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Vision Ears VE10 | Testbericht

Zuerst einmal: Herzlichen Glückwunsch zu Zehn Jahren Vision Ears!
Zehn Jahre, in denen so Inear-Perlen wie VE7 & VE8, Elysium, Phönix, Erlkönig und EXT eindrucksvoll unterstrichen haben, daß die kleine Manufaktur aus dem Herzen von Köln zur absoluten Speerspitze der internationalen IEM Brands gehört. Und pünktlich zum Jubiläum gibt´s natürlich ein neues Topmodell – den Vision Ears VE10.
Was diesen IEM zu etwas ganz Besonderem macht und natürlich wie er klingt – das finde ich für euch heute heraus!


[Werbung] Obwohl ich den Vision Ears VE10 käuflich erworben habe, sei an dieser Stelle der Hinweis erlaubt. Denn der Bericht könnte durchaus eine gewisse – ungewollte und unbezahlte – werbliche Funktion erfüllen und durchaus einen Kaufreflex auslösen.


Vision Ears

Als die beiden Vision Ears Gründer Amin und Marcel ihre Firma 2013 gründeten, konnten sie bereits auf langjährige Erfahrung in der Branche zurückblicken. Beide arbeiteten schon vorher bei einem – damals – überregional bekannten Inear Hersteller.

Gut, daß sie den Sprung in die Selbstständigkeit wagten und ihre eigene Firma gründeten. Wie bei den meisten IEM Anbieter liegt der Schwerpunkt auf InEar-Monitoring im professionellen Bereich – also maßangefertigte Custom Inears für Musiker. In nur wenigen Jahren wurden die Produkte von Vision Ears aber auch weltweit bei immer mehr audiophilen Kunden immer erfolgreicher. Man hatte mit dem Erlkönig oder dem Elysium Meilensteine setzen können, die durch Weiterentwicklungen wie Phönix und EXT noch übertroffen wurden.

VE-Line und Premium Line

Das Sortiment von Vision Ears teilt sich in zwei Bereiche auf: Die VE Line richtet sich hauptsächlich an die Musiker-Fraktion, alle IEMs aus dieser Linie gibt es entweder als maßgefertigte Custom IEM oder im Universal-Fit. Als Treiber werden verschiedene Konfigurationen mit Balanced Armature Treibern angeboten. Als Gehäusematerial kommt bei allen Modellen Acryl zur Anwendung, welches in vielen Farben und verschiedenen Faceplate Designs erhältlich ist. Gerade die Wahl des Faceplate Designs stellt den Kunden aufgrund der riesigen Auswahl vor die Qual der Wahl. Die Namensgebung der Modelle in dieser Reihe ist einfach: Dem Präfix VE folgt die Anzahl der verbauten Treiber. VE7 steht also für ein Modell aus der VE Line mit sieben Treibern. Der Lieferumfang ist ebenfalls eher am Musiker-Alltag orientiert.

Die Premium Line richtet sich vorrangig an anspruchsvolle Musikliebhaber, bei denen der reine Musikgenuss an erster Stelle steht. Hier haben die IEM eigene Namen wie Erlkönig, Phönix, Elysium oder EXT. Auch das Design ist hier von Modell zu Modell hochindividuell – angefangen beim Material und der Form des Gehäuses bis hin zur jeweiligen Faceplate. Optionen gib es hier im Gegensatz zur VE Line nicht – von limitierten Sondermodellen einmal abgesehen. Auch bleibt die Konfiguration nicht auf Balanced Armature Treiber beschränkt. Hier kommen teilweise auch Elektrostaten und dynamische Treiber in Kombination mit BA Treibern zum Einsatz. Daß die Grenzen zwischen den beiden Linien mit dem VE10 ineinander übergehen, ist schon im Design offensichtlich. Denn dieser bricht mit der ein oder anderen Konvention, die es vorher gab…

Der Vision Ears VE10

Der VE10 ist nicht nur das Jubiläumsmodell von Vision Ears, sondern vereint auch erstmals Eigenschaften von beiden Linien in einem Produkt. Das geht schon bei der Nomenklatur los. Die Bezeichnung VE10 signalisiert eindeutig die Zugehörigkeit zur VE Line. Aber VEX – mit dem römischen X wie auch im Logo auf der Faceplate zu sehen – klingt doch schon eher nach Premium Line (EXT lässt grüßen!).

