Nach dem Luna habe ich nun einen weiteren IEM von ZiiGaat hier zum Testen. Der ZiiGaat Horizon ist das neueste Modell der Marke und kommt als Tribrid mit dynamischen, Balanced Armaturen und Planarmagnetostatischen Treibern. ZiiGaat verspricht einen kraftvollen Bass, natürliche Mitten und klare Höhen. Wie sich der Horizon in meinen Ohren macht und ob er dem Luna Paroli bieten kann, das könnt ihr hier lesen.


[Werbung] Der ZiiGaat Horizon wurde mir für diesen Test von Linsoul Audio zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!


ZiiGaat

ZiiGaat ist noch eine relativ junge Brand im hart umkämpften IEM-Markt, wirbelt aber bereits jetzt mächtig Staub auf. Die chinesische Marke wurde erst 2021 gegründet und hat sich seitdem mit einem klaren Fokus auf hochwertige Treiber-Bestückung einen Namen gemacht. Während viele Chi-Fi-Hersteller auf Masse setzen, geht ZiiGaat den anderen Weg: Wenige Modelle, aber die richtig durchdacht.
Das Team hinter ZiiGaat besteht aus erfahrenen Audio-Ingenieuren, die zuvor bei anderen bereits etablierten Marken gearbeitet haben. Das merkt man auch an der Herangehensweise: Statt unkontrollierter Modellflut konzentriert sich ZiiGaat auf saubere Frequenzgänge, hochwertige Treiber-Komponenten von Sonion und Knowles und ordentliche Verarbeitung der 3D-gedruckten Acryl-Gehäuse.


ZiiGaat Horizon

Mit dem Horizon präsentiert ZiiGaat jetzt ein Tribrid-Modell, das die Stärken dreier Treiberprinzipien vereinen soll:

  • ein 10-mm-Dynamiktreiber für den Bass,
  • zwei Balanced-Armature-Treiber für Mitten und Präsenz,
  • sowie zwei planarmagnetostatische Treiber für die Höhen.

Das Ziel ist klar: mehr Dynamik, mehr Auflösung – und eine Bühne, die offener wirkt als beim Luna.

Optisch lehnt sich der Horizon an das bekannte Designprinzip der Marke an: halbtransparentes Resin-Gehäuse mit auffälliger, handpolierter Faceplate. In Fall des Horizon ein schimmerndes Dunkelblau mit silbernen Akzenten – elegant, aber nicht zu verspielt. Mit Fantasie kann man ein Gebirge hineininterpretieren.

Der Horizon wurde mit dem Ziel entwickelt, ein müheloses musikalisches Erlebnis zu bieten. Mit Fokus auf Natürlichkeit und Lebendigkeit. Durch den Einsatz von zwei Planar-Treibern, die die oberen Höhen effektiv auf bis zu 35 kHz erweitern, eröffnet der Horizon einen ganz neuen Realismus.

Für einen packenden und satten Bass sorgt ein einzelner 10-mm-Biodynamic-Treiber. Das Mitteltonspektrum präsentiert sich geschmeidig und mit einer fast analogen Textur – dafür sind zwei speziell abgestimmte, belüftete Knowles 30262-163 Balanced-Armature-Treiber zuständig. Dem Hochtonbereich ist ein maßgeschneidertes Dual-Composite-Planar-Treiber-System gewidmet, das speziell dafür konzipiert wurde, den Ultra-Hochtonbereich von 20 bis 35 kHz zu verfeinern.


Lieferumfang und Verpackung

Der Horizon kommt wie der Luna in einer kompakten Schachtel – schwarz mit Produkt Abbildung auf der Front und technischen Daten auf der Rückseite. Außerdem dabei: Ein angenehm großes Case, ein modulares Kabel mit 3.5mm und 4.4mm Stecker, 3 Säte Eartips in verschiedenen Größen und etwas Papierkram.

Der Lieferumfang im Detail:

  • ZiiGaat Horizon
  • 2 Sätze Silikontips (je L/M/S)
  • 1 Paar Foam Earths
  • Modulares Kabel
  • 3,5 mm Stecker
  • 4,4-mm-Stecker
  • 2 Paar Ersatz-Schutzgitter
  • Case mit Einsatz
  • Papierkram

Technische Daten

Driver: 10mm bio-diaphragm + Knowles 30262-163 + custom composite dual planar drivers
Sensitivity: 102dB
THD: 0.55%
Impedance: 24Ω
Frequency Response: 20Hz-35kHz


Verarbeitung und Design

IEM
Wie der Luna vor ihm folgt auch der ZiiGaat Horizon dem bewährten und weit verbreitetem Stil mit einem aus Resin gefertigten Gehäuse in leicht anatomisch ausgeformter Geometrie – vermutlich im 3D-Druck hergestellt – in Kombination mit einer bunten Faceplate. Das schwarze Gehäuse ist tadellos verarbeitet, ebenso wie die Faceplate. Mit etwas Fantasie könnte man im Design der Faceplate eine Bergkette mit See im Vordergrund und einem dunklen Nachthimmel erkennen.

