Wer auf der Suche nach wirklich guten Custom Kabeln ist, wird sehr schnell merken, dass es schnell recht teuer werden kann. Als ich selbst mal wieder vom Serienkabel des Sennheiser HD800S genervt war – zu lang und zu störrisch – , bin ich auf der Suche nach einem neuen Kabel auf die deutsche Kabelmanufaktur Audioverse.de von Tobias Amlinger gestoßen. Die im Webshop unter der Marke Audioverse angebotenen Kabel haben mich sofort angesprochen, so daß ich direkt Kontakt aufgenommen habe, um mir mein persönliches Wunschkabel für den Senni anfertigen zu lassen.

[Werbung] Das Kabel wurde mir von Audioverse.de für diesen Test angefertigt und zur Verfügung gestellt. Vielen Dank, Tobias!


Audioverse bietet als lupenreine Kabelmanufaktur ein sehr umfangreiches Angebot an Kombinationsmöglichkeiten. Hier kann man sich sein Wunschkabel wirklich individuell zusammenstellen. Kabel, Stecker und Splitter – alles ist grundsätzlich frei kombinierbar. Die Kabel gibt es in unterschiedlichen Qualitäten, Stecker und Splitter in unzähligen Ausführungen und von verschiedenen Herstellern. So kann man wählen zwischen bekannten Marken wie Furutech, Neutrik, Eidolic oder Viablue. Bei mit Paracord ummantelten Kabeln können bis zu 4 verschiedene Farben gewählt werden. Für die Optik bietet Tobias zwei unterschiedliche Flechtstile an. Ihr seht, die Kombinationsmöglichkeiten sind also schier unendlich.

Die Zusammenstellung im Webshop ist übersichtlich und zielführend. Wenn man bereits eine genaue Vorstellung hat, ist das Kabel schnell konfiguriert. Während des Auswahlprozesses sind die Stecker auf kleinen Vorschaubildern zu sehen. Eine Lupenfunktion wäre an dieser Stelle hilfreich, um eine detaillierter Vorstellung der ausgewählten Komponente zu bekommen. Tipp: Rechter Mausklick auf das Bild und in einem neuen Fenster oder Tab öffnen! Alle Stecker und Splitter werden aber auch einzeln angeboten. In der entsprechenden Shopkategorie sind dann auch größere Bilder und mehr Details zu den einzelnen Komponenten zu finden.

Kurz zurück zu den verwendeten Kabeln. Hier kann aus drei verschiedenen Qualitäten gewählt werden:

Basic Series

  • Leiter: 4x 26 AWG OFC
  • Abschirmung: Spiralwendelschirm
  • Mantel: Nylon Paracord Typ IV und I (made in the USA)

EP1C Series

  • Leiter: 4x ViaBlue EPC-1, versilberte OFC Litzen oder Draht von SommerCable (flexibler)
  • Abschirmung: ohne
  • Mantel: Nylon Paracord Typ I (made in the USA)

EPC1+ Series

  • Leiter: 4x 63-Core OFC oder 30-Core OCC
  • Abschirmung: ohne
  • Mantel: Nylon Paracord 275 (made in the USA)

Premium Series

  • Leiter: 8x 49-Core OCC (versilbert, superweich)
  • Abschirmung: ohne
  • Mantel: PE (Transparent)

Bis auf das Premium Kabel werden alle Kabel in Paracord gehüllt. Das bietet eine angenehme Haptik und ansprechende Optik, hier kann man mit verschiedenen Farbkombinationen seiner Kreativität freien Lauf lassen oder das Kabel passend zum Kopfhörer gestalten. Ein richtig gutes Kabel gibts bereits für um die 100€, das hängt immer auch vom verwendeten Kopfhörer ab. Denn: Standardstecker sind natürlich günstiger als spezielle Stecker wie z.B. für den HD800S oder z.B. ein Mini-XLR. Bereits das EP1C Kabel ist den meisten Serienkabeln optisch und vor allem haptisch um Längen vorraus.

Ein Beispiel:
Ein EPC1 Series Kabel in 150cm für einen Sennheiser HD6** mit einem massiven 6.5mm Klinkenstecker und Y-Splitter von Viablue kostet rund 103€. Dafür gibt es ein individuell handgefertigtes Custom Kabel, welches sich unglaublich angenehm und soft anfühlt. Dazu fällt es locker und leicht ohne sich zu verwinden, es verdrillt nicht und sieht auch noch fantastisch aus. Okay, die Optik ist natürlich stark abhängig von der individuellen Farbwahl! ;-)


Und welches Kabel sollte es für mich sein?

Kommen wir zur Sache: Welches Audioverse Kabel ist es bei mir geworden?
Vielleicht zuerst einmal kurz zu meiner Motivation – warum überhaupt ein Custom Kabel? Das Serienkabel des Sennheiser HD800S ist schließlich auch kein billiger Klingeldraht, es ist super verarbeitet und auch innerlich ganz bestimmt sehr hochwertig. Aber leider hat es – für mich – zwei entscheidende Nachteile: Es ist mit 3m für die Anwendung am Schreibtisch viel zu lang und es ist auch viel zu unflexibel.
Also musste Abhilfe her. Ich habe mich für folgende, wirklich extrem hochwertige Komponenten und Konfiguration entschieden:

Das Kabel
Mit Paracord ummantelte Strippen habe ich schon einige. Rein optisch finde ich transparente und besonders weiche und flexible Kabel aber noch schöner. Sieht technischer aus. Aus diesem Grund fiel meine Wahl schonmal auf das Premium Kabel. Die Länge? Gutes Mittelmaß zur Nutzung am Desktop-AMP oder am DAP. Mein Kabel soll ca. 120cm lang werden.