Diese Chimären-Charakteristik spiegelt sich auch im Design und im Lieferumfang wieder. Das Design ist eher untypisch für einen IEM aus der VE Line. Denn Acry sucht man hier vergebens. Stattdessen erinnert das Gehäuse aus Metall und auch die eigenständige Form der Faceplate eher an Vertreter der Premium Linie. Und auch das Kabel ist absolut Premium und eine Augenweide – kein Vergleich zu den eher praktischen Strippen der VE Line. Last but not least ist der VEX ein Hybrid-IEM, nutzt also sowohl Balanced Armature Treiber als auch einen dynamischen Treiber.

Anyway, Vision Ears hat den VE10 in der VE Line einsortiert, und so ist er sieben Jahre nach dem VE8 das neueste Topmodell aus der Reihe. Technisch handelt es sich beim VE10 um ein 5-Wege Hybrid System mit 10 Treibern pro Seite:

Technische Konfiguration Vision Ears VE10

5-Wege-System mit 10 Treibern (Hybrid BA + DD)

  • 1 x 8 mm Dynamiktreiber mit einem akustischen Low-Pass Filter
  • 2 x dual Tief-Mitteltöner
  • 1 x dual Mitteltöner
  • 1 x dual Mittel-Hochtöner
  • 1 x Superhochtöner

Der Schritt hin zu einem Hybrid-System ermöglicht die Erweiterung der Klang-Signatur durch ein natürliches und organisches Timbre, wie es fast nur dynamische Treiber bieten können. Daß Vision Ears auch meisterhaft mit dynamischen Treibern umgehen kann, haben sie ja bereits mit dem EXT demonstrieren können.

Aktuell gibt es den VE10 nur in der universellen Ausführung zum Preis von 2.780€, eine Custom Variante ist aber bereits angekündigt und wird ebenfalls noch kommen.


Lieferumfang und Verpackung

Der Vision Ears VE10 kommt in einer rechteckigen Pappschachtel, die in einem mit einem Produktfoto bedruckten Pappschuber steckt. Das Design der Verpackung ist dezent, die Grundfarbe ist edles schwarz. Darauf hebt sich der VE10 mit seinem silberfarbenen Metallgehäuse ansprechend ab. Die Verpackung ist weniger aufwändig als üblicherweise die der Premium Line, aber trotzdem hochwertig und stabil.

Die aufklappbare Schachtel bietet Platz für reichlich Zubehör. Und dessen Umfang erinnert wiederum eindrucksoll an die Premium Line. Vision Ears liefert mit dem VEX das volle Brett und bietet neben dem tollen Kabel und einem edlen Case auch sonst noch einige Leckerli.

  • Vision Ears VE10 InEars
  • VE10 Premium Kabel
  • VE Ledercase
  • VE Mesh Beutelchen
  • 3 Paar AZLA ORIGIN Silikon Tips
  • 4 Paar SpinFit CP145
  • VE In-Ear Reinigungsspray
  • Cerumenpen
  • Ersatz-Cerumenfilter
  • Microfasertuch
  • VE Leder Kabelbinder
  • Metall-Ansteck PIN
  • Papierkram

Der Lieferumfang zeigt deutlich die Ambition von Vision Ears, neben herausragendem Klang auch mit dem Komplettpaket eine einzigartige Erfahrung zu liefern. Bemerkenswert finde ich die Innovationsfreude, immer neue Zubehör-Produkte und oder Goodies passend zum jeweiligen IEM zu bringen. Auch die Cases sind immer wieder individuell und unterscheiden sich von Modell zu Modell.

