Es ist nicht leicht, in FiiOs InEar Portfolio den Überblick zu behalten. Die Frequenz der Neuveröffentlichen lässt nicht nach. Die erfolgreichste Serien dürfte die der hybriden Systeme sein. Und mit dem brandneuen FiiO FH9 kommt nun ein neues Flaggschiff. Nach den Modellen FH5 und FH5s kommt der nun recht überraschend. Was er kann, wie er klingt und ob er nun der neue König ist? Wir werden sehen!



[Werbung] Der FiiO FH9 wurde mir für diesen Test leihweise von NT-Global zur Verfügung gestellt. Vielen Dank!


Der FiiO FH9 Hybrid InEar

Grundsätzlich gibt es bei FiiO drei Linien bei den InEars:

  • FA: Systeme mit einem oder mehreren Balanced Armature Treibern
  • FD: Systeme mit einem dynamischen Treiber
  • FH: Hybrid-Systeme mit dynamischen und Balanced Armature Treibern

Beim FiiO FH9 handelt es sich also um einen Hybriden InEar mit einem dynamischen Treiber und mehreren BA Treibern – in diesem Falle ganzen sechs an der Zahl.

Neben der aufwändigen Treibertechnik sind natürlich auch die letzten FiiO Innovationen mit an Bord: Ein abnehmbares Kabel , wechselbare Gerätestecker und drei verschiedene Soundfilter für den InEar.

Dem Konstruktionsprinzip nach nehme ich die verschiedenen Serien von FiiO auch tonal anders wahr. Die FH Serie ist für mein Dafürhalten die mainstreamigste von allen – und das meine ich absolut positiv. Sie ist eher klassisch High-fidel ausgerichtet mit einer angenehmen und langzeittauglichem Wohlfühl-Abstimmung. Trotzdem kommen die technischen Eigenschaften wie Auflösung oder Separation nicht zu kurz.

Und auch der FH9 haut genau in dieses Kerbe – mehr dazu aber später. Soviel aber vorweg: Der neue TOTL Hybride von FiiO bietet für satte 699€ ein recht teures, aber gutes Gesamtpaket.

Highlights des FiiO FH9

Das Titangehäuse ist nicht komplett geschlossen. Im Gegensatz zu den oft genutzten Ventilationsöffnungen, ist beim FH9 die Faceplate luftdurchlässig. Die offenen Stellen werden durch ein filigranes Meshnetz geschützt. Das offene Prinzip ermöglicht es dem großen dynamischen Treiber sich völlig frei zu bewegen. Der Druckausgleich erfolgt auf natürlichem Wege und gleichzeitig werden störende Verzerrungen vermieden. Zusätzlich ermöglicht es ein langes und ermüdungsfreies Hören.

FiiOs „S.Turbo“ genannte Struktur der Soundtubes, vor allem für den Bass, sollen den Sound noch präziser und verzerrungsfreier vom Treiber zum Schallaustritt befördern.

Die drei beiliegenden Soundfilter ermöglichen es, den Klang seinen persönlichen Vorlieben anzupassen. So kann entweder ein dynamischer, bassstarker Klang (Bassfilter) oder eher ein hochauflösender und in den Höhen detaillierterKlang (Treblefilter) präferiert werden. Mit den Balanced-Filtern bekommt man das Beste aus den beiden Welten – einen klaren, transparenten und ausgeglichenen Klang.


Lieferumfang und Verpackung

Schauen wir zuerst einmal auf die Verpackung. Diese ist erfreulich kompakt im neueren FiiO Design gehalten mit Hochglanz-Produktfoto und aufgedruckten technischen Details sowie gescribbelten Skizzen.

Der Lieferumfang ist FiiO typisch exzellent: InEars, ein abnehmbares Kabel mit drei Wechsel-Gerätesteckern in 3.5mm, 2.5mm Balanced und 4.4mm Balanced. Drei Paar Soundfilter und jede Menge Tips. FiiO ist in dieser Disziplin absolut vorbildlich und liefert einen absolut beeindruckenden Lieferumfang.

Der Packungsinhalt im Einzelnen:

  • InEar FiiO FH9
  • FiiO HB5 Case
  • Abnehmbares Kabel, monokristallines Silber
  • Drei Paar Audiofilter: Balanced, Bass, Treble
  • Drei Stecker: 2.5, 3.5 und 4.4mm
  • Drei Paar Bass Eartips (S/M/L)
  • Drei Paar Balanced Eartips (S/M/L)
  • Drei Paar Vocals Eartips (S/M/L)
  • Zwei Paar Form Tips (M)
  • Zwei Paar Double Flange Tips (M)
  • SpinFit CP145 (S/M/L)
  • Kabelclip
  • Reinigungsbürste
  • MMCX Tool

Technische Daten

Wie immer führe ich an dieser Stelle die Technischen Daten auf so wie sie der Hersteller auf seiner Seite veröffentlicht.

