Schon lange habe ich die InEars von Nuforce auf dem Schirm. Ich glaube es muss so 2015 gewesen sein, da erregte der Primo 8 meine Aufmerksamkeit. Das ist eine ganze Weile her. Mittlerweile ist Nuforce von der Beamermarke Optoma gekauft worden. Optoma vertreibt unter diesem Label neben einigen Kleingeräten wie DACs eine ganze Reihe höchst interessanter InEars in fast allen Preisklassen. Jetzt hat es sich endlich ergeben, meinen ersten InEar von Nuforce unter die Lupoe zu nehmen. Vielen Dank an dieser Stelle an Optoma, die mir für diesen Test das Einstiegsmodell, den Optoma HEM Dynamic zur Verfügung gestellt haben.
Mit einem Preis von 99€ (Stand: Mai 2018) spielt er im hart umkämpften Bereich der Aufsteigerklasse, welche gerade in der letzten Zeit wirklich sehr gute InEars hervor gebracht hat. Also: Was hat der HEM Dynamic drauf? Auf gehts!

Allgemeine Beschreibung

Beim Nuforce HEM Dynamic handelt es sich um einen InEar mit einem einzelnen, dynamischen Treiber im Universal-Fit Style mit Trageweise des abnehmbaren Kabels über dem Ohr. Ist der Einsatz eines einzelnen Treibers denn überhaupt noch zeitgemäß beim heutigen Hybrid-Wahnsinn? Schließlich gibt es InEars mit 8! Treibern…
Ich muss ehrlich sagen: Bei aller Begeisterung für das technisch machbare muß ich zugeben, daß mich Single Treiber Systeme mindestens genauso faszinieren. So ist der Sennheiser IE800 immer noch einer meiner All-Time-Favorites. Und der jüngst getestete iBasso IT01 zeigt für „schmales“ Budget, was heutzutage auch mit nur einem Treiber machbar ist.
Der HEM Dynamic macht auf jeden Fall einen sehr guten, ersten Eindruck. Ich bin gespannt…


Lieferumfang

Bild: Optoma.de

Der gebotene Lieferumfang ist mittlerweile guter Standard: Es gibt Silikontips und Foamies, einen „Shirtclip“ (gibt es eigentlich jemanden, der sowas nutzt??) und ein Transportcase. Reicht völlig aus. 

In der Box befindet sich:

  • Silikon-Tips in 3 verschiedenen Größen (S/M/L)
  • Complys: T-100 zwei Paar (M/L)
  • Transportcase
  • Kabelclip
  • Kabel mit Mikrofon

Technische Daten

Hier zur Vollständigkeit die Eckpunkte des HEM Dynamic:

  • Frequenzbereich: 20-40KHZ
  • Sensitivität; 90dB +/-3dB
  • Anschlusstyp: 3.5mm (4 pole-stereo)
  • Kabellänge: 1,38 Meter
  • Driver Unit: 6mm
  • Impedanz: 16 Ohm
  • Max. Leistungsaufnahme: 2mW
Bild: Optoma.de

Verarbeitung & Design

Der HEM Dynamic ist in zwei Farbvarianten erhältlich: „Crystal White“ und „Charcoal Black“. Mein Testmuster ist die Charcoal Black Variante. Wobei ich eher einen semitransparenten Aubergine-Farbton sehe – was sehr edel und stimmig aussieht. Das Gehäuse ansich macht einen stabilen Eindruck und ist sehr gut verarbeitet. Die 2-Pin Stecker sind stabil und sitzen fest – fast sogar zu fest – in den Gehäusen. Es braucht schon ordentlich Kraft, um die Kabel abzuziehen. Ich mag persönlich ja die MMCX Verbinder lieber, das ist aber auch Geschmacksache. Der Klinkenstecker ist abgewinkelt und verfügt über einen Knickschutz. Einzig das Kabel an sich muss ich kritisieren. Es ist für meinen Geschmack viel zu dünne, hier muss auch für 100€ mehr drin sein. Wenn man den iBasso IT01 mit seinem extrem hochwertigen , geflochtenen Kabel danebenlegt, wirkt das hauchdünne Kabel des HEM nicht gerade sehr vertrauenerweckend. Gut zumindest, daß es austauschbar ist.

Das beiliegende Case ist super. Es ist gut verarbeitet, gerade so groß wie nötig, stabil und mit kleinem, innenliegenden Netztäschchen für z.B. Ersatz-Eartips ausgestattet.


Tragekomfort

Ich finde, man sieht es den InEars aus der HEM Serie schon direkt von weitem an. Die InEars sind saubequem. Alles ist abgerundet, Kanten oder störende Absätze finden sich keine. Die Gehäuse sind klein und von der anatomischen Formgebung her dürften sie wohl in den allermeisten Ohren gut bis sehr gut sitzen. Bei mir jedenfalls ist das der Fall. Der HEM Dynamic sitzt bei mir außerordentlich bequem und absolut ermüdungsfrei. Durch die Trageweise mit dem Kabel über das Ohr sitzen sie bombenfest und mit den mittleren Silikontips haben sie auch einen perfekten Seal und dadurch eine beeindruckende passive Geräuschdämmung. 