So kann ich mich noch gut erinnern, als Amin mich auf der HighEnd 2023 um meine Meinung bzgl. verschiedenen Case-Varianten für den kommenden VE10 fragte und mir neben dem Prototypen des Inears selbst auch diverse Modelle vom potentiellen Case zeigte. Man macht sich bei Vision Ears wirklich um Details Gedanken. Auch wenn natürlich der IEM und dessen Klang an erster Stelle steht, so finde ich diesen detailverliebten Ansatz super.


Design und Verarbeitung

InEar

Im VEX zeigt sich Visions Ears Liebe zum Detail und zu gutem Design sehr deutlich. Das Gehäuse aus schwarz eloxiertem Aluminium ist klein und findet wohl in den meisten Ohren einen sicheren Platz. Die grobe Form des Gehäuses ist dezent an die des Phönix angelehnt, allerdings ein klein wenig ergonomischer ausgeformt mit der etwas konkaveren Rückseite.

Die Faceplate aus Aluminium erinnert von der Geometrie her eher an die Faceplate des EXT und hebt sich vom schwarzmatten Gehäuse gekonnt ab. Die Faceplate ansich hat eine gelungene Formgebung mit einem exponiertem, gebürsteten Teil und einem matten Bereich. Die Entlüftungsöffnung für den dynamischen Treiber ist unauffällig im schwarzen Logo bzw. VEX Schriftzug integriert.

Die Verarbeitungsqualität ist wieder einmal perfekt, es gibt nicht die geringsten Unregelmäßigkeiten. Besser kann man die verwendeten Materialien wohl nicht verarbeiten. Der 2-Pin Anschluss sitzt akkurat, alles ist absolut sauber eingepasst und handwerklich sauber ausgeführt. Es gibt keine Spaltmaße, Grate oder Überstände.

Kabel

Bereits Phönix und EXT hatten wirklich gute Kabel im Lieferumfang. Aber das Serienkabel des VE10 setzt neue Maßstäbe und hat mich überaus positiv überrascht. Es könnte in dieser Form auch aus dem hochpreisigen Portfolio einer der angesagtesten Kabelmanufakturen kommen, für die Enthusiasten gern mal einige Scheine locker machen. Freunde von guten Kabeln dürften diese Wahl auf jeden Fall begrüßen. Andere wiederum könnten argumentieren, den VE10 lieber mit Standardkabel und dafür etwas günstiger zu bekommen. Ich gehöre zur ersten Gruppe und freue mich, daß ich künftig keinen Gedanken an ein Zubehörkabel verschwenden muss.

Neben der individuellen klanglichen Abstimmung auf die tonalen Eigenschaften passt selbstverständlich auch das Design des Kabels perfekt zum VEX. Das (dunkel)silberne Kabel ist durch die flexible Ummantelung im Detail zu sehen und schimmert edel und mit technisch kühlem Touch. Selbst der Geräte-Stecker – zeitgemäß natürlich in der symmetrischen 4.4mm Ausführung – und der Splitter sind keine „Standardteile“, so wie bei zu vielen anderen Anbietern. Der schwarze Splitter nimmt die Formgebung der Faceplates auf und auch der 4.4mm Stecker aus mattschwarz eloxiertem Aluminium passt einfach perfekt zum Design.

Die Haptik des Kabels ist erstklassig. Es ist leicht, flexibel und fällt locker, besitzt keine nennenswerte Federspannung und liegt flach auf dem Tisch auf. Mikrofonie über das Kabel ist auch kein Problem. Die Länge ist mit 1.20m für meinen Anwendungsfall schon grenzwertig, dürfte gerne 10-20cm länger sein. Ich höre gern am Arbeitsplatz, und da ist der Weg vom KHV über den Schreibtisch doch etwas länger als vom DAP in der Jackentasche. Unterm Strich aber besteht für mich definitiv keinerlei Anlass, hier zu einem Zubehörkabel zu greifen.

Hier noch die Daten des Kabels:

  • 6NOCC versilbertes Kupfer auf 6NOCC Kupfer (made in Taiwan)
  • Golden ratio geometry + custom litz structure
  • 21 AWG
  • Silberfarben
  • 4.4 mm Anschluss
  • 0.78 mm 2 Pins
  • 1.20 m Länge

Vision Ears selbst bietet das Kabel übrigens auch solo an – für nicht ganz günstige 480€. In Anbetracht der Qualität und der Preise vergleichbarer Zubehörkabel scheint mir das aber durchaus gerechtfertigt.