Die Stecker sitzen fest im Gehäuse und lassen auf eine über lange Zeit verlässliche Verbindung hoffen. Die Nozzle – also das Schaullaustritt-Röhrchen – ist ins Gehäuse eingepasst und besteht aus Edelstahl. Damit die Eartips sicher festsitzen, verfügt das Nozzle über einen umlaufenden Ring.

Kabel
Das schwarze Kabel ist für ein Stock-Kabel absolut ordentlich. Haptisch von der Oberfläche glatt, verdrillt es sich trotzdemleider recht leicht im Case. Aber es fälltangenehm locker und ohne nennenswerten Memory Effekt.

Das Steckersystem ist praktisch, aber nicht ganz zu Ende gedacht: Es gibt keine Verriegelung. Zieht man am hinteren Teil, kann es passieren, daß der vordere Teil (Stecker) in der Buchse des Quellgerätes bleibt. Ein Bajonett- oder Schraubverschluss hätte hier Abhilfe geschafft. Ansonsten ist die Verarbeitung gut, Steckersystem und Splitter sind aus Metall und wirken robust.

Klanglich habe ich nichts auszusetzen, ich denke da sind mittlerweile so gut wie alle Kabel völlig in Ordnung.

Case
Das hellbraune Case aus Kunstleder ist ungewohnt groß, was mir sehr gut gefällt. So hat man neben den IEM mit Kabel noch Platz für einen kleinen DAC (z.B. ifi GOblu) oder weiteres Zubehör. Für Ersatztips gibt es im Oberteil einseparates Mesh-Fach. Den Einsatz mit samtartiger Oberfläche kann man herausnehmen, was ich auch getan habe. Denn wirklich halten tun die IEM in der Form sowieso nicht.


Tragekomfort

Der ZiiGaat Luna wird als klassischer InEar-Monitor natürlich mit dem Kabel über dem Ohr getragen. Das sorgt für einen sicheren Sitz und entlastet die Steckverbindung gegen eventuelle Zugkräfte. Das kompakte Gehäuse ist anatomisch angedeutet ausgeformt und sitzt in meinen Ohren ziemlich perfekt.

Nichts drückt oder zwickt, auch muss ich mit den für mich passenden Tips – ich nutze die Spinfit W1 – auch nicht nachjustiert werden. Ich bevorzuge die W1, weil ich mit den „Sticky“ Tips aus dem Lieferumfang nicht wirklich zufrieden bin. Die sind zwar von guter Qualität, aber ich mag einfach dieses „klebrige“ Gefühl nicht. Hier hätte ma zumindest ein Paar glatte Silikontips beilegen können.


Klangqualität

Gehört habe ich den ZiiGaat Horizon hauptsächlich an meinen mobilen Geräten: Cayin N6III (Test), Sony WM-1Z und ifi Audio GOblu sowie den GOpod Air (Test). Stationär durfte er am JDS Labs Element IV laufen. Mit 26Ω und 103db ist der InEar noch leicht anzutreiben und funktioniert deshalb selbst an Geräten mit geringerer Leistung. 

Klanglich ist der Horizon ein deutlich „emotionalerer“ Vertreter als der Luna. Während der Luna mit neutraler Studio-Abstimmung punktet, zeigt sich der Horizon etwas wärmer, körperhafter und mit mehr Punch im Bass.

Bereits bei den ersten Takten der neuen Paradise Lost wurde mir klar, daß ich den Horizon definitiv über dem Luna ranken werde – wenn es um tonale Präferenz geht. Ich bin wohl doch immer mit dynamischen Treibern zu triggern. Für mich klingt der Horizon dbzgl. eine Ecke spannender als der Luna. Wobei die eigentliche technische Qualität im Bereich Auflösung, Separation und Detailwiedergabe vergleichbar ist.

Der ZiiGaat Horizon ist grundsätzlich sehr ausgeglichen abgestimmt, allerdings mit klarem Fokus auf eine involvierende Spielweise und Fokus auf langzeittauglichen Musikgenuss. Das resultiert in einer leichten V-Signatur mit dezent angehobenen Bässen und – dank der planarmagnetostatischen Treibern – sehr klaren und transparenten Höhen.

Bass

Der 10-mm-Dynamiktreiber liefert spürbar mehr Fundament als die reinen BA-Treiber des Luna. Der Bass ist präzise, punchig, und kontrolliert – zwar kein Bassbomber, aber druckvoll genug, um Rock und elektronische Musik mit amtlichem Nachdruck zu versorgen. Besonders beeindruckend ist, dass der Bass nie in die Mitten hineinblutet. Der Horizon punktet auch im Tiefbass noch mit guter Textur und klarer Präzision, verzichtet aber wie der Luna auf einen übertriebenen Basst-Boost, der viele mittelpreisige IEMs prägt. Vielmehr liefert er einen qualitativ hochwertigen Bass, der nie aufdringlich, matschig oder schwammig wirkt.  Dadurch eignet sich der Horizon hervorragend für schnelle, harte Musik mit impulsiven Transienten, wie sie beispielsweise bei Blastbeats oder Doublebass in Genres wie Death-Metal oder Trash vorkommen.

