Mit dem Thieaudio Hype 4 mk II wagt Thieaudio keinen kleinen Versionssprung, sondern eine komplette Neuentwicklung. Obwohl der Name an einen Vorgänger erinnert, wurde die interne Architektur grundlegend überarbeitet: neue Treiber, neue Frequenzweiche, neue Abstimmung und ein deutlich hochwertigeres Gehäuse- und Kabelpaket. Wie er sich im Kopfbox Test schlägt, das erfahrt ihr hier.

Inhalt
[Werbung] Der Thieaudio Hype 4 mk II wurde mir für diesen Test von Linsoul Audio zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!
Thieaudio
Thieaudio ist eine etablierte Marke aus China, die sich innerhalb weniger Jahre einen festen Platz in der audiophilen In-Ear-Szene erarbeitet hat. Hinter dem Namen steht kein klassischer Großkonzern, sondern ein Entwicklerteam mit klarer Nähe zur Community und zu Mess- wie Hörpraxis gleichermaßen. Bekannt wurde Thieaudio vor allem durch Hybrid-In-Ears wie den Monarch, die technische Ambition mit einem fair kalkulierten Preis verbinden. Anstatt auf reine Effekthascherei zu setzen, verfolgt man eine klar erkennbare Philosophie: saubere Treiberintegration, nachvollziehbare Abstimmung und eine klangliche Ausrichtung, die sowohl analytisches Hören als auch langfristigen Musikgenuss ermöglicht. Modelle wie die Monarch-Serie oder zuletzt die Hype-Reihe haben gezeigt, dass Thieaudio bereit ist, Feedback ernst zu nehmen und Produkte konsequent weiterzuentwickeln – nicht in schnellen Zyklen, sondern mit echtem Mehrwert.
Thieaudio Hype 4 mk II
Der Thieaudio Hype 4 mk II ist ein von Grund auf neu entwickelter Hybrid-In-Ear-Monitor, der technisch wie klanglich deutlich über eine reine Modellpflege hinausgeht. Im Zentrum steht die zweite Generation des hauseigenen Gen 2 IMPACT2-Subwoofer-Systems, das Thieaudio auch im deutlich höher positionierten Monarch MKIV einsetzt. Zwei 8-mm-Dynamiktreiber mit Verbundmembran arbeiten dabei in einer speziell abgestimmten pneumatischen Akustikkammer. Das Resultat ist ein tiefer, kontrollierter Subbass mit spürbarem Druck, der bewusst unterhalb von etwa 150 Hz konzentriert bleibt. Dadurch wirkt der Tiefton kraftvoll, aber präzise und greift nicht störend in den restlichen Frequenzbereich ein.
Für Mitten und Höhen setzt Thieaudio konsequent auf hochwertige Balanced-Armature-Treiber von Knowles. Zwei aktuelle Treiber aus der RAB-Serie übernehmen den unteren Mittenbereich und sorgen für Substanz und Schmackes, während ein separater ED-33465-Treiber die oberen Mitten und den unteren Hochton abdeckt. Diese klare Aufteilung verbessert nicht nur die tonale Durchzeichnung, sondern auch die räumliche Abbildung. Für den oberen Hochton kommt zusätzlich ein Knowles RAD-33518 Ultra-Tweeter zum Einsatz, der direkt im Schallaustritt positioniert ist und eine feine, weit reichende Hochtonextension ermöglicht – mit einer Luftigkeit, die man sonst eher von elektrostatischen oder planaren Konzepten kennt.

