manchen Aufnahmen etwas zurückhaltender und weniger unmittelbar klingt. Gerade als Schlagzeuger achte ich auf Attack und Sustain, saubere Obertöne von Hi-Hats und anderen Cymbals. Diese Details werden zwar sauber wiedergegeben, aber nicht mit der letzten Brillanz herausgearbeitet. Für einen Bluetooth Kopfhörer ist das aber Jammern auch absolut hohem Niveau.
Die räumliche Darstellung ist ebenso sehr ordentlich, die Bühne bleibt jedoch eher kopfhörertypisch und nicht außergewöhnlich weit – hier sind der Technik durch die geschlossene Bauform einfach gewisse Grenzen gesetzt. Insgesamt spielt der WH-1000X The Collexion angenehm musikalisch und langzeittauglich mit einem runden, bass-affinen Klang, der sich per App für unterschiedliche Vorlieben gut anpassen lässt.
Für meinen persönlichen Geschmack dürfte der Klang bei schnellen Metal-Produktionen etwas mehr Punch, Dynamik und Präzision statt schierer Bassgewalt bieten. Wer dagegen einen komfortablen Allrounder mit kräftigem Bass bei einer noch entspannten Abstimmung sucht, dürfte mit dem Sony gut zurechtkommen.
Sony WH-1000X The Collexion vs. Sennheiser HDB 630
Schon beim Äußeren unterscheiden sich die beiden grundsätzlich. Der Sennheiser ist nüchtern design und man könnte hier am ehesten „Form follows Funktion“ erkennen. Der Sony punktet hier mit dem luxuriöserem Design und gibt sich auch bei der Materialwahl viel edler (Edelstahl vs. Kunststoff).

Beim Klang verfolgen beide Kopfhörer unterschiedliche Ansätze. Der Sennheiser HDB 630 (Test) ist stärker auf Neutralität und Präzision ausgelegt, während der Sony mit mehr Bass und einem gefälligeren Klangbild auftritt. Gerade bei bassbetonter Musik macht das durchaus Spaß. Der Sennheiser spielt hörbar „audiophiler“.
Am deutlichsten wird der Unterschied im Bass. Der Sony WH-1000X liefert mehr Grundsubstanz und klingt dadurch deutlich wärmer. Der Sennheiser HDB 630 hält sich im Tieftonbereich in der Werksabstimmung zurück, überzeugt dafür mit einem straffen und kontrollierten Bass. Kickdrums werden präziser dargestellt.
Auch bei den Mitten und Höhen liegt der HDB630 für mich vorne, wenn es um Auflösung, Klarheit und Instrumentenseparation geht. Gerade bei komplexeren Metal- und Prog-Aufnahmen sorgt das für mehr Übersicht. Der Sony klingt im direkten Vergleich etwas weicher und weniger „analytisch“korrekt“.
Räumlich wirkt der Sennheiser offener und besser aufgefächert. Instrumente lassen sich präziser positionieren, während der Sony ein geschlosseneres und stärker zusammenhängendes Klangbild vermittelt. Die Crossfeed-Funktion des HDB 630 trägt zusätzlich dazu bei, die für Kopfhörer typische harte Kanaltrennung etwas natürlicher wirken zu lassen.

Als Drummer achte ich besonders auf Punch, die Kontur der Kickdrum und den Attack von Toms und Snare. Und genau hier liefert der HDB630 für mich die präzisere Darstellung. Der Sony punktet dagegen mit seiner kräftigeren und entspannteren, „wohligen“ Abstimmung. Wer mehr Fülle und einen „unkomplizierten“spektakuläreren“ Klang bevorzugt, findet hier möglicherweise den passenderen Kopfhörer.
Der Sony WH-1000X klingt gefälliger und etwas kräftiger, während der Sennheiser HDB 630 präziser, neutraler und differenzierter spielt. Für anspruchsvolles Hören und komplexe Metal- und Prog-Aufnahmen würde ich persönlich eher zum Sennheiser greifen.
Fotos
Fazit
Der Sony WH-1000X The Collexion verbindet die bekannten Funktionen der 1000X-Reihe mit einem edleren Design, tollem Tragekomfort, sehr gutem und anpassbaren Klang und hochwertigeren Materialien. Die Verarbeitungsqualität und die Verarbeitung sind exzellent und auch klanglich spielt der Sony bei den besten mit.
Der The Collexion ist ein sehr gut klingender Premium Bluetooth Kopfhörer mit TOP Klang und vielen Funktionen. Sony hat hier ein absolut rundes Gesamtpaket geschaffen.