Mitten

Die Mitten sind leicht warm gefärbt, aber natürlich. Stimmen – sowohl männlich als auch weiblich – wirken greifbar und angenehm plastisch. Gitarren haben Schmelz, Klaviere Struktur. Hier gelingt ZiiGaat mithilfe des dynamischen Treibers eine sehr musikalische und organische Abstimmung. Instrumente wirken durchweg glaubwürdig und besitzen eine natürliche Authentizität. Rock und Metal wird mit spürbarer Frische und Energie wiedergegeben, besonders moderne Produktionen profitieren von dieser klaren, direkten Abstimmung. Insgesamt würde ich gerade den Mittenbereich als verbindende Stärke zwischen den organischen Bässen und den klaren Höhen sehen, was ein Zeugnis der gekonnten Abstimmung der verschiedenen Treibersysteme ist.

Höhen

Die planarmagnetischen Treiber übernehmen ab dem oberen Präsenzbereich und liefern eine fein strukturierte, seidige Hochtondarstellung. Details werden hervorragend herausgearbeitet, ohne jedwede Härte oder Sibilanzen. Der Horizon klingt verdammt klar und luftig, ohne zu hell zu wirken – eine Balance, die man in dieser Preisklasse selten findet.

Bühne

Die räumliche Darstellung empfinde ich ähnlich, vielleicht minimal breiter als beim Luna, mit besserer Tiefenstaffelung. Stimmen stehen klar im Raum, Instrumente lassen sich präzise orten. Das Bühnenbild wirkt offener, fast schon leicht holographisch.

Separation & Auflösung

Hier zeigt der Horizon seine Tribrid-Stärke. Jeder Frequenzbereich wird von einem eigenen Treiber optimal bedient. Das sorgt für exzellente Separation und hohe Transparenz, selbst bei komplexen Arrangements. Natürlich ist das kein Selbstläufer, sondern erfordert eine saubere Abstimmung. Die Auflösung ist beeindruckend – feine Details kommen gut zur Geltung, ohne aufdringlich zu werden. Man hört reichlich Details, ohne dass es anstrengend wird. Bei gut produzierten Aufnahmen kann man sich regelrecht in den klaren Strukturen verlieren.

Isolation

Die passive Isolation ist sehr gut. Der Horizon blockt Außengeräusche effektiv weg – perfekt für den mobilen Einsatz oder das heimische Studio bzw. sogar die Bühne. Voraussetzung ist selbstverständlich ein optimaler Seal.

ZiiGaat Horizon vs. ZiiGaat Luna

Beide IEM spielen in einer ähnlichen Preisklasse und sind auch rein äußerlich – vom Design der Faceplate abgesehen – sehr ähnlich. Technisch gibt es Unterschiede: Der Horizon setzt auf eine Tribrid-Konfiguration aus 1 DD + 2 BA + 2 Planar-Treibern und zielt damit auf einen organischen, druckvollen Bass und klare, brillante Höhen ab. Demgegenüber setzt der Luna als reines 6 BA-Setup primär auf Präzision, neutrale Abstimmung und studioähnliche Wiedergabe. Der Horizon klingt etwas „offener“, der Luna wirkt etwas zurückhaltender im Bass, dafür insgesamt eher neutraler.

Der Luna empfiehlt sich mMn eher für Leute, die ihre Musik gern relativ neutral genießen wollen, der Horizon mit seiner spaßigeren Abstimmung eher für solche, die ihre Musik mit mehr Emotion und Kraft genießen. Qualitätiv sind beide in etwa gleichauf – am Ende ist es also eine Geschmacksfrage.


Fotos


Fazit

Der impulsive ZiiGaat Horizon ist eine konsequente Ergänzung zum lineareren Luna. Während der Luna mit seiner neutralen, referenzartigen Abstimmung unterm Strich eher Analysten anspricht, zielt der Horizon klar auf den Musikliebhaber, der Emotion und Energie – und letztendlich mehr Spaß – sucht.

Er kombiniert druckvollen, aber hochwertigen Punch mit einem Schuss Wärme, einer feinen Auflösung und exzellenter Kontrolle. Der Horizon ist in meinen Ohren eine sehr gelungene Tribrid-Interpretation, deren Abstimmung gekonnt und deren Tonalität gut gewählt ist.

ZiiGaat die Zweite: Auch der Horizon überzeugt. Die ansprechende und energiereiche Abstimmung lässt ihn modern und frisch klingen. Für unter 400€ ein absoluter No-Brainer und gerade für Ein- bzw. Aufsteiger mit Sinn für Emotion und Spass eine klare Empfehlung!

ZiiGaat Luna | Bewertung

9.5

Sound

9.6/10

Verarbeitung

9.5/10

Tragekomfort

9.5/10

Preis/Leistung

9.5/10

Pros

  • Ehrlicher, ausgeglichener Klang
  • Hervorragende Verarbeitung
  • Toller Komfort
  • Hervorragende Bassqualität

Cons

  • Nur "Sticky" Silikontips