Zwei dynamische Treiber statt einem, acht Balanced Armatures und ein Preis um die 440 Euro – der XENNS Mangird Top Pro tritt als neues Topmodell der Marke an. Nachdem er mir von einigen Lesern empfohlen wurde, war ich doch neugierig – und wurde nicht enttäuscht. Dieser 10 Treiber IEM ist wirklich exzellent abgestimmt und setzt in seiner Preisklasse definitiv Maßstäbe. Was der Top Pro so kann, wie er klingt und was mir gefällt – das lest ihr hier!


[Werbung] Der Xenns Mangird Top Pro wurde mir für diesen Test von Linsoul Audio zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!


XENNS

XENNS Mangird hat sich in den letzten Jahren einen soliden Ruf im Bereich bezahlbarer High-End-IEMs erarbeitet. Mit dem originalen Tea und später dem Tea2 hat die Marke gezeigt, daß auch unterhalb der 300-Euro-Marke ernstzunehmender Klang möglich ist, und mit dem ursprünglichen Top hat man sich erstmals an die obere Mittelklasse herangetastet. Der Top Pro ist jetzt der direkte Nachfolger dieses Top und soll die gesammelte Erfahrung der letzten Modelle in einem neuen Flaggschiff bündeln.

XENNS Mangird Top Pro

Auffälligste technische Neuerung gegenüber dem Vorgänger ist der zweite dynamische Treiber: Statt eines einzelnen DDs sitzen jetzt zwei custom gefertigte dynamische Treiber mit NdFeB-Magneten für den Bassbereich im Gehäuse. Dazu kommen acht Balanced-Armature-Treiber, eine 4-Wege-Frequenzweiche trennt die vier Bereiche sauber voneinander. Zehn Treiber in Summe also, mit dem Anspruch, daß jede Frequenzregion ihren eigenen, dedizierten Treiber bekommt statt sich mehrere Bereiche zu teilen.

Preislich bewegt sich der XENNS Mangird Top Pro bei rund 440 Euro im europäischen Handel (bzw. 499 US-Dollar), und landet damit in einem Preissegment, das inzwischen ziemlich hart umkämpft ist – hier tummeln sich einige IEMs, die technisch mit deutlich teureren High-End-Modellen mithalten wollen. Vertrieben wird der Top Pro über Linsoul.

Die wichtigsten Eckpunkte auf einen Blick:

  • 10-Treiber-Hybrid 2 dynamische Treiber (NdFeB-Magnete) + 8 Balanced Armatures
  • 4-Wege-Frequenzweiche für eine saubere Trennung von Baß, Mitten, unterem und oberem Hochton
  • Austauschbares 2-in-1-Stecksystem: Wechsel zwischen 3,5-mm-SE und 4,4-mm-balanced ohne Zusatzkabel
  • Hochwertiges 196-adriges Kupfer-Silber-Hybridkabel mit 0,78-mm-2-Pin-Anschluß
  • Direkter Nachfolger des Mangird Top, jetzt mit zwei Dynamischen Treibern statt einem

Lieferumfang und Verpackung

Der XENNS Mangird Top Pro kommt in einer großen, mattschwarzen Box mit dezent strukturierter Oberfläche. Zieht man die Außenhülle ab, wartet darunter eine zweite Box mit einem topografisch anmutenden Reliefmuster und dem Top-Pro-Schriftzug in silbernem Metallic-Druck – wirkt insgesamt deutlich hochwertiger, als es der Preis vermuten läßt.

Im Inneren liegt links ein gepolstertes Leder-Case mit Reißverschluß, groß genug, um neben den IEMs auch noch einen kompakten Dongle-DAC unterzubringen. Rechts daneben findet sich die Box mit den Ohrpassstücken, darunter ein zusätzlicher 4,4-mm-Stecker sowie ein Adapter von 3,5 mm auf 6,35 mm für den Einsatz an Desktop-Verstärkern. Insgesamt liegen dem Top Pro drei Sets Ohrpassstücke bei: schwarze Silikontips mit Standardbohrung, graue/rote Silikontips mit enger Bohrung sowie weiße Silikontips mit weiter Bohrung, jeweils in S, M und L – dazu ein Set Foam-Tips für alle, die es dämpfender und bassbetonter mögen. Ein kleiner Filzbeutel mit Kabelclip und Reinigungspinsel rundet den Lieferumfang ab.

