Wie war das damals?
Wir hatten unseren Walkman, Discman oder Minidiskplayer. Saßen zuhause auf dem Bett und lauschten unseren aufgenommenen Songs auf Kassette oder den anderen Medien. Wir hatten nichts weiteres als Musik pur. Keine Spielereien, keine unnötige Ablenkung, keinen Equalizer. Nur uns und die Musik. Genau dieses Gefühl wollte ich wieder haben. Weg von der Ablenkung. Ran an die pure Musik. Und dieses Puristische hat einen Namen:


[Werbung] Obwohl ich das Gerät regulär gekauft habe, sei an dieser Stelle der Hinweis erlaubt.


Der Dethonray DTR1

Der DTR1 ist mir durch sein puristisches Design und seines angeblichen genialen Klangs schon des Öfteren in einigen Foren wie Head-Fi und ein paar audiophilen Facebookgruppen aufgefallen.

Ich danke Markus an dieser Stelle dass er mir die Möglichkeit gegeben hat, dieses Review und was noch viel wichtiger ist, das erste deutschsprachige Review auf seiner Seite veröffentlichen zu dürfen.

Anmerkung:
Der Dank ist ganz meinerseits! Vielen Dank Andi für diesen Beitrag! Markus

Nach längerer Überlegung und Kontakt zum Hersteller sowie dem europäischen Vertrieb habe ich mich für den Kauf des DTR1 und des HA-2 entschieden. Der DTR1 verfügt über keine drahtlosen Verbindungen wie WLAN oder Bluetooth. Ein Touchdisplay sucht man hier ebenfalls vergeblich. Der Player konzentriert sich ganz allein auf das Abspielen der lokalen Musikdateien und auf guten Klang auf sehr hohen Niveau. Ein Balanced Anschluss wie 2,5mm Klinke oder 4,4mm Pentaconn wurde ebenfalls bewusst nicht verbaut. Anson hat hier das gängigste Format gewählt. Die 3,5mm Klinke. Auch mir wäre ein 4,4mm Anschluss lieber gewesen. Der Dethonray kann auch nicht als USB DAC verwendet werden, da er auch nicht über eine USB Schnittstelle verfügt. Dazu später mehr. Klingt jetzt auf den ersten Blick recht negativ, aber urteilt selbst ob der DTR1 Euch überzeugen kann!


Lieferumfang und Verpackung 

Die Verpackung des DTR1 ist schlicht in schwarz gehalten und mit dem silbernen Firmenlogo versehen.

Der DTR1 präsentiert sich in einem schwarzen Schaumstoff.

Darunter liegt die Garantiekarte, eine Kurzanleitung und eine Visitenkarte von Anson, dem Gründer von Dethonray, bei. Des weiteren ist noch ein Netzteil mit UK Stecker und Micro HDMI inkludiert.

Der Lieferumfang ist auf das Notwendigste beschränkt. Hierbei hätte ich mir gerne auch Schutzfolien für den Glasrücken und das Display gewünscht. Oder eine Schutzhülle für den DTR1. Dies machen andere chinesische Hersteller besser. Ein Ledercase für den DTR1 gibt es als Zubehör zu kaufen.


Design & Verarbeitung

Der DTR1 ist quadratisch und liegt gut in der Hand. Die Kanten haben eine silberne Facette, die dem schwarzen Aluminiumgehäuse eine gewisse Eleganz verleihen. Neben dem 1,5“x2,0“ Display (kein Touch) sind lediglich fünf Tasten auf der Front des Geräts. Diese sind recht streng zu drücken, was ein versehentliches Drücken der Tasten während sich der DTR1 in der Hosentasche befindet, ausschließt. Ich möchte noch erwähnen, dass die Tastentöne sehr laut sind. Ich empfinde dieses Klicken aber nicht sonderbar störend.

Mit seinen 151g ist er auch nicht zu schwer oder zu leicht um billig zu wirken.
Auf der rechten Seite sind neben einem Laut / Leiser Knopf noch der Power Button und der Einschub für die SD Karte. Dethonray gibt eine Kompatibilität bis zu 1TB (ExFAT) an. Ich selbst verwende das Gerät mit einer 512GB SanDisk*.