Eartips

Bei den Eartips setzt man auch die bekannten SpinFit CP145, die in vier verschiedenen Größen (S/SM/M/L) beiliegen. Zusätzlich gibt es mit den Origin ein brandneues Modell von AZLA, welches in drei verschiedenen Größen beiliegt. Die klanglichen Unterschiede beschreibt Vision Ears wie folgt:

  • AZLA ORIGIN = volles Klangbild dank der großen Durchmesser am Schallaustritt
  • SpinFit CP145 = angenehmes Tragegefühl durch ergonomische Eigenschaft der Spitzen

Die Wahl der Tips ist auf jeden Fall gelungen. Die SpinFits passen sowieso immer sehr gut bei mir, die AZLA Origin haben mich positiv überrascht. Dieses sitzen noch etwas besser und bieten sogar den insgesamt nochmal mitreißenderen Klang. Wichtig an dieser Stelle ist immer ausprobieren. Ein IEM klingt nur gut, wenn der Sitz einen perfekten Seal erreicht. Sonst geht Bass verloren. Also unbedingt ausprobieren – auch verschiedene Größen, gern sogar pro Ohr unterschiedlich!

Case

Neuer IEM, neues Case! Legte man bisher der VE Line ein rundes Metallcase mit Schraubverschluss bei, so spendiert Vision Ears dem VEX nun ein edles Ledercase mit Klappcover. Somit wird auch hier deutlich, daß sich der Focus in Richtung Consumer verschoben hat und die Nadel eher Richtung in Premium ausschlägt – was sich allerdings für ein Top-Of-The-Line Modell auch irgendwie gehört.

Das Case aus schwarzem Leder ist makellos verarbeitet, bietet reichlich Platz für IEM und Kabel und sieht edel aus. Außerdem ist der Innenbereich leicht gepolstert und weich ausgekleidet. Zum Schutz der beiden IEM hat man auf eine Trennung innerhalb des Cases zwar verzichtet, legt aber ein kleines Mesh-Säckchen mit zwei getrennten Fächern dazu. So wird ein Aneinanderreiben der IEM im Case effektiv unterbunden.


Der Tragekomfort

Bisher haben alle IEM von Vision Ears bei mir richtig gut gepasst. Auch der VE10 ist hier keine Ausnahme. Im Gegenteil: Ich denke sogar, daß dieser aktuell den besten Kompromiss aus sicherem Sitz und Komfort liefert – ähnlich den Universal Varianten der VE Serie mit Acrylgehäuse. Der EXT sitzt zwar aufgrund seiner stark ergonomisch ausgeformten Schale bombenfest, kann aber von manchen aufgrund des recht dicken Nozzles tlw. als unangenehm empfunden werden.

Der Phönix ist. dbzgl. komfortabler – aber zumindest ich muss immer mal nachjustieren, damit er den Seal nicht verliert. Der VE10 wiederum sitzt wie eine Mischung aus Phönix, der VE-Linie und EXT. Er lässt sich leicht und schnell einsetzen und bietet – vor allem mit den Azla Tips – auch dauerhaften Seal. Der Tragekomfort ist sehr gut, selbst lange Sessions sind kein Problem. Einfach Perfekt!


Klangeindrücke

Kommen wir nun aber endlich zum zentralen Thema eines jeden Kopfhörer-Tests:
Wie klingt der Vision Ears VE10?

Der Vision Ears VE10 präsentiert sich als ausgeglichener Alleskönner, der tonal sofort einrastet und vom ersten Moment an voll überzeugt. Seine ausgewogene Abstimmung ist alles andere als langweilig, begeistert vielmehr direkt mit kraftvollen Bässen, reichhaltigen, präzisen Mitten (typisch VE!) und natürlichen Höhen mit toller Detailauflösung und Klarheit. Das Ganze wird eingebunden in eine beeindruckend realistische und dreidimensionale Klangbühne mit exzellenter Instrumentenseparation. Der Ersteindruck ist bereits absolut überzeugend – genau wie mein erster Kontakt mit dem Prototyp damals auf der High-End 2023. Schon da war Andi und mir sofort nach nur wenigen Takten klar, daß Vision Ears hier erneut etwas Besonderes geschaffen hat.