Der Lieferumfang im Detail:

  • XENNS Mangird Top Pro
  • abnehmbares 0,78-mm-2-Pin-Kabel mit austauschbarem Stecksystem (3,5 mm SE / 4,4 mm balanced)
  • Adapter 6,35 mm auf 3,5 mm
  • hochwertiges Leder-Case
  • 3x Paar Silikontips, Standardbohrung, schwarz (S/M/L)
  • 3x Paar Silikontips, enge Bohrung, grau/rot (S/M/L)
  • 3x Paar weiche Silikontips, weite Bohrung, weiß (S/M/L)
  • 1x Set Foam-Tips
  • Kabelclip und Reinigungsbürste

Das mitgelieferte Kabel besteht aus 196 Litzen einer Kupfer-Silber-Mischung, ist vierlitzig geflochten und macht sowohl optisch als auch haptisch einen richtig guten Eindruck. Das Schraubsystem für den Wechsel zwischen 3,5 mm und 4,4 mm rastet sauber und fest ein, ohne Wackeln oder Spiel. Insgesamt ein großzügiger Lieferumfang – gerade das modulare Stecksystem spart einem den sonst üblichen Kauf eines separaten Adapterkabels.


Technische Daten

ModellXENNS Mangird Top Pro
Treiberkonfiguration2x dynamischer Treiber (NdFeB-Magnete) + 8x Balanced-Armature (2x Knowles Custom BA für die Mitten, 2x Sonion E50D Dual-Treiber für den unteren Hochton, 2x Knowles Super-Tweeter für Superhochton/Air), 4-Wege-Frequenzweiche
Frequenzgang20 Hz – 33 kHz
Impedanz16 Ω
Empfindlichkeit103 dB ± 1 dB
Anschluss (Hörer)0,78 mm 2-Pin
Kabel4-strängig, 196-adrig, Single-Crystal-Kupfer/Silber-Hybrid, 1,2 m
Stecker2-in-1-System, wechselbar zwischen 3,5-mm-SE und 4,4-mm-balanced
Gehäuse3D-gedrucktes, medizinisches Kunstharz, halbtransparent

Die vergleichsweise niedrige Empfindlichkeit von 103 dB bei 16 Ohm Impedanz ist auf dem Papier unauffällig, in der Praxis merkt man aber, daß der XENNS Mangird Top Pro etwas mehr Pegelreserve aus der Quelle sehen will als so manches andere IEM in dieser Preisklasse. Ein potenter Dongle-DAC oder ein kleiner IEM-Verstärker schadet hier definitiv nicht.


Verarbeitung und Design

IEM
Optisch ist der XENNS Mangird Top Pro ein echter Hingucker. Die Faceplate zeigt ein buntes Harzmuster, das bei jedem Exemplar leicht anders ausfällt. Darüber liegt in goldener Schrift der Mangird-Schriftzug, der einen schönen Kontrast zur bunten, wilden Struktur darunter bildet. Jedes Paar wird dadurch zu einem kleinen Unikat.

Das Gehäuse XENNS Mangird Top Pro selbst besteht aus einem dunklen, halbtransparenten Kunstharz. Wenn Licht darauf fällt, kann man die Verkabelung sowie die Treiber im Inneren sehen – ein Detail, das ich bei In-Ears immer wieder gerne mag, weil es zeigt, wieviel Handarbeit in so einem Gehäuse steckt. Unterhalb der Nozzles finden sich dezent eingedruckte Beschriftungen („Top Pro“, Modellnummer sowie L/R zur Kanalkennung), die sich unauffällig ins Gesamtbild einfügen.