Die Abstimmung des Thieaudio Hype 4 mk II folgt Thieaudios weiterentwickeltem Tuning-Ansatz, der sich bewusst zwischen studioorientierter Neutralität und musikalischer Wärme bewegt. Der Bass ist mit rund 9 dB angehoben, bleibt durch die klar definierte Trennfrequenz jedoch straff und frei von Aufdickungen. Die Mitten profitieren von einer leichten Betonung um etwa 400 Hz, was Stimmen und akustischen Instrumenten eine natürliche Wärme verleiht, ohne die Klarheit zu beeinträchtigen. Der Hochton ist so abgestimmt, dass seine Energie nicht sofort abklingt, sondern kontrolliert ausläuft – ein Ansatz, der Detailreichtum und Bühnenhöhe begünstigt, dabei aber bewusst auf Schärfe verzichtet.
Technisch wird dieses Konzept durch eine aufwendige akustische Konstruktion umgesetzt. Der Hype 4 mkII arbeitet mit einer 4-Wege-Frequenzweiche und einem 4-Kanal-Schallführungssystem, das insgesamt sieben passive Bauteile integriert. Das Gehäuse besteht aus CNC-gefrästem Vollaluminium, wird von Hand nachbearbeitet und anschließend eloxiert. Jede Einheit wird manuell montiert und durchläuft mehrere Qualitätskontrollen – von der Treiberpaarung über die Gehäusefertigung bis hin zur finalen Endkontrolle.
Abgerundet wird das Gesamtpaket durch ein hochwertiges, modulares Kabel. Zum Einsatz kommen 6N-OFC-Kupferleiter mit versilberten Litzen in einem vieradrigen Aufbau. Das Kabel wirkt nicht nur robust und hochwertig, sondern bleibt auch im Handling angenehm flexibel. Dank modularem Stecksystem lässt sich unkompliziert zwischen 3,5-mm-Single-Ended- und 4,4-mm-Balanced-Anschluss wechseln, was den Hype 4 mkII problemlos mit unterschiedlichsten Quellen kompatibel macht.
Die UVP beträgt 399USD, Preise in Euro variieren natürlich immer. Aktuell (Stand: 01/26) liegt er auf Linsoul bei 375€.
Lieferumfang und Verpackung
Der Thieaudio Hype 4 mk II kommt in einer im Vergleich zur den recht einfachen Verpackung der meisten IEM aus China in einer deutlich aufwändigeren und auch hochwertigeren Verpackung. So überdeckt der farbig bedruckte Umkarton den ebenfalls farbigen Innenkarton nur teilweise und schafft damit eine höhere Wertigkeit. Im Inneren gibt es zwei Departments, in denen sich jeweils unter einer Klappe auf der einen Seite die Tips und Papierkram und auf der anderen Seite die IEMs, das Case und weiteres Zubehör befinden.

Der Lieferumfang im Detail:
- THIEAUDIO HYPE 4 MK II In-Ear-Monitore
- Case
- 1x Set Ohrstöpsel (verschiedene Größen) in kleinem Etui
- abnehmbares Premium-Kabel
- 3,5-mm-Adapter
- 4,4-mm-Adapter
- Papierkram
Technische Daten
- Treiberkonfiguration: 2 × 8 mm dynamische Treiber (Gen 2 IMPACT²) + 4 × Knowles BA
- Frequenzweiche: 4-Weg, 4-Tube System
- Frequenzbereich: 5 Hz – 22 kHz
- Impedanz: 18 Ω
- Empfindlichkeit: 101 dB @ 1 kHz
- Anschlüsse: Modular (3,5 mm & 4,4 mm)
- Gehäuse: CNC-gefrästes Aluminium
Verarbeitung und Design
IEM
Die Thieaudio Hype 4 mk II fallen sofort auf: Die bunte Faceplate, die an Bleiglas aus Kirchen erinnert, schimmert perlmuttartig und bietet einen perfekten Kontrast zum schwarzen Gehäuse. Begrüssenswert finde ich, das Fehlen jeglicher Schrift auf der Faceplate – Understatement, was mir gefällt!
Die Verarbeitung der Gehäuse bewegt sich auf einem hohen Niveau. Die Aluminium-Schalen sind sauber verarbeitet, die Kanten gleichmäßig ausgeführt, Übergänge präzise. Die mattschwarze eloxierte Oberfläche wirkt widerstandsfähig und fasst sich sehr gut an. Auch die 2-Pin-Anschlüsse sitzen fest und sicher im Gehäusel. Insgesamt vermitteln die IEMs einen robusten, technisch nüchternen Eindruck, der eher auf Funktion als auf optische Effekte ausgelegt ist.

Kabel
Das mitgelieferte Kabel ist hochwertig ausgeführt. Der vieradrige Aufbau aus 6N-OFC-Kupferleitern mit versilberten Litzen wirkt stabil, bleibt dabei aber ausreichend flexibel. In der Praxis zeigt das Kabel nur geringe Mikrofonie. Das modulare Stecksystem ist sauber umgesetzt, die Wechselstecker rasten sicher ein und ermöglichen den unkomplizierten Einsatz an 3,5-mm- und 4,4-mm-Ausgängen.

Case
Das Transport-Case fällt schlicht aus, erfüllt seinen Zweck aber zuverlässig. Es bietet ausreichend Platz für die IEMs inklusive Kabel und schützt den Inhalt im Alltag vor Druck und Beschädigungen. Optisch bleibt es unauffällig, passt damit aber gut zur insgesamt sachlichen Ausrichtung des Produkts.