Klangcharakteristik

Der VE10 wurde laut Vision Ears auf ein weites und offenes Stereobild, hohe Auflösung und ein kraftvoll dynamisches, lebendiges Klangbild abgestimmt. Dem kann ich nur voll und ganz zustimmen. Die brilliante Klarheit in Verbindung mit der Räumlichkeit und dem begeisternd aufspielenden, sehr gut konturierten und texturiertem Bass verbinden sich mit absolut detaillierten Mitten und bilden so einen Sound, der absolut kohärent und einfach nur „richtig“ kling. In diesen Eigenschaften erinnert er mich tatsächlich an eine Mischung aus EXT und Phönix. Hatten wir das nicht bereits bei der Gehäuseform? Es scheint sich zu festigen, der VE10 schickt sich wohl wirklich an, die besten Eigenschaften dieser beiden großartigen IEM miteinander zu Verbinden.

Vom Vision Ears EXT scheint er die hochgradig mitreißende Art bezüglich Schlagzeug-Wiedergabe geerbt zu habe, vom Phönix die kraftvollen, detaillierten und vielschichtigen Mitten. Die Höhen bewegen sich ebenfalls irgendwo zwischen den beiden, wobei sie im VE10 einfach nur perfekt angestimmt und exakt richtig dosiert wirken. Auch was die musikalische Tonalität angeht scheint der VE10 wieder etwas von Beiden Premium Modellen zu haben: Die organische und absolut musikalische „HiFi“ Abstimmung mit gleichwertiger Tief- und Midbass-Balance des EXT gepaart mit der eher neutraleren, klareren Phönix DNA, welche den Fokus eher auf den Midbass legt.

Spielpartner

Als Abspielgeräte kamen dieses mal zum Einsatz: Auf dem Schreibtisch natürlich mein Questyle CMA Fifteen (Test) und der Violectriv DHA-V226 (Test V222) mit meinem iMac (Tidal, Apple Music) als Zuspieler. Im Bereich der mobilen Quellgeräte durfte der VE10 sich am Astell & Kern Kann Max (Test) und am Sony WM-1Am2 beweisen. Und als portable Lösung durfte selbstverständlich der iBasso DX320 Ti (Test) ran.

Die einzelnen Frequenz-Bereiche im Detail:

Bass

Resultierend aus dem dynamischen Treiber klingt der Bassbereich voll, organisch und natürlich. Der Vision Ears VE10 geht tief hinunter, hat aber den Fokus weiterhin ganz VE-Line typisch eher etwas mehr auf dem Midbass. So ist er überaus punchig und kickt bei Bassdrums fast physikalisch spürbar. Der Bass ist dabei beeindruckend detailliert, schnell bei Transienten und überaus konturenscharf.

Zusätzlich betont er im Tiefbass etwas mehr als es sonst in der VE-Line üblich ist und ergänzt so das fehlende Fundament. Daraus ergibt sich ein komplett homogener Bass von ganz unten bis hoch in den Oberbass, was den VE10 zu einem Alleskönner macht. Brutale Deathmetal Doublebassdrums oder soft drückende, tiefe Jazz-Drums – alles kein Problem. Und selbst für EDM hat der VE10 noch genug Reserven.

Mitten

Im Bereich der Mitten präsentiert sich der VE10 in selbstbewusster Weise reichhaltig und voll. Er zeichnet sich durch eine äußerst präzise Detailwiedergabe und starke Musikalität aus. Gitarrenriffs haben das nötige Pfund und sind voller Energie. Akustische Instrumente klingen überaus natürlich und echt. Die Stimmwiedergabe erscheint ebenso jederzeit natürlich, kraftvoll und facettenreich, was mich stark an den Phönix erinnert. Auch hinsichtlich Transparenz und Instrumentenseparation agiert der VE10 hier vergleichbar. Die Tonbalance ist äußerst klar, knackig und mitreißend – geradezu erfrischend.