Die Kopfhöreranschluss-Stecker
Klar, hier gibt es wenig Spielraum. Die von Sennheiser verwendeten Stecker sind recht selten, es gibt nicht viele Anbieter. Meine Wahl bzw. Tobias´Empfehlung fiel hier auf die Eidolic HD 800 G2 Stecker. Diese Aluminiumstecker sind erstklassig verarbeitet, haben eine Zugentlastung und sehen auch noch edel aus.

Der Splitter
Tobias hat mir zu den HD800 Steckern natürlich auch gleich den passenden Splitter Eidolic E-SX2 empfohlen und verbaiut. Aktuell wird dieser im Konfigurator nicht angeboten, dafür gibt es ein neueres Modell. Optisch ist dieser mit dem Carbon-Style Inlay aber perfekt passend, auch zum Verstärkerstecker.

Der Verstärkeranschluss
Hier habe ich mich für einen 4.4mm Stecker entschieden, und zwar den Eidolic E-4.4R. Langsam aber sicher setzt sich dieses Format nicht nur in meinem Gerätepark durch. Der iBasso DX220 Max hat bereits einen solchen Anschluss, ebenso der FiiO M15 und der iBasso DX160. Viele weitere werden folgen. Im Grunde hält nur noch Astell & Kern am kleineren und filigraneren 2.5mm balanced Stecker fest. Dafür gibt es aber natürlich feine Adapter. Apropos….

Ein Adapter
Der 4.4mm Stecker passt in viele meiner DAPS, in meinen Desktop Kopfhörerverstärker Questyle CMA400i passt er aber nicht. Aus diesem Grund hat mir Tobias noch einen Adapter angefertigt, und zwar mit 4.4mm Buchse auf XLR 4-Pin Stecker:


Das Audioverse Kabel für meinen Sennheiser HD800S

Okay, das Kabel ist an Ende ganz schön teuer geworden. In der von mit konfigurierten Version würde ich rund 350€ dafür bezahlen müssen – eher noch ein paar Euro mehr. Genau lässt es sich momentan leider nicht sagen, da – wie bereits erwähnt – der Splitter von Eidolic nicht mehr konfigurierbar ist. Aber: Allein die Stecker und der Splitter von Eidolic kosten aber schon deutlich über 150€. Und das exklusive und brillante Kabel zusammen mit der perfekten handwerklichen Arbeit machen am Ende ein echtes handgefertigtes Unikat und Schmuckstück daraus.

Das Premiium Kabel ist so unfassbar flexibel und weich – kein Vergleich mit den üblichen Beipackstrippen. Es fasst sich einfach großartig an! Das Handling meines HD800S wird damit um ein vielfaches angenehmer und vor allem: Es macht einfach viel mehr Spaß!
Ich gebe es an dieser Stelle gern zu – für alle die, die es nicht eh schon wissen: Bei mir hört das Auge mit. Für mich muss alles passen, ich stelle den Klang zwar an erste Stelle, aber andere Eigenschaften sind für mich auch immens wichtig, um mit einem Produkt im täglichen Umgang vollends zufrieden sein zu können. Und dem geschuldet erwähne ich das Wort „KLANG“ denn nun auch erst nach rund 1.000 Wörtern! Und da muss ich zugeben, daß ich keine signifikanten Klangänderungen durch das Custom Kabel ausmachen kann. Wenn es sie gibt, dann sind klangliche Differenzen so derart klein, daß der Umsteckprozess die Klangerinnerung bereits eliminiert. Oder ich habe Holzohren. Anyway, für mich spielt bei Custom Kabeln – und das habe ich nun bereits mehrfach erwähnt – der Klang eine eher untergeordnete Rolle. Klar, verschlechtern im Vergleich zum Originalkabel darf er sich natürlich nicht. Aber solange der Originalklang des Kopfhörers nicht verbogen wird, ist alles bestens. Für mich zählt hier die Optik, die Haptik und das Handling des Kabels. Man kann es mit dem Lederlenkrad im Auto vergleichen. Lenken kann man auch mit einem Plastiklenkrad – und durch ein Lederlenkrad wird man kein besserer Fahrer. Aber es sieht einfach viel besser aus, fühlt sich wertiger an und macht halt viel mehr Spaß…. ;-)

Insofern werden die, die vielleicht eine klangliche Beurteilung meinerseits erwartet haben, nun enttäuscht sein. Aber das ist eben meine Erfahrung. Ich höre keine großen Unterschiede, und genau das ist bereits für mich die volle Punktzahl bei der Rubrik „Klang“ bei einem Kabeltest wie diesem. Wer etwas über Kabelklang lesen will, der ist hier leider falsch.

Fazit

Eine Menge Kohle für ein Kabel, ohne Frage.
Dafür bekommt man aber auch eine extrem exquisite Strippe mit feinen Parts und handwerklich perfekte ausgeführter Verarbeitung. So flexibel und leicht fallend – da macht das Hobby gleich noch mehr Spaß.
Am Ende steht natürlich immer die Frage, ob es das wert ist. Und das kann nur jeder selbst für sich beantworten und seinem Gusto nach das für ihn passende Kabel wählen.
Das Preis-Leistungsverhältnis ist jedenfalls bei der gebotenen Qualität, dem Service und der handwerklichen Leistung bei Audioverse absolut genial.


Bildergalerie


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