Tragekomfort
Die ergonomisch gestaltete Gehäuseform sorgt für sicheren Sitz bei passender Ohrtip-Wahl und garantiert auch bei längeren Hörsessions hohen Tragekomfort. Die passive Isolation ist für einen universellen In-Ear ordentlich, ohne komplett abzuschotten. Das sehr gute Kabel schmiegt sich gut der Ohrkontur an und stört im Alltag nicht.
Klangqualität
Gehört habe ich den Thieaudio Hype 4 mk II hauptsächlich an meinen mobilen Geräten: Cayin N6III (Test), Sony WM-1Z und ifi Audio GOblu sowie am Cayin RU9. Stationär durfte er unter anderem am JDS Labs Element IV (Test) laufen.
Bereits nach den ersten Takten war mir klar, daß dieser IEM absolut gelungen ist. Er vereint Ausgeglichenheit mit Spaßfaktor, bleibt dabei aber immer kontrolliert und homogen. Tonal ist er noch ausgeglichen, leicht warm und geht durchaus wuchtiger zur Sache. Aber auch technisch ist er richtig gut – Auflösung, Separation und Impuls sind auf echt gutem Niveau.
Bass
Der Bass setzt tief an und ist sehr präsent, fast physisch spürbar. Der Fokus liegt zwar klar auf dem Subbass, aber auch der Midbass kommt nicht zu kurz. Organischer Druck ist reichlich vorhanden, ohne aufgeweicht zu wirken. Der Kickbass kommt klar und präzise und blutet nicht in die Mitten. Herausstechend ist die absolut Homegenität über den gesamten tiefen Frequenzverlauf bis hin zu den unteren Mitten. Insgesamt ein wunderbar organisch echter Bass, gerade auch bei bassbetonter Musik, aber auch bei schnellen Metalsachen zu keiner Zeit überfordert sondern immer verbindlich und präzise.
Mitten
Die Mitten des Thieaudio Hype 4 mk II sind leicht warm, aber nicht verfärbt. Stimmen sind natürlich und reich an Details. Ebenso Instrumente: Sie behalten ihre Grundcharakteristik und Charisma voll bei. Holzinstrumente klingen warm, elektrische Gitarren druckvoll, mächtig und energisch. Auch bei dichterem Arrangement bleibt die Darstellung stets übersichtlich.
Höhen
Der Hochton ist präsent, aber nicht überbetont. Feinste Details sind hörbar, drängen sich jedoch nicht auf. Becken und Obertöne klingen sauber und echt. Keine Schärfe, keine Artefakte. Auch über längere Zeit bleibt der Hochton unauffällig. Manche Tester schreiben von einem grenzwertig betontem Hochton, was ich persönlich absolut nicht nachvollziehen kann.
Bühne
Die Bühne ist übersichtlich, besetzt keine übertriebene Breite. Die Ortung im Raum ist klar und präzise.So bleiben einzelne Instrumente immer klar positioniert und spannen eine immersive Klangwelt auf.
Separation & Auflösung
Impulse werden sauber umgesetzt. Schnelle Transienten wirken kontrolliert. Feindynamik ist gut nachvollziehbar. Die Auflösung ist hoch, steht aber nicht im Vordergrund oder drängt sich analytisch auf. Der Klang bleibt immer kohärent und wirkt natürlich. Verschiedene Instrumente – z.b. mehrere Gitarrenspuren übereinander – sind gut zu erkennen und werden einzeln für sich gut nachvollziehbar.
Isolation
Die passive Isolation ist auf überragend gutem Niveau. Dank der dichten Acrylgehäuse und der guten Passform (mit den persönlich optimalen Tips) werden Außengeräusche effektiv reduziert. Für unterwegs oder laute Umgebungen also perfekt geeignet, auch ohne aktive Geräuschunterdrückung.
Fotos
Fazit
Mein erster Thieaudio und gleich ein Treffer!
Der Thieaudio Hype 4 mk II zeigt einmal mehr, wie weit IEMs in der mittleren Preisregion bis 500€ gekommen sind. So überzeugt der Hype 4 durch eine gekonnte Abstimmung, die gleichermaßen akkurat, ausgeglichen, begeisternd und detailliert ist. Er ist kein Spezialist, aber auch kein langweiliger Experte. Vielmehr perfektioniert er den Spagat zwischen oftmals gegensätzlichen Eigenschaften und verbindet diese gekonnt zu einem homogenen Klangerlebnis. Die aus Metall gefertigten, anatomisch ausgeformten Gehäuse passen mir perfekt und das beigelegte Kabel ist deutlich besser als so manche Beipackstrippen vergangener Zeiten. Meiner Meinung nach ist der Thieaudio Hype 4 mk II eine volle Empfehlung – nicht nur für Einsteiger!
Der Thieaudio Hype 4 mk II ist ein moderner Hybrid IEM, der auf ganzer Linie überzeugt: Klanglich, technisch und als Gesamtpaket mit umfangreichem Zubehör. Wirklich ein toller Ihm im hart umkämpften mittleren Preisbereich.