Höhen

Der Bereich der Höhen ist in bester Tradition des formidablen VE7 fortgeführt und nochmals verbessert worden. Microdetails wie ich sie vom EXT kenne, sind hinzugekommen und machen den VE10 in der Treble-Wiedergabe zu einem der besten IEM, die ich bisher gehört habe – und das auch ohne EST Treiber.

Wie der EXT ist auch der VE10 absolut luftig, transparent und räumlich. Und aus der beeindruckenden Detailauflösung resultiert die extrem klare Darstellung von (nicht nur) Schlaginstrumenten. Aber für mich stechen hier die subtilen Obertöne heraus. Nicht nur Trommeln, sondern sämtlichen akustischen Instrumenten wird durch diese Eigenschaft eine erfrischende und natürliche Lebendigkeit verliehen.

Bühne

Der VE10 überzeugt durch ein herausragendes Imaging. Die Bühnenpräsentation erstreckt sich zwar nur moderat weit, entfaltet dabei aber eine beeindruckende Plastizität, was zu einer glaubwürdigen und optimal ausgewogenen räumlichen Darstellung führt. Dabei übertreibt es es nicht sondern erinnert an ein Stereobild beim Hören von erstklassigen Stereolautsprechern – nur ist er hier noch direkter.

Das Klanggeschehen löst sich dennoch präzise von den Ohren, und die räumliche Wirkung ist äußerst ansprechend, wodurch ein intensives und immersives Hörerlebnis entsteht.

Separation

Die Präzision des VEX, wenn es darum geht, Instrumente voneinander abzugrenzen, ist schlichtweg beeindruckend – unabhängig von ihrem musikalischen Genre. Ob es sich um klassische Melodien, kraftvollen Rock, improvisierten Jazz oder intensiven Metal handelt, die natürliche Klangwiedergabe der Instrumente weiß immer zu begeistern und verführt dazu, sich immer tiefer in der Musik zu verlieren. Ein böse knarzender Kontrabass, ballernde Bassdrums, fette Gitarrenriffs, und luftig-flirrende Akkorde – jede Nuance wird so präzise reproduziert, dass das Hörerlebnis zu einer spannenden Expedition wird.


Vision Ears VEX vs. EXT

Warum vergleiche ich hier den VE10 mit dem EXT und nicht mit dem VE7? Nun, ganz einfach. Der EXT ist nach wie vor mein absoluter Favorit im Bereich IEM. Und ich merkte beim VEX sofort, daß er ziemlich dicht herankommt. Soviel vorweg: Vom Thron stoßen kann er den EXT für mich persönlich nicht. Aber der Reihe nach…

Der VEX hat eine Menge vom EXT geerbt, das hatte ich bereits oben geschrieben. Beide IEM haben ein eigenständiges Design und drücken damit mehr Individualität als Serienzugehörigkeit aus. Der EXT treibt die universelle Passform auf die Spitze und fühlt sich beinahe schon an wie ein Custom IEM mit seiner stark ausgeformten Acrylschale. Der VEX ist hier eher klassisch in Richtung Phönix ausgeformt und dürfte noch mehr Nutzern problemlos passen.

Die Treiberkonfigurationen unterscheiden sich deutlich – der EXT nutzt zwei dynamische Treiber für Mitten und Bässe plus EST Treiber für die Höhen. Im VEX kommt ein dynamischer Treiber für den Bassbereich und für alles andere insgesamt 9 BA Treiber zum Einsatz.

Klangliche Differenzen

Klanglich bleibt der EXT weiter der Exzentriker, der es richtig krachen lässt. Mit einer fulminanten V-Signatur begeistert er durch viel Power und vor allem einer Musikalität, die ihresgleichen sucht.