Direkt neben dem 2-Pin-Anschluß sitzt eine einzelne Entlüftungsöffnung mit einem feinen Metallring. Die Nozzles bestehen aus poliertem Metall mit einem Gitter als Cerumenfilter. Insgesamt wirkt die Verarbeitung durchweg hochwertig: saubere Kanten, ordentlich verklebte und geschliffene Übergänge, keine Blasen oder Unregelmäßigkeiten im Acryl.

Kabel
Auch beim mitgelieferten Kabel hat sich XENNS nicht lumpen lassen. Die 196-adrige Litze aus einer Kupfer-Silber-Mischung ist in vier Strängen zu einem glänzenden, silbernen Geflecht verarbeitet – optisch hochwertig und angenehm leicht in der Hand. Zum Verheddern neigt es kaum, was bei vierlitzig geflochtenen Kabeln nicht immer selbstverständlich ist.

Über ein Schraubgewinde lassen sich die 3,5-mm- und 4,4-mm-Stecker tauschen. Die Verbindung wird mit einer Überwurfmutter gesichert. Bei meinem Tester ist das Gewinde etwas unsauber geschnitten und ich musste etwas Kraft aufwenden, damit die Mutter sich ihren Weg bahnt.

Splitter und Chinslider sind in Mattschwarz gehalten. Die 0,78-mm-2-Pin-Stecker an den Hörern sind farblich markiert – rechts mit rotem Ring und „R“-Aufdruck, links schlicht mit „L“ – so daß man auch im Dunkeln nicht versehentlich vertauscht. Warum aber sind die Beschriftungen auf der „Außenseite“? Man weiß es nicht…

Case
Das mitgelieferte Case aus Kunstleder mit Reißverschluß wirkt praktisch und hochwertig. Innen ist es mit einer Trennwand sowie weicher Fütterung ausgestattet, dazu kommt ein kleines Netzfach im Deckel für Kleinteile wie Ersatztips oder den Reinigungspinsel.

Von der Größe her ist das Case ordentlich – es bietet genug Platz, um neben den IEMs samt Kabel auch noch einen kompakten Dongle-DAC unterzubringen, was es für unterwegs richtig praktisch macht. Dafür braucht es in der Hosentasche etwas mehr Platz als ein flaches Case.


Tragekomfort

Zehn Treiber pro Seite unterzubringen ist keine triviale Aufgabe – dem Top Pro gelingt das erstaunlich gut. Die Gehäuse sind zwar nicht winzig, liegen aber dank ihrer anatomisch-organischen Form angenehm im Ohr und drücken auch bei längeren Hörsessions nicht.

Die Tips sind ordentlich und hier hat sich einiges getan. Früher konnte man die beiliegenden Tips fast nie wirklich gebrauchen, heute ist das anders. Trotzdem nutze ich für den Klangeindruck später die von mir aktuell favorisierten SpinFit W1.


Klangqualität

Gehört habe ich den Xenns Mangird Top Pro hauptsächlich an meinen mobilen Geräten: Cayin N6III (Test), Sony WM-1Z und ifi Audio GOblu. Stationär durfte er unter anderem am JDS Labs Element IV (Test) laufen.

Der erste Eindruck: Hier habe ich einen wirklich sehr konsistent abgestimmten IEM vor mir. Da wurde viel Aufmerksamkeit in die korrekte Abstimmung der zehn Treiber gelegt um dieses kohärente Klangbild zu realisieren.

Bass
Der Bassbereich ist bemerkenswert sauber und kontrolliert, auch in dichten, schnellen Passagen bleibt hier nichts verwaschen oder träge. Wer beim ersten Hören nach einem fetten, betont warmen Bass sucht, tastet zunächst ins Leere – der Mitteltieftonbereich ist eher zurückhaltend abgestimmt als effekthascherisch. Stattdessen bekommt man einen Bass, der mit derselben Präzision wie der Rest des Frequenzgangs arbeitet: Sub- und Midbass lösen feinste Texturen auf, die bei vielen anderen IEMs im Grundrauschen untergehen. Kickdrums klingen physisch nachvollziehbar, man hört den Unterschied zwischen hart und weich angeschlagenen Trommelfellen, Bassgitarren bekommen genug Kontur, um im Mix nicht unterzugehen. Ein songdienlicher, ausgeglichener Bass, der über Qualität statt über Quantität überzeugt.