An der Unterseite des Geräts befinden sich zwei 3,5mm Anschlüsse. 1x Line Out und 1x für den Kopfhörer. In der Mitte ist ein Micro HDMI Stecker, der zum aufladen dient. Der DTR1 verfügt über keinen Balanced Anschluss!

Die Rückseite besteht aus Glas und merkwürdigerweise wurde hier die Bezeichnung im Querformat beschriftet. Ich kann das zwar nicht ganz verstehen, aber irgendwie macht es das Gerät noch etwas ausgefallener.

Ein kleines Manko weist mein Gerät leider auf. Bei den Knöpfen Oben und Unten sind die Pfeile nicht Mittig positioniert und mein Knopf für Rechts ist mit einem Linkspfeil versehen. Hier wurde der Knopf wohl falschrum montiert. Etwas ähnliches ist mir bereits bei einem anderen chinesischen Hersteller aufgefallen. Die Funktion stört es jedoch nicht und das Gefühl hier etwas Einzigartiges in der Hand zu halten ist dank dieses Mankos bei mir sogar stärker geworden.


Technische Daten

Der DTR1 hat einen verbauten AK4490EQ DAC und für jeden Kanal (Links und Rechts) jeweils zwei TI OPA1611 Low Pass Filter verbaut. Somit soll der bestmögliche Klang garantiert werden.

Der DTR1 verfügt über zwei separate Akkus. So werden die Digitalen und analogen Bauteile separat mit Strom versorgt. Das bedeutet im Grunde, dass man ein DAC + Amp-System wie bei einer Desktop Combo in einem kleinen Paket hat. Das ermöglicht die sauberste Leistung für die Klangverarbeitung. USB C oder USB im allgemeinen hätte die zwei separaten Akkus nicht aufladen können. So hat sich Anson kurzerhand einen Micro HDMI Anschluss zu Nutze gemacht um die 8,5V an das Gerät zu bringen.

Bei meinem Gerät war nur ein Netzteil mit einem UK Anschluss dabei. Harry hat es mir im Vorhinein mitgeteilt, so konnte ich mir noch einen passenden Adapter zulegen bevor das Gerät bei mir eingetroffen ist.

Als Files werden WAV, Flac, WMA, Mp3, APE(normal,high,fast), AAC, ALAC, AIFF, DFF/DSF und OGG unterstützt.

Mehr dazu findet Ihr auf www.dethonray.com


Funktionen & User Interface

Der DTR1 ist sehr schnell im Betriebsmodus. Nach dem Drücken des Power Buttons erscheint noch kurz das Logo von Dethonray und schon startet das angepasste Linux OS „Ocelot“.

Meine knapp 8500 Songs wurden in unter 15 Sekunden gescannt und waren sofort abspielbar. Bei meinen anderen Geräten dauert dies meist einige Minuten. Es sollte noch erwähnt werden, dass Ocelot nur die Titel scannt und die jeweiligen Cover der Alben berücksichtigt. Daten wie Album und Genre sind hier nebensächlich. Deshalb hat Anson bewusst darauf verzichtet.

Wer eine gut organisierte Musikdatenbank besitzt kommt beim DTR1 in den vollen Genuss der Browser Funktion. Hier wird die komplette Ordnerübersicht der Musikbibliothek angezeigt. Bei mir ist dies in den jeweiligen Überordner der Interpreten und deren Alben gegliedert. Es ist also dringend anzuraten, seine Musikbibliothek gut in einer Ordnerstruktur zu verwalten mit Künstler als Oberordner und den Alben in den Unterordnern.

Das Hauptmenü verfügt über fünf Optionen. Oben wird der aktuelle Track gezeigt und hierüber gelangt man auch in den Playermodus.

Die vier weiteren Funktionen sind All Tracks, Favorites, Browser und Settings.