Treiberprinzip1x Dynamisch, 6x Balanced Armature
TrageartÜber dem Ohr
Frequenzband10 Hz – 40 kHz
Empfindlichkeit108dB (1kHz@1mW)
Impedanz18Ω@1kHz
max. Input Power100mW
Kabellängeca. 120cm
Gewicht (InEar ohne Kabel)12.8 gr

Verarbeitung und Design

Der InEar
Beim Design des InEars geht FiiO wieder einen neuen Weg. Das Gehäuse ist aus Titan gefertigt und sieht mit dem matt-grauen Finish einfach erstklassig aus. Achtung: Muss man live sehen, Fotos werden dem nicht gerecht! Die Textur der metallischen Oberfläche fasst sich sehr angenehm an. Da es sich beim FH9 um einen Universal-InEar handelt, ist die Gehäuseform sehr rudimentär, eine anatomische Ausformung – wie sie z.B. der iBasso IT07 nutzt – gibt es hier nicht.

Das ist auch der einzige Nachteil, mehr dazu aber im Bereich Tragekomfort. Die Verarbeitungsqualität ist erstklassig. Die Oberfläche der Gehäuse sind makellos und alle Teile sind perfekt zusammengefügt.

Das Kabel
Die erste Überraschung ist Das Kabel. So ein hochwertiges und optisch wie haptisch erstklassiges Kabel ist eine Ansage an die Mitbewerber. Vor allem an die aus dem „Profibereich“. Deren dünne Strippen wirken im Vergleich zum FiiO Kabel geradezu lächerlich.

Das Kabel aus monokristallinem Silber besteht aus 8 Strängen zu je 28 Adern. Dadurch wird es relativ dick und schwer, aber gleichzeitig auch absolut edel und hochwertig. Für solch ein Kabel müsste man im Zubehör gut und gerne zwischen 150 und 300€ alleine ausgeben. Die Gehäuse der MMCX Stecker sind aus Edelstahl und sind drehbar, sitzen aber schön fest.

Das Highlight aber ist das Stecker-Wechselsystem. FiiO legt zwei symmetrische Stecker (2.5mm & 4.4mm) und einen 3.5mm unbalanced Stecker bei. Diese sind schnell ausgetauscht und machen das „System“ FH9 hochflexibel.

Das Case
Das hochwertige FiiO HB5 Case aus Kunstleder kennen wir schon seit einigen InEars. Für mich ein perfektes Case – sowohl qualitativ als auch optisch und funktionell. Die Farbgebung mit blau und gelb/ockerfarbenen Seiten und Akzenten gefällt mir sehr gut. Das Case hat genau die richtige Größe und wer möchte, der kann die InEars in dafür vorgesehene Fächer legen. Ein tolles, stylisches und sinnvolles Case.


Tragekomfort

FiiO experimentiert viel und gern mit verschiedenen Gehäuseformen. Dabei gelingt es ihnen bisher sehr selten, die für mich perfekte Form zu finden. Und so auch hier. Das Gehäuse sitzt gut, aber nicht perfekt bei mir. Der Grund ist schnell ausgemacht: Das Schallröhrchen ist viel zu kurz, das Gehäuse ist einem tieferen Einsetzen in den Ohrkanal im Wege, da es sehr früh auf der Concha aufliegt.

Mit den beiliegenden Spinfit bekomme ich durch einige Justage einen durchwachsenen Seal hin. Noch besser funktioniert das aber mit den etwas „griffigeren“ Final E Tips – diese liegen leider nicht bei.

Allerdings klappt das alles nur im Stehem oder Sitzen. Im Liegen ist der FH9 in meinen Ohren unbrauchbar. Egal mit welchen Tips – ich bekomme keinen Seal. Grund ist das zu kurze Schallröhrchen und zusätzlich das hohe Gewicht der Gehäuse, welches den Seal zusätzlich belastet, indem es den InEar aus dem Ohr ziehen will. Ergonomisch für mich ist der FH9 also eigentlich ein Super-Gau…


Klangqualität

Den Klangtest durfte der FiiO FH9 am FiiO K9 Pro und am iBasso DX300 Max vollziehen. Natürlich mit optimalem Seal, welcher wie oben geschrieben bei mir nicht mal so eben zu erreichen war. Ach ja: Getestet habe ich mit den Balanced Filtern, die anderen haben den Klang für mich eher verschlechtert. Bei den Tips passen bei mir keine der mitgelieferten. Mit den Final E Tips passt es aber einigermaßen.

Klanglich bewegt sich der FH9 eher auf Consumer- denn auf Referenzniveau. Der mächtige Bass ist allgegenwärtig – hält sich aber trotzdem einigermaßen artig aus den Mitten heraus. Wohlfühlsound – das trifft es glaube ich ziemlich gut. Klingt aber besser als es ist, denn der FH9 hat doch einige Schwächen – erst recht mit diesem Preisschild… Aber der Reihe nach…

Bass
Der Bass kann recht mächtig. Kein Wunder, hat FiiO doch einen 13mm durchmessenden Treiber eingebaut. Trotz dynamischem Treiber klingt der Bass aber insgesamt tonal sehr kühl – weit weg vom federnden Tiefbass eines iBasso IT07. So entsteht ein seltsamer Mix aus durchaus vorhandener Bassbetonung – selbst mit den Reference-Filtern – und trotzdem etwas farbloser Textur.