Mitten
Die Mittenwiedergabe ist für mich die eigentliche Stärke des Top Pro. Instrumente klingen ausgesprochen natürlich und mit viel Textur und feinen Nuancen. Stimmen haben Präsenz, sind natürlich und sehr authentisch. Alle Frequenzbereiche in diesem Spektrum klingen angenehm organisch im Mix, gerade Saiteninstrumente (auch E-Gitarren!) und Streicher profitieren von einem glaubwürdigen Timbre, ohne die künstliche Härte, die man bei schlecht abgestimmten IEM manchmal hört.

Höhen
Im Hochtonbereich zeigt der Top Pro eine für diese Preisklasse wirklich beeindruckende Auflösung, ohne dabei je scharf oder anstrengend zu wirken. Die Balance zwischen Brillanz und Natürlichkeit ist gut getroffen, ohne in Richtung Kunstglanz abzudriften. Becken und Hi-Hats haben ein natürliches, metallisches Klangbild, Snaredrums einen durchsetzungsstarken Attack. Bei sehr hell abgemischten Aufnahmen können Stimmen und Instrumente gelegentlich etwas mehr „Biss“ bekommen, als manch einer erwartet – Richtung echter Schärfe oder Sibilanz geht das aber nie, und Ermüdung stellt sich auch nach längeren Sessions nicht ein.

Bühne
Die Bühne des XENNS Mangird Top Pro ist breit, luftig und wirkt teilweise holographisch – mit einem für IEMs ungewöhnlich guten Gefühl für Höhe und Tiefe. Das Imaging ist präzise, einzelne Bestandteile lassen sich gut orten, und bei Live-Aufnahmen bekommt man ein angenehm dreidimensionales Bild.

Separation & Auflösung
Die Trennschärfe zwischen den einzelnen Instrumenten und Spuren ist auf einem sehr hohen Niveau. Selbst in dichten, komplexen Passagen bleibt alles klar voneinander unterscheidbar, ohne daß etwas verschmiert oder ineinander läuft. Auch bei Schlagzeug-lastigen Aufnahmen kann man genau orten, wo welches Element im Raum sitzt und wie weit es vom Zentrum entfernt spielt. Technisch spielt der Top Pro hier auf einem Niveau, das man in dieser Preisklasse selten hört. Manche IEM erkaufen sich diese Auflösung durch angehobene Höhen – beim Top Pro kommt sie stattdessen aus der sauberen Trennung der zehn Treiber.

Isolation
Die passive Isolation ist außergewöhnlich gut. Die dichten Acrylgehäuse und die gute Passform (mit den persönlich optimalen Tips) reduzieren Außengeräusche effektiv. Perfekt für unterwegs oder in lauten Umgebungen, auch ohne aktive Geräuschunterdrückung.


Fotos


Fazit

Fast hätte ich diesen tollen IEM übersehen. Der XENNS Mangird Top Pro liefert für sein Geld eine Top Auflösung, Bühne und Klangqualität, die man in diesem Preisbereich nicht unbedingt erwarten würde. Günstige IEM aus Fernost sind weit gekommen, daß zeigten ja auch schon in der Vergangenheit so einige Exemplare. Wir leben in einer Zeit, in der die Qualität immer besser wird und ich bin jetzt schon gespannt, was wir in Zukunft noch alles so erwarten dürfen.

Für die Gegenwart aber ist der Xenns Mangird Top Pro definitiv einer der besten IEM unter 500€ und erhält meine vollste Empfehlung!

Xenns Mangird Top Pro | Bewertung

9.6

Sound

9.6/10

Verarbeitung

9.5/10

Tragekomfort

9.6/10

Preis/Leistung

9.5/10

Pros

  • Ausgeglichener Sound
  • Sauberer Bass
  • Natürliche Mitten
  • Tolle Auflösung
  • Gutes Kabel

Cons

  • Wechselstecker Gewinde unsauber