Der VEX ist da gar nicht weit von entfernt, legt den Fokus aber unterm Strich doch mehr auf den Midbass-Punch und hat den noch texturierten, technisch brillanteren Bass. In den Mitten ist der EXT zurückhaltender zugunsten der musikalisch smoothen Abstimmung. Der VE10 ist hier progressiver, bringt in den Mitten mehr Glanz, Energie und Textur und präsentiert damit Instrumente, vor allem verzerrte Gitarren noch mehr „in your face“. Bei den Höhen ist der EXT aufgrund der EST Treiber wieder etwas ausgeprägter als der VEX und verfügt über mehr Strahlkraft und Glitzer. Der 10er ist hier ganz linientreu etwas neutraler unterwegs, beeindruckt aber ebenso mit einer fantastischen Detailauflösung und steht dem Detailgrad des EXT auch in nichts nach.

Der EXT besticht am Ende durch einen ausgeprägteren Charakter, eine kraftvollere Präsenz und hinterlässt einen intensiven Eindruck. Im Bereich der Mitten hält er sich dafür etwas zurück. Demgegenüber präsentiert sich der VE10 eher als ausgeglichener Allrounder mit einer natürlicheren, neutraleren Tonalität, dafür einem im Vergleich kraftvolleren Mittenbereich und den etwas entspannteren Höhen bei überragender Bassqualität.

Und der Sieger ist?

Technisch brilliant sind beide. Welchen der beiden man nun präferiert hängt – wie so oft – von den persönlichen tonalen Vorlieben ab. Möchte man eine möglichst ausgeglichene Signatur, so ist man wohl beim VE10 richtig. Wenn es aber ein Charakterkopf mit mächtig Dampf sein soll, dann fällt die Wahl vermutlich auf den EXT. Auch für mich bleibt der EXT einfach unerreicht.

Der VE10 kommt aber schon sehr dicht dran und besticht wiederum durch seine Universalität. Wenn es nur ein einziger IEM sein soll, dann ist er mit seiner perfekten Symbiose aus den guten Eigenschaften von EXT und Phönix und auch VE7 eindeutig die richtige Wahl.


Musikbeispiele

blink-182 – Anthem Part 3

Yeah! blink-182 wiedervereint in Originalbesetzung. Die Pioniere des Pop-Punk hauen 2023 ein Album raus, welches bei mir in Dauerrotation läuft. Der erste Song macht direkt klar, was hier Phase ist: Power, Punk und catchy Melodien. Die schrammelige Gitarre strahlt mit mit dem pumpenden Bass um die Wette und Travis Barker macht das Ganze mit seinem präzisen und kraftvollen Drumming zu dem, was blink seit jeher ausmacht. Das geht direkt auf die 12! Der VE10 differenziert alle Spuren höchst präzise und lässt jede noch so kleine Nuance hörbar werden. Der üppige Gebrauch von Blech in Form von Becken stellt den VE10 vor keinerlei Probleme. Sauber brilliert er selbst die chraschigsten Ausbrüche und hält sie im Zaum. Die Snaredrum knallt und die Bassdrums punchen mit Freude und extrem präzise.

Hiraes – Undercurrent

Eine der für mich vielversprechendsten Bands aus Deutschland sind Hiraes. Die Mischung aus Death-Metal mit groovigen, rifforientierten Parts und vor allem der kraftvolle Gesang der Frontfrau erinnern nicht nur einmal an Arch Enemy. Trotzdem bleiben Hiraes eigenständig und scheuen auch keine Klargesang-Passagen. Der VE10 brilliert hier sowohl bei der energiegeladenen Wiedergabe der brachialen Gitarrenpower mit trennscharfer Separation der einzelnen Spuren (Riff, Lead) als auch bei der druckvollen Wiedergabe von Drums und Bass. Schnelle und dichte Instrumentierung verlangt präzises Imaging und eine impulsive Transientenwiedergabe. Der VEX liefert in allen Punkten perfekt ab.