Der Bass ist auch nicht der schnellste, aber immer noch agil genug, um auch schnellen Metal wiedergeben zu können – wenngleich das bestimmt nicht die Paradedisziplin des FH9 ist.

Mitten
Die Mitten sind smooth und nicht besonders präsent, dabei aber recht natürlich und ein klein wenig zurück versetzt. Für Metal fehlt mir der „Biss“, das griffig texturierte Timbre, welches für verzerrte Gitarren so immens wichtig ist. Stimmen sind natürlich und klar. In den oberen Mitten gibt es einen recht anstrengenden Bereich (vielleicht 2-4kHz?), der mich etwas an den Malus der RHA CL2 erinnert.

Höhen
Die Höhen sind klar und hochauflösend, ohne dabei harsch oder spitz zu klingen. Hier hat FiiO einen sehr guten Kompromiss aus Brillianz und Smoothness hinbekommen.

Bühne
Trotz der halboffenen Gehäusekonstruktion habe ich nicht den Eindruck, daß Bühne oder Räumlichkeit über dem für InEars üblichen Maß spielen. Der FH9 bewegt sich aber im oberen Bereich, bietet also ein wirklich schön breites und luftiges Imaging.

Separation & Auflösung
Die Instrumentenseparation ist technisch sehr gut, hier spielen die BA-Treiber in ihrer Konfiguration sehr kohärent und auch sehr präzise. Es ist kein Problem, sich in der Musik zu verlieren und den einzelnen Spuren der Aufnahme akribisch zu folgen.

Isolation
Mit den richtig passenden Tips erreicht man einen guten Seal und damit auch eine gute Isolation vor Aussengeräuschen – trotz halboffenem Design.

Vergleich iBasso IT07

Der iBasso IT07 (Kopfbox Test) ist schon eine ganze Weile am Markt und schaut man auf die Konfiguration, so ist er der natürliche Gegner des FH9: Er verfügt genau wie dieser über eine Kombination aus einem dynamischem Basstreiber im hybriden Verbund mit 6 BA-Treibern. Mit ähnlichem Lieferumfang ausgetattet kostet er allerdings 200€ mehr.

Rein äußerlich unterscheiden sich beide Gehäuse maximal. Der FH7 ist mit seinem kurzen Nozzle und dem eher geometrischen Metallgehäuse von der Passform her MIR PERSÖNLICH dem IT07 mit anatomisch geformtem Acrylgehäuse und deutlich längerem Schallröhrchen deutlich unterlegen.

Ähnlich deutlich ist auch der klangliche Unterschied. Der IT07 ist in beiden Richtungen deutlich ausgeprägter. In den Höhen klarer, frischer und in den Bässen geht er tiefer hinab, hat mehr Volumen und vor allem einen deutlich punchigeren Attack im mir so wichtigen Bereich von Bassdrums/Schlaginstrumenten/Percussion.

Auch den Mitten besitzt der iBasso deutlich mehr Energie und Enthusiasmus. Damit bietet er das „aufregendere“ Klangerlebnis – ohne aber den Pfad der Neutralität allzuweit zu verlassen. Denn am Ende ist er trotz involvierender Abstimmung immer noch ausgeglichen

Für mich ist der IT07 also damit im Bereich der hybriden InEars unter 1.000€ weiter ungeschlagen. Der FH9 kommt da nicht heran – kostet aber auch 200€ weniger, hat das bessere Kabel und die Wechselstecker.


Fotos


Fazit

Der FiiO FH9 ist ein gelungener Hybrid-InEar, der eigentlich nicht viel falsch macht und ein Upgrade gegenüber dem FH7 darstellt. Verarbeitung, Lieferumfang und vor allem das extrem geile Kabel sind oberste Sahne. Auch klanglich gibt es nichts auszusetzen, er klingt in allen Bereichen sauber und technisch absolut zufriedenstellend. Und trotzdem kommt bei mir keine echte Euphorie auf – Schuld daran ist der recht hohe Preis für das Gebotene und die Alternative von iBasso – der IT07.

Wer aber unter 700€ bleiben will oder muss, für den ist der FH9 eine Überlegung wert. Allerdings ist hier die Konkurrenz groß – selbst bei FiiO. Der FD7 überzeugt mich gerade im Bassbereich deutlich mehr, ist aufgrund seiner Single-Driver Technik mit Treiber aus Berillium noch kohärenter und hat vor allem die für mich deutlich bessere Passform.

FiiO FH9 InEar | Bewertung

8.8

Sound

8.5/10

Verarbeitung

10.0/10

Tragekomfort

8.0/10

Preis/Leistung

8.5/10

Pros

  • Toller Lieferumfang
  • Sehr gute Verarbeitung & Materialwahl
  • Exzellentes Kabel

Cons

  • Gehäuseform nicht stimmig
  • Teuer für das Gebotene