Klangqualität

Als Einstiegsmodell in die Serie und als einziger mit dynamischen statt balanced Treibern, ist der HEM Dynamic – sagen wir mal – auf Massentauglichkeit getrimmt. So wird sehr großes Augenmerk auf den Bassbereich gelegt, welcher konsequenterweise stark betont ist. Die Mitten dagegen sind angenehm geradlinig und präsent. Höhentechnisch ist der HEM auf der angenehmen und nie nervigen Seite. Manchmal vermisse ich ein wenig mehr Strahlkraft. Ein Detailmonster ist der Dynamic sicher nicht, der Focus liegt eher auf angenehmer und gut durchhörbarer Ausgewogenheit mit Hang zum Warmen.

Im Detail:

Bass

Viele loben den trockenen und druckvollen Kickbass. Haben die einen anderen InEar gehört? Trocken finde ich den Bass keineswegs. Aber manchmal schon recht punchig, ja. Ausserdem hat er etwas, was mich an die Biozellolose-Treiber der Fostexe erinnert. Definitiv kein Kind von Traurigkeit, der HEM Dynamic lässt es krachen. Was ich allerdings vermisste sind straffere Konturen und lebhaftere Texturen. Eben Eigenschaften, die einen trockenen und  druckvollen Bass m.M.n. ausmachen. Trotzdem: Bassheads werden hier voll auf ihre Kosten kommen. Alle anderen: Probehören!

Mitten
Die Mitten sind sehr schön ausgewogen und sorgen trotz der Bassbetonung für eine präsente und treffsichere Gesamtsignatur. Wenn sie abgesenkt wären, wäre der InEar ziemlich unhörbar für Rock- und Metal. So aber passt es schon ganz gut. Saftige Gitarrenriffs und gut strukturierte Durchhörbarkeit spielen einer härteren Gangart in die Hände.

Höhen
Die Höhen empfinde ich als angenehm zurückhaltent bis ein wenig zu zahm. Hier dürfte es hin und wieder ein wenig mehr „glitzern“. Allerdings passt die eher unaufgeregte Höhenwiedergabe gut zum Konzept – nämlich eine möglichst breite Zustimmung zu finden.

Bühne und Transparenz
Die Bühne ist weder klein noch übertrieben breit. Ich würde sagen sie ist realistisch und gut ausbalanciert. Die Transparenz und Detailtreue könnte besser sein. In Anbetracht des Preises geht das aber in Ordnung.

Isolation
Die Isolation ist optimal. Vorraussetzung ist hier natürlich ein guter Seal.

Hörbeispiel

Ayreon – The Source
Okay, Tiefbass kann der HEM Dynamic. Und vor allem Bass… Beim komplett arrangiert und produzierten Progmetal von Ayreon kann die Bassbetonung im Mid-Oberbass allerdings je nach Geschmack recht schnell zu aufgedickt wirken. Mir ist das hier definitiv zu viel, es blutet auch in die Mitten rein, damit leidet die Balance.

Soilwork – Sadistic Lullaby
Auch hier – mächtig Bass. allerdings gerade noch im Rahmen. Bei dieser Produktion gefällt mir dann auch die Basstextur besser, sie hat einigermaßen Kontur und durchaus Punch. Die Höhen hat der Dynamic gut im Griff, lässt aber genug Spielraum für klare Ridebells und explodierende Effektbecken. Die Gitarren brettern aufgrund der guten Mitten unvermittelt und brutal.

Amorphis – Silent Waters
Aha, jetzt haben wir es perfekt getroffen. Auch hier wieder fetter Bass, der bei diesem Stück aber sehr gut ins melancholisch-melodische Gesamtkonstrukt passt. Das Ganze klingt ziemlich live. Das Piano bekommt trotz massivem Bassregime genug Luft zum Aufblühen und die Produktion ist differenziert genug, um ein Verwischen der Frequenzbereiche zu unterbinden.

Five Finger Death Punch – I Refuse
Mag sein, daß der ein oder andere FFDP hier eine krasse Anbiederung an den Mainstream vorwirft. Ich mag die Halbballade/Hymne aber sehr gern. Die ohnehin fette Produktion profitiert nochmal von der Bassbetonung des InEar, hier geht basstechnisch wirklich die Post ab. 


Weitere Bilder:

 


Fazit

Insgesamt würde ich sagen, daß der Nuforce HEM Dynamic ein prädestinierter Mobilhörer ist. Für die ruhige Umgebung im häuslichen Bereich sind mir die Bässe nämlich unterm Strich zu viel.
Insgesamt ist der warm abgestimmte InEar aber – wenn die Abstimmung für einen persönlich passt – seinen Preis von knapp 100€ wert.
Die Verarbeitung ist tadellos, der Tragekomfort ist extrem gut und der Lieferumfang passt.
Wer also einen bassaffinen und warm abgestimmten Mobilhörer mit tollen Mitten und angenehmen Höhen sucht, sollte sich den Nuforce HEM Dynamic ruhig mal näher ansehen.


Der Nuforce HEM Dynamic  wurden mir für diesen Test leihweise von Optoma zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!

Nuforce HEM Dynamic | Bewertung

Nuforce HEM Dynamic | Bewertung
8.6

Sound

8.5 /10

Verarbeitung

8.5 /10

Komfort

9.0 /10

Preis/Leistung

8.5 /10