Soen – Memorial

Meine Neuentdeckung 2023: Eher rocklästiger Metal mit Opeth Anleihen. Schwermütiges Riffing trifft auf klaren, aber kraftvollen Gesang mit eingängigen Melodien. Auch hier begeistert der VE10 mit einer homogenen und natürlichen Wiedergabe. Dabei lässt er das Schlagzeug natürlich, organisch und druckvoll klingen. Auch leise Details im Hintergrund werden nicht unter den Teppich gekehrt. Alle Komponenten des Mixer sind sauber differenziert. Das Album ist recht dynamisch und dem zollt der IEM Rechnung, schafft auch in leisen Passagen deutliche Konturen und bleibt kraftvoll.

Orchestre symphonique de Montréal & Rafael Payare – Mahler: Symphony No.5 / II.

Selbstverständlich ist der Vision Ears VE10 auf perfekt für klassische Musik geeignet. Hier am Beispiel von Mahler zeigt er, was er kann und zieht den Hörer von Sekunde Eins in seinen Bann. Bläser Streicher, Pauken eröffnen mit Vehemenz und fordern Übersicht und Bühne – kein Problem für den VE10. Die musikalischen Mitten ermöglichen eine farbenfrohe Instrumentenwiedergabe – natürlich auch in den leiseren Passagen. Hier klingt alles Natürlich und echt, man fühlt sich in den Konzertsaal versetzt, es macht einfach Spaß der involvierenden Komposition mit ihren Details und Feinheiten zu lauschen.

Und sonst?

Auch wenn die oberstehenden Beispiele nur aus dem Bereich Rock/Metal und Klassik sind – natürlich kommt der Vision Ears VE10 auch mit allen anderen Genres sehr gut klar. Einzig für extreme Bassheads liefert er vermutlich nicht genug unpräzisen und schwammigen Bass. Dafür punktet er aber mit seiner kontrollierten Midbass-Präzision und natürlich-organischer Basswiedergabe bei allem anderen.


Fotos


Fazit

Vision Ears hat einen Lauf, anders kann man es nicht sagen. Bisher haben mir alle IEM aus der Kölner Manufaktur außergewöhnlich gut gefallen. Der VE10 – oder auch VEX – bildet hier keine Ausnahme und das war mir bereits zur High-End 2023 klar als ich den Prototypen hören durfte.

Der Vision Ears VE10 verkörpert einen fast perfekten IEM, der keine Wünsche offen lässt. Mit seiner ausgewogenen, aber direkten und begeisternden Signatur und den technisch brillanten Eigenschaften dürfte er so ziemlich jeden überzeugen – vom Neutralität schätzenden Analysten über audiophilen Nerd bis hin zum genuss-orientieren HiFi-Fan. Daß der VEX wieder mal perfekt verarbeitet ist und die Jungs von Vision Ears erneut ein glückliches Händchen bei Design und Materialauswahl bewiesen haben, ist beinahe überflüssig zu erwähnen.

Somit bleibt am Ende eigentlich nur noch festzuhalten, daß die Nummer 10 im Produktnamen nicht nur für die Anzahl der Treiber und das 10-jährige Firmenjubiläum, sondern auch als X für das Crossover steht, welches der VEX innerhalb des Vision Ears Portfolios einnimmt. Er vereint viele positiven Eigenschaften der beiden Serien Line und Premium und führt diese gekonnt und mit absolut treffsicherer Abstimmung im VE10 zusammen.

Wer einen Premium Inear mit echter Flaggschiff-Authorität sucht, der über alle Genres hinweg absolut fantastisch, stimmig und langzeittauglich klingt, der perfekt verarbeitet ist, der ein vollständiges Gesamtpaket an Zubehör liefert und der dazu noch komfortabel und leicht anzutreiben ist – voilá!

Der Vision Ears VEX sollte unbedingt in die nähere Auswahl!


Vision Ears VE10 | Bewertung

9.9

Sound

10.0/10

Verarbeitung

10.0/10

Tragekomfort

10.0/10

Preis/Leistung

9.5/10

Pros

  • Überragender Sound
  • Perfekt ausgeglichen
  • Vorzügliche Bassqualität
  • Grandioses Design
  • Erstklassige Passform
  • Tolles Premium Kabel

Cons

  • Nix