Die Einstellungen erweisen sich als sehr nüchtern. Viele Funktionen werden hier nicht aufgelistet. Bei der Sprache stehen sechs Sprachen zur Auswahl. Deutsch ist hier nicht dabei und laut Anson wird diese auch nicht eingepflegt, da er mit der aktuellen Firmware die finale Firmware programmiert hat. Also gebe ich mich mit Englisch zufrieden.

Die Einstellungen sind trotzdem klar verständlich. Als Gain gibt es drei Stufen zur Auswahl. Low für Balanced Armature Kopfhörer, Middle für dynamische Kopfhörer und High für Kopfhörer die etwas schwieriger anzutreiben sind. Anson sagte mir hier, dass Kopfhörer bis 300 Ohm problemlos angetrieben werden können. Auch meine 600 Ohm T1 Over Ears kann der Player auf ordentliche Lautstärke bringen. Neben der Displayhelligkeit und der automatischen Ausschaltzeit des Displays stehen noch ein paar Einstellungen zur Auswahl, auf die ich nicht weiter eingehen möchte.

Der DTR1 verfügt über keine EQ Funktion. Anson hat mit seiner Community das bestmögliche an SQ rausgeholt und möchte diese auch nicht verfälschen. Es besteht jedoch die Möglichkeit einen anderen Filter einzustellen.

Zur Auswahl stehen hier:

  • Sharp roll-off
  • Slow roll-off
  • Short delay sharp roll-off
  • Short delay slow roll-off

Ein weiterer Vorteil ist, dass sich die Lautstärke bei Pause und Play etwas verringert und wieder anpasst um das Gehör zu schonen und schützen. 

Anson meinte gegenüber mir, dass die Firmware 3.8 final und ausgereift sei. Mir ist beim Abspielen einiger Alben aufgefallen, dass manche Lieder zwar gelistet wurden, aber nicht abgespielt werden konnten. Dabei handelte es sich um sehr kurze Lieder von etwa 15 Sekunden. Anscheinend wurden diese nicht richtig eingelesen. Nach zwei Tagen erhielt ich eine Email mit der aktuellen Firmware 4.0.

Das Problem mit den Files wurde behoben. Des Weiteren wurde der Homescreen etwas in der Anordnung verändert und auch die Navigation im Hauptbildschirm wurde meiner Meinung nach verbessert.

Die Bedienung über die Tasten hat man schnell gelernt und verinnerlicht. Anfangs ist es eine ordentliche Umstellung in Zeiten der Player mit Touchscreen. 


Klang 

Beim Klang wird es jetzt wirklich schwierig für mich in Worte zu fassen. Erstens weil ich kein Akustik Guru bin und zweitens weil ich einen so guten Klang nicht erwartet habe. Erst letztens habe ich zu einem Kollegen gesagt, dass ich jetzt eigentlich alle anderen DAPs verkaufen könne, da der Sound des DTR1 bei mir genau ins Volle trifft.

Beginnen wir mit der gesamten Abstimmung des DTR1. Der Klang ist sehr neutral und linear abgestimmt. Egal mit welchen Kopfhörern und Gain ich den DTR1 auch benutzt habe. Ich habe kein Rauschen wahrgenommen. Auch in den höheren Lautstärken nicht.

Mir ist jedoch bei einigen Liedern ein knistern aufgefallen, was ich bei meinen anderen DAPs nicht so wahrgenommen habe. Ich werfe jetzt mal in den Raum, dass der DTR1 schlechtere Aufnahmen entlarvt.

Ich habe erst beim Hören der Campfire Ara mit dem DTR1 die Klangsignatur der Ara richtig klar raushören können. Beim Ara konnte ich ein Grundrauschen wahrnehmen, wovon bei laufender Musik jedoch nichts mehr zu hören war.

Der Dethonray spielt an und für sich einen Tick wärmer. Das steht dem Kleinen richtig gut. So wirkt er in keinster Weise zu kalt und analytisch.

Die Höhen sind genau richtig. Sie sind präsent und weisen Klarheit und Brillanz auf. Sie sind in keiner Hinsicht anstrengend. Ein Zischen konnte ich nicht wahrnehmen.

Die Mitten wirken sehr klar und luftig. Sie sind schön transparent und die Instrumententrennung ist wunderbar. Der Gesang und die Instrumente klingen schön lebendig ohne verspielt / gesoundet zu wirken.

Die Tiefen sind nicht sehr Druckvoll aber bringen den Bass trotzdem gut rüber. Er ist präzise und hat einen leichten Kick. Für Leute die gerne mehr Bass haben, ist der DTR1 nichts. Selbst mit meinen FH7 habe ich nur eine kleine Steigerung der Tiefen bemerken können. Für mich reicht der Bass vollkommen aus und er haucht auch meinen FA7 mehr Leben ein.

Nach längerem Hören konnte ich doch noch eine Steigerung der Bässe wahrnehmen. Kann natürlich sein, dass sich mein Gehör an den DTR1 gewöhnt hat. Die FA7 bleiben trotz allem ihrem linearen Klangbild treu. Gesoundete Kopfhörer wie meine AQ Nightowls Carbon haben einen sehr beeindruckenden Bass zum Vorschein gebracht.


Vergleich

Als Erstes möchte ich den Shanling M6 Pro erwähnen, da der Klang des Pros sehr ähnlich abgestimmt ist wie beim DTR1. Hier habt ihr den Vorteil, dass ihr Android habt und so auch auf andere Apps und Streamingdienste zugreifen könnt. Der M6 Pro ist jedoch recht schwer und auch groß, somit scheidet dieser meiner Meinung nach als portabler Wegbegleiter aus. Das Hosentaschenformat ist hier definitiv nicht mehr vorhanden.

Wenn ich die Geräte von Questyle bereits in den Händen gehabt hätte und mir einen Eindruck des Klangs machen hätte können, wären auch diese Player hier eine direkte Konkurrenz, da auch diese auf jeden möglichen Schnickschnack verzichten. Hier könnte Ich mir auch eine bessere Verarbeitung vorstellen. 


Fazit

Ich empfehle den DTR1 jedem, der nicht unbedingt einen DAP auf Android Basis benötigt und ein reines Gerät zum Musik genießen sucht. Jeder, der etwas Besonderes und auch Einzigartiges sucht, ist hier genau richtig. Wem der Klang im Vordergrund steht und Wer auch keinen EQ benutzt, kommt hier in den vollen Genuss seiner Musikbibliothek.

Der puristische Look und die einfache Bedienung sprechen für den DTR1.

Der DTR1 ist der erste Player von Dethonray und Anson hat hier gezeigt, dass es nicht immer die aktuellsten DACs sein müssen, sondern die Implementierung der Komponenten ebenfalls ausschlaggebend für den guten Klang ist.

Der recht hohe Preis schreckt anfangs etwas ab. Aber der DTR1 ist jeden Cent wert. Auch wenn ich ein paar Schönheitsfehler an meinem Gerät feststellen musste, bin ich vollends zufrieden.

Nach längerer Zeit habe ich das Gefühl, dass die Nutzer des DTR1 eine kleine eigene Familie sind. Anson hat immer ein offenes Ohr und lässt nie auf Antwort warten. Er bemüht sich wirklich, dass jeder Nutzer zufrieden und glücklich ist. Dies ist wohl auch dem geschuldet, dass es sich hier um ein sehr kleines Unternehmen handelt.


Dethonray DTR1 DAP | Bewertung

8.5

Klangqualität

9.5/10

Verarbeitung

8.5/10

Bedienung/Funktion

8.0/10

GUI/Software

8.5/10

Preis/Leistung

8.0/10

Pros

  • Einfaches OS
  • Einfache Bedienung
  • Kompakte Größe
  • Hochwertiger Klang
  • Leistungsstark

Cons

  • Nur 3,5 Klinke
  • Micro HDMI als Ladebuchse
  • Verarbeitung könnte besser sein
  • Hoher